Die Chroniken von Eras - Im Bann der Zeit

    • Fantasy

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    • „Dann hätten wir das auch geklärt,“ sagte der Zwerg und wandte sich an Börte, „los geht‘s“
      Nachdem sie ihre Rechnungen beglichen hatten machte sich der kleine Trupp gemeinsam auf den Weg. Vorsichtig bewegten sie sich durch die Straßen von Ostberg, schließlich konnte ihnen die
      Bande einen Hinterhalt gestellt haben. Zur Verwunderung von Grindol steuerten die Matrosen jedoch nicht den Hafen an sondern versuchten zum südlichen Ausgang der Stadt zu gelangen. Abrupt blieb die Zwerg stehen: „Ich dachte wir...“ „Sachte, sachte,“ versuchte ihn Börte zu beschwichtigen, „mein Boot liegt gut versteckt in einer kleinen Bucht, bewacht von meinen restlichen Matrosen. Wer weiß zu welchen irrwitzigen „Steuern“ sich die hiesige Obrigkeit hinreißen lässt wenn sie meine Waren sieht!“ Mit einem verwegenen Grinsen schaute Börte den Zwerg an. Mit einem Ausdruck des Verstehens auf dem Gesicht nickte dieser, offensichtlich war er in die Hände von Schmugglern geraten. Zudem hatte die Kapitänin ihm irgendetwas von „nicht willkommen“ erzählt fiel es ihm plötzlich wieder ein. So folgte er also ohne weiteren Widerstand, beschloss aber für sich doppelt wachsam zu sein.
    • Koop Spartan - Fara (Kiv und Tan) und Cass (Meleas)

      Die Ansage schien geholfen zu haben. Meleas hatte kein Verständnis dafür, dass die jüngeren Eldar so viel reden mussten. Immerhin waren sie unterwegs auf einer Mission, die niemand recht beschreiben konnte. Aber seine Konzentration galt jetzt nicht dem, was noch irgendwann später kommen würde, sondern ihrem Weg. Die dunklen, üppigen Wälder des Eldarreiches gaben Schutz, jedoch verbargen sie auch vieles. Seine Schritte lenkten ihn sicher über den manches Mal tückischen Boden, gab es doch immer wieder einmal Senklöcher, versteckten tiefen Morast, manch totes Tier in das man nicht treten wollte. Immer wieder hielt er kurz die Gruppe an, lauschte, hier und da brach ein Fuchs aus dem Unterholz, ein Reh, einmal sogar ein Wildschwein. Der Eldar bedauerte, dass er nicht jagen konnte, so tief in den Wäldern war er recht selten. Dafür blieb keine Zeit. Er trieb die anderen an, so wie er selber getrieben war, erlaubte wenige Pausen. Dafür kamen sie gut voran. Der Tag, den sie im Halbdunklen verbracht hatten, wich allmählich der Nacht. Es wurde dunkler und dunkler. Neumond. Schließlich meinte er:
      "Wir werden einen Platz für das Nachtlager suchen. Die Stadt liegt weit hinter uns, für den ersten Tag sind wir gut voran gekommen." Natürlich waren sie alle müde, selbst er. Immerhin schmerzten seine Füße nicht weh, lange Märsche war er gewohnt. Nach kurzer Zeit fand er einen guten Platz - unter einer Trauerweide, deren lange Äste den Boden berührten und beinahe wie ein Zelt wirkten. Der Boden hier war trocken, und eine Wache würde sicherlich nicht gesehen werden.
      "Esst etwas, dann sollte geschlafen werden. Liana, auch du." Meleas übernahm die erste Wache, dann weckte er Liana, und schloss selbst die Augen, an den Stamm des Baumes gelehnt. Sein Schlaf war nie tief, und die merkwürdigen Alpträume taten ihr übriges, dass er jetzt mehr döste denn richtig schlief. Plötzlich erschauerte er und schlug die Augen auf. Sein Blick ging umher. Die Zwillinge schliefen, Liana... war nicht wo sie sein sollte. Etwas stimmte nicht. Erst wollte er sofort los, dann hielt er inne. Dieses Mal war er nicht alleine. Es knackten irgendwo Äste. Sofort weckte er Kiv und Tan.
      "Liana ist weg."

      Erneut suchte sie nach ihrem Bruder, rief seinen Namen wieder und wieder und wurde in ihrer Suche durch schemenhafte Gestalten gehindert. Dieses Mal wachte sie jedoch nicht durch den Traum auf – stattdessen war es eine leichte Berührung an ihrer Schulter, die sie aus dem Schlaf riss. Sofort war Kiv wach und alarmiert. Sie setzte sich auf und blickte einmal kurz prüfend zu Tan, der deutlich verschlafener wirkte. Ihr Instinkt hatte sich nicht gemeldet, noch nicht, doch etwas stimmte hier ganz und gar nicht.
      „Wir sollten nach Spuren Ausschau halten“, sagte die Eldarin nun und machte sich gleich daran ihr Nachtlager genauer zu betrachten, während Tan langsam auf die Füße kam.

      Lianas Schlafplatz wies auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches auf. Ihre Sachen lagen ein wenig durcheinander, als ob sie schlecht geschlafen hätte aber nichts deutete darauf hin, dass sie gewaltsam entführt wurde oder ähnliches. Ein paar Fußspuren führten offensichtlich in den Wald, aus dessen Richtung nun alle drei Eldar klar Geräusche vernehmen konnten. Sie waren allerdings schwer zuzuordnen... Ein schweres Stöhnen folgte auf seltsam schlurfende Geräusche, als ob jemand etwas schweres durch das Dickicht ziehen würde.

      Der Blick des Eldar wanderte ebenfalls zu der Schlafstätte.
      "Keine Spuren von außerhalb, aber..." Er hielt inne und wie von selbst glitt seine Hand zu seinen Waffen, als er seltsame Geräusche vernahm, die alle heißen konnten. Meleas nickte den beiden jüngeren zu und lief lautlos in einem Bogen in Richtung des Geräusches.

      Auch Kiv griff nun zu ihrem Schwert, erwiderte Meleas Nicken und machte sich so lautlos sie konnte in Richtung der Geräusche auf. Tan, der deutlich weniger Erfahrung mit solchen Situationen hatte, folgte langsamer, darauf vorbereitet, wenn nötig Magie zu wirken.

      Die drei Eldar schlichen durch den Wald und das Geräusch kam immer näher. Hier und da waren kleinere Äste abgeknickt und seltsame Schleifspuren durchzogen den Waldboden. Hinter dem Stamm einer riesigen Eiche lag eine kleine Senke, in denen die Wurzeln des großen Baumes wie Tentakel aus dem Boden ragten.
      Nun offenbarte sich die Quelle der Geräusche und der Anblick, der sich ihnen bot, war äußerst skurril.
      Eine Gestalt kniete an einer der größeren Wurzeln. Sie hielt einen dicken Stein in der Hand, mit dem sie gerade anfing, auf einen Körper einzuschmettern, den sie über die Wurzeln gelegt hatte. Das Geräusch von berstenden Schädelplatten und Knochen flutete die Senke und wurde an den Rändern beinahe eingefangen. Die "Beute" war auch so schon bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt und Blut tränkte den Waldboden in dunkelroter Farbe.
      Der Anblick der Gestalt selber war aber um einiges unheilvoller. Sie war in einen braunen zerschlissenen Mantel gehüllt, der aussah, als hätte ihn ein Bär in Fetzen gerissen. Den Arm, mit der sie auf die Beute einschlug, krümmte sich in einem völlig unnatürlichen Winkel nach hinten. Jedesmal, wenn sie ausholte, drehte sie ihren Kopf leicht, so dass die Eldar das riesige klaffende Loch in ihrem Hals sehen konnten.
      Was dem ganzen die Krone aufsetzte, war ein schweres Stöhnen, welches aber nicht ohne "Sinn" war. Vielmehr summte die Kreatur, als ob sie eine Art Lied trällerte.

