In saecula saeculorum

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  • Die Stunden verflogen. Mike saß in der Wohnküche auf dem Sofa, genehmigte sich inzwischen seine zweites Redbull und war in Gedanken versunken. Es gab einiges was ihn derzeit beschäftigte.
    Allem voran natürlich seine Aussicht auf eine Chance den Karrieresprung in die USA zu schaffen. Vermutlich gab es nicht viele in seiner Berufssparte, die nicht zum Marktführer in die vereinigten Staaten wechseln wollen würden. Der Weg dorthin war jedoch lang und beschwerlich. Selbst wenn man eingeladen werden sollte, war das noch lange kein Freifahrtsschein, dass man es auch tatsächlich geschafft hatte.


    Die Ablehnungsquote war verdammt hoch. Er wusste das genauso gut wie sein Trainer, aber keiner sprach darüber. Ziel war es immerhin sich selbst zu motivieren, sich Mut zuzusprechen und wenn die Einladung tatsächlich bei ihm eindtrudeln sollte, dann hat er es geschafft. Es konnte gar nicht anders sein. Nicht nur die körperliche Fitness war wichtig. Die Amis legten zwar viel Wert auf körperliche Präsenz, das heißt möglichst groß und möglichst muskulös, aber das war eben nur die halbe Miete. Wenn man im Wrestling-Business nicht gut reden konnte, hatte man quasi keine Chance. Es war Teil des Geschäfts sich verkaufen zu können. Man musste im Ring Reden halten können um das Publikum anzufachen. Konnte man da nicht überzeugen, brachte einem auch der Adonis-Körper nichts. Zumindest in den meisten Fällen nicht.


    Als der letzte Gedanke gerade gedacht war, realisierte Mike, dass er die ganze Zeit auf die kleine Digitaluhr starrte, die im Backofen integriert war. Er zuckte förmlich zusammen und rappelte sich vom Sofa auf. "Kacke... schon so spät. Ich glaube er hatte gesagt, dass es um 19 Uhr Abendessen gab", überlegte er laut und fühlte sich plötzlich etwas gehetzt. Die leeren Energiedrinkdosen stellte er unverbindlich auf die Küchenzeile. Wegwerfen wollte er sie nicht, immerhin gabs für jede Dose 25 Cent Pfand! Gerade als der die Küche wieder verlassen wollte, sah er sich doch nochmal um. Irgendwie sah es unordentlich aus, wenn er die leeren Dosen dort stehen ließ. Er zögerte einen Moment, ging nochmal zurück und warf die Dosen dann doch in den Mülleimer unter der Spüle. Vermutlich war jemand mit einem solchen Anwesen auch nicht darauf angewiesen sich die 50 Cent Pfand abzuholen.


    Zufrieden mit der hinterlassenen Ordnung in der Wohnküche verließ er diese und fand sich wieder im langen Flur, welchen man betrat, wenn man durch die Tür zwischen den Treppenflügeln schritt. Er sah kurz einmal nach links und rechts den Gang entlang. In Richtung der Treppen hatte sich bereits eine kleine Traube anderer Gäste gebildet, in der anderen Richtung stand der Butler, welcher ihn auch schon begrüßt hatte als er hier angekommen war.
    Mike entschied sich zum Butler zu gehen und wurde mit ein paar freundlichen Worten weiter in den Speisesaal gelotst.
    Der Speisesaal selbst passte wie die Faust aufs Auge zu den restlichen Räumen des Hauses. Es war nicht renoviert worden und hatte noch den alten Charme des Orginalstils des Anwesens. Ein ausufernder Esstisch aus poliertem dunklem Holz bildete das Zentrum des prunkvollen Raumes. Es war für bereits für die Gäste gedeckt, doch bei näherem Hinsehen konnte Mike keine Namensschilder oder ähnliches erkennen. Vielleicht war es egal, wo man sich hinsetzte. Aus irgendeinem Grund wollte er sich jedoch nicht einfach so setzen und schon gar nicht als Erster, daher ging er hinüber auf die andere Seite des Saals. Hohe, schmale Fenster zeigten in den Wald hinaus und verschafften einen perfekten Eindruck von Ruhe und Freiheit. An den gegenüberliegenden Wänden hingen die typischen Gemälde und Bilder, die zahlreich im Anwesen zu finden waren.


