In saecula saeculorum

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    • In saecula saeculorum

      1853, irgendwo im Schwarzwald
      Der Weg zu dem opulenten Anwesen war keineswegs ein einfacher, doch trotzdem nahmen ihn mehrere Kutschen und einsame Reiter in Kauf. Die Sonne war bereits lange untergegangen, als der letzte von ihnen eintraf und durch die aufwendig gearbeiteten Doppeltüren trat, wo sich die anderen bereits versammelt hatten. Allgemeines Gemurmel erfüllte die große Eingangshalle, welches schlagartig verstummte, als ein Mann und eine Frau an die die Halle überblickende Balustrade traten.
      „Meine Damen. Meine Herren“, sprach der Mann, nachdem er alle Anwesenden einen Moment gemustert hatte. „Es freut mich, euch alle hier zu sehen. Nun denn.“ Er klatschte in die Hände. „Lasst uns beginnen!“


      Februar 2018, Dortmund
      Die neue Flexi-Diät, ernst jetzt?, schoss es Vica durch den Kopf, als sie das Titelblatt des Magazins betrachtete. In diesem Moment ging die Tür neben ihr auf.
      „Frau Köhn, Sie können jetzt reinkommen.“
      Vica schnappte sich ihre Tasche und betrat das kleine, gemütlich eingerichtete Behandlungszimmer. Sonnenlicht flutete durch die hohen Fenster und auch wenn es draußen noch kalt war, konnte man darin bereits die Kraft des nahenden Frühlings erahnen. Wie gewohnt ließ sie sich auf dem kleinen Sofa nieder, die Füße leicht auseinander, die Unterarme auf den Oberschenkeln abgelegt, ihre Finger ineinander verschränkt. Zwar war die große Unsicherheit, die sie noch während der ersten Sitzungen verspürt hatte, langsam gewichen, doch vollkommen hatte Vica sie nicht ablegen können. Ihre Therapeutin setzte sich in den Sessel ihr gegenüber, Kugelschreiber und Klemmbrett wie immer bereit und ein freundliches Lächeln im Gesicht. „Wir haben uns jetzt ja schon eine Weile nicht gesehen. Wie geht es Ihnen?“
      „Kann mich nicht beklagen“, erwiderte Vica, ebenfalls lächelnd. „Auf der Arbeit ist gut was los – neues Jahr, neue Tattoos und so. Aber mehr Arbeit heißt auch mehr Geld, also beschwere ich mich nicht.“ Sie hob beide Hände, um den mahnenden Worten ihrer Therapeutin zuvor zu kommen.
      „Ich weiß, ich weiß, ich sollte es nicht übertreiben. Keine Sorge, ich habe immer noch feste Zeiten und lasse mir da auch nicht reinreden.“
      „Das ist auch wirklich sehr wichtig“, sagte ihre Therapeutin ermahnend. „Aber ich bin froh, dass sie diese Regelung zu Herzen nehmen.“ Eine kleine Pause entstand, während derer sie etwas auf ihrem Klemmbrett vermerkte, dann fragte sie: „Wie geht es ihrem Vater?“
      „Gut, danke. Er ist im Moment wieder in Rijeka. Im Sommer wollen wir zusammen Urlaub machen.“
      „Eine sehr gute Idee. Wird Linda auch dabei sein?“
      „Ah.“ Vica war natürlich auf das Thema vorbereitet gewesen, trotzdem fühlte es sich komisch an darüber zu sprechen. „Na ja, wir… äh… wir sind nicht mehr zusammen. Hat nicht funktioniert.“ Ihre Finger spielten mit dem Armband an ihrem Handgelenk. „Wir hatten keinen Streit oder so, aber es… es hat einfach nicht mehr gepasst. Ist besser so.“
      Ihre Therapeutin sah sie abwartend an. „Möchten Sie darüber reden?“
      Vica schüttelte den Kopf. „Nein, wirklich, ist schon okay. Das ist auch schon etwas her. Wir haben das geregelt.“
      „In Ordnung.“ Ihre Therapeutin machte sich noch eine kleine Notiz, ehe sie wieder über den Rand ihres Klemmbrettes zu Vica sah. „Okay, dann erzählen Sie mal wie es mit den Panikattacken läuft.“

      Am Abend ging sie wie immer ihre Runde mit Mori. Die Wärme des Tages war mit der Sonne verschwunden und Vica war froh um ihre Handschuhe, mit denen sie die Leine festhielt. Mori trug trotz seines weißen Fells ein leuchtendes Geschirr, mit dem er in der Dunkelheit gut gesehen werden konnte. Der Auslauf tat ihm sichtlich gut, hatte er heute doch viel Zeit in dem kleinen Büro des Tattoo-Studios verbracht. Vica versuchte so etwas soweit es ging zu vermeiden, doch heute war sie wegen der abschließenden Therapiesitzung besonders früh aus dem Haus gegangen und hatte keine Zeit für große Spaziergänge gehabt. Auch sie genoss den abendlichen Auslauf daher.
      Ihre Gedanken waren noch bei der Sitzung, sodass sie zu spät bemerkte, dass Mori sich hingehockt hatte. „Mori, nein!“ Doch da hatte der Hund sein Geschäft bereits verrichtet. Seufzend kramte Vica eine Tüte hervor. In zwei Minuten wären sie im Park gewesen. Während sie den Haufen aufnahm, öffnete sich ein Fenster des Wohnhauses, vor dem sie stand und eine alte Frau rief heraus: „Das räumen Sie aber weg!“
      „Wonach sieht das hier denn bitte aus?“, entgegnete Vica genervt und hielt die Tüte mit dem Haufen hoch, wobei sie den Impuls unterdrücken musste, ihn der Alten einfach ins Gesicht zu werfen. Statt zu antworten, warf die Frau ihr bloß einen giftigen Blick zu und schloss das Fenster.
      „Scheiß Nazi“, murrte Vica, knotete die Tüte zu und ging mit Mori weiter.
      Im Park durfte der Hund endlich laufen, und Vica konnte auch etwas Ballwerfen mit ihm spielen. Als sie spät am Abend endlich wieder an ihrem Wohnhaus ankamen, waren beide ausgepowert aber glücklich. Vica holte noch schnell die Post aus dem Briefkasten, was sie am Morgen in ihrer Eile nicht mehr geschafft hatten. Ein paar Treppenfluchten später waren sie in der Wohnung. Mori verzog sich in sein Bettchen, während Vica den Wasserkocher für einen Tee anstellte und die Post durchging. Rechnungen, Werbung und… Sie erstarrte. Auf dem elfenbeinfarbenen Briefumschlag prangte das Wappen der Aion-Stiftung, eine kleine Figur in einem Kreis, unter dem das Motto der Stiftung In saecula saeculorum geschrieben stand. Vica hatte dieses Wappen seit Jahren nicht mehr gesehen. Mit bebenden Fingern riss sie den Umschlag auf und zog zwei Papierbögen hervor. Der erste war ein Schreiben an sie:

      Liebe Frau Köhn,

      Ich hoffe, dieser Brief erreicht Sie wohlauf. Es ist mir ein persönliches Anliegen, Kontakt zu den Begünstigten meiner Stiftung zu halten, wie Sie sich sicher denken können. Fälle wie Ihrer sind so selten und so erfreulich!
      Allerdings schreibe Ich nicht nur, um mich nach Ihrem Wohlergehen zu erkunden. Darüber hinaus ist es mir eine Freude Ihnen mitteilen zu können, dass die Aion-Stiftung in diesem Mai ihren 30. Geburtstag feiern wird. Im Laufe der Jahre haben wir vielen Kindern und Jugendlichen dabei geholfen, einen Herzenswunsch zu erfüllen, und dabei sind einige Fälle, so wie Ihr eigener, glücklich ausgegangen. Zu unserem diesjährigen Jubiläum möchte ich daher Sie, zusammen mit den anderen Begünstigten der Stiftung, zu einer Feier auf meinem Landsitzt einladen.
      Es würde mir sehr viel bedeuten, wenn Sie Ihre Anwesenheit zusagen würden. Fälle wie Ihrer zeigen mir, wieso meine Arbeit so wichtig ist. Bitte geben Sie mir telefonisch oder per Mail eine kurze Rückmeldung.

      In der Hoffnung auf unser baldiges Wiedersehen,

      Kaspar Greifenbach


      Während ihre Augen die Zeilen überflogen, füllten sie sich mit Tränen. Eine vertraute Schwere legte sich auf ihre Brust, doch Vica atmete ein paar Mal tief ein und aus, bis das Gefühl langsam nachließ. Mori war aus seinem Bettchen aufgestanden und zu ihr gelaufen, um seinen Kopf in ihren Schoß zu legen. Sie kraulte ihn hinter den Ohren, während sie den Brief noch einmal las und sich dann das zweite Blatt Papier ansah, auf dem Kontaktdaten, eine Adresse im Schwarzwald und ein Zeitraum angegeben waren: 18.-21. Mai 2018 – Pfingsten. Für Vica gab es keinen Grund lange zu zögern, dafür schuldete sie der Stiftung zu viel.
      „Sieht so aus, als stünde uns eine kleine Reise bevor, Mori.“

      _________________

      Herzlich willkommen zu meinem neuen RPG!
      Wie ihr aus dem Text vielleicht schon entnommen habt, spielt es brandaktuell im Jahr 2018. Es soll sich auch gar nicht zu sehr in die Länge ziehen (mal schauen wie gut das funktioniert), weswegen es keinen SSS gibt. Stattdessen könnt ihr euren Charbogen einfach an euren ersten Post anhängen (Bitte schickt mir beides zuerst per PN).
      Eure Chars sind allesamt Begünstigte der Aion-Stiftung. Diese Stiftung funktionier so ähnlich wie Make-A-Wish – Angehörige kranker Kinder und Jugendliche können sich an die Stiftung wenden, um ihnen einen letzten Herzenswunsch zu ermöglichen. Eure Chars standen im Kindes- bzw. Jugendalter allesamt bereits auf der Schwelle des Todes und ließen sich von der Aion-Stiftung einen solchen Wunsch erfüllen. Allerdings erholten sich eure Chars danach wieder vollständig, sodass sie mittlerweile ein normales Leben führen können. Allesamt haben ein ähnliches Schreiben wie Vicas erhalten und fühlen sich, ebenso wie Vica, dazu verpflichtet, an dem Treffen teilzunehmen.

      Die wichtigsten Merkmale für eure Chars zusammengefasst:
      Sie sind zwischen 20 und 35 Jahre alt und leben irgendwo in Deutschland oder im deutschsprachigen Ausland.
      Irgendwann im Alter von 5-15 erkrankten sie so schwer, dass ihre Angehörigen um ihr Leben fürchten mussten.
      Daraufhin wurde die Aion-Stiftung verständigt, die euren Chars einen besonderen Herzenswunsch erfüllte. Dazu trafen eure Chars auf Kaspar Greifenbach, den Gründer der Stiftung.
      Nachdem der Wunsch eurer Chars erfüllt worden war, verbesserte sich ihr Zustand rapide, bis sie schließlich vollständig genesen waren und mittlerweile ein normales Leben führen können.

      Im Laufe des RPGs kann es vorkommen, dass ich euch PNs mit Anweisungen oder anderen Dingen schicke. Ich werde die Anmeldung eine Zeitlang offen lassen, mit meinem nächsten Post, der das RPG starten wird, wird sie jedoch geschlossen und weitere Anmeldungen sind dann aus storytechnischen Gründen nicht mehr möglich.

      Zu guter Letzt ist hier noch der Charbogen, den ihr ausfüllen sollt. Bitte schickt mir diesen zuerst per PN und postet ihn erst, nachdem ich mein Okay gegeben habe. In eurem ersten Post beschreibt ihr bitte, wie eure Chars das Schreiben der Stiftung erhalten.

      Name:
      Alter:
      Aussehen:
      Wohnort:
      Beruf:
      Persönlichkeit:
      Krankheit: [Beschreibt bitte einmal so kurz oder ausführlich ihr wollt, wann und an was eurer Char erkrankt ist.]
      Herzenswunsch: [Bitte teilt mir auch mit, was der Herzenswunsch eures Chars war. Diese Information müsst ihr nicht im öffentlichen Charbogen stehen lassen, wenn ihr das nicht wollt.]