      Meleas blieb stehen und nahm die Szene in sich auf. Sollte das Liana sein, die es erwischt hatte, so war nichts mehr zu machen. Ihn störte weder das Blut noch alles andere, was für sich schon beängstigend genug war. Er zog sein Schwert und stellte sich in Position, dann grollte seine kalte Stimme durch den Wald:
      "Wer bist du?"

      Kiv, ihr Schwert fest in Händen, stand einen halben Schritt hinter Meleas und wusste nicht recht, was sie tun sollte. Einerseits sagte jeder Instinkt in ihrem Körper, dass sie angreifen musste, andererseits schien Meleas nicht unbedingt den gleichen Gedanken zu haben. Und vielleicht war es gar nicht verkehrt, einer möglichen Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Tan war ebenfalls stehen geblieben, jedoch aus einem völlig anderen Grund. Schockiert betrachtete er das Blut und die verstümmelte Gestalt am Boden. War das... war das etwa..? Ihm wurde schlecht.

      Die Gestalt hörte sie definitiv, denn sie hielt einen kurzen Moment inne, nachdem Meleas sie angesprochen hatte. Sie hob leicht den Kopf, als ob sie aufhorchen wollte. Kurz danach setzten wieder die dumpfen und schmatzenden Schläge ein. Dazu kam eine krächzende Stimme, die eindeutig weiblich war. "Hört ihr das, meine Kinder? Jaa, das sind sie, die Wächter des Waldes. Wollt ihr sie nicht begrüßen? hihihi...."
      Das Kichern hielt an, während die Eldar nun überall Rascheln und knackende Äste hören konnten. Aus der Dunkelheit schälten sich weitere Schatten und man hörte das Surren von gezogenen Schwertern.

      Unmerklich spannte Meleas sich an. Aus einem Ärmel glitt einer seiner Assassinendolche, die höchst uneldarisch waren, griff das Schwert kurz nur mit einer Hand und warf den Dolch plötzlich und ohne Vorwarnung präzise in Halsrichtung auf die Gestalt, dann stellte er sich gegen KIvs Rücken, die Umgebung sondierend. Eine Überzahl von - nun, das würde man sehen. Gleichzeitig blickte er kurz nach oben -Lianen, ein möglicher Ausweg. Seine Augen suchten Tan, der wohl derjenige war, der am meisten gefährdet war und versuchten ihn darauf aufmerksam zu machen.

      Kivs Instinkt spielte verrückt, während die Gestalten, was auch immer sie waren, langsam auf sie zukamen. Dagegen hatten sie keine Chance, dagegen konnten sie keine Chance haben! Doch einen Ausweg sah sie auch nicht wirklich und außerdem mussten sie herausfinden, was mit Liana passiert war. Tan schien ähnliches zu denken. Zwar bemerkte er Meleas Blick und die Ranken über ihnen, jedoch konnte er seine Schwester und Meleas nicht einfach so alleine lassen! Stattdessen machte er sich nun bereit Magie zu wirken. Er hatte nicht viel Erfahrung in defensiver Magie, also würde er improvisieren müssen.

      Die Klinge von Meleas Messer erreichte pfeilschnell sein Ziel und warf die Gestalt nach vorne. Nach ein paar Momenten raffte sie sich aber wieder auf, zog den Dolch mit einem Lachen aus dem Hals und warf ihn achtlos beiseite. Derweil waren einige der Schatten immer näher gekommen und man konnte im fahlen Mondlicht ihre Gesichter sehen. Alle waren mehr oder minder entstellt, Wunden klafften hier und da, manch eine war nicht mehr als ein Skelett. Die meisten dieser Untoten, die weniger schwere Verletzungen hatten, waren dem Anschein nach einmal Eldar gewesen, hier und da waren auch einige Menschen darunter.
      Die ersten begannen nun an Tempo zu gewinnen, wenn sie denn noch Gliedmaßen hatten, mit denen sie rennen konnten, und warfen sich den Eldar entgegen.

      Leise grollte Meleas:
      "Ich hasse Magie." Ihm war sofort klar, womit sie es hier zu tun hatten.
      "Zerhacken. Gnadenlos. Die leben sowieso nicht mehr." Das weibliche Wesen vorne musste der Erschaffer sein. Die Frage war, wie viele Gegner würden es sein?

      "Ihr guten Geister!", entfuhr es Tan, als auch ihm bewusst wurde, was für Wesen sie hier gegenüber standen. Erschaffene, hier, im Wald von Loreén? Doch er konnte sich darüber nicht lange Gedanken machen, denn nun griffen die Wesen an. Instinktiv errichtete er einen Schild um sich, als eine der Kreaturen sich auf ihn stürzen wollte. Er hörte ein Sirren, dann sah er, wie Kiv sich dem Erschaffenen annahm und ihm methodisch die Gliedmaßen abschlug. Tan spürte Galle hochsteigen.

      Meleas ließ das Schwert tanzen, elegant und tödlich, mit all seiner Erfahrung. Doch ob er das überstehen würde wusste er nicht. Daran verschwendete er aber keinen Gedanken. In vielen Schlachten war er angetreten, nicht immer so offen, sondern verborgen, jetzt aber zeigte sich, dass er ein absoluter Meister in der Kampfkunst war - schnell, präzise und effizient.

      Doch kaum war einer der Erschaffenen bezwungen, füllte ein weiterer die Lücke wieder auf. Zuerst waren es vielleicht ein oder zwei dutzend, doch am Rande der Grube tauchten immer mehr dieser Untoten auf. Tans Schild konnte ein paar von ihnen abwehren aber lange könnte er dem Druck nicht standhalten. Einige von ihnen warfen sich völlig kopflos gegen die Barriere, andere schienen sogar taktisch an die Sache ranzugehen und hatten Meleas als gefährlichstes Ziel ausgemacht und wollten ihn zuerst zu Fall bringen. Einer der Erschaffenen hatte gar einen riesigen Morgenstern, den er kreisförmig über seinem Kopf rotieren ließ und dabei mindestens drei seiner Kumpanen den Kopf von den Schultern schlug, als er sich ins Getümmel warf und den erfahrenen Eldar ins Ziel nahm.

      Der Morgenstern ließ ihn kurz innehalten, doch anstatt in Panik zu verfallen suchte er sofort nach Lösungen, der Kreatur beizukommen, und sprang zurück, als die gewaltige Waffe geschwungen wurde. Aber noch bevor er etwas anderes hätte tun können, geschah etwas Seltsames. Sie bekamen Hilfe von ungewöhnlicher Seite.

      Plötzlich fielen einige der Erschaffenen um, als ob sie etwas beiseite gestoßen hätte. Eine Kreatur bahnte sich einen Weg durch die Reihen, welche dann geschickt unter dem mit Eisenstacheln versehenen Mordwerkzeug hindurchtauchte und kurz danach den Erschaffenen mit Wucht zu Boden riss. Dem Umriss und den Geräuschen nach musste es sich um einen Wolf handeln. Er schaute nur kurz auf, bevor er beherzt die Hand, die den Morgenstern führte, in Fetzen riss und vom Körper trennte. Sie hatten kaum Zeit, die Situation zu verarbeiten, da erschien an der Westseite der Grube ein bläulicher Schimmer, dem kurz darauf eine ungeheure Druckwelle folgte, die alle Untoten vor ihr von den Füßen riss. Dort erhob sich gerade eine Gestalt, welche die Gruppe mit einem auffordernden Blick besah, ehe eine männliche Stimme rief:
      "Los, auf die Beine und nichts wie weg hier!"