    Mike würde sich noch ein wenig gedulden. Die anderen Gäste schienen ja bereits auf dem Weg zu sein.

  • Jamal hörte irgendwo Stimmen. Einen Moment zögerte er. Immerhin kannte er keinen der Leute, die hier wohl ebenso aufgeschlagen waren, und er wusste nicht recht, ob er die kennenlernen wollte. Andererseits würde man sich wohl so oder so treffen. Er steckte seine Hände in die Hosentaschen und schlenderte in die Richtung, aus der er etwas gehört hatte. Aber er blieb stehen, bevor er sich zu der kleinen Gruppe gesellte, sondern betrachtete sie einige Sekunden erst einmal. Aber es waren ihm zu viele irgendwie. Und er hatte keine Ahnung, was er ihnen sagen sollte - wer wusste schon,was er wieder zu hören bekam? Also murmelte er nur ein "N*Abend" bevor er sich in Richtung des Speisesaals verdrückte. Das hatte er mitbekommen, und Essen, das fand er immer.

  • Erschrocken fuhr Sina hoch. Sie war eingeschlafen. Die Wehmut hatte sie in einen unruhigen Traum versenkt, der sie eine ganze Weile in Anspruch nahm. Ursprünglich wollte sie einen Rundgang durch Haus und Garten machen, nach einem Blick auf die Uhr entschied sie, sich für das Abendessen bereit zu machen. Ein paar Minuten blieben ja noch um im Salon vielleicht den ein oder anderen kennen zu lernen. Sie hastete in das Badezimmer und wuschelte mit den Fingern ihre Frisur zurecht. Zum Glück war sie keine dieser wandelnden Makeup-Schmonzetten die sich fingerdick zukleisterten.
    Ein Schwall kaltes Wasser weckte die Lebensgeister und glättete die Schlaffalten. Nach dem Abtrocknen zwickte sie sich noch in die Wangen um der Blässe entgegenzuwirken. Solchermaßen präpariert eilte sie aus ihrem Zimmer und hüpfte die Treppe hinunter bevor sie sich der vornehmen Umgebung bewusst wurde. Langsam kam sie zum Ende der Treppe und gewahrte dort einen großen Mann der in ein Gespräch mit einer jungen Frau verwickelt war. Von hinten konnte Sina zuerst nur das Nacken Tattoo des jungen Mannes entdecken,während die Frau das volle Programm an Verzierungen aufwies: Nasenring, Piercings und Tattoos ohne Ende. Erst an der letzten Stufe erblickte sie den Hund und zuckte erschrocken zurück.
    Pavlov‘s Dog schoss es ihr beim Anblick des Pitbulls durch den Kopf. Nicht dass sie etwas gegen Hunde gehabt hätte, solange diese auf Abstand blieben. Das Problem war nur, dass die Hunde genau dieses nicht taten, als ob sie ihre Angst riechen könnten.
    Im ersten Moment wusste Sina auch nicht wie sie die jungen Leute einzuschätzen hatte, denn jünger als sie selbst waren offensichtlich beide, also Besucher oder vielleicht Kinder des Hausherrn? Verwirrt und zögerlich sprach sie die beiden an: „Speisesaal… ?