      Vica
      Name: Pavica Köhn

      Alter: 26

      Aussehen: Sie ist ca. 176 cm groß und hat leicht gebräunte Haut. Ihre Haare sind dunkelbraun und reichen ihr in etwa bis zu den Ohrläppchen, häufig sind sie in die eine oder andere Richtung oder nach hinten zurück gekämmt. Sie hat viele Tattoos, die sichtbarsten an den Armen und am Oberkörper. Außerdem sind ihre Ohren mehrfach gepierct und sie trägt einen kleinen Nasenring. Sie trägt bevorzugt bequeme Kleidung (dunkle Jeans, T-Shirt, Hoodie und ähnliches). An ihrem Handgelenk trägt sie stets ein dünnes Armband aus verschiedenfarbigen Edelsteinen.

      Wohnort: Dortmund

      Beruf: Tattoo-Artist in einem kleinen Studio

      Persönlichkeit: Vica vollführt tagtäglich einen Spagat zwischen Unsicherheiten, die sie plagen und einer an Sturheit grenzenden Entschlossenheit, sobald sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat. Sie selbst würde sagen, dass sie mittlerweile genug Lebenserfahrung gesammelt hat, um sich nicht so schnell unterkriegen zu lassen. Sie ist keineswegs schüchtern, weiß jedoch auch die Stille zu schätzen. Ihrem Vater und ihren Freund*innen gegenüber ist sie absolut loyal und würde niemals ein schlechtes Wort über sie verlieren. Ihre Freizeit verbringt sie am Liebsten mit Zeichnen und mit ihrem 3-jährigen Pitbull Mori.

      Krankheit: Vica wurde im Alter von 12 Jahren mit einer autosomal-rezessiven polyzystischen Nierenerkrankung diagnostiziert: Ihre rechte Niere bildete auf Grund eines Gendefekts eine Vielzahl von Zysten aus, die die Funktion des Organs einschränkten. Nach einer erfolglosen Therapie wurde ihr die Niere entnommen, doch kein Jahr später zeigte sich die Erkrankung auch in der linken Niere. Eine Heilung konnte nun nur noch durch eine Transplantation erfolgen, doch da Vicas Eltern beide dafür nicht in Frage kamen, wurde sie auf eine Warteliste gesetzt und so lange per Dialyse behandelt. Ihr Zustand verschlechterte sich jedoch zunehmend, sodass ihre Ärzte und ihre Familie befürchten mussten, dass sie nicht überleben würde. Ihre Mutter kontaktierte daraufhin die Aion-Stiftung, um ihrer Tochter einen letzten Herzenswunsch zu erfüllen. Auf wundersame Weise stabilisierte sich Vicas Zustand nachdem ihr Wunsch erfüllt worden war, sodass sie lange genug durchhalten konnte, um schließlich eine Spenderniere zu erhalten und vollständig zu genesen. Die lange Krankheit blieb jedoch nicht ohne Spuren: Vica bekam Panikattacken und verfiel in eine Depression, was jedoch beides lange Zeit nicht diagnostiziert wurde. Erst in ihren frühen Zwanzigern gestand sie sich ein, dass sie Hilfe brauchte und begann eine Therapie, mit deren Hilfe sich ihr Zustand deutlich besserte.

      Herzenswunsch: Vicas Herzenswunsch war es, ihren Vater noch ein letztes Mal wiederzusehen. Dieser lebte zu diesem Zeitpunkt getrennt von ihrer Mutter in Kroatien und hatte keine Möglichkeit die Reise nach Deutschland zu finanzieren. Nachdem die Aion-Stiftung ihm die Reise nach Deutschland bezahlt hatte, blieb er an der Seite seiner Tochter, bis sie wieder vollständig genesen war.
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
      Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
      Are you running out of time?!



      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • vorab Info für die Mods: Post gelesen und abgesegnet von Faranzi
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      Februar 2018, München
      "Und Mike, schon was gehört von den Try-Outs?", wollte Big Daddy wissen, als er die Umkleidekabine betrat. Big Daddy hieß eigentlich Helmut Richter und war Leiter der Wrestlingschule in München. Als Wrestler brauchte man einen coolen Ringnamen. Wenn man der vollen Halle als Big Daddy angekündigt wurde, macht das doch mehr her als würde man als Helmut Richter angekündigt werden. Cooler Name, starke Musik für den Einmarsch oder <Entrance> wie man so schön sagt und die halbe Miete ist schon erledigt.

      Mike sah von seiner Sporttasche auf. Die vom Duschen noch nassen Haare klebten ihm förmlich auf der Haut, das Handtuch hatte er noch um die Hüften geschlungen. "Nein, noch nicht. Ich warte jeden Tag auf Post."
      "Wäre natürlich eine starke Nummer, Mike. Ich würde es dir wirklich gönnen. Ich meine du bist im Ring wirklich klasse. Du bist sicher in der Ausführung deiner Moves, du machst allein durch deine Körpergröße ordentlich was her und du kannst das Publikum begeistern. Außerdem lässt du deine Mitstreiter gut aussehen, dass wird immer hoch geschätzt. Es würde mich schon stark wundern, wenn du nicht wenigstens zum Probetraining ins Performance-Center eingeladen werden würdest", meinte Big Daddy, lehnte sich seitlich gegen den nächsten Spint und verschränkte die Arme vor der muskelbepackten Brust.

      "Ja sicher, aber Amerika ist doch nochmal eine andere Hausnummer. Die Auswahlkriterien sind hart und der Sprung zum Marktführer ist gewaltig", nickte Mike und kramte seine frischen Klamotten aus der Sporttasche.
      "Hast du denn den USB-Stick mit den Videos von deiner Leistung im Ring mitgeschickt?"
      "Ja natürlich", lachte Mike. "Was denkst du denn? Ohne das Videomaterial könnte mich doch keiner von denen einschätzen. Gerade darauf kommt es doch an!"
      "Gut, gut. Dann hilft wohl nur abwarten und Tee trinken, wie es so schön heißt", schmunzelte Helmut, klopfte Mike auf die Schulter. "Dann bis morgen Mike", verabschiedete er sich und ließ ihn allein in der Umkleide zurück.


      Auf dem Parkplatz der Wrestlingschule, entriegelte Mike per Knopfdruck den Kofferraum seines dunkelblauen Opel Corsa. Irgendwie sah es witzig aus, wenn ein hochgewachsener Muskelprotz am Steuer eines so kleinen Autos saß, aber es dürfte niemanden wundern, dass man als Amateur-Wreslter nicht die Millionen schäffelt. Die Sporttasche landete im Kofferraum, die Autotür knallte und schon schnurrte der Motor.
      Ein Blick auf das Autoradio verriet, es war schon 21 Uhr. Wieder ist es später geworden als eigentlich geplant, aber Mike hatte seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und wenn man davon leben wollte, musste man eben auch Opfer bringen. "Also schön, dann fahr ich halt morgen zum Einkaufen", seufzte er und drückte den <Play>-Button am Radio. Die harten Gitarrenriffs seiner Lieblingsmetalband zauberten ihm jedoch gleich wieder ein Lächeln ins Gesicht, ehe er den Kopf im Takt wippen ließ und den Rückwärtsgang einlegte.

      Eine Dreiviertelstunde später ließ er den Schlüssel zu seiner Wohnungstür ins Schloss gleiten. Es klickte als die Tür aufsprang und ihn passieren ließ. Noch ehe die Tür zugefallen war, hob er die Post vom Fußboden auf. Mike wohnte in einem Plattenbau mit zwanzig Parteien auf fünf Stockwerken. Der Briefträger freute sich, wenn er jeden Tag durch die Etagen laufen durfte und die Post durch die Briefschlitze in den Wohnungstüren werfen musste, weil es noch keinen Briefkasten vor der Haustür gab. Die Wohnungseigentümergesellschaft versicherte jedoch, dass sie zeitnah darum bemüht sind, endlich einen Briefkasten aufstellen zu lassen.... Ja klar!
      Mike warf seine Trainingstasche auf das Sofa und pflanzte sich daneben. Die kleine Stehlampe auf dem Holztisch nebendran wurde angeknipst und schon sah er sich erwartungsvoll seine Briefe durch. "Telekom - Rechnung, Versicherung - auch Rechnung, Handyanbieter - Rechnung...", seufzte er und warf die ersten drei Briefe auf den Couchtisch vor sich. Seine Aufmerksamkeit wurde jedoch geweckt als er den Absender des nächsten Briefes las. "Aion-Stiftung!?", stellte er fragend fest und setzte sich gleich aufrechter hin, bevor er den Brief aufriss und zu lesen begann.

      "Sehr geehrter Herr Berger..."

      Spoiler anzeigen
      Name: Michael Berger

      Alter: 28

      Aussehen: Mike - wie er von allen nur genannt wird - überragt mit seinen 1,91 Meter Körpergröße die meisten anderen Menschen. Sein Körperbau entspricht dem, was man von einem Bodybuilder erwartet. Seine Oberarme sind dicker als die Oberschenkel vom Otto-Normal-Bürger. Seine Brustmuskeln sind, ebenso wie seine Bauchmuskeln stark ausgeprägt und trainiert. Seine schwarzen Haare reichen ihm bis auf die Brust, jedoch hat er sie meistens zu einem losen Pferdeschwanz zusammen gebunden. Seine Arme sind vom Handgelenk bis zu den Schultern hinauf tätowiert, wobei hauptsächlich Totenköpfe in den verschiedensten Varianten zu sehen sind. Er trägt meistens eine ausgewaschene Bluejeans, ein Tanktop und eine schwarze Lederjacke darüber. Seine Füße stecken in lockeren Sneakern.

      Wohnort: München

      Beruf: Amateur-Wrestler

      Persönlichkeit: Andere würden Mike vermutlich als extrovertiert beschreiben. Er selbst sagt aber, er geht mit einem gesunden Selbstvertrauen durch die Welt. Mike ist offenherzig, kontaktfreudig und scheut sich nicht neue Menschen kennen zu lernen. Auch wenn er auf den ersten Blick -rein optisch- etwas einschüchternd wirkt, so ist er ein freundlicher und sympathischer Kerl. Durch sein schon in der Kindheit gewecktes Interesse am Wrestling, verbringt er viel Zeit im Fitnessstudio oder in der Wrestlingschule. Sein großer Traum ist es, den Sprung die Karriereleiter hinauf ins Profi-Wrestling zu schaffen.

      Krankheit: Im Alter von 8 Jahren wurde bei Mike Leukämie diagnostiziert. Bei der Leukämie handelt es sich um eine Art Krebserkrankung, bei der das Blut durch zu viele weiße Blutkörperchen verunreinigt wird. Man spricht daher auch gern vom weißen Blutkrebs. Bis zu seinem achten Lebensjahr war Mike ein lebensfrohes, aufgewecktes und gesundes Kind. Irgendwann verschlechterte sich sein Zustand jedoch rapide. Er wurde blass, antriebsarm und bekam häufig Fieber. Ständiges Nasenbluten und Knochenschmerzen begleiteten den kleinen Jungen, bis schließlich klar wurde, wo die Ursache des plötzlichen Krankheitsbildes stammt. Ständige Müdigkeit und Appetitverlust führten dazu, dass Mike immer magerer und noch schwächer wurde. Für die Genesung des Jungen wäre eine Knochenmark- oder Stammzellentransplantation unabdingbar gewesen, doch sämtliche Familienmitglieder kamen für eine Knochenmarkspende nicht in betracht. Da sich die Suche nach einem geeigneten Spender schwieriger und langfristiger erwies, als angenommen, schwanden auch die Hoffnungen der Ärzte auf eine Heilung. Sie teilten den Eltern mit, dass Michael nur noch wenige Wochen blieben würden.