      Der Eldar stolperte, und kam ohne zu zögern der Aufforderung des Unbekannten nach. Jetzt war nicht die Zeit für Diskussionen. Er blickte sich nicht um, ob Kiv und Tan folgten, sondern sprintete los, die Waffe noch bereit in der Hand.

      Die Zwillinge hielten inne, als die Druckwelle über sie hinwegfegte. Einen Moment lang konnten sie sich nur verwirrt ansehen, dann ergriff Kiv Tans Hand und zog ihn hastig hinter der Gestalt und Meleas her.
      "Was war das?", rief Tan während er lief. "Wer seid Ihr?"

      Der Mann deutete nur nach Westen, während er die drei Eldar an sich vorbei ließ. "Dafür haben wir später noch genug Zeit." Er wandte sich in Richtung der Menge, legte zwei Finger an die Lippen und ließ einen ohrenbetäubenden Pfiff ertönen. Kurz darauf rauschte der Wolf aus der Menge der Erschaffenen heraus und sprang beherzt aus der Senke heraus. Er warf einen letzten Blick zu der untoten Meute und folgte dann den anderen durch das Dickicht.


      Thx Tom Bombadil
    • Je weiter der Tag voranschritt, desto mehr wurde Vathalyk ein Problem offensichtlich: Er kannte sich in dieser Welt nicht mehr aus. Einige Jahrhunderte waren im geologischen Maßstab keine Zeit, was soviel bedeutete als dass wesentliche Merkmale der Landschaft wie Hügel, Täler und Berge noch erhalten waren. Das Klima war jedoch ein wenig anders und so ziemlich alles von Menschenhand geschaffene, das er noch kannte, war nicht mehr. Dafür viel neues... andere Pflanzen auf den Feldern, neue Wege -- und neue Kriege.

      Wohl kaum anders als so war es jedenfalls zu erklären, dass der Erschaffene auf seinem Irrweg entlang der nächstliegenden Pfade und Wege mehr als nur einem Dorf begnete, das im Grunde nur noch eine Ansammlung aus verkohlten Trümmern war. Vathalyk fand sie in diversen Zustanden: Noch glimmend und rauchend, schon erkaltet aber noch mit erkennbaren Formen und bereits von Wind und Regen zu einem schwarzen Brei reduziert. Eine wichtige Erkenntnis: Was auch immer für ein Konflikt dafür verantwortlich war tobte noch immer. Allerdings gab es keine Spuren von mächtiger Magie, wie Vathalyk sie noch aus dem Dämonenkrieg kannte. Die hätte gleich von Anfang an in vielen Fällen nicht einmal mehr irgendwelche Trümmer zurückgelassen. Also handelte es sich wohl um einen mehr zwischenmenschlichen, konventionellen Konflikt. Immerhin eine gute Nachricht.

      Er musste allerdings darauf achten, nicht eventuell mitten zwischen die Fronten zu geraten. Mit viel Umsicht bewegte er sich weiter vorwärts teilweise bis in die Nacht hinein. Was sollte er auch schon wieder schlafen ? Das hatte er doch die letzten paar Jährchen ohne Unterbrechung! Seinem Bemühen um permanente Aufmerksamkeit war es dann auch zu verdanken, dass er einen Wegweiser nach Schimmerfels entdeckte. Nur mit der Entfernungsangabe konnte Vathalyk überhaupt nichts anfangen.... Es gab auch keinen, den er hätte fragen könnten. Allgemein wirkte die Gegend ziemlich gottlos und verlassen, eben genau so, wie man es von einem zerrütteten, geplagten Land erwarten würde.

      Nach etwas mehr als zwei Tagen Fußmarsch sah er schließlich Mauern, die intakt aussahen. Das musste dieses Schimmerfels sein, hatte er sich doch strikt an die Richtung gehalten. Jetzt war nur die Frage, ob er auch hineingelassen würde und ob es dort auch etwas sinnvolles zu kaufen gab, das vielleicht etwas weniger überteuert war als gewisse Händler... Sein untoter Magen grummelte und von den anfänglichen Vorräten war nicht mehr allzu viel übrig. Mal davon abgesehen war dauerndes zu Fuß laufen nervtötend langsam.
    • Koop Spartan – DON (Alarion und Grindol)

      Das sie an eine Schmugglerbande geraten waren, beunruhigte Alarion nicht weiter. So gesehen gehörte er ja zum selben Schlag, er wusste also, wie er mit der Situation umzugehen hatte.
      Der Zwerg war ihm aber noch ein Rätsel. Er wirkte trotz seiner Natur verhältnismäßig groß für einen Zwerg und bot auch sonst einen stattlichen Anblick. Auch seine Ausrüstung war hier und da weit besser bestückt als bei den meisten seinesgleichen.
      "Verzeiht mir, falls ich euch zu nahe trete, Grindol... aber ihr seht nicht aus wie der typische Zwerg, der sich sonst so unter die Menschen mischt." Es war mehr eine Feststellung denn einer Frage, trotzdem warf er ihm einen nachdenklichen Blick zu.

      Erstaunt blickte der Zwerg den Fragesteller an. „Für einen so jungen Menschen verfügst du über eine erstaunliche Beobachtungsgabe. Du hast recht, der Balrog soll mich holen, tausendmal lieber wäre ich bei meinesgleichen. Doch ich bin gezwungen diesen Weg zu gehen… meiner Gesundheit zuliebe oder besser gesagt meinem Seelenheil.“ Hierbei schaute der Zwerg seltsam bedrückt drein.
      „Doch erzählt mir von Euch. Was treibt dich hierher und warum willst du nach Nirha? Haben dort wo du herkommst eigentlich alle solche Katzenaugen?“ fügte er lachend hinzu.

      Alarion lachte auf und fuhr sich mit der Hand über die Augen. "Nein, ich bin wohl der einzige. Allerdings kann ich dir dazu auch nicht mehr sagen. Ich bin ein Waise, also konnte ich meine Eltern auch nicht danach fragen.
      Er steckte seine freie Hand in die Tasche und schlenderte neben dem Zwerg her. "Ein Zwerg, der eine Pilgerreise macht, sieht man auch nicht alle Tage. Ich dachte immer, das einzige was euer Volk aus den Tiefen der Erde lockt ist die Chance auf Reichtum." Dabei bedachte er Grindol mit einem eher schelmischen Grinsen. Andere zu necken machte ihm einfach zu viel Spaß, als dass er es lassen konnte.
      "Ich besuche eine Freundin der Familie. Sie ist eine entfernte Bekannte meines Onkels." Das klang fast wie eine Ausrede. "Naja, eigentlich wollte ich endlich raus in die Welt. Ich hatte nicht vor, mein Leben lang im Schatten der Düsterklippen zu leben."

      „Was verstehst du von der Macht der Steine?“ fuhr der Zwerg Alarion an. „Sie haben einen Wert – sicher und kostbar sind sie aufgrund ihrer Seltenheit. Doch die Steine können mehr, viel mehr als ihr Menschen euch das vorstellt.“ Milder fuhr er fort,“ ganz schön wagemutig von dir mein Sohn, man könnte auch sagen leichtsinnig. Wer eine Reise unternimmt sollte sich wehren können, ohne Not zieht niemand hinaus in die Welt!“ Dabei beobachtete Grindol den Jungen durch seine buschigen Augenbrauen.