  • Es setzte sich nun alles in Bewegung, um zum Speisesaal zu gelangen. Vica wollte gerade ebenfalls losgehen, da kam noch eine Frau die Treppe herunter und fragte nach dem Speisesaal. Den Ausdruck in ihren Augen kannte Vica nur zu gut – vielleicht nicht direkt Angst vor Mori, aber ein gewisses Abwarten. Sie nahm es der Frau nicht übel, schließlich hatten viele Menschen Angst vor Hunden und genau deswegen hatte sie ihn ja an der Leine. Sie hielt diese nun gut sichtbar für die Frau fest in der Hand und lächelte sie beruhigend an. „Da lang, schätze ich“, sagte sie und nickte mit dem Kopf noch einmal in Richtung der Tür. „Wir wollten auch gerade alle zum Essen gehen“, fügte sie einladend hinzu und machte sich dann auf den Weg.
    An der Tür zum Speisesaal wartete ein Hausbediensteter und wies ihnen den Weg hinein. Zwar waren einige Gäste vor Vica in den Raum gegangen, jedoch hatte sich noch niemand gesetzt. Auch Vica blieb zunächst stehen, jedoch hauptsächlich, um die volle Pracht dieses Raumes in sich aufzunehmen. Wow!
    Während sie noch so staunte, betrat Lilia Bergstädt den Raum und lächelte in die Runde.
    „Herzlich willkommen! Mein Name ist Lilia Bergstädt, ich bin Herr Greifenbachs Sekretärin. Herr Greifenbach wird Ihnen in wenigen Minuten Gesellschaft leisten. Bitte setzen Sie sich doch, das Essen wird serviert, sobald Herr Greifenbach ein paar Worte an Sie gerichtet hat.“
    Damit verschwand Lilia wieder und ließ die Gäste allein zurück. Vica zögerte nicht lange, sondern setzte sich auf den ihr am nächsten stehenden Stuhl und blickte in die Runde.
    „Also… sollen wir uns einmal vorstellen?“


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    OOC: Sorry für die lange Pause, RL got in the way x)

    How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
    Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
    Are you running out of time?!




    Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3

  • Der junge Mann setzte sich irgendwo etwas weiter weg hin und beobachtete die anderen. Niemand wirkte so ganz angekommen, manche vielleicht neugierig. Der Raum selbst war der Hammer. Sein Blick ging von einer Ecke in die andere. Man, reich sein, das wär was. Nur diese Sekretärin - ugh. Irgendwie steif und etepetete und - ne, nicht sein Fall. Irgendwie misstraute er allen Leuten, die so auftraten. gepflegt und geleckt und allglatt. Als diese gegangen wir und klar gemacht hatte, dass der Gastgeber bald käme, wandte sich sofort eine der anderen an die Versammelten. Vorstellungsrunde - ja neeee. Er wollte essen und nicht labern...

  • Nachdem sich Sina einen Platz gesucht hatte nahm sie die Gediegenheit des Raumes in sich auf.
    Wer weiß welche Persönlichkeiten hier schon zu Tische saßen! Sie freute sich in so einem Ambiente speisen zu dürfen. Die Qualität des Abendessens würde um kein Jota hinter der Pracht des Raumes zurückstehen, dessen war sie sich sicher. So langsam fanden ihre abschweifenden Gedanken wieder in die Gegenwart zurück. Sie bemerkte die lange Phase betretenden Schweigens und ergriff das Wort:
    „Ja… hallo… ääh… ich heiße Sina und bin dreiundreißig Jahre alt,“ begann sie holprig ihre Vorstellung, „ich fang dann mal an… bin ja scheinbar eine der Älteren hier. Beruflich schlage ich mich mit sogenannten Sozialwaisen herum, die in einem Kinderheim untergebracht sind. Auch wenn man dabei oft Probleme mit nach Hause nimmt bereitet mir mein Beruf großen Spaß. Hierher bin ich von Herrn Greifenbach eingeladen worden.“ Sina hielt einen Moment inne. Auch wenn ihre Bulimie geheilt wurde scheute sie sich offen damit umzugehen. Der ursprüngliche Drang nach außen hin Perfektionalität vorzutäuschen wurde von ihr immer noch zu sehr verinnerlicht. „In meiner Jugend hat mir die Aion-Stiftung einmal sehr geholfen, und… ääh ich bin ihm zu großem Dank verpflichtet. Ich freue mich daher Hr. Greifenbach heute wieder zu sehen. Ääh… Ende,“
    sagte sie lachend. Erwartungsvoll blickte sie in die Runde.

  • Mike war der erste im Speisesaal gewesen und so beobachtete er nach und nach die Anderen, wie sie gemütlich eintrudelten. Manche von Ihnen sahen sich ungläubig um. Verständlich, wenn man bedenkt, dass so ein pompöses Anwesen und ein entsprechend prunkvoller Saal nicht zu den Dingen gehört, die man jeden Tag bestaunen kann. Andere widerum setzten sich an die Tafel und machten es sich bequem.