      Nachdem die Aion-Stiftung dem schwerkranken Jungen seinen Herzenswunsch erfüllte, dauerte es nicht lange und ein passender Spender wurde gefunden. Die Therapie konnte beginnen, doch die Ärzteschaft war mehr als überrascht oder gar verwundert, wie der kleine Bub nach der Erfüllung seines Herzenswunsches noch so lange durchhalten konnte, bis ein passender Spender gefunden war.

      Herzenswunsch: Schon als kleiner Knirps war Mike ein Wrestling-Fan und so war es sein größter Wunsch einmal einen seiner Lieblingswrestler live zu sehen. Die Aion-Stiftung ermöglichte es Mike und seiner Familie in die USA zu reisen, damit er dort Backstage seine großen Vorbilder treffen konnte.

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    • Februar 2018, Ostsee nahe Pruchten

      Elias lief barfuß durch den Sand und zog sich die Kapuze seines Pullis näher ins Gesicht. Die Ostsee war unruhig, das Wetter stürmisch und so kamen ihm nur noch wenige Touristen entgegen, die eilig ihre Sachen zusammenpackten und zum Parkplatz flüchteten. Er sah ihnen hinterher und lächelte. Den Strand für sich allein zu haben war immer etwas großartiges, war er bei schönem Wetter doch fast immer übersäht mit Besuchern. Wollten die meisten bei strahlendem Sonnenschein zum Strand, so liebte Elias besonders die stürmischen und nasskalten Tage. Genau dann, hatte er immer das Gefühl wie ein Fels in der Brandung sich dem aufkommenden Sturm entgegenzustellen. Seine Art, sich lebendig zu fühlen und einfach dankbar zu sein, diese zweite Chance zu bekommen. Er steckte die Hand in die Tasche, zog seinen MP3-Player raus und suchte nach seinem Lieblingslied. Als das Klavier anfing zu spielen, erreichte er gerade das Wasser. Er schloss die Augen, ließ seine Gedanken wie so oft schweifen und hörte einfach nur auf die Klänge der Musik...........
      Der Sturm wurde passend zur Musik heftiger und erste Blitze zuckten weit draußen über der Ostsee. Er verlor jegliches Zeitgefühl, während er der Musik in Dauerschleife lauschte und zusah, wie sich das kleine Gewitter aufschaukelte, bis sich ganze Gitternetze aus Blitzen in den Wolken tummelten und den Abendhimmel erhellten.

      Etwas riss ihn aus seinem Trance-Zustand, bis er begriff, dass sein Handy in seiner Tasche vibierte. Er setzte seine Kopfhörer ab, sah aufs Display und nahm schließlich seufzend ab: "Ja, Mama was ist denn?"
      "Mein Gott, wo bist du?! Draußen geht die Welt unter und du treibst dich wieder irgendwo rum! Du solltest nach Hause kommen."
      "Hör mal ich bin doch keine 12 mehr", erwiederte Elias mit einem Lachen in der Stimme. "Die Zeiten, wo es Sinn macht, seinem Jungen so was zu sagen, sind schon lange vorbei."
      "Das mag ja sein, aber Sorgen mach ich mir trotzdem. Das Schicksal einer jeden liebenden Mutter."
      Elias musste lächeln und schüttelte gleichzeitig den Kopf. Sie wird sich nie ändern. "Was gibt´s denn?"
      "Du hast Post. Von der Aion-Stiftung. Ich wollte auf dich warten, bevor wir den Brief lesen."
      Verdutzt hielt Elias inne. Die Sitftung hatte ihm vor ein paar Jahren seinen Herzenswunsch erfüllt und ihm damit quasi das Leben gerettet. Was wohl in dem Schreiben steht?
      "Ja ok, ich komme. Und sag Papa, er soll den Kamin anheizen, ich bin komplett durch."
      "Oh welche Wunder bei diesem Wetter!" - Damit legte seine Mutter auf und er steckte sein Handy wieder in die Tasche. Nach einem letzten Blick Richtung stürmischer See machte er kehrt und machte sich auf den Heimweg.

      Spoiler anzeigen

      Name: Elias Kranich

      Alter: 20

      Aussehen: Elias ist 1.87m, hat blau-grüne Augen und kurzes dunkelblondes Haar. Er trägt fast immer eine Jeans und einen schwarzen Pulli, mit dem Zeichen seiner Lieblings-Musikergruppe auf dem Rücken.
      Dieses Zeichen hat er sich außerdem sichtbar auf seinen Nacken tätowieren lassen.
      Wohnort: Pruchten (Ein Ort an der Ostsee zwischen Rostock und Stralsund)

      Beruf: Ausbildung in einem Musikgeschäft

      Persönlichkeit: Elias ist ein sehr in sich geschlossener Typ, der selten aus sich rauskommt aber im Herzen ein überaus emotionaler Mensch ist. Er hasst Smalltalk, kann dafür aber stundenlang über ein "Was wäre wenn" - Thema philosophieren. Die innigste Beziehung hegt er zu seiner 3 Jahre älteren Schwester, doch allgemein hat er eine großartige Familie, die er über alles liebt. Arroganz und Überhelblichkeit sind ihm völlig fremd. Die meiste Zeit seiner Freizeit verbringt er mit einem Buch in der Hand und einem Kopfhörer auf den Ohren am Strand.

      Krankheit: Mit 15 wurde Elias Opfer eines schweren Autounfalls. Ein LKW durchbrach auf der Autobahn die Leitplanke und erwischte das Fahrzeug, in dem sowohl er, sein bester und älterer Freund Robert am Steuer sowie auch seine Freundin Elena saßen, mit der er quasi seit dem Kindergarten zusammen war. Die anderen beiden starben bei dem Unfall, nur Elias überlebte mit schwerwiegenden Verletzungen. Neben den vielen Knochenbrüchen und Frakturen erlitt er auch eine Querschnittslähmung vom oberen Halswirbel abwärts. Die Folgen dessen bekam er erst viele Monate später mit, da er bis dahin im Koma lag. Seine Lebenserwartung hatte sich seitdem aber eher verschlimmert, da seine Lunge immer öfter versagte, weshalb man Kontakt zur Aion-Stiftung aufnahm.
      Nach Erfüllung seines Herzenswunsches besserte sich sein Zustand völlig unerwartet und er konnte die Therapie beginnen, die er Stand heute beinahe abgeschlossen hat, so dass er fast vollständig wieder ein normales Leben führen kann.

      Herzenswunsch: Nachdem er aus dem Koma erwachte und realisierte, dass sein bester Freund und seine Freundin gestorben waren, blieb ihm nur die Musik und so wollte er ein einziges Mal in seinem Leben einem Konzert seines Lieblings-Orchesters beiwohnen, die fast immer nur in den USA auf Touren gingen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von SpartanG318 ()

    • Sie nahm die Post aus dem Briefkasten der an ihrem Zaun befestigt war, öffnete das kleine verzierte Metalltor der Zauns und betrat den Pfad der zu ihrer Haustür führte. Abwesend schloss sie das Tor.
      Heute war so ein schöner Tag, dachte sie.
      Sie fühlte sich so entspannt, als wäre sie den ganzen Tag zu Hause geblieben. Heute hatte sie nämlich Dienst zwischen den Regalen verrichtet; das bedeutete den ganzen Tag in der herrlich warmen Stille umher zu laufen und Bücher zu ihrem Plätzen zurück zu begleiten. Die Tage ohne Kundenkontakt waren die besten die sie hatte auf der Arbeit.
      Zufrieden betrat Emilia ihr Haus und schloss die Tür fest hinter sich zu.

      Emilia Wahl war keine Person die schon während sie auf dem Weg zur Haustür war oder sich gerade die Schuhe auszog ihre Post durchstöberte. Sie hatte es nicht eilig im Leben. Sie war da wo sie war und sie dachte nicht, dass sich das noch großartig ändern würde. Sie war glücklich damit wie es war. Vielleicht fehlte ihr etwas, aber wenn, dann wäre es etwas das mit Menschen zu tun hat und Menschen bedeuteten immer Stress. Und Emilia Wahl konnte wirklich gar nicht mit Stress umgehen.
      Nachdem sie sich also Jacke und Schuhe ausgezogen, sich einen Tee und es sich allgemein in ihrem rustikal eingerichteten Wohnzimmer gemütlich gemacht hatte, ging Emilia ihre Post sorgsam durch.
      Und dann war er auf einmal da, der elfenbeinfarbene Umschlag.
      In saecula saeculorum
      "Ah, fuck."
      Nachdem sie den Brief geöffnet und gelesen hatte, änderte sich ihre Reaktion nur geringfügig.
      "Fuck."
      Sie stand auf um ein bisschen Bewegung zu kriegen während sie den Brief ein zweites Mal genauer durchlas. Ihre linker Arm kribbelte mit tausend winzigen Fußtritten, ihre Faust öffnete und schloss sich.
      18. - 21. Mai
      Natürlich würde sie hingehen. Sie verdankte der Stiftung so viel.
      Und schulden tat sie ihr noch mehr, dachte sie beklemmt.
      Sie fühlte sich immer noch schuldig, hatte das Gefühl sie hätte die Stiftung ausgenutzt. Betrogen.
      "Nein."

      Sie schüttelte ihren immer weiter taub werdenden Arm.
      "Hör auf mit dem Scheiß, ich weiß das ist nur Stress", schimpfte sie ihn an. Ihr Arm ließ etwas nach.
      "Nein," wiederholte sie.
      Sie atmete langsam tief ein und dann aus.
      "Deine Krankheit war echt."
      Langsam einatmen, ausatmen.
      "Egal ob die Ursache biologisch oder psychologisch ist, das Leid war echt."
      Sie atmete nochmal tief durch.
      "Wir sind OK. Und wenn jemand uns verurteilt, sind wir trotzdem OK. Hauptsache wir sind OK."
      Sie schloss und öffnete ihre Faust nochmal. Das Kribbeln hatte aufgehört.
      Dann setzte sie sich wieder und trank weiter ihren Tee, während sie an all die anderen fremden Menschen dachte die dort auftauchen würden.

      Emilia
      Name: Emilia Wahl
      Alter: 22

      Aussehen: ca. 1,60 m; fülliger Körperbau; schwarz-braune Haut, die Farbe von Zartbitterschokolade; 2cm lange rasierte dicke schwarze Locken; Silbere Drahtumrandete große Brille; trägt vorzugsweise Kleider und Röcke mit Sneaker

      Wohnort: Pillgram (Brandenburg)

      Beruf: Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste

      Persönlichkeit: Emilias Persönlichkeit ist in großem Ausmaß von ihren Jahren der Krankheit geformt. Auch die negativen Reaktionen bezüglich ihrer Diagnose von Verwandten und neuen Bekannten beeinflussten sie. Schließlich zog Emilia in ein kleines Dorf in dem sie niemand kannte, von wo aus Sie aber trotzdem ihre neue Arbeitsstelle erreichen konnte. Sie meidet soziale Kontakte, hat keine engen Freunde, hält aber guten Kontakt zu ihren Eltern. Ihre Freizeit verbringt Emilia meistens mit einem Hörbücher in ihrem Garten oder der umliegenden Landschaft. Sie kämpft bis heute mit den psychischen Auswirkungen der Krankheit. Weil ihr ihre Diagnose im Angesicht des erfüllten Herzenswunsches so unangenehm war, hat sich Emilia bis heute nicht getraut, selbst ein Buch zu veröffentlichen. Etwas, dass sie leidenschaftlich gerne tun würde.