      'Die Macht der Steine' - Meinte er das Ernst? Er wusste um die Bedeutung von Gold und Reichtum, er wusste zu was Menschen in der Lage waren um es zu erlangen. Aber das klang doch ein wenig aus der Luft gegriffen. "Ich mache mich nicht über euer Volk lustig, keine Sorge. Man sieht euresgleichen nur ziemlich selten auf der Straße. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal viel über Zwerge."
      Er musste sich beim Stichwort "wehren" ganz bewusst zusammenreißen und nicht nach dem Dolch tasten, den der alte Achtfinger ihm gegeben hatte. "Ich weiß mich durchs Leben zu schlagen. Und nicht allzu stark zu sein, hat auch seine Vorteile.", fügte er mit einem Zwinkern hinzu.

      „Wir Zwerge bleiben lieber unter uns. Es gibt hier und da ein paar Abenteurer oder Ausgestoßene die sich in der Welt herumtreiben. Der Kampf mit den Orks ist uns Abenteuer genug.“ Dabei holte Grindol seine große Streitaxt vom Rücken herunter. „Hier hast du ein Werkzeug mit dem die meisten Zwerge gut umgehen können. Sie hat schon unzählige Orkschädel gespalten und nicht die kleinste Schramme.“ Mit leuchtenden Augen betrachtete Grindol seine Axt. Er hatte sie schon längere Zeit nicht mehr im Kampf benützen können. Fast zärtlich strichen seine Finger über die sichelförmigen Axtblätter. „Diese Prunkaxt ist aus Mondstaht gefertigt, willst du mal ihre Schärfe prüfen?“ Aufmunternd streckte er die Waffe Alarion entgegen.

      Dieser lehnte mit einem Lachen ab, bewunderte die Waffe aber sehr interessiert. "Haha, nein danke. Ich habe schon von der meisterlichen Schmiedearbeit der Zwerge gehört. Ein schönes Stück, wirklich." Wieder musste Alarion an seinen eigenen Dolch denken, der mindestens ebensolche Qualität hatte. Ob er zwergischen Ursprungs war?
      Er deutete mit einem Kopfnicken auf den Rücken der Kapitänin. "Habt ihr eine Ahnung, wie lange wir mit dem Schiff unterwegs sein werden? Es ist wohl meine erste Reise auf See."

      Börte drehte sich um, sie hatte die Frage gehört. „Wie lange wir unterwegs sind richtet sich immer nach dem Wetter,“ antwortete sie. „Zu dieser Jahreszeit kommt der Wind jedoch von der See her. Wir müssten mit etwas Glück Nirha noch vor Sonnenuntergang erreichen.“
      Sie bogen gerade um einen Felsvorsprung als der Blick auf eine kleine Bucht frei wurde. Dort lag ein schlankes Boot vor Anker, das Großsegel war gerafft. Zwei Matrosen an Bord begrüßten die Ankömmlinge lautstark. „Mein Schiff – die ‚Wind‘,“ sagte Börte mit unüberhörbaren Stolz.
      Der Zwerg hingegen schaute etwas skeptischer drein, auch er war noch nie auf See gewesen.
      Dieser ‚Nußschale‘ sollte er sich anvertrauen?

      Alarion hatte zwar auch schon größere Schiffe von der Klippe gesehen, war allerdings eher voller Vorfreude auf die Überfahrt. "Sie wird uns schon rüberbringen! Kommt, das wird bestimmt lustig!"

      Die Kajüte des Bootes war geräumiger als es von außen den Anschein hatte. Nachdem sie an Bord gebracht wurden wies der Steuermann Henrik ihnen ihre Plätze zu. „Bei Fahrt ist es besser, dass ihr euch hier unten aufhaltet. Sollte euch Landratten schlecht werden bitte über Backbord kotzen.“
      Nachdem er die verdutzten Gesichter sah fügte er lachend hinzu, „vom Heck aus gesehen Richtung Bug ist Backbord die linke Seite des Schiffes.“
      Das Schiff würde erst in der Frühe mit der Flut auslaufen, offenbar gab es hier einige Felsenklippen. Grindol ging an Deck. Das Meer war ruhig und die schwarze See wurde von einem hellen Sternenhimmel erleuchtet.

      Alarion setzte immer noch einen fragenden Blick auf, musste aber auch grinsen. "Gibt es denn einen guten Grund, wieso wir nicht rechts vom Schiff kotzen dürfen?"

      Henrik grinste über beide Backen. „Oh ja, den gibt es. Der Wind kommt von Steuerboard!
      Du kannst gerne ausprobieren gegen den Wind zu kotzen.“

      "Na das ist doch ein guter Grund", erwiderte Alarion lachend. Dann gesellte er sich zu Grindol und blickte in den Nachthimmel, schwieg aber. Genau in diesem Moment fühlte er sich unglaublich lebendig. Nicht zum ersten Mal war er froh, dass der alte Achtfinger ihm diese Reise eingeredet hatte. Er atmete tief ein und aus und genoss die frische Seeluft.

      Zweimal in der Nacht wurde der Zwerg geweckt. Das erste Mal ging die Kapitänin mit drei Matrosen von Bord, dabei nahmen sie ein paar Jutesäcke aus der Kajüte mit. Das zweite Mal kamen sie früh am Morgen und brachten andere Säcke, die sie sogleich verstauten. Fast zeitgleich lösten sie die Leinen und stachen in See. Das sanfte Schaukeln des Bootes wurde bald durch ein gleichmäßiges Rollen ersetzt, hervorgerufen durch große Wellen, durch die das Boot glitt. Grindol begab sich an Deck, etwas unsicher und breitbeinig, was für Landratten typisch war, begrüßte er die Morgensonne. Das große Trapez Segel war gehisst und sie nahmen Fahrt in Richtung Nirha auf.

      Alarion hatte nicht gut geschlafen. Anfangs hatte er kein großes Problem mit dem Schaukeln des Schiffes, aber als er unter Deck sich zu Bett legte, war das ein komplett anderes Gefühl. Er musste sich zusammenreißen, dass er sicht nicht übergeben würde.
      Er torkelte ein wenig an Deck und lehnte sich mit einem blassen Gesicht über die Reling. Aus dem Augenwinkel sah er Grindol und setzte ein Lächeln auf, das ein wenig schief war. "Ich werde wohl kein Seemann werden!"

      Solange er geschlafen hatte, machten ihm die Schiffsbewegungen nichts aus, wenn er schlief, dann schlief er. An Bord breitete sich jedoch ein flaues Gefühl in seiner Magengegend aus. Der Zwerg hatte das Gefühl, das ihm langsam etwas die Speiseröhre emporkroch. Wo war noch mal backbord? Links … äh gut. Als Alarion ihn ansprach, bedachte er ihn mit stieren Blick. „Wem sagst du das!“

      "Hoffen wir, dass wir ohne große Zwischenfälle in Nirha landen können.", meinte Alarion und schielte dabei leicht in Richtung der Kapitänin. "Ich hab schon genug Erfahrungen mit Stadtwachen und bin nicht scharf auf eine Fortsetzung." Dabei rieb er sich eher ungewollt an seinen Handgelenken.

      „Die Kapitänin stammt aus Nirha. Ich glaube dort werden wir unbehelligt sein“ Grindols Blick fiel auf die offensichtlich geschundenen Handgelenke von Alarion. „Was ist dir zugestoßen?“

      Alarion lächelte gequält und kratzte sich ein wenig am Hinterkopf. "Ich bin hier und da an die Stadtwache geraten. Eine fette Wache hatte Spaß daran, jemanden wegen Kleinigkeiten an Ketten gefesselt von der Decke hängen zu lassen und ihn zu.... bearbeiten."
      Er schien es nach Außen hin gelassen zu nehmen aber innerlich konnte er die Erinnerungen an die Folternächste immer noch spüren.