    Nachdem der Vorschlag einer Vorstellungsrunde gemacht wurde, stellte sich fast schon unangenehmes Schweigen im Raum ein. Gerade als er die Stille durchbrechen wollte, stellte sich eine nicht unattraktive Frau als Sina vor. Er lauschte ihren Worten und band sich in der Zwischenzeit seine langen Haare zu einem mehr oder minder ordentlichen Pferdeschwanz zusammen.


    "Also ich heiße Michael, aber eigentlich nennen mich alle nur Mad Mike", stellte sich der Muskelprotz lächelnd vor, als Sina zu Ende gesprochen hatte. "Wer sich wundert woher dieser Name kommt, ich bin Wrestler und verdiene damit mein Geld. Wie Sina auch, wurde ich von Herrn Greifenbach eingeladen und ich hab nicht die geringste Ahnung warum", hob der die tellergroßen Hände und lehnte sich zurück.

  • Uggggh! Hikarus Miene verfinsterte sich, als vorgeschlagen wurde, sie sollten eine Vorstellungsrunde abhalten. Weder hatte sie ein großartiges Interesse daran, die anderen Leute kennenzulernen, noch war ihr besonders daran gelegen, Fremden eine Kurzbiographie über ihr eigenes Leben zu überreichen. ‚Hallo ich bin Hikaru, meine größte Leistung war es, bei einem Wettbewerb von einem Blitz auf offener Bühne erschlagen zu werden. Und nein, gewonnen habe ich mit dieser einmaligen Aufführung nicht‘. Klang doch super. Wirklich super.
    Anstatt diesen makaberen Steckbrief in die Runde zu posaunen, ließ sich Hikaru still und leise an einem Sitzplatz nieder, welcher derzeit keine bereits besetzten Nachbarn hatte. Die Gefahren des Small-Talks lauerten schließlich überall.

  • Elias musste bei Michaels Vorstellung ein wenig grinsen. "Mad Mike - war das deine Idee oder die deines Managers?", fragte er mit einem Augenzwinkern. Er fand diese Sportart schon immer ein wenig lächerlich aber hatte hier und da auch mal reingeschaut - Unterhaltungswert hatte es auf jedenfall, auch wenn er und seine Freunde sich meist über so was lustig gemacht hatten.
    "Also ich hab leider keinen so freshen Spitznamen. Ich heißte schlicht und einfach Elias." Nach einem Blick in die Runde fügte er noch hinzu: "Ich denke es ist klar, dass die meisten von uns mal mit der Aion-Sitftung zu tun hatten. Es muss ja was großes sein, wenn sie uns dafür extra hier her einladen."

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  • Der Wrestler ließ seinen Blick durch die Reihen gleiten als er angesprochen wurde. Er schmunzelte auf die Frage des jungen Mannes mit den dunkelblonden Haaren. "Tatsächlich war es die Idee des Managements. Ich selbst habe keinen eigenen Manager im klassichen Sinne. Ich bin aber auch kein Profiwrestler sondern nur in der Amateur-Liga unterwegs", begann er zu erzählen. "Im Wrestling ist es ja so, dass man sich von den ganzen anderen Athleten irgendwie abgrenzen und besonders aus der Menge hervorstechen will. Wenn du keinen Wrestler kennst, dir aber doch mal eine Veranstaltung ansehen solltest, möchte man, dass du hinterher sagst >dieser eine verrückte, Mad Mike, ist mir in Erinnerung geblieben<.", lächelte er. "Die Namensfindung ist immer so ein Ding. In dem Business geht es viel um Show und Schauspielerei. Dementsprechend hat jeder Wrestler ein sogenanntes Gimmick, also eine Rolle die er spielt oder verkörpert. Nachdem ich recht gewagte Aktionen im Ring zeige, lag der Name Mad Mike nahe", schloss er seine Erklärung und strich sich kurz über zum Pferdeschwanz gebundenen Haare.

  • Jamal verschränkte die Arme, sah gen Decke und rutschte etwas nach unten auf dem Stuhl. Das waren alles irgendwie nicht ganz die Leute, die so seine Kragenweite waren. Mochte sein, dass er sich täuschte, aber ganz wohl fühlte er sich nicht. Doch schließlich sah er zu dem Wrestlertypen.
    "Jo, ist Schauspielerei und 'ne Menge Sport. Ich schau's manchmal."

  • Emilia war den anderen Gästen schweigend in den Speisesaal gefolgt und hatte dort direkt die ersten drei freien nebeneinander liegenen Plätze angesteuert. Sie setzte sich genau in die Mitte, froh links und rechts neben sich etwas Freiraum zu haben.

    Es waren nämlich ziemlich viele Leute hier aufgetaucht. Definitv zu viele für ihr Wohlbefinden. Definitv.

    Dann initiierte jemand auch noch eine Vorstellungsrunde. Ugh.

    Reih um stellten sich die anderen Gäste vor; als Liebhaberin von Geschichten jeder Art fand Emilia sowas mega interessant. So lange sie selbst nicht an der Reihe war. Sie fand nicht, dass es irgendwen etwas anging was genau die Stiftung für sie getan hatte und warum.

    Ein kurzes Geplänkel über Wrestling folgte der Vorstellung einiger Leute, und dann Stille. Small Talk war wirklich eine rare Gabe.

    Die Stille zog sich hin, aber die Stille war Emilias Freundin. Wenn sie die stille durchbrach, konnte sie wenigstens gewiss sein, dass man ihr aufmerksam zuhörte.

    Sie räusperte sich leise. "Ich bin Emilia" sagte sie, bedacht darauf klar und laut zu sprechen. Sie lächelte etwas verkrampft. "22 Jahre, arbeite in einer Bibliothek in Berlin."

    Das reichte. Sie war eh nicht hier um Freunde zu machen.

  • Na gut, die Idee einer Vorstellungsrunde war nicht ganz so gut angekommen, aber das hätte Vica sich schon fast denken können. Es war ja auch eine wirklich bizarre Situation, in der sie sich nun befanden. Immerhin waren die hier Anwesenden, laut dem Schreiben, welches sie alle erhalten hatten, irgendwann in ihrem Leben in einer so lebensbedrohlichen Situation gewesen, dass ihre Angehörigen sich an die Aion-Stiftung gewendet hatten.

    Interessiert hörte Vica denen zu, die auf ihren Vorschlag eingegangen waren und sich vorgestellt hatten. Den anderen nahm sie ihr Schweigen nicht übel. Entweder würden sie später noch gesprächiger werden, oder sie waren an solchen Dingen einfach nicht interessiert.

    „Also ich bin Vica“, stellte sie sich schließlich noch einmal vor. „Und das hier ist Mori.“ Dieser hatte sich mittlerweile unter ihren Stuhl gelegt. „Ihr müsst keine Angst vor ihm haben, er ist ein ganz lieber, aber hier im Haus werde ich ihn an der Leine behalten, damit sich alle wohlfühlen.“ Sie sah Sina dabei nicht direkt an, damit sie sich nicht bloßgestellt fühlte.

    „Ich arbeite in einem Tattoo-Studio in Dortmund.“

    Sie wollte noch mehr sagen, doch in diesem Moment ging die Tür erneut auf und ein Mann trat ein. Vica erschrak innerlich, denn im ersten Moment hätte sie Kaspar Greifenbach fast nicht erkannt. Als sie ihn das erste Mal als Jugendliche getroffen hatte, hatte sie ihn in etwa auf Anfang 30 eingeschätzt. Natürlich waren die 12 Jahre, die seither vergangen waren, nicht spurlos an ihm vorbeigezogen, doch der Mann, der das Speisezimmer nun betrat, wirkte näher an der 60 als an der 40. Zwar war er immer noch hochgewachsen und hielt sich gerade, doch sein Gesicht war bereits von tiefen Falten gezeichnet und sein dunkles, gut kinnlanges Haar war von grauen Strähnen durchzogen. Hatten die letzten Jahre ihn derart mitgenommen? War er vielleicht selbst erkrankt und hatte deswegen dieses Treffen arrangiert?

    Greifenbach blickte warmherzig in die Runde und blieb hinter einem Stuhl am Kopfende des Tisches stehen.