      Krankheit: Als Emilia 13 Jahre alt war, bekam sie Bauchschmerzen. Während die Ärzte alles von einer Magenverstimmung bis zur Infektion und noch schwerwiegenderen Krankheiten ausschlossen, wurden die Schmerzen schlimmer und schlimmer, und traten in immer kürzer werden Intervallen auf. Schließlich waren die Untersuchungsmethoden erschöpft und die Schmerzen konstant. Zudem waren über die Jahre noch andere Symptome hinzugekommen. U.a. litt Emilia an Gelenk- sowie an chronischen Rückenschmerzen, und Lähmungen ihrer linken Seite. Um zumindest den Magenschmerzen Linderung zu verschaffen, stellte Emilia das Essen bis auf das Nötigste ein, wodurch sich zu all ihren Symptomen auch Merkmale einer Unterernährung einstellten.
      Jahrelang war Emilia ans Bett gefesselt, die einzige Gesellschaft ihre Eltern und Hörbücher.
      Als es keine Hoffnung mehr gab und Emilia endgültig an Mangelernährung zu sterben drohte, trat die Stiftung vor und bot an ihr einen letztem Wunsch zu erfüllen.
      Die Erfüllung dieses Herzenswunsches hatte Emilias Fall in gewissen Kreisen eine gewisse Prominenz beschert. Sie selbst war weiterhin schwach, hielt danach jedoch entgegen aller Vermutung lange genug durch, bis eines Tages eine Neurologin bei ihren Eltern vorstellig wurde und eine alternative Diagnose vorschlug: sie diagnostizierte Emilia mit einer dissoziativen Störung. Emilias Mutter überzeugte sie davon sich aus mangelnder Alternative auf die Behandlung einzulassen. Da Emilia die Therapie mit offenen Armen empfing, erfolgte ihre Genesung rapide. Die Therapeutin fand heraus, dass ein Jahr vor Beginn der Magenprobleme Emilias große Schwester gestorben war. Die beiden Schwestern hatten sich sehr nahe gestanden. Hinzu kam, dass Emilia bei dem Unfall anwesend war; sie hatte ihre Schwester so zum lachen gebracht, dass diese sich unglücklich verschluckte. Die Schwester war erstickt ehe Hilfe kommen konnte. Um Emilia nicht weiter zu traumatisieren, taten ihre Eltern vor ihr als wäre alles in Ordnung, was keinen Platz für ihre Trauer ließ. Diese Trauer manifestierte sich in den späteren psychosomatischen Erkrankungen.

      Herzenswunsch: Emilias Herzenswunsch war es ihre Lieblingsautorin kennen zu lernen, die Emilia anschließend in einem Charakter verewige dessen Buch sie ihr widmete.

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    • Ein Eclaire, gefolgt von mehreren Sahnetörtchen und leckeren Honigbällchen… Sina machte eine Verschnaufpause… gefüllte Weinblätter, mit Speckmantel umhüllte Datteln und fette Cevapcicis bis endlich die kleinen roten Tomaten kamen. Die rote Tomate - der Marker für den Anfang einer Speisefolge die soeben erfolgreich den umgekehrten Weg der Nahrungsaufnahme genommen hatte. Erleichtert lockerte Sina die Umarmung von ihrer “Geliebten“ und wischte sich über den Mund. Ein kurzes Hochgefühl der Befriedigung machte sich breit bevor Sina am Waschbecken die letzten Spuren beseitigte. Nahezu geräuschlos war die Erleichterung von sich gegangen. Nur die „geliebte“ Kloschüssel war Zeuge der immer wiederkehrenden Prozedur gewesen. Der Druck auf die Spülung schwemmte jedoch jegliche Überreste in das weite Netz der Kanalisation.


      „Die sehen jetzt aus wie neu“, grinsend hielt ihr Zahnarzt Dr. Maier den Spiegel vor das Gesicht.
      Sina bewunderte die Reihe neuer, glänzender Zähne in ihrem Oberkiefer, im Gegensatz dazu sah die untere Reihe aus wie die abgenutzten Beißerchen einer über 50jährigen. Der immerwährende Angriff der Magensäure auf den Zahnschmelz hatte seine deutlich sichtbaren Spuren hinterlassen „In vier Wochen machen wir eine Termin und packen die untere Reihe an,“ hörte sie noch Dr.Maier sagen. Beschwingt verließ sie die Praxis und ging in den nahegelegenen Park wo sie sich auf eine Bank setzte. Das Leben der heute 33jährigen zog in einer Revue an ihr vorbei…


      Im Alter von zehn Jahren wurde Sina von ihrem Vater vergewaltigt, auch wenn dies unter Vorgabe eines angeblichen „Liebesbeweises“ geschah. Ihr Vater sah die Verwerflichkeit seines Handelns ein und somit blieb es bei diesem einen Kontakt. Natürlich sollte Sina nichts davon ihrer Mutter erzählen. Die Gutgläubigkeit des Kindes sah darin tatsächlich den proklamierten Liebesbeweis. Die Unterlassung weiterer sexueller Kontakte seitens des Vaters interpretierte Sina eher als Liebesentzug. Ob dieser Vorfall ausschlaggebend für ihre Krankheit war ist nicht eindeutig beweisbar, sicherlich hat er aber vorhandenen Tendenzen Vorschub geleistet. Sina wurde magersüchtig und litt an einer Wahrnehmungsstörung ihre Körperlichkeit betreffend. Die Anorexia Nervosa wich nach und nach einer Bulimie. Der Umgang mit den Unmengen von fett- und kohlehydratreicher Nahrung die binnen kürzester Zeit sowohl rein als auch wieder rausbefördert wurden, erforderte eine perfektionistische Vorgehensweise die Sina im Laufe der Zeit meisterhaft beherrschte. Als Expertin wusste sie nur zu gut über die Zusammensetzung der Nahrung Bescheid, schließlich musste sie bei ihren Heißhunger-Attacken auf nahezu 5.000 Kalorien kommen.
      Eines Tages wurde sie aber von ihrer Mutter überrascht nachdem sie vergessen hatte die Klotüre abzuschließen. Der erste von vielen Therapieversuchen begann. Doch auch hier verstand sie es das Krankenpersonal auszutricksen. Ihre Unterernährung schritt jedoch so weit voran, dass sie mit lebensbedrohenden Herz-Rhythmus-Störungen eingeliefert wurde. Nach mehreren Tagen auf der Intensivstation sprang sie nur knapp dem Tod von der Schippe… sie blieb jedoch am Infusionstropf hängen und die Ärzte räumten ihr nur wenig Chancen ein sollte sich nicht etwas entscheidend verändern. Die Veränderung kam mit der AION-Stiftung, die ihren Wunsch trotz ihres desolaten Zustandes erfüllte.
      Sina zeigt im Alltag hervorragende Leistungen und neigt zum Perfektionismus, innerlich jedoch vom Chaos zerissen. Der Teufelskreis aus Hunger, Essanfall, Erbrechen, Scham und Schuldgefühle schier undurchdringbar. Die äußere Fassade erscheint kontrolliert, normal, enthaltsam und freundlich und macht der heimlichen gierigen Perversität und Autoaggressivität Platz - eine Aufspaltung in zwei verschiedene Persönlichkeiten.
      Privat orientierte sie sich an älteren Herrschaften die quasi die Vaterrolle übernahmen. Diese wurden oft selbst in einen gefährlichen Zustand der psychischen Instabilität gezogen, von dem sie sich oft erst Jahre später emanzipieren konnten. Immerhin, die eigenen Eltern konnten dies nicht, sie standen auf Gedeih und Verderb im Verbund mit dem Wohl und Wehe ihrer Tochter.
      Die Therapie zeigte jedoch nach der Erfüllung ihres Herzenswunsches erste Erfolge und wenn der Weg auch noch recht lange wurde so gelang es Sina nach und nach ihr Leben in den Griff zu bekommen. Nun hat sie einen zwei Jahre älteren Freund mit dem sie zwei gemeinsame Kinder hat.


      „Hallo Sina,“ das Handy klingelte und ihre Mutter plauderte munter los,“du ahnst ja nicht wer uns geschrieben hat – der Kaspar Greifenbach hat eine Einladung geschickt. Da er deine Adresse scheinbar nicht mehr hatte ist der Brief bei uns gelandet. Stell dir vor eine Feier will er abhalten! Kannst du nicht Morgen zum Essen vorbeikommen? Dann kannst du die Einladung gleich mitnehmen“
      „Ja, Mama… ,“ Sina überlegte kurz,“ich komme...“ “… du lässt dich eh viel zu wenig blicken… und die Kleinen sehen wir auch viel zu selten...“ “Mama,“ antwortete Sina scharf,“ich bin schließlich berufstätig und selber Mutter… wir kommen ...mit den Kleinen.“
      Früher hätte sie allein die Erwähnung von Essen zusammenzucken lassen, heute konnte sie damit viel entspannter umgehen. Kaspar Greifenbach und AION, in ihr tauchte sofort das Bild von keckernden Delphinen auf...


      Sina


      Name: Sina Weber

      Alter: 33

      Aussehen: Sie ist ca. 174 cm groß. Ihre Haare sind dunkelbraun und reichen ihr in etwa bis zu den Schultern. Inzwischen läuft sie nicht mehr als Hungerhaken durch die Gegend sondern hat ein normales Gewicht, trotzdem ist sie wohl eher schlank zu bezeichnen. Ihrer haselnußbraunen Augen verleihen ihr ein attraktives Äußeres. Vornehmlich Jeans und legere Kleidung spiegeln auch ihren Berufsstand wieder. Hin und wieder auch als Öko-Tussi bezeichnet.

      Wohnort: Stuttgart

      Beruf: Sozialpädagogin im Kinderheim

      Persönlichkeit: Gleichermaßen intelligent und sensibel kennzeichnet ihre Persönlichkeit. Von allen wegen ihrer Freundlichkeit und hervorragenden Leistungsbereitschaft geschätzt. Kaum einer weiß um die Abgründe die sich hinter dieser Fassade aufgetan haben. Neben einem Hang zur Rock-Musik liebt sie ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen. Ihre Familie ist das neue Zentrum ihres Lebensinhaltes geworden und mit der Garant für die vollständige Genesung.

      Krankheit: Ihre Magersucht begann überdurchschnittlich früh mit elf Jahren. Manche Mädchen sind eben dünne Spargel oder Bohnenstangen, dachten die Eltern. Aber erst im Wandel zur Bulimie erreichten die exzessiven Belastungen des eh schon ausgemergelten Körpers lebensbedrohende Zustände.

      Herzenswunsch: Sinas Herzenswunsch wurde von ihrer Mutter in die Wege geleitet, diese schrieb die Aion-Stiftung an. In der Folge wurde sie nach Amerika geflogen und von einem führenden Delphintherapeuten betreut.Einmal mit Delphinen schwimmen wirkte sich unbewusst und nachhaltig auf Sina aus. Der Anstoß, eine Perspektive in der Spirale des Wahnsinns zu finden, wurde erfolgreich initiiert.

    • Berlin, Februar 2018

      Krachend flog die Tür zu.
      "Verpiss dich hier!" hörte Jamal noch das gedämpfte Brüllen und zuckte innerlich mit den Achseln. Bis der merkte, dass ein Teil des Geldes verschwunden war.... Die Hände tief in den Taschen vergraben joggte der junge Mann die Straße hinunter, die gestohlenen Scheine in der rechten Faust. Das hatte sich wenigstens gelohnt, die Beschimpfungen waren ihm egal.

      Nach einigen Minuten steckte er sich Kopfhörer in die Ohren und schaltete sein Smartphone an. Seufzend betrachtete er das rissige Display. Das würde nicht mehr lange halten, er hatte verpennt, sich einen Screenschutz zu besorgen. Summend trabte er die Ubahntreppen am Frankfurter Tor nach unten, kaufte sich sogar ein Ticket und wartete kurz auf die UBahn. Eigentlich hatte er keine Lust, heute zu seiner Familie zu fahren. Na gut, er hatte nie Lust. Aber immerhin gab es freies Mittagessen. Da würde er auch das Gerede ertragen können...

      "...ich sag es dir, sie wird nie einen Mann abbekommen!" Jamals Mutter gestikulierte wild mit dem Kochlöffel herum, ein Klecks des Currys klatschte gegen die Wand.
      "Mama, sie ist erst 16. Das wird schon." Der junge Mann rollte mit den Augen. Gab es nichts Wichtigeres als zu diskutieren, ob seine Cousine jetzt heiraten würde in den nächsten Jahren oder nicht? Die ältere füllige Frau begann wild im Topf zu rühren.
      "Also, zu meiner Zeit, da wäre das undenkbar gewesen. Sie soll sogar auf Partys gehen. Auf Partys! In kurzen Röcken!" Jamals Stirn klatschte gegen die Tischplatte.
      "Mama, lass es gut sein. Echt mal." Sie hielt inne. Kurz.
      "Und was ist jetzt mit dir? Hast du endlich eine Freundin? Irgendwann wird es auch für dich Zeit." Na super. Er stand auf. Das war zu viel.
      "Sorry, ich glaube, mir ist der Appetit vergangen. Bis nächste Woche." Verdutzt blickte ihm seine Mutter nach.
      "Und wer soll das jetzt alles essen?" rief sie ihm hinterher, aber ihr Sohn ignorierte sie.

      Eine halbe Stunde später kam er in Marzahn an und ging im Halbdunkeln zu den Hochhäusern der Siedlung, die schon alle bessere Tage gesehen hatten. Aber mehr konnte er sich nicht leisten. Immerhin war die Post nicht geklaut, und er begab sich in den 8. Stock in seine winzige 30 m² Wohnung. Aufgeräumt war es hier nicht gerade, sein Computer lief noch, er hatte CoD gezockt bevor er losgedüst war. In einer Ecke stapelten sich alte Elektronikteile, und auf seiner Couch lagen einige verdächtig neu und teuer aussende Konsolen in ihren Verpackungen, die er noch verticken wollte. Jetzt nahm er sich allerdings erst einmal die Post vor. Den Brief des Arbeitsagentur warf er gleich an die Seite, da hatte er heute keinen Bock mehr drauf. Werbung, und...Oh. Die Aion - Stiftung... Kurz schloss Jamal seine Augen.Schmerzen. Es hatte so weh getan.
      Jeder hatte gedacht, er würde es nicht schaffen, und vage erinnerte er sich noch an den Mann, der das Ganze geleitet hatte. Immerhin war er damals erst 6 gewesen. Und dieser hatte ihm etwas gegeben, das hatte er doch irgendwo in der Schublade im Tisch bei der Couch... Rasch las er den Brief. Was sollte er davon halten? Na, etwas Zeit war ja noch, sich das zu überlegen. Ein paar Tage freies Essen und Trinken wäre schon prima. Und Landsitz, da ließ sich sicher etwas mitnehmen...

      Spoiler anzeigen
      Name: Jamal Saarovhar

      Alter: 21

      Aussehen: Indisch - dunkle Haut, kurze schwarze Haare, braune Augen. Sehr schlank, 1,80 groß. Er trägt bequeme Sachen, die schon etwas abgerissen wirken, meistens Jeans, Shirt oder Pullover und je nach Jahreszeit eine dickere Jacke. Meistens läuft er in Turnschuhen umher. Auffällig sind bei ihm großflächige Vernarbungen am ganzen Körper.

      Wohnort: Berlin

      Beruf: arbeitslos,

      Persönlichkeit: Jamal wohnt eine ziemliche Aggressivität inne, die er gerne mit einem Joint oder anderem beruhigt. Er ist eher misstrauisch und moralisch reichlich flexibel, da er sich sein Geld nicht nur über Hartz IV, sondern auch durch Diebstähle holt, Einbrüche und Ähnliches. Darüber hinaus versucht er, eine Seite seines Selbst zu unterdrücken, Konservativst und religiös aufgewachsen, ist er nicht nur Atheist geworden, sondern leugnet vehement, dass er sich zu Männern und nicht zu Frauen hingezogen fühlt. Das lässt ihn ausflippen, wenn es nur jemand andeutet. Er selbst denkt, dass das krankhaft sei, weil ihm das so sein ganzes Leben eingetrichtert worden war durch seine Familie. Er ist auch deswegen sehr verschlossen. In Wirklichkeit ist er zutiefst verunsichert und hadert permanent mit sich. Das liegt auch daran, dass er schwer gezeichnet ist.

      Krankheit: Jamal ist als sechsjähriges Kind in ein Lagerfeuer gefallen und erlitt hochgradige Verbrennungen am ganzen Körper. In seinem Gesicht sieht man es an der rechten Seite, wenn auch nicht so schlimm wie an anderen Stellen des Körpers. Er lag im Koma, mjusste etliche Male operiert werden, kämpfte aber zusehends mit Infektionen, denen sein geschwächter Körper weniger und weniger etwas entgegenzusetzen hatte. Die Ärzte bereiteten die Eltern auf das Schlimmste vor, so dass sie sich schließlich an die Stiftung wandten. Kurz danach ging es langsam bergauf mit dem Jungen, es heilte endlich und Jamal wurde wieder gesund, zumindest körperlich.

      Herzenswunsch: Jamals größter Wunsch zu der Zeit war ein Treffen mit seinem Idol, dem Fußballer Miroslav Klose. Bis heute trägt er die Erinnerung im Herzen, denn die Fotos kann er sich kaum ansehen.


      Thx Tom Bombadil
    • Am Morgen des 18. Mai lud Vica ihre Reisetasche und ihren Rucksack ins Auto, machte Mori an seinem Geschirr auf der Rückbank fest und stieg ein, um loszufahren. Noch vor wenigen Jahren wäre der Gedanke einer mehrstündigen Autofahrt für sie unerträglich gewesen, doch mittlerweile genoss sie die Unabhängigkeit des Fahrens. Sie würde den halben Tag unterwegs sein – vor allem, weil sie unterwegs wegen Mori mehrere Male würde anhalten müssen – doch sie hatte sich genug Podcasts runtergeladen, um die Fahrt gut zu überstehen.

      Die Anreise war ab 15:30 Uhr möglich, so stand es in dem Schreiben. Für alle, die nicht die Möglichkeit hatten, mit dem Auto anzureisen, war ein Shuttleservice vom nächstgelegenen Bahnhof eingerichtet worden. Vica war noch nie im Schwarzwald gewesen, eine Freundin hatte ihr jedoch erzählt, dass Autofahren dort nicht immer spaßig war. Trotzdem bevorzugte sie die Anreise mit dem Auto, vor allem wegen Mori. Anfangs hatte sie noch Sorge gehabt, dass sie den Hund nicht würde mitbringen können, doch sie hatte mit Kaspar Greifenbachs Sekretärin telefoniert und sie hatte ihr versichert, dass sie Mori ohne Probleme mitnehmen könnte. Die Fahrt verlief einigermaßen gut, sodass Vica gegen 16:30 Uhr von der kleinen, kurvigen Straße abbog, der sie seit einigen Minuten gefolgt war und ein großes, schmiedeeisernes Tor passierte. Hinter diesem führte eine lange Auffahrt schließlich zu dem großen, imposanten Herrenhaus. Vica parkte den Wagen vor dem Haus und stieg aus. Während sie Moris Geschirr löste, kam ein Mann aus dem Haus geeilt. Offenbar arbeitete er für die Aion-Stiftung, denn er bot ihr sogleich an ihr Gepäck zu tragen. Vica reichte ihm dankend ihre Reisetasche, schulterte ihren Rucksack und nahm Moris Leine in die Hand und folgte dem Mann hinein.

      Sie trat durch die aufwendig gearbeiteten Doppeltüren des Hauses in eine große Eingangshalle und sah sich staunend um. An den Wänden hingen zahlreiche Bilder, Porträts von Männern und Frauen, die vermutlich zu Kaspar Greifenbachs Familie gehörten. Links und Rechts führte je eine Treppe hinauf in den ersten Stock. Geradedurch befand sich eine Tür, die im Moment jedoch verschlossen war. Der Mann, der ihre Tasche trug, ließ Vica nun wissen, dass sich die Schlafzimmer im Ersten Stock befänden. Das Abendessen würde um 19 Uhr im Speisesaal serviert werden. So lange könnte sie sich frei im Haus und seiner Umgebung bewegen. Er ging ihr nun voran nach oben, um ihr ihr Zimmer zu zeigen. Vica blickte kurz zu Mori hinab, bevor sie ihm folgte.

      _____
      OOC: So, damit startet ISS! Wir warten noch auf einen Char, aber anfangen können wir schon einmal. Weitere Anmeldungen sind ab jetzt leider nicht mehr möglich. Eure Chars kommen nun alle am Herrenhaus an und können sich etwas umschauen. Wenn ihr fragen zu den Räumlichkeiten des Hauses habt, dann schreibt mir ruhig. Viel Spaß!
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
      Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
      Are you running out of time?!



      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • 18. Mai 2018

      Gemischte Gefühle machten sich bei Mike breit. Big Daddy war nicht sonderlich begeistert als er ihm erzählt hatte, dass er über Pfingsten weg musste. Wie jedes Jahr waren an drei aufeinander folgenden Tagen sogenannte Houseshows geplant. Dabei handelt es sich um kleinere lokale Wrestling-Events in verschiedenen Städten. Hamburg, Bielefeld und Erfurt wären dran gewesen. Big Daddy hatte Mike sogar einen Titelkampf in Aussicht gestellt, aber der aufstrebende Nachwuchswrestler fühlte sich einfach verpflichtet der Einladung von Kaspar Greifenbach nachzukommen. Nachdem man im Wrestling-Business nicht einfach so Urlaub nehmen konnte, musste >Mad Mike< sein letztes Match verlieren und eine Verletzung vortäuschen, damit dem Publikum anhand einer Verletzungspause glaubhaft erklärt werden konnte, warum ihr Wrestler nicht auf den Shows im Pfingsten dabei sein konnte.

      Der Kofferraum vom kleinen Corsa öffnete sich und die Reisetasche landete darin, ehe Mike sich ans Steuer setzte. Das Autoradio griff via Bluetooth auf das Handy zu und schon brezelte das Lied >Blind and Frozen< der Gruppe >Beast in Black< aus den Boxen. Die Adresse war schnell ins Navi eingegeben und von München war es ja nicht all zu weit in den Schwarzwald.
      "Laut Navi bin ich in knappen vier Stunden da", stellte er laut denkend fest und grinste. "Ich schaffs in drei!"

      Exakt drei Stunden und dreizehn Minuten später hielt Mike vor dem riesigen Schmiedeeisernen Tor des Anwesens. Sein Mund klappte auf und er staunte nicht schlecht. Das Navi bestätigte mit einer freundlichen Frauenstimme "Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht".
      Das Tor öffnete sich automatisch als er langsam heranfuhr und so folgte er der Auffahrt bis zum Herrenhaus. Vor dem Anwesen stand bereits ein Auto und so stellte er sich einfach mal daneben. Der Motor war noch nicht abgestellt, als er auch schon von einem Mann in Empfang genommen wurde. "Willkommen Herr Berger, willkommen.", wurde er begrüßt als er aus dem Wagen stieg. Der Händedruck war kurz aber kräftig. Der Wrestler musste sich immer etwas zusammenreißen um seinem Gegenüber nicht unabsichtlich die Hand schmerzlich zu quetschen, aber inzwischen klappte das schon ganz gut. Der Mann bot noch seine Hilfe beim Gepäck an, aber Mike schulterte seine Tasche selbst und verriegelte das Auto. Er blieb kurz staunend vor dem Anwesen stehen und ließ einen Pfiff hören. "Schicke Bude"

      Nach einer kurzen Einweisung durch den Empfangsherrn stapfte er hinter ihm die Treppe hinauf in den ersten Stock. Sein Schlafzimmer für die nächsten Tage war vermutlich größer als seine gesamte Wohnung. Immer wieder ließ er seinen Blick schweifen und besah sich die prunkvollen Gemälde an den Wänden. Oben angekommen warf er seine Reisetasche auf das Bett und machte sich dann gleich auf um sich etwas umzusehen.
    • Sie hatte den Zug genommen.
      Emilia hatte eine bestimmte Art, wie sie Dinge mochte. Sie hatte eine bestimmte Art, wie sie ihren Alltag mochte, wie sie ihre Wochenenden mochte, und schließlich auch wie sie ihre Reisen mochte.
      Und deswegen hatte sie den Zug genommen - auch wenn der vermutlich mehr als doppelt so viel kostete und vermutlich doppelt so viel an Zeit brauchte. Denn nur im Zug konnte man eine ganze Familienkabine für sich buchen, um jener Angst zu entkommen, die jedes mal aufkam sobald daß Transportmittel in der nächsten Station ankam, und man um die freien Plätze um sich herum bangen musste. Oder um ausreichende Sauerstoffmengen im kleinen Abteil. Oder darum, dass man in einem riesigen, schweren Hochgeschwindigkeitsklumpen durch die Luft geschossen wurde. Und niemand sah, wie oft man auf's Klo ging.

      Es war nicht so, dass diese ganzen Situationen und Begegnungen Emilia stressten. Sie war sicher, dass ihr all die drückenden, schwitzenden, heißen Körper in ihrem kleinen Abteil nichts ausmachen würden. Sie würde nicht ersticken oder ohnmächtig werden oder derart. Das wovor sich Emilia fürchtete, war nicht, dass sie tatsächlich überfordert sein würde mit so einer Situation. Sie fürchtete sich davor sich zu fürchten; sie hatte Angst, dass sie vielleicht Angst bekommen könnte und sie dann komplett hilflos den Handlungen ihres Körpers ausgeliefert wäre.

      Deswegen hatte sie den Zug genommen. Und den Shuttleservice vom Bahnhof, der gnadeswerterweise unbesetzt gewesen war zu der Zeit.

      Der Mann, der sie empfangen und ihr das Zimmer gezeigt hatte, war eine ganz angenehme Person gewesen. Es hatte nicht versucht sie in unausweichlich krampfhaften Small Talk zu verwickeln, sie aber kurz über die wichtigsten Gegebenheiten des Grundstücks aufgeklärt.
      Nachdem er gegangen war, nahm sie sich einige Zeit, um die Stube zu einzuräumen, dass sie sich etwas heimisch darin fühlen konnte. Sie fühlte sich nie ganz wohl, wenn sie ihre Nacht wo anders als in ihrem eigenen zu Hause oder bei ihren Eltern verbrachte, aber ein Einzelzimmer, in dem sie sich ein bisschen heimisch einrichten konnte, half. Definitiv.
      Emilia öffnete und schloss ihre linke Faust. Öffnete und schloss.
      Bis zum Abendessen waren noch eineinhalb Stunden Zeit, deswegen wollte sie rausgehen und das Grundstück erkunden. Erstmal den Garten oder wie sie die Landschaft um das Haus herum auch immer nennen sollte - dort waren die Chancen direkt auf die anderen Bewohner zu stoßen um einiges Geringer.
      Faust offen, Hand gestrecht, Faust geschlossen.
      Geez, hatte sie jetzt schon keinen Bock auf andere Leute.
      Sie öffnete die Tür und schloss sie hinter sich wieder.
    • Sie hatte sich entschlossen mit der Bahn zu fahren. Diese Art des Reisens hatte außerhalb der Ballungszentren seinen eigenen Charme. Auch wenn eine moderne Regionalbahn über die Gleise huschte, so ruckelte es wie zu früheren Zeiten. Was nützte die beste Zugmaschine wenn die Gleiskörper marode waren? Öde und verlassen lagen die einsame Bahnstationen und der eigentliche Reiz ging von der Natur aus. Jede Biegung brachte neue Perspektiven und gab den Blick auf einen Fluss oder eine Burg frei. Die parallel verlaufende Straße wurde geflissentlich übersehen. Sina drehte gedankenverloren an ihrem Silberring, es war ein Begrüßungsgeschenk von Kaspar gewesen und eines der wenigen Stücke, das sie ständig trug.
      In dem Ring war ein grüner Jadestein eingefasst, den Sina auch nach Jahren noch immer wieder bewundern konnte. Sie liebte dieses Material in all seinen Farben, Formen und unterschiedlichen Facetten. Daheim schmückte eine ganze Jade-Armee aus Tierfiguren ihre Ablagen. Doch auch die Erinnerungen an Kaspar Greifenbach wurden immer wieder aufgefrischt. Eine Begegnung, die zu einer einschneidenden Veränderung in ihrem Leben geführt hat.

      Am Zielbahnhof angekommen blickte sie sich um, offenbar war kein anderer Fahrgast ausgestiegen und so begab sie sich auf den Bahnhofsvorplatz. Das Bahnhofsgebäude selbst war wohl schon vor langer Zeit geschlossen worden, Personalkosten einsparen. Das verwitterte Schild eines ehemaligen Kiosk „Bratwurst 2,50 DM“ wies auf vergangene Zeiten hin, zu denen hier noch Betrieb herrschte. Draußen stand eine Limousine dessen Fahrer soeben die Tür öffnete und auf sie zukam.
      „Frau Weber?“ sprach er sie an, worüber Sina keinesfalls überrascht war, mit den Shuttle-Dienst hatte sie schließlich laut dem Einladungsschreiben gerechnet. Der Fahrer nahm ihr Gepäck ab und öffnete galant die Seitentüre. Gemütlich ließ sie sich in die weichen Polster fallen. Das Auto mit dem Stern vorne drauf brummte tief auf bevor es sich majestätisch in Bewegung setzte. Zwar verfügte es über eine Mini-Bar und einen Bildschirm, aber Sina wollte lieber die Umgebung aufnehmen. Die Straße war eng und kurvenreich ein Mittelstreifen fehlte. Die Bäume trugen noch ihr sattes Maiengrün obwohl es schon ziemlich warm für die Jahreszeit war.

      Schließlich passierten sie ein großes, schmiedeeisernes Tor und fuhren an dem beeindruckenden Herrensitz vor. Die Türe wurde geöffnet und Sina blinzelte ungläubig in der Nachmittagssonne. Von außen betrachtet hatte das Gebäude riesige Ausmaße, die aber durch den Baustil in keinster Weise erdrückend wirkten. Im Gegenteil, der rötliche Backstein wurde von einem Walmdach umschmeichelt und die geradlinige Anordnung der Fenster erweckte den Eindruck eines schon schlossähnlichen Herrensitzes. Der Eingangsbereich verwies auf die barocke Entstehungszeit hin, die Sina aber überhaupt nicht einordnen konnte. Sie hatte nie in so einem Haus gelebt und kannte so ein Herrschaftshaus bestenfalls aus den Erzählungen der Großmutter. Trotzdem überkam sie ein eigenartiges Gefühl, das sich verstärkte als sie durch das Eingangsportal in die Eingangshalle trat und die beiden geschwungenen Treppen erblickte. Dieses merkwürdige Stimmung drängte sich förmlich auf, und Sina gab sich der unbestimmten Sehnsucht hin die das Gebäude aus längst vergangenen Tagen in ihr erzeugte. Eine undefinierbare Wehmut ergriff von ihr Besitz.
    • Nachdem er seine Reisetasche auf das großzügige Bett geworfen hatte, band er sich seine Haare noch zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammen und prüfte, ob der Siegelring dort war, wo er ihn zuletzt gelassen hatte. Das damalige Geschenk von Kaspar Greifenbach hatte er zwar immer dabei, trug es aber nicht. Zum einen war es unpraktisch als Wrestler Ringe zu tragen und zum anderen... wer trug in der heutigen Zeit schon noch Siegelringe? Der Ring wurde wieder verstaut und schon war er auch schon wieder aus seinem Zimmer verschwunden. Mike blickte nach links und rechts den Gang im ersten Stock entlang und entschied sich erstmal die Bilder etwas näher zu betrachten. Er verstand ja so gar nichts von Kunst, aber was er sehen konnte war, dass die meisten Bilder nicht einfach nur lieblos gerahmte Kopien waren, sondern dass es sich um aufwendige Gemälde handelte. Je näher man den Kunstwerken kam, umso genauer konnte man die einzelnen Farben und Rückstände auf den Leinwänden erkennen. Immer zwischen den Fenstern im ersten Stock hing eine der Landschaftsmalereien.
      Die Bilder hatten alle etwas Besonderes an sich. Vielleicht war es allein der Tatsache geschuldet, dass es sich um Gemälde und keine Drucke handelte. Auch wenn er nichts für Kunst übrig hatte, nahm er sich die Zeit um die Gemälde zu betrachten und so blieb er schließlich vor einem weiteren stehen. Auf den ersten Blick sah es aus wie ein Haus in einer schönen Winterlandschaft. Alles was grün sein müsste, war mit weiß bedeckt. In den Bäumen hing der Schnee, ebenso wie er auf dem Dach des Hauses zu finden war. Erst auf den zweiten Blick erkannte er, dass es sich um das Herrenhaus handelte indem er sich gerade befand. Zu gern hätte er das Gemälde von der Wand genommen und hinten drauf geguckt, ob er das Datum finden konnte, wann das Bild gemalt worden war - er widerstand dem Drang jedoch und zog weiter.

      Er ging die Treppe die er heraufgeführt wurde wieder nach unten und ließ den Blick schweifen. Schon wenn man das Haus betritt sticht einem die Tür zwischen den beiden Treppen die nach oben führen ins Auge und nachdem er die Erlaubnis hatte sich umzusehen, würde er einfach mal neugierig nachsehen. Ein Ruck an dem Knauf ließ die Tür aufspringen und gab den Weg in einen langen Flur preis, wobei links und rechts einige Türen abgingen und in weitere Räume führten. Der Wrestler versuchte gleich die erste Tür zu seiner Rechten, musste jedoch feststellen, dass diese abgeschlossen war. Wahllos ging er den Flur etwas weiter und probierte die nächste Tür, wobei sie ihn passieren ließ und er sich in einer Art Salon wieder fand. Der Salon sah aus, wie man es sich vorstellte. Gemütliche Ledersessel standen vor einem großen Kamin, gleich in der Nähe standen mehrere Sofas die auch gleich auf ihre Bequemlichkeit getestet wurden. Mike ließ die Finger über die Armlehnen gleiten und hoppste ein wenig mit dem Hintern auf den Polstern, ehe er sich wieder aufrappelte und für sich das Testergebnis >äußerst bequem< vergab.

      Einmal quer durch den Salon fand sich eine große hölzerne Flügeltür, welche er ebenfalls neugierig öffnete. Der typische Geruch von alten Büchern schwappte ihm entgegen als er die hauseigene Bibliothek betrat. Unzählige Regale reihten sich aneinander, sodass kein Blatt mehr dazwischen passte. Jedes von ihnen reichte von der Decke bis zum Boden und war bis oben hin mit Büchern bestückt. Beeindruckend war der Anblick allemal, aber Bücher waren nun wirklich nicht Mikes Welt und so ließ er seinen Blick einmal schweifen, ehe er auf dem Absatz kehrt machte und durch den Salon wieder zurück in den Flur trat. Etwas weiter den Flur entlang kam er in eine Art Aufenthaltsraum.

      Modern und zeitgemäß, das waren die Worte die ihm beim Anblick einfielen. Wie eine Wohnküche mit einem Kochbereich, einem Esstisch und einer Sofaecke. Der Boden schien entweder extrem gepflegt worden zu sein oder er war schlicht nigelnagelneu... so wie alles hier in diesem Raum. Seitlich führte noch eine Glastür in den Garten nach draußen. Das schöne Wetter lud geradezu ein hinaus zu gehen und den Garten zu erkunden, aber Mikes Aufmerksamkeit gehörte dem großen Kühlschrank im American Style. Mannshoch stand der doppeltürige Kühlschrank mit integrietem Eisspender neben den Kochfeldern. Als er an dem Griff zog und die Tür geräuschlos aufglitt, präsentierten sich die verschiedensten Getränke. Verschiedenste Säfte waren ebenso zu finden wie Spirituosen, Bier oder Energydrinks. Eigentlich hatte Mike einen strikten Ernährungsplan an der er sich auch gewissenhaft hielt, aber die nächsten paar Tage würde er es sich einfach gut gehen lassen und so nahm er sich eine Dose RedBull und machte es sich in der Sofaecke gemütlich.
    • Die Bahn zu nehmen war ihm zu teuer gewesen, und ein eigenes Auto hatte Jamal auch nicht. Viel blieb da nicht übrig. In der Nacht auf den 18. Mai schlenderte der junge Mann mit einem recht großen Rucksack durch die Straßen Marzahns. Hier standen ein paar alte Karren herum, die sowieso niemand vermissen würde. Naja, fast jedenfalls. Die Straßen waren nicht leer, die Junkies und Dealer, die er im Moment vor allem sah, würden aber kaum stören. Die wirklich gefährlichen Leute kannte man, wenn man sich hier öfter herumtrieb, und von denen war nichts zu sehen. In einer Seitengasse wurde er fündig. Eine alte Kiste zwar, aber der VW Polo sah so aus als ob er ihn bis zum Zuel tragen könnte. Wenn nicht, auf dem Weg würde es so oder so andere Gelegenheiten geben. Kurz machte er einen Rundumblick, dann knackte er rasch und geübt das Schloss. Moderne Autos waren sehr viel schwieriger zu öffnen, der hier war noch von der alten Schule. Bevor es allerdings losging, holte er einen kleinen Akkuschrauber mit Bohrer und einen Schraubenzieher aus seinem Rucksack, den er auf die Beifahrersitz geworfen hatte, und steckte diesen an die kleine Klappe des Schlüssellochs, Kurzes Bohren, und er konnte mit dem Schraubenzieher als Schlüsselersatz losfahren.

      Nach ein paar Kilometern stellte Jamal die Navigation des Handys an. Es war noch dunkel, und von hier würde die Fahrt mindestens 7 1/2 Stunden dauern. Als er aus der Stadt draußen war und die A 9 in Richtung Süden befuhr, entspannte er etwas. Hey, immerhin gab es es in Radio, das sogar noch intakt war, ein Wunder. Bevor es weiterging, fuhr er allerdings noch auf einen Parkplatz. Schon vor einigen Tagen hatte er Nummernschilder besorgt, und tauschte jetzt diese aus. Alsbald ging es weiter, mit Hard'N'Heavy Musik der Rockantenne. Es waren kaum Autos unterwegs zu Beginn, so dass Jamal gut Gas geben konnte mit der alten Kiste. Es rappelte gewaltig nur fand er das mehr lustig als bedrohlich. Schließlich musste er dann doch langsamer werden. Der Frühverkehr setzte ein. Sein Navi piepste.
      "Achtung, Verkehrsstörung."
      You don't say!


      Fährt man lange Strecken, ist man irgendwann fast in einer Art Trance. Automatisch blickt man in die Spiegel, bremst, gibt Gas und kuppelt. Wenn nicht viel los ist, rast die Landschaft neben einem dahin, das graue Band der Straße vor einem, und man ist mit sich und allen Gedanken alleine. Ab und zu trank er etwas Cola oder Red Bull, aß von dem BiFi Roll, ansonsten fuhr er, mit wenigen Pinkelpausen. Allerdings musste er zweimal tanken. Das war trotz allem billiger als die Bahn, er musste nur aufpassen, dass niemand sah, dass er statt eines Schlüssels einen Schraubenzieher zum Fahren verwendete. Ihn störte es nicht, dass er ein Auto gestohlen hatte, das war auch nicht das erste Mal. Nur erwischt werden wollte er nicht. Diese Fahr lief recht problemlos, und schließlich bog er ein - nicht zum Schloss, sondern zum nächstgelegenen Bahnhof, denn mit der Karre ließ er sich dort lieber nicht blicken. Jamal stellte den Wagen auf dem fast verwaisten Parkplatz ab, löste ein Ticket für eine Station und konnte schon eine Viertelstunde später wieder aussteigen. Der Shuttleservice war eine angenehme Sache- Als sie schließlich ankamen, staunte er ungeniert. Bisher hatte er nie einen Fuß in ein solches Gebäude setzen können. Es war alles einfach - riesig. Pompös. Ausladend. Teuer.

      "Not bad." murmelte er leise vor sich hin. Er wurde von einem netten Mann in ein Zimmer gebracht, das größer schien als seine ganze Wohnung in Berlin. Krass. Er warf den Rucksack aufs Bett, schnüffelte an der Achsel und verzog das Gesicht. Lange Autofahrten ließen offensichtlich auch schwitzen. Sie hatten auch hier eine eigene Dusche, und diese nutzte er ausgiebig. Hundemüde war Jamal nach der 800 Kilometer langen Anreise. Die Dusche half, die Lebensgeister etwas zu wecken, und die letzte Dose Red Bull ebenso. Rasch zog er sich wieder an, die dreckigen Sachen wusch er nach kurzem Überlegen in dem hübschen Marmorwaschbecken und hin es im Bad auf. Dann ging er aus dem Zimmer. Wow. Hier würde sich einiges mitzunehmen lohnen...


      Thx Tom Bombadil
    • Der Wagen fuhr die Auffahrt hinauf und Elias sah sich interessiert das alte Anwesen an. Es hätte gut und gern eine passende Filmkulisse abgegeben. Egal ob Doku oder Horrorfilm. Bei dem Gedanken musste Elias unweigerlich grinsen und der Fahrer, der ihm gerade die Tür öffnete, sah ihn fragend an. Er aber schüttelte nur den Kopf und ließ sich zum Eingang eskortieren.
      Es war bereits schon früher Abend, denn der Zug hatte massiv Verspätung gehabt. Elias war das aber sogar ganz genehm. Seine Mutter hatte darauf bestanden, dass er so früh wie möglich nach der Ankunftszeit ankommen sollte. Er hatte wenig Lust mit ihr das zu diskutieren, da es wieder in der Frage eskalieren würde, ob Elias bereits alt - und vor allem wieder gesund genug - war, um eigene Entscheidungen zu treffen. Er liebte seine Mutter aber manchmal war sie echt über-fürsorglich und sie steckte immer noch in der Phase, in der sie alle Entscheidungen für ihren kranken Sohn treffen musste, ohne dass dieser überhaupt dazu in der Lage gewesen wäre.
      Hätte er selbst gewählt, dann wäre er gern erst kurz vorm Abendessen angekommen. Da bis zum Abend nichts weiter geplant war, hätte er sich bis dahin die Zeit vertreiben müssen. So nahm ihm die Bahn die Entscheidung ab. Er ließ sich zu seinem Zimmer führen, packte nur das nötigste aus und ging dann wieder zum Eingangsbereich. In der Mitte des Treppenaufgangs blieb er am Geländer stehen und suchte nach jemandem, den er fragen konnte, wo denn der Speisesaal war. Er kratzte sich kurz am Kinn und holte dann seine alte Taschenuhr heraus, die ihm 18.45 Uhr anzeigte. Er klappte sie wieder zu, steckte sie aber nicht weg. Er hielt sie in der Hand und war mit den Gedanken mit einem mal sehr weit weg..
    • Das Zimmer war ebenso beeindruckend wie das Haus an sich. Zum einen war es groß, beinahe so groß wie Vicas ganze Wohnung. Die Möbel wirkten alt – antik – waren jedoch allesamt in gutem Zustand. Als sie sich probeweise auf das riesige Himmelbett setzte, stellte sie zufrieden fest, dass die Matratze ihren Bequemlichkeitsstandards mehr als genügte. Große Fenster wurden von schweren Gardinen verdeckt, die sie nun jedoch aufzog. Sie hatte eine kleine Sitzecke mit einem Sofa und zwei niedlichen Sesseln, einen alten Schreibtisch mit einer etwas neueren Tischlampe und sogar einen eigenen Kamin, von dem sie jedoch die Finger lassen würde. Außerdem führte eine weitere Tür in ein Badezimmer welches, zu Vica großer Erleichterung, recht modern wirkte.
      Eigentlich hätte sie sich nach der Fahrt gerne kurz etwas hingesetzt, oder vielleicht ein kleines Nickerchen gemacht, doch natürlich war da noch Mori. Der Hund hatte sich das Zimmer ebenso neugierig angesehen wie Vica, wurde jetzt jedoch merklich unruhig. Natürlich, die letzte Pause war schon etwas her. „Na komm, mein Großer“, sagte sie nun zu ihm, machte ihn wieder an der Leine fest und ging mit ihm zurück nach unten. Scheinbar waren sie die ersten Gäste, die angekommen waren. Vica fand den Weg zurück in die Eingangshalle, überlegte dann jedoch wohin sie gehen sollte. Durch die Türen hinaus zur Auffahrt? Dort gab es natürlich auch viel grün, aber hier musste es doch auch so etwas wie einen Garten geben, oder? In diesem Moment trat eine Frau aus der Tür zwischen den beiden Treppen. Sie schien um die 40, mit kinnlangen dunkelbraunen Haaren, in einen grauen Hosenanzug gekleidet. Mit einem Blick hatte sie die Lage erfasst.
      „Frau Köhn? Ich bin Lilia Bergstädt – wir haben telefoniert.“ Vica erkannte die Stimme sofort: Kaspar Greifenbachs Sekretärin. Sie schüttelte Lilias Hand. „Freut mich, dass Sie es geschafft haben“, sagte diese nun. „Und das muss Mori sein.“ Zwar waren ihre Worte freundlich, trotzdem hatte Vica das Gefühl, dass sie Hunde nicht besonders leiden mochte.
      „Ja, ähm…“, begann Vica nun. „Ich wollte fragen, ob es hier vielleicht so etwas wie einen Garten gibt? Ich würde ihn gerne etwas laufen lassen.“
      „Natürlich! Folgen Sie mir.“ Lilia ging ihr voraus durch die Tür zwischen den Treppen und führte sie einen kurzen Gang entlang, von denen mehrere Türen abgingen. Eine von diesen öffnete sie und führte sie in einen Raum, der so gar nicht in dieses altehrwürdige Haus zu passen schien – er wirkte eher wie eine moderne Wohnküche.
      „Dies hier stellt eine der wenigen Modernisierungen des Hauses dar“, erklärte sie, während sie den Raum durchquerten. „Herr Greifenbach ist sehr darauf bemüht, das Haus so weit es geht in seinem ursprünglichen Zustand zu halten, doch er ging davon aus, dass etwaige Gäste ein moderneres Ambiente bevorzugen könnten.“
      Moderneres Ambiente war noch zaghaft ausgedrückt, befand Vica. Die Renovierung und Modernisierung schien gerade erst abgeschlossen worden zu sein. „War das Haus denn schon immer im Besitz von Herrn Greifenbachs Familie?“, wollte sie neugierig wissen.
      „Oh nein“, antwortete Lilia. „Die Familie Greifenbach hat das Anwesen Mitte des 19. Jahrhunderts erstanden, es wurde jedoch schon im 18. Jahrhundert erbaut.“ Sie trat nun auf eine Glastür zu und schob diese auf. Dahinter erstreckte sich ein Garten, der tatsächlich kleiner wirkte, als Vica es sich vorgestellt hatte. Das lag vermutlich daran, dass das Haus ohnehin mitten in der Natur lag.
      „Sie können den Hund ruhig laufen lassen.“
      Vica bedankte sich und trat hinaus, atmete einmal tief die frische, klare Luft ein und machte Mori dann von der Leine ab. Der Hund preschte los, um erst einmal in Ruhe alles zu erkunden und Vica setzte ihm in gemächlicherem Tempo nach.

      Nachdem Mori alle Geschäfte erledigt und sie den Garten zur Genüge erkundet hatten, verzogen sich Mensch und Hund wieder zurück auf ihr Zimmer. Vica hatte sich ihre Zeichenunterlagen mitgenommen und begann mit einigen Entwürfen für mögliche Tattoos. Ab und zu blickte sie aus dem Fenster und konnte sehen, wie nach und nach alle Gäste ankamen, jedoch machte sie sich noch nicht auf den Weg, um jemanden kennenzulernen. Sie hatte irgendwie ein komisches Gefühl dabei – schließlich hatte sie mit diesen Leuten nichts gemein, außer dem Umstand, dass sie allesamt dem Tod bereits von der Schippe gesprungen waren.
      Somit machte Vica sich erst gegen viertel vor sieben auf zum Abendessen. Sie hatte kurz gezögert, ob sie Mori mitnehmen sollte, doch ihn alleine im Zimmer lassen, wollte sie auch nicht. So lief er mal wieder an seiner Leine neben ihr her. Die Leine brauchte er eigentlich nicht wirklich, sie diente mehr zur Beruhigung der anderen Gäste, da Vica nicht wusste, wie diese zu Hunden eingestellt waren. Am Fuß der Treppe sah sie einen jungen Mann stehen, der etwas verloren wirkte. Er starrte auf etwas in seiner Hand, das sich bei näherem Hinsehen als Taschenuhr herausstellte, die er nun zuklappte, jedoch weiter ansah. Offensichtlich mit den Gedanken ganz wo anders.
      „Hey“, sagte Vica zu ihm auf den letzten Stufen der Treppe. Sie war sich ziemlich sicher, dass das einer der anderen Gäste sein musste. „Wartest du noch auf jemanden?“

      ___
      OOC: Etwas verspätet, aber Frohes Neues! :D Wir warten noch auf zwei Charaktere, aber ich dachte ich treibe die Handlung schonmal etwas voran. Der Zeitsprung dient dazu, dass es zu keinen Verwirrungen mit den unterschiedlichen Ankunftszeiten eurer Chars kommt. Ihr könnt natürlich gerne Flashback-Koops schreiben, dass sich einige Chars schon kennengelernt haben.
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
      Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
      Are you running out of time?!



      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
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      Etwas ziellos und müde streifte der junge Mann durch das Haus, in der Tasche spielend mit dem Talisman, den er einst von Kaspar Greifenbach bekommen hatte. Das Ding hatte jahrelang in der Schublade gelegen. Jetzt erschien es nur passend, dass er sie bei sich trug. Wirklich ehrfürchtig stand Jamal nicht vor dem Reichtum, nein, er war mehr abschätzend, was das wohl alles kosten möge. Sein Stammhehler würde große Augen machen und wahrscheinlich einen ganz miesen Preis. Die Stimmen anderer Menschen hörte er zwar, reagierte jedoch nicht darauf und betrachtete stattdessen eingehend eine Vitrine mir Kristallgläsern, die sicherlich teuer genug waren um ihn eine Weile über Wasser zu halten. Dann seufzte er. Der Transport wäre halt schwierig. Also steckte er die Hände in die Taschen zurück und wippte vor und zurück auf den Füßen, sah sich weiter in dem großen Zimmer um, und konnte nicht fassen, wie viel Geld einzelne Menschen doch hatten. Schon krass...


      Thx Tom Bombadil
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      18. Mai 2018

      Sonnenlicht strahlte sanft durch die großen Fenster des ICE in das kleine, heimelige Abteil, in welchem Hikaru die Reise in den Schwarzwald verbringen würde. Ihr eigentlicher Zielort war der Landsitz dieses Stiftungstypen, Greifenbach hieß er, glaubte sich Hikaru dunkel zu erinnern. Es hätte eine wirklich schöne Anreise werden können. Nicht, dass Hikaru für eine Sekunde daran geglaubt hätte, aber: Die Bedingungen waren eigentlich alle gegeben. Seitdem das ominöse Schreiben Greifenbachs bei ihr durch den Briefschlitz in die Wohnung geflattert gekommen war, hatte sie eine gruselige Glückssträhne gehabt, welche schon mit der Bestellung des Zugtickets angefangen hatte. Ein Sitzplatz in einem Abteil zu einem spottbilligen Preis, ein echter kleiner Glücksgriff, hätte sie schon beunruhigen müssen. Jedes Glück wurde Hikaru schließlich postwendend mehrfach mit Pech vergolten. ‚Karma ist ein Arschloch‘, die Untertreibung des Jahrhunderts. Doch, ihre Glückssträhne ging unglücklicherweise weiter: Die Fahrt mit den Öffentlichen zum Nürnberger Hauptbahnhof verlief ebenso ohne Komplikationen, kein aufdringlicher Drogensüchtiger hatte sie an der Königstorpassage um Anwendung von Gewalt aufgrund diverser Grenzüberschreitungen angefleht, selbst der ICE war pünktlich am Gleis angekommen und auf die Sekunde genau wieder abgefahren. Hikaru hatte beim Aufsuchen des Abteils bereits gewusst, das jüngste Gericht würde ihr bald bevorstehen, sollte diese Aneinanderreihung glücklicher Umstände nicht bald unterbrochen werden.
      Wäre es doch nur das jüngste Gericht gewesen, dachte Hikaru seufzend und starrte verbittert aus dem Fenster, während Nebelhorn Eins und Zwei die Trommelfelle der Abteilungsinsassen malträtierten. Nebelhorn Eins war fünf Monate alt und hörte auf den Namen Savannah-Joelle, wobei die Ökomutter, ein ständig brabbelndes Schlachtschiff aus dem zweiten Weltkrieg, den Namen des Kindes immer aufgrund ihres Dialekts, sie war Sächsin, falsch aussprach. Nebelhorn Zwei, welches stolz war auf seine einen Jet übertreffende Lautstärke mit einem Stimmumfang von gefühlt drei Oktaven, hieß Luka-Aaron und gehörte zu dem aufdringlichen Zerstörer, der neben dem Schlachtschiff durch die Gewässer des Mutterdaseins schipperte.
      Hikaru seufzte, um ihrem Weltschmerz Ausdruck zu verleihen. Babys, eklige kleine Lebewesen, die aus allen Körperöffnungen unkontrolliert ausliefen und wie am Spieß schrien. Und keiner konnte ihr weismachen, dass diese schrumpligen Dinger in irgendeiner Weise süß oder niedlich waren. Hikaru machte sich die gedankliche Notiz, sich postwendend unter das OP-Messer zu legen, damit ihr zumindest dieses Schicksal erspart blieb. Alleine schon der Gedanke an einem Ding in ihr, welches heranwuchs, einem Alien aus dem gleichnamigen Filme gleich, ließ Übelkeit in ihr aufsteigen. Und an eine mögliche Geburt, das ganze Blut, die höllischen Schmerzen, wollte sie gar nicht erst denken. Mütter mussten also auch einen ziemlichen Hau haben, Hikaru entschuldigte sich bereits gedanklich bei ihrer Mama, mit der sie sich für gewöhnlich gut verstand; doch etwas konnte da bei Müttern einfach nicht stimmen. Wenn ihr jemand solche Höllenqualen in Form einer Geburt bereiten würde, würde sie diese Person dann in den Arm nehmen und lieb haben? Mitnichten! Sofortige Scheidung!
      Den verstörenden Übeltäter für das seltsame Verhalten frisch gewordener Mamas kannte Hikaru natürlich: Hormone.
      Hikaru gruselte sich noch kurz über den Wahnsinn des Lebens, und dachte kurz darüber nach, sich dem Wahnsinn der Fiktion hinzugeben. In ihrer Tragetasche, die auf ihrem Schoß ruhte, versteckte sich neben einem scheinbar kaputten Medaillon schließlich auch ein hübscher Roman. Doch waren die beiden kreischenden Babys und deren tratschenden Lebensspenderinnen leider nicht einmal die einzigen Ablenkungen, die Hikaru davon abhielten, der Geschichte von Kings bekanntestem Revolvermann zu folgen.
      Hikaru hatte ja zuerst vermutet, dass der Geruch von den Kindern kam. Doch es hatte sich herausgestellt, dass die letzte Person im Abteil dafür verantwortlich war. Eine durchaus niedliche, klein gewachsene Oma hatte heute anscheinend ein Problem mit ihrer Verdauung, was jeder in dem Abteil riechen konnte. Nur war die Großmutter so niedlich und freundlich, dass Hikaru ihr nicht böse sein konnte. Allerdings half es wirklich nicht, dass die alte Frau sich Zwiebelringe hinter die Kiemen schob. Zwiebelringe und Blähungen, wahrlich böse Kombination! Wäre sie doch nur eine nervige Schabracke und nicht so nett! So war Hikaru in einem Gewissenskonflikt gefangen, konnte sich nicht entscheiden, ob sie nun Zorn oder Mitgefühl für die alte Dame empfinden sollte. Das Leben spielte Hikaru stets die schwersten Blätter zu.
      Hikaru entschied sich schlussendlich für die Option Mitleid, gestand sich jedoch ein, dass sich ein kleines bisschen Ärgern erlaubt war, auch wenn die alte Frau ihr bereits Süßigkeiten angeboten hatte – ihr ganzer Koffer war wahrscheinlich voll davon, sie hatte erzählt sie würde ihre Enkelkinder besuchen. Deswegen war die Schwarzhaarige mittlerweile auch im Besitz einer Stange Kaubonbons, die echt super schmeckten. Selbstverständlich hatte sich Hikaru mehrmals bedankt, als sie die ältere Frau nicht davon hatte abbringen können, ihr Süßigkeiten zu schenken. Omas hatten in den seltsamsten Situationen nun mal einen unvergleichlichen Sturkopf.

      Eine Fahrt mit dem Shuttlebus später fand sich Hikaru vor dem leicht pompösen Herrenhaus wieder. Die große Reisetasche lässig in der einen Hand haltend, während ihre über die Schulter geworfene Umhängetasche an ihrer anderen Seite herum baumelte, legte sie die letzten Meter zurück, dem Angestellten folgend. Er hatte ihr zwar angeboten, ihr Gepäck zu tragen, doch Hikaru hatte mit einem minimalistischen Kopfschütteln abgelehnt. So schwer waren die Sachen nun wirklich nicht. Beim Betreten der Eingangshalle war Hikaru doch etwas überrascht von dem Pomp, der hier zur Schau gestellt wurde. Anscheinend hatte Greifenbach nicht nur massig Geld für seine Stiftung, es reichte auch noch für ein opulentes Anwesen. Sie ließ sich vom Angestellten zu ihrem Zimmer führen und überbrückte dort die Zeit bis zum Abendessen unter anderem mit dem Zeichnen einiger schneller Skizzen in ihrem mitgebrachten Skizzenbuch.
      Als die wundervolle Zeit des Bauchvollschlagens bevorstand, verließ die junge Frau ihr Zimmer und traf sogleich an der Treppe auf zwei weitere Gäste Greifenbachs. Ihre Aufmerksamkeit erhaschte dabei vor allem drei Dinge: Der Pitbull, die zahlreichen Tätowierungen der Hundebesitzerin, welche ihr einen rebellischen oder auch wilden Look gaben, und die Taschenuhr des Typen, den besagte Tätowierte anscheinend gerade angesprochen hatte. Die schlimmste Entdeckung war jedoch, dass Hikaru keinen Plan hatte, wo das Abendessen nun genau stattfinden würde. Sie trat an die Beiden heran und fragte unterkühlter, als sie es eigentlich vorgehabt hatte: „Weiß wer von euch zufällig, wo der Esssaal ist?“

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      Name: Hikaru Saeki
      Alter: 25
      Aussehen: 164 Zentimeter groß und schlank. Glatte schwarze Haare, derzeit als stylisher Bob geschnitten – reichen an ihrem längsten Punkt bis auf Brusthöhe. Dunkelbraune Augen. Auf Grund ihrer Narben, die sich über fast die komplette rechte Hälfte ihres Körpers ziehen – Lichtenberg-Figuren, entstanden durch einen Blitzschlag – trägt sie am liebsten Klamotten, die so viel Haut wie möglich bedecken.
      Wohnort: Nürnberg
      Beruf: Studentin
      Persönlichkeit: Aufgrund einer Reihe betrüblicher Schicksalsschläge ist aus dem einst lebensfrohen Kind eine zynische, verbitterte Karikatur des Lebens geworden. Würde zumindest Hikaru mit einer Prise Sarkasmus über sich selbst behaupten. Hikaru ist emotional etwas unterkühlt und lässt andere Menschen nicht an sich heran. Lediglich mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester pflegt sie ein normales Verhältnis. Hikaru ist davon überzeugt, dass das Universum sie auf dem Kieker hat. Sie meidet Orte wie Schwimmbäder oder Strände.
      Krankheit: Als 14-Jährige bei einem Wettbewerb auf offener Bühne vom Blitz erschlagen worden. Zunächst schienen ihre Organe langsam aber sicher zu versagen, weswegen die Aionstiftung kontaktiert wurde. Nach der Erfüllung ihres Herzenswunsches begann sich ihr Gesundheitsstand auf mysteriöse Art und Weise zu verbessern. Folgeschäden blieben wie durch ein Wunder, mit Ausnahme der Lichtenberg-Figuren, aus.



      Just Monika.