      Grindol wollte etwas erwidern, doch die Antwort ergoss sich in einem breiten Strahl in die See. Noch zweimal musste sich der Zwerg übergeben obwohl die See relativ ruhig war. Sie passierten die Landspitze der ‚ewigen Wache‘ und kamen tatsächlich schon am frühen Abend in Nirha an.
      Wie vermutet fuhr Börte direkt in den geschützten Hafenbereich ein.
      „Beim zweiten Mal geht es besser.“ Aufmunternd klopfte die Kapitänin dem Zwerg auf die Schulter.

      Der Junge vermied es lieber, dem Zwerg einen mitleidvollen Blick zuzuwerfen. Irgendwie hatte er so eine Ahnung, dass dieser das nicht so gerne sah. Er war sowieso völlig hin und weg von dem Anblick, der sich ihm schon seit geraumer Zeit bot.
      Nirha war überhaupt kein Vergleich zu Ostberg oder Westberg. Im Vergleich zu Schimmerfels kam ihm der Gedanke, er wäre in der heruntergekommendsten Stadt dieser Welt aufgewachsen. Der Hafen der Handelsstadt wurde von einer befestigten Mauer umschlossen, die auf zwei aufgeschütteten Landzungen gebaut wurde. Große Wehrtürme thronten jeweils am Ende und formten zusammen mit der großen verwinkelten Festung an der nordöstlichen Spitze eine beeindruckende Befestigungsanlage.
      Im Hafen selbst konnte man klar definierte Bereiche sehen, in denen sich das Hafenviertel aufteilen ließ. Nahe der Festung gab es mehrere Anlegestellen, die mit seltsamen Konstruktionen ausgestattet waren. Dicht daneben reihten sich dutzende von Lagerhäusern aneinander. Weiter Richtung Süden erkannte Alarion etwas, dass nach einer Schiffswert aussah, denn eines der großen Handelsschiffe lag dort gerade im Trockendock und bekam einen neuen Anstrich. Ganz am Ende gab es mehrere Abflüsse aus Rohren, die aus der Stadt zu kommen schienen. Dort gab es auch ein paar Buden, die aber eher heruntergekommen waren und ihn seltsamerweise an seine Heimatstadt erinnerten.
      Mit großen Augen sah er zu Börte hinüber.
      "Diese Stadt muss ja im Geld schwimmen, wenn ich mir das hier so anschaue!"

      Ja, Nirha ist so etwas wie ein Dreh- und Angelpunkt für den Handel. Egal ob über Land von Noldar, Oktan und Loreén oder dem Seeweg nach Melphas und Schimmerfels. Uns ist viel daran gelegen, dass es o bleibt.“ Mit einem vielsagenden Blick bedachte Börte den Jüngling.

      Zustimmend nickte Alarion sanft vor sich hin, während er den Blick über die Silouhette der Stadt schweifen ließ. Hier gab es sicher Unmengen voller Taschen, die gelehrt werden wollten! Der Junge konnte es gar nicht erwarten, an Land zu gehen.
      Er wandte sich an den Zwerg, der ihm die Überfahrt spendiert hatte. "Wisst ihr schon, wo ihr mit eurer Suche anfangen werdet?"


      „Wo fängt man am erfolgreichsten mit einer Suche an? In der nächstbesten Hafenkneipe natürlich! Komm mit, ich spendiere dir etwas zu Essen.“ Dann wandte er sich an Börte, um seine Reisekosten zu zahlen. „Gerne mal wieder!“, mit leuchtenden Augen nahm sie die zwei Goldstücke entgegen. „Ach ja, was immer ihr auch sucht – fragt nach der ‘Klaue‘!“ Grindol bedankte sich und sprang auf den Kai. Er stand zwar etwas breitbeinig auf den Füßen, was aber bei einem Zwerg nicht unbedingt auffiel.

      Alarion verabschiedete sich von Börte und gemeinsam machten sie sich auf ins Stadtinnere. Selbst zu der recht späten Stunde war noch einiges los auf den Straßen. Besonders auffällig war, dass es hier eine recht große Anzahl an Stadtwachen zu geben schien. Nebenbei schätzte er die Straßen und Gassen aus reiner Gewohnheit aus dem Blickwinkel eines Diebes ein, während er dem Zwerg durch die Menschenmengen folgte. "Wie kommt ihr eigentlich dazu, mir ständig etwas zu spendieren? Die Überfahrt war schon großzügig und dafür bin ich euch sehr dankbar. Wieso aber tut ihr es weiterhin? Ich schulde eigentlich euch etwas und nicht anders herum."


      Der Zwerg machte eine wegwerfende Handbewegung. „Du hast doch deine Börse verloren, oder? Sei still, bevor ich meinen Geiz wieder entdecke“, fügte er lachend hinzu, „unter meinesgleichen habe ich den Rang eines Fürsten musst du wissen. Außerdem haben wir doch schon einiges zusammen erlebt. “ An einer Kneipe mit dem schönen Namen "Seemanns Kiste“ blieb Grindol stehen. „Wollen wir?“
    • Koop Spartan, Fara (Kiv und Tan) und Cass (Meleas)

      Nach ein paar hundert Metern durch den dichten Wald, setzte sich der unbekannte Retter vor die Gruppe und führte sie wortlos weiter Richtung Westen. Der Wolf folgte ihm beinahe auf den Fuß und hielt nur selten inne, um nach Feinden zu wittern. Erst nach einer Weile bogen sie in einem weiten Kreis ein wenig nach Süden ab. Sie folgten ihnen, bis ihr Retter auf einer kleinen Anhöhe sein Tempo drosselte und schließlich zum Stehen kam. Sein Begleiter hielt ebenso neben ihm und sah ihn mit großen Augen an, bis dieser ihm ein Zeichen gab und der Wolf auf der anderen Seite hinunter lief. Kurz darauf ertönte das vertraute Plätschern von Wasser.
      Sein "Besitzer" wandte sich hingegen an die Gruppe. "Hier sollten wir sicher sein. Die Erschaffenen werden uns nicht so weit folgen. Wir können uns ausruhen."
      Er selbst stieg bereits gemächlich die Anhöhe hinab. Dahinter lag ein malerischer Ort - ein kleiner Wasserfall bildete einen Teich, der nach nur wenigen Metern wieder als unterirdischer Fluss unter der Anhöhe weiterfloss. Gleich daneben war eine etwas größere und schräge Steilwand, die einen natürlichen Dachüberstand bildete sowie mehrere Gesteinsformationen darunter, auf denen hier und da bereits Sachen und Vorräte ausgelegt waren und durch ein paar magische Lichter erleuchtet wurden.

      Der Eldar war ein ausdauernder Läufer, aber langsam kam sogar er an seine Grenzen. Der vorherige Marsch, der Kampf, der wenige Schlaf zollten ihren Tribut. Seine Muskeln begannen zu schmerzen, doch da er mindestens so starrköpfig war wie es wehtat, biss er die Zähne zusammen und ignorierte es. Auch wenn es nichts anderes als Flucht war merkte er sich gut, wo sie waren. Man wusste nie, ob der Retter nicht plötzlich das Problem wurde. Sie waren jetzt ungefähr auf der Hälfte des Weges zwischen Amarîl und den Silbertürmen, also war noch nichts verloren. Außer Liana. Er machte sich keinerlei Illusionen darüber, was mit der Prinzessin geschehen war, wenn sie auf die Erschaffenen getroffen war. Schließlich hielten sie an. Die Stille des Ortes tat gut für den Moment, und langsam atmete er aus, wieder ein, und setzte sich. Ungewöhnlich, dass er so müde war. Für einige Sekunden schloss Meleas die Augen und konzentrierte sich nur auf seine Atmung, die er gekonnt beruhigte, dann betrachtete er mit seinem kühlen Blick den Mann und seinen Wolf. Ein Mensch, ein Magier sicherlich. Garantiert mächtig. All das interessierte ihn jedoch wenig. Er war so oft in den Wäldern unterwegs gewesen. Wie hatte er Erschaffene übersehen können? Dass ein Mann wie der Unbekannte sich sicherlich unsichtbar machen konnte wenn er wollte war dem Assassinen bewusst,. Schließlich sprach der Eldar bedächtig:
      "Wir schulden euch wohl Dank. Erschaffene habe ich noch nie in den Wäldern getroffen. Einen prächtigen Gefährten habt Ihr." Sein Blick fiel auf den Wolf. Es bedeutete einiges, wenn ein solches Wesen einen als Begleiter erwählte.
      "Wer seid Ihr?"

      Die Flucht erschien Tan falsch. Natürlich, sie mussten den Erschaffenen entkommen, denn gegen ihre Zahl konnten sie nicht viel ausrichten – doch was war mit Liana?! Von der Prinzessin fehlte jegliche Spur (er weigerte sich an das blutige Etwas auf dem Waldboden zu denken), was, wenn sie den Erschaffenen ebenfalls über den Weg lief?
      Als sie schließlich anhielten, übernahm Meleas das Reden. Während Kiv sich den Rückzugsortes des Menschen besah und ansonsten still blieb, fügte Tan schließlich noch hinzu: „Ja, wir sind Euch zu Dank verpflichtet. Allerdings fehlt eine Eldarin aus unserer Gruppe und ich würde gerne nach ihr suchen gehen!“

      Der Fremde hatte gerade begonnen seine Waffen abzulegen und die Rüstung zu lockern. Er wollte Meleas gerade antworten, hielt dann aber bei Tans aufgebrachter Stimme inne. Mit einem Stirnrunzeln fragte er: "Ihr seid nicht vollzählig? Diese Eldarin - wann habt ihr sie zuletzt gesehen?"

      "Am Abend, bevor wir schlafen gegangen sind", antwortete Tan. "Wir wachten in der Nacht auf und sie war verschwunden."

      Der Mann nickte langsam und fuhr damit fort, seine Rüstung zu lockern.
      "In dem Fall kann ich euch beruhigen. Diese Meute gehört zu einem Beschwörer namens Kalior. Ich verfolge sie seit Oktans Klauen. Unter den Erschaffenen gibt es eine, die sich "die Mutter" nennt, möglicherweise ist sie euch aufgefallen. Sie war seine "erste" und ist sozusagen seine Ausbilderin. Wenn sie ein neues Opfer hat, fängt sie es und quält es, bis es verrückt wird, das macht sie empfänglicher für Befehle, wenn sie zurückkommen. Erst dann tötet sie und überlässt den geschundenen Körper ihrem Meister. Wenn eure Eldarin erst diese Nacht verschwunden ist, hättet ihr sie auf jeden Fall lebend bei der Mutter gefunden, wenn sie den Erschaffenen in die Hände gefallen wäre. Ihr letztes Opfer dürfte ein Hüter des Waldes gewesen sein, der auf dem Rückweg nach Amarîl war."
      Er zerrte ein wenig stärker am Halteriemen, bis dieser sich löste und seine Schulterstücke herunter rutschten. Er hob kurz den Kopf und sah zu Meleas. "Mein Name ist Lyrianos. Ich hätte die Meute auch gerne früher erwischt aber Kalior ist ein gerissenes Schlitzohr. Am Lîor hatte ich sie schon in die Enge getrieben, aber Kalior hetzte mir einen Flussgeist auf den Hals. Der verdammte Bastard hat für sein Alter ordentlich was drauf, ich hätte ihn nicht unterschätzen dürfen."

      Meleas hob die Hand.
      "Tannivhar, wir werden sie suchen gehen. Und das werden wir bald müssen." Er lauschte den Worten Lyrianos' und stand wieder auf, auch wenn seine Muskeln protestierten. Nun, er war Schmerz gewohnt.
      "Ich verstehe. Euer Tun ist höchst angemessen angesichts der Schrecken, doch wir müssen Liana finden." Sein ernstes Gesicht wies keinerlei Humorspuren auf, als er ergänzte:
      "Liana ist eine sehr unerfahrene junge Eldarin und auch wenn es keine Erschaffenen in der Nähe gäbe so wäre sie vielem hilflos ausgeliefert. Wir sind nicht nur Begleiter, sondern mehr noch Beschützer. Nicht nur, dass sie sich verlaufen wird, sie weiß auch kaum, wie man sich in der Wildnis ernährt." Seine Unhöflichkeit, dass er nicht einmal erklärte wer er war, interessierte ihn nicht. Wenn die Prinzessin noch lebte, dann mussten sie diese finden, schon alleine um des eigenen Kopfes willen.

      Lyrianos schien keinen Grund zur Eile zu haben und machte sich an seinen Vorräten zu schaffen. "Habt ihr euch denn noch keine Gedanken dazu gemacht, wieso sie nicht mehr bei euch ist? Nachdem was ihr mir erzählt habt, scheint euer Lager ja nicht angegriffen worden zu sein." Er hielt inne und nickte kurz zu Tan hinüber.
      "Euer Magier... kann er sie denn nicht aus der Ferne aufspüren?"

      "Wir hatten noch keine Gelegenheit darüber nachzudenken", entgegnete Kiv, bevor Tan antworten konnte. "Wir wurden wach, hörten seltsame Geräusche und als wir diesen nachgingen, wurden wir von den Erschaffenen angegriffen."
      "Allerdings...", überlegte Tan nun laut, "könnte ich versuchen sie aus der Ferne aufzuspüren. Ich habe ihren Geist schließlich schon einmal berührt, wenn auch nur flüchtig."

      Meleas sah zu dem jungen Eldar.
      "Probier es. Wenn nicht, werde ich losziehen. Ihr bleibt hier." Alleine war er schneller und effizienter, wenn es darauf ankam. Da musste er auch nicht unbedingt Wege benutzen.
      "Lyrianos, ich neige nicht zu übereilten Maßnahmen, aber angesichts dessen was ich weiß ist Eile angemessen."

      Lyrianos machte keinerlei Anstalten, sich Meleas anzuschließen. "Ich werde euch nicht davon abhalten aber es wäre verschwendete Zeit, wenn euer Freund uns auch so bestätigen kann, dass es ihr gut geht."

      So zuversichtlich wie er vermochte, nickte Tan Meleas zu, dann ließ er sich auf dem Boden nieder und versuchte sich zu konzentrieren. Er hatte noch nie einen anderen Eldar aus der Ferne aufgespürt, konnte sich aber in etwa denken, wie es funktionieren musste. So suchte er also nach Lianas Geist, versuchte sich in Erinnerung zu rufen, wie genau es sich angefühlt hatte ihn zu berühren, doch...
      "Nichts", sagte er leise und schlug die Augen wieder auf. Ein Eisklumpen hatte sich in seinem Magen geformt. "Ich kann sie nicht spüren."
      Kiv hatte die Stirn in Falten gelegt. Nach einem kurzen Zögern meldete sie sich zu Wort: "Ihr Anhänger. Damit kann sie nicht aufgespürt werden, oder?"
      Tans Augen weiteten sich vor Schreck. "Daran habe ich nicht gedacht!" Er blickte von seiner Schwester zu Meleas und dem Menschen.

      Der Fremde fuhr sich mit der Zunge über die Zähne und hatte plötzlich einen Anflug eines Lächelns auf den Lippen.
      "Der Anhänger ist mit Eldarmagie verzaubert, nicht wahr?" Er nickte, als ob er sich selbst die Frage damit beantworten würde und wandte sich wieder an Tan.
      "Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel Wissen eure Ältesten doch zurückhalten." Er stand auf und stellte sich dann direkt vor den jungen Magier. "Magie, mein junger Freund, ist nicht schon immer da. Es gibt Kräfte in dieser Welt, die weitaus älter und stärker sind. Versucht es noch einmal - aber diesesmal...." Er beugte sich zu Tan hinüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr.

      Kivs Hand schnellte automatisch zu ihrem Schwert, als der Mensch sich ihrem Bruder näherte, doch als sie sah, dass keine Gefahr von diesem ausging, entspannte sie sich etwas. Tan runzelte derweil etwas die Stirn, als Lyrianos sich zu ihm beugte. Er strengte sich an, um die Worte des Menschen verstehen zu können: "... Verschließt euren Geist gegenüber jeder Form von magischer Energie. Alles was ihr braucht ist eine Emotion, die ihr aussendet, egal welche." Eine... Emotion? Tan war sich nicht ganz sicher ob er verstand. Einen Moment sah er Lyrianos verwirrt an... doch eine andere Wahl hatten sie nicht wirklich, wenn sie nicht gerade den ganzen Wald durchkämmen wollten. So nickte er dem Menschen bloß zu, ließ sich erneut auf dem Boden nieder und versuchte seinen Anweisungen zu folgen. Verschließt euren Geist... So etwas hatte er noch nie getan. Die Vorstellung, der Magie gegenüber abgeschnitten zu sein, bereitete ihm Sorgen. Fühlte Kiv sich so jeden Tag? Eine Emotion... Doch welche Emotion sollte es sein? Laut dem Menschen war es egal, so versuchte Tan die Emotion hervorzurufen, die ihm als erstes in den Sinn kam, wenn er an Liana dachte. Sorge, vor allem. Er konzentrierte sich auf dieses Gefühl und schickte es aus.


      Es vergingen einige Augenblicke, in denen überhaupt nichts geschah. Dann traf ihn völlig unvorbereitet ein Gefühl von Sicherheit, ja sogar völliger Entspanntheit.
      Lyrianos beobachtete währenddessen die Reaktionen auf Tans Gesicht und hatte ein wissendes Lächeln aufgesetzt.

      Meleas hatte die Arme verschränkt und wartete. Magie war ihm immer fremd gewesen, und auch wenn er den eldarischen Weisen glaubte, so war er grundsätzlich misstrauisch allen anderen gegenüber, Insbesondere merkwürdigen Menschen, die unerkannt im Wald hausten.
      "Was sagt es dir?" Er gab es nicht gerne zu, doch es wurde deutlich, dass er trotz seiner Herkunft keine Bindung zur Magie hatte, denn er hatte keine Ahnung, was das genau war, was da passierte. Und das mochte er nicht.

      Tan schlug die Augen auf. "Ich spüre etwas... Ich... ich spüre sie! Liana!" Er lächelte, ohne recht zu wissen woher er seine plötzliche Zuversicht nahm. "Es geht ihr gut, sie ist in Sicherheit."

      "Na bitte, da habt ihr eure Antwort." Der Fremde zwinkerte Tan zu und kümmerte sich wieder um seine Vorräte.

      Das war absolut unlogisch. Meleas betrachtete den Mann eine zeitlang und meinte schließlich kühl:
      "Eigentlich nicht, nein. Es wirft nur eine ganze Menge neuer Fragen auf." Zwar hatte er sie gerettet, doch hieß das nicht, dass der Mann nur gute Absichten hegte.
      "Auch wenn es ihr noch gut gehen sollte, so kann sich derartiges rasch ändern.Warum also sollte ich Euch trauen, wenn ich Euch nicht kenne?"

      "Ihr müsst ja nicht mir trauen aber wenigstens eurem jungen Magier hier... Tannivhar, war dein Name richtig?", meinte er an Tan gewandt hinzu und verschränkte dann die Arme.
      "Er kann euch jederzeit darüber auf dem Laufenden halten, wie es Liana geht. Stand jetzt, geht es ihr ausgezeichnet. Also entspannt euch auch ein wenig. Ihr könnt natürlich auch einfach zurückgehen und euch mit dieser untoten Meute anlegen. Ich hab ja schon gesehen, wie gut das funktioniert hat."

      "Wer sagt mir, das Ihr ihn nicht beeinflusst?" Meleas war nicht wütend, das sah man ihm auch an, doch kalkulierte er die Risiken anders als die meisten anderen Eldar. Magie war für ein ein Unischerheitsfaktor.
      "Ich bin für die Hilfe nicht undanḱbar. Aber allein das Wissen, dass es ihr noch gut geht beruhigt mich nicht ganz. Was wisst ihr mehr? Und was seid Ihr?"

      "Wer oder was ich bin, spielt doch keine größere Rolle. Ich würde euch ja mehr erzählen, wenn ihr dem Mann, der euren Arsch gerettet hat, nicht mit unendlichem Misstrauen begegnen würdet."
      Er hob den Arm und fing an, seine Finger abzuzählen.
      "Ihr wisst nicht, wann eure Freundin genau verschwunden ist. Ihr wisst nicht, wieso. Ihr wisst vielleicht nicht einmal wohin sie wollte und wisst auch nicht, wo sie sich aktuell befindet." Aus Richtung des kleinen Teiches hörten sie wieder lautes Geplätscher. Der Wolf kam heraus und kam zum Lager getrottet. Nach ein paar Metern hielt er inne und schüttelte sich kräftig, dass das Wasser nur so umherspritzte und kam dann gemächlich näher.
      Lyrianos beobachtete ihn mit einem Lächeln und setzte sich dann wieder auf seinen Stein.
      "Ihr solltet inne halten und euch genau eure nächsten Schritte überlegen. Und ihr müsst euch ein wenig ausruhen. Falls ihr dann immer noch zu der Entscheidung kommt, ihr müsstet blindlings zurück laufen und sie suchen, helfe ich euch."
      Währenddessen lief der Wolf ein wenig umher, beschnüffelte die Eldar und lief um ihre Beine.

      "Niemand hat von blindlings gesprochen", warf Kiv ruhig ein. Ihr Blick folgte dem Wolf und, einem plötzlichen Instinkt folgend, streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Etwas an dem Tier faszinierte sie. "Doch auch wenn es ihr im Moment gut geht, sollten wir sie bald finden. Der Wald ist groß und je länger wir voneinander getrennt sind, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie überhaupt noch einmal finden."

      "Misstrauen hält am Leben." meinte Meleas nur knapp und hob beide Augenbrauen.
      "Ich mache nichts blindlings, wie Kivessa bereits sagte. Doch nun gut." Seine kalten Augen fixierten erst den Wolf, dann den Magier.
      "Liana ist die Tochter des eldarischen Königs. Wenn ihr etwas zustößt, kann ich mir die Reaktion gut vorstellen." Trotz der Worte hörte man nicht wirklich Sorge aus den Worten, er zählte nur Fakten auf.
      "Für uns hat ihr Schutz höchste Priorität. Eine zu lange Ruhepause können wir uns nicht leisten."

      Lyrianos hob die Augenbrauen und verzog kurz den Mund. "Eine verschwundene Prinzessin also, soso... ." Er schien noch etwas sagen zu wollen, wirkte dann aber ein wenig abwesend. Stattdessen verfolgte er mit prüfendem Blick seinen pelzigen Begleiter, wie er die ausgestreckte Hand Kivs beschnupperte. Seine Schnauze stuppste leicht gegen die Hand wie eine Aufforderung und schmiegte sich dann kurz gegen die Handfläche.
      Der Mann schien in Gedanken und riss sich mit ein wenig Mühe los und konzentrierte sich wieder auf das Gespräch.
      "Es wundert mich, dass eine eldarische Prinzessin so eine kleine Leibgarde hat. Noch dazu einen magischen Anhänger, der es ihr wiederum gestattet, sich vor vielen Augen zu verstecken." Jetzt war er es, der Meleas einen misstrauischen Blick zuwarf. Der Moment hielt aber nicht lange an.
      "Ich will eurem Pflichtgefühl nicht im Wege stehen. Wenn ihr denkt, ihr könnt sie ausfindig machen, dann geht. Mehr als euch davon abraten, dies ohne Vorbereitung und Rast zu tun, kann ich nicht. Solltet ihr euch dagegen entscheiden, könnt ihr mir gerne Gesellschaft leisten."

      Ein kleines Lächeln spielte um Kivs Mundwinkel, als der Wolf sich an ihre Hand schmiegte. Vorsichtig fuhr sie durch seinen dichten Pelz. So ein schönes Tier. Nur mit Mühe konnte sie sich wieder dazu bringen, der Unterhaltung zu folgen.
      "Kannst du herausfinden, wo sie sich aufhält?", fragte sie ihren Bruder, doch dieser schüttelte seinen Kopf.
      "Nein, ich kann nur sagen, wie sie sich fühlt. Doch wo sie ist... ich weiß es nicht." Die Zwillinge blickte zu Meleas.

      Meleas hielt dem Blick ohne mit der Wimper zu zucken stand. Den Wolf beobachtete er mehr aus dem Augenwinkel.
      "Gut, halte die Verbindung. Wenn wir annehmen, dass sie real ist, dann haben wir jedenfalls eine Spur." Auf seinem Gesicht erschien ein dünnes Lächeln, an Lyrianos gerichtet.
      "Liana wäre ansonsten allein gereist." Nachdenklich warf er einen Blick auf seine beiden jungen Begleiter, dann seufzte er und erklärte:
      "Als Verwandter und dem König direkt Unterstellter sehe ich es als Aufgabe an, eine äußerst dickköpfige Prinzessin zu schützen, mit allen Mitteln. Ich würde nicht planlos losrennen, sondern überlegen, wie weit sie in der Zeit hätte gehen können und einen Radius schlagen. Wenn sie scheinbar guten Sinnes ist. so wird sie an einem eher angenehmen Ort sein." Er verschränkte die Arme.
      "Nun, wenn Ihr so viel wisst - welcher Ort käme dann in Frage?"

      "Wie kommt ihr darauf, ich wüsste mehr in Bezug auf eure Prinzessin als ihr?", fragte Lyrianos mit einem Stirnrunzeln.
      "Ich kenne weder sie noch euch. Nachdem was ihr sagt, scheint sie ja von zu Hause ausgerissen zu sein - der Gedanke, dass sie diesen Fluchtgedanken auch bei ihren Beschützern fortführt, ist zumindest nicht auszuschließen. Ihr wart mit ihr unterwegs, was war denn das Ziel eurer Reise? Möglicherweise hat sie sich dazu entschieden, den Weg allein zu bestreiten."
      Der Wolf genoss währenddessen sichtbar die Streicheleinheiten. Lyrianos schien das ganze mit wachsendem Interesse zu verfolgen. Seine Augen fixierten Kiv und er nickte ihr knapp zu. "Sie scheint dich wirklich zu mögen."

      Tan nickte Meleas zu, erhob dann jedoch an Lyrianos gerichtet das Wort: "Ich denke nicht, dass sie alleine fortgehen würde. Wir hatten bereits ausgemacht, dass wir sie begleiten würden, ich sehe keinen Grund, wieso sie uns zurücklassen sollte." Außer sie traute ihnen nicht mehr. Der Gedanke machte ihm zu schaffen, doch er verwarf ihn schnell wieder. Sie hatten nichts getan, um Lianas Vertrauen zu verlieren.
      Kiv schaffte es derweilen gerade so den Blick von dem Wolf zu lösen und den Menschen anzusehen. "Ich mag sie auch. Wie heißt sie?"

      "Unser Ziel liegt im Tief im Reich der Menschen. Liana wüsste nicht einmal, in welche Richtung sie gehen muss um dorthin zu gelangen." Meleas lehnte sich an einen Baum. Die Müdigkeit war da, aber es half nichts.
      "Und ich nehme es an, da ihr offensichtlich ein Wissender seid. Aber nun denn." Er setzte sich und sah sein Gegenüber aufmerksam an.
      "Warum sollten wir eher ruhen denn suchen - was bringt Euch dann zu der Annahme, das mache Sinn, wenn Ihr doch nicht mehr wisst?"

      Lyrianos sah zu Kiv und kratzte sich ein wenig am Bart. "Ihr richtiger Name ist Nav'harikshar, was in eurer Sprache so viel wie 'Grau-Schatten' bedeutet. Sie hört aber lieber auf die Kurzform Navari." Die Wölfin hatte es sich derweil zu Kivs Füßen bequem gemacht. Ihr Herrchen beäugte sie immer noch mit einem seltsamen Blick. "Es ist erstaunlich, sie hält sich sonst eigentlich sehr bedeckt."
      Sein Blick traf wieder Meleas. "Ich habe nie behauptet, ihr solltet das eine tun und das andere lassen. Aber ich sehe euch an, dass ihr erschöpft seid, auch wenn ihr es euch nicht anmerken lassen wollt. Der Wald ist kein schweigsames Grab, mein Freund. Hier wird mehr geflüstert als in mancher dunklen Gasse der Menschenstädte. Eine Prinzessin verschwindet hier nicht spurlos. Ihr mögt der Magie in diesem Wald nicht trauen, aber sie bringt euch wohl am schnellsten zu dem, was ihr sucht."

      "Müdigkeit macht mir wenig." Meleas sah kurz zu Kivessa und dem Wolf. Zu Lebewesen hatte er nie eine gute Bindung finden können, aber es schien keine Gefahr von dem Tier auszugehen.
      "Ich habe nichts gegen Magie. Ich hinterfrage allerdings gerne Motive." Irgendwann würde Liana vermutlich panisch werden. Das konnte böse enden.
      "Wer Ihr seid, wissen wir noch immer nicht. Ich bin oft in den Wäldern, jedoch habe ich Euch nie gesehen - was mich nicht unbedingt verwundert- und wüsste gerne, mit wem wir es hier zu tun haben."

      "Navari", wiederholte Kiv leise. Auch während sie sich mit dem Wolf beschäftigte, blieben ihre Sinne scharf. Sie beteiligte sich nur nicht groß an der Unterhaltung, da sie wenig mit Magie anzufangen wusste und darauf vertraute, dass ihr Bruder auf diesem Gebiet mehr bewandert war.
      "Ihr sprecht von der Magie des Waldes", sagte dieser nun an den Menschen gewandt. "Heißt das, es gibt noch einen Weg, Liana zu finden?" Natürlich war er dankbar dafür, dass er durch den Rat des Menschen feststellen konnte, dass es der Prinzessin gut ging. Doch ihr bloßer Gemütszustand verriet ihm noch nicht, wo sie sich aufhielt.

      Ein schelmisches Grinsen umspielte die Lippen des Fremdlings. "Ihr kennt meinen Namen, somit kennt ihr mich besser als die meisten." Er stöhnte ein wenig, als er sich erhob und sich weiter Richtung Steilwand in seinen Vorräten umsah. "Ihr weiß nicht, was ihr euch davon versprecht. Ich komme aus einem Land weit im Osten, weit hinter der Wüste. