Die nordischen Höhen der Soren-Gebiete versteckten sich unter einen dichten Schneedecke. Die Natur schien gefroren, die Bewohner wie im Winterschlaf.
Aus den Schornsteinen der kleinen Hütten drang dichter Rauch. Keinen Hund würde man bei dieser Eiseskälte nach draußen jagen.
Ein Lächeln huschte über Sorovas Gesicht.
Sie genoß den scharfen Wind, der ihr ins Gesicht blies und die Röte in die Wangen trieb. Er zeigte ihr, wie lebendig sie war.
Die weiße der Ebene vor ihr blendete sie fast und sie zog den dünnen Mantel ein wenig dichter um sich.
Zum Glück war ihr Weg nicht allzu weit.
Mit einem zufriedenen Lächeln stapfte sie durch die bisher perfekte und unberührte Schneemasse.
Ein dunkles Objekt am Himmel näherte sich mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, verharrte wenige Momente und verschwand wieder.
Es würde nicht mehr lange dauern, bis der Rest der Flotte eintraf.
Fast taten ihr die Bewohner leid – sie kannten noch keine großen Flugtechniken, keinen Kampf, sie wußten nichts von intergalaktischen Verstrickungen, was ein Ehrenkodex oder gar der neutrale Ratsplanet war.
Dennoch waren sie reich – und das reichte aus.
Sorova drehte sich um. Das Dorf lag nun ein gutes Stück hinter ihr. Sie konzentrierte sich. Blaue Funken stieben auf, silberne Partikel lösten sich von ihrem Körper und umgaben sie wie eine Wolke, umtanzten sie und blideten einen dichten Nebel.
Es dauerte ein paar Minuten, dann lichtete sich dieser Vorhang und Sirnova spreitze ihre transparenten Flügelfäden.
Zeit zu gehen..
Eine Explosion hinter ihr erschütterte den Boden, der Himmel verdunkelte sich durch die angreifenden Schiffe.
Menschen schrien auf, verließen in Panik die Häuser und rannten auf die vereiste Straße.
Ein Riss in der Wirklichkeit tat sich auf und Sorova huschte hindurch.
Es war so einfach.. viel zu einfach..
Sie huschte den dunklen Gang entlang, bis sie an den Raum der Türen kam. Inzwischen dürfte Sorea bereits um einiges ärmer sein und die Transporter der Nachbarn sehr gut beladen.
Sie lugte um die Ecke, in der Erwartung, dort einen der Wächter zu sehen. Aber der Raum war leer.
Sie zog überrascht die Augenbrauen hoch. Ob ihr jemand zuvor gekommen war?
Vorsichtig wagte sie sich einen Schritt vor.
Ein leises Klicken hinter ihr ließ sie in ihren Bewegungen inne halten.
„Guten Abend, Sorova.“
Die Stimme war weiblich, sie klang sanft und freundlich. Sorova schloss die Augen resignierend.
„Grüß dich.“
Sie drehte sich um und sah in das fröhlich grinsende Gesicht einer kleinen zierlichen Frau mit wirren blonden Haaren, die ein Lasergewehr auf sie richtete.
„Das war aber nicht sehr nett.. einfach ein Volk in ihrer Zeit festzuhalten.. wofür? Für ein bisschen Gold? Oder ein wenig Anerkennungt?“
Die Frau legte den Kopf schief.
„Wie auch immer...“
Sie warf Sorova ein Halsband zu, aus schlichtem Metall gefertig.
„Du kennst die Prozedur.. anlegen, mir folgen. Und wenn du zu weit weg bist, ist dein kopf ebenfalls weg.“ Sie blieb weiterhin in einem freundlichen Plauderton.
Ihre Gefangene zögerte kurz, fügte sich dann aber.
„Wo ist der Wächter?“ Sie flüsterte, ihre Stimme zitterte leicht. Sie sah alle Freiheiten als Springerin schwinden – ganz abgesehen von den Konsequenzen, die nun folgen würden.
„Och..“ Die Jägerin lachte leise. „Der hat frei.. und jetzt los.. wir haben nicht ewig Zeit“.
Das kleine Schloß am Halsband schnappte ein und besiegelte damit das Schicksal der Gefangenen.
Sorova strich sich die blau glänzenden Fäden aus dem bleichen Gesicht.
„Sagt mir wenigstens, wer Ihr seid.“
Die kleine Frau lächelte kühl.
„Dylinrae Dlen del Vorsa“