    „Meine lieben Gäste“, begann er und Vica stellte erleichtert fest, dass sich zumindest seine kraftvolle, warme Stimme nicht geändert hatte. „Es freut mich so sehr, Sie alle hier zu sehen. Bitte entschuldigen Sie die Verspätung, ich musste mich noch um geschäftliche Dinge kümmern, doch es war mir ein großes Anliegen, Sie alle zu begrüßen und ein paar Worte an Sie zu richten, bevor das Essen serviert wird.“ Sein Blick wanderte über alle Anwesenden, wohlwollend und warmherzig, wie ein Vater, der auf seine Kinder blickte.

    Oder…?

    Vica konnte es nicht in Worte fassen, doch da lag etwas in seinen Augen, fast schon etwas verzweifeltes. Nein, mit Sicherheit bildete sie es sich ein. Greifenbachs Blick blieb nun auf Sina hängen, nur für einen kurzen Moment. Es wirkte, als würde er kurz ins Straucheln kommen, doch dann sprach er weiter, als wäre nichts gewesen und lächelte erneut in die Runde:

    „Sie alle wissen natürlich, wie sehr mir die Aion-Stiftung und all jene, die ihre Dienste in Anspruch genommen haben, am Herzen liegt. Es schmerzt mich daran zu denken, dass die meisten Begünstigten der Stiftung nicht mehr unter uns weilen. Daher möchte ich Sie kurz bitten, mit mir gemeinsam eine Schweigeminute für all diese armen Seelen zu halten.“ Er senkte das Haupt und blickte auf seine ineinander verschränkten Hände.

    Auch Vica sah nun in ihren Schoß hinab. Wieder einmal wurde ihr bewusst, was für ein großes Glück sie in ihrer Jugend gehabt hatte. Dieser Gedanke hätte sie vor wenigen Jahren noch in Panik versetzt, mittlerweile konnte sie dabei jedoch einfach Dankbarkeit verspüren.

    Nach einer Minute hob Greifenbach den Kopf und sprach weiter:

    „Ich danke Ihnen. Dies war einer der Gründe, wieso ich sie dieses Wochenende zu mir eingeladen habe. Um die Erfolge der Stiftung und damit auch Ihr Leben zu feiern und zu hören, wie es Ihnen ergangen ist. Aber vor allem möchte ich, dass sie dieses Wochenende genießen können. Sehen Sie es als einen wohlverdienten Kurzurlaub an.“ Er lächelte erneut in die Runde, klatschte dann einmal in die Hände und zog den Stuhl hervor, um sich zu setzen. „Nun wollen wir aber mit dem Essen beginnen. Sicherlich haben Sie alle Hunger.“

    Wie als hätten sie nur darauf gewartet, betraten nun mehrere Bedienstete das Speisezimmer und servierten das Essen auf mehreren Silbernen Platten. Über Fleisch und Fisch bis hin zu vegetarischen und veganen Speisen war alles dabei, wie Vica begeistert feststellte. Sie ließ sich ein veganes Curry servieren, lehnte jedoch dankend ab, als ihr Wein angeboten wurde. Ihr Magen knurrte, doch sie wartete, bis alle etwas hatten, bevor sie anfing zu essen.


    __

    OOC: Wuhu, es geht weiter x)

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  • Nachdem das Essen serviert wurde, dauerte es nicht lange bis Mike die Backen voll hatte. Der Amateur-Wrestler hatte sich für ein Steak mit Gemüse und Kartoffelwedges als Beilagen entschieden. Der reichgedeckte Tisch ließ wirklich keine Wünsche offen. Das Fleisch war auf den Punkt genau fertig und so zart, dass es quasi schon auf der Zunge zerfiel. Die Pfeffersoße rundete den Geschmack noch ab und zauberte ihm ein breites Lächeln ins Gesicht. Noch während dem Essen sah er immer wieder zu der Bibliothekarin aus Berlin rüber. Ihm wäre nicht bewusst gewesen, dass er sie schon einmal gesehen hätte, aber dennoch kam sie ihm irgendwie bekannt vor. Er musterte sie während dem Essen, achtete jedoch darauf, dass es nicht zu einem unhöflichen Starren wurde. Irgendwas hatte die junge Frau an sich, dass ihm keine Ruhe ließ. Die dunkle Haut, die markante Brille...


    Vielleicht war sie ja schon einmal bei einer seiner Wrestlingveranstaltungen im Publikum gewesen. Mike konnte sich die Gesichter in der Halle sowieso nicht merken, aber manchmal blieb eben doch was im Gedächtnis hängen. Er stockte kurz bei dem Gedanken und zuckte dann die Schultern. So muss es wohl gewesen sein.

    Der aktuelle Bissen seines Steaks wurde mit einem Schluck Wasser herunter gespühlt. Eigentlich hatte man ihm zum Steak einen Rotwein dessen Namen er nicht einmal aussprechen konnte empfohlen, aber Mike war ein Langweiler - wie seine Freunde ihn gern neckend aufzogen. Der >Straight Edge<-Gedanke beinhaltet unter anderem den Verzicht auf Tabak, Alkohol und Drogen. Das hielt den Wrestler nicht nur fit, sondern ließ sich auch super innerhalb des Wrestling-Business vermarkten.


    "Es ist schön sie wieder zu sehen, Herr Greifenbach", ergriff er dann das Wort. "Ich möchte mich an dieser Stelle für die Einladung bedanken. Ihr Anwesen ist sehr imposant, muss ich sagen. Ich habe noch kein Haus gesehen, dessen einzelne Zimmer größer als meine gesamte Wohnung sind", scherzte er. "Und bitte verzeihen Sie mir meinen nächsten Gedanken. Ich möchte wirklich nicht unhöflich oder undankbar erscheinen. Als ich ihre Einladung erhalten habe, bin ich dieser wirklich gern nachgekommen. Immerhin verdanke ich oder wir ihnen eine ganze Menge. Ich denke ich kann da für alle an diesem Tisch sprechen", meinte er und man konnte ihm seine Unbehaglichkeit anmerken. "Ich hatte mir nur gedacht, dass der Anlass etwas wichtiger sei als lediglich einen schönen Kurzurlaub hier zu verbringen. Ich meine, bitte verstehen sie mich nicht falsch, aber gerade die paar Tage über Pfingsten sind eine der Umsatzstärksten Wochenenden in meinem Beruf und ich hätte die Bezahlung gut gebrauchen können. Unabhängig davon wäre es sicherlich auch ein guter Push für meine noch nicht wirklich vorhandene Karriere gewesen", beklagte er sich, wobei er nicht vorwurfsvoll sondern mehr enttäuscht klang. "Selbstverständlich werde ich nun, da ich schon einmal hier bin bleiben und die Zeit genießen. Das Zimmer als auch das Essen lädt mehr als nur zum Bleiben ein"

  • Der junge Inder betrachtete Greifenbach. Er hatte wirklich kaum Erinnerungen - man konnte Unangenehmes schließlich gut zur Seite schieben - aber dem Mann schien es nicht so gut zu gehen. Nun, nicht sein Problem. Er würde das Wochenende einfach genießen, einmal eines ohne Geldsorgen und Probleme. Tatsächlich hatte er richtig Hunger, wie so oft. Nach einigem überlegen entschied er sich für ein Hühnerschnitzel mit Kartoffeln und Spargel. Unkonventionell, aber das traditionelle indische Essen das es auch gab konnte er nicht mehr sehen. Seine Mutter hatte ihn von klein auf damit gefüttert, und so gern er Scharfes aß, er hatte auch das deutsche Essen schätzen gelernt. Nur Rind brachte er nicht runter.


    Ihm war tatsächlich etwas unbehaglich zumute, auch wenn er sich das nicht anmerken lassen wollte. Die ganze Situation war total komisch. Man kannte sich nicht, war in einer ungewohnten Umgebung, und das Ganze hatte was von einem Klassentreffen, bloß dass sich niemand leiden konnte. Oder besser, man sich egal war. Zwar schienen da ein paar cool drauf zu sein, nur wusste Jamal nicht, wie er denn mit denen reden sollte. Es war allerdings erstaunlich, wie vielen Greifenbach offensichtlich geholfen hatte. Tja, es gab gute Menschen - und dann ihn selbst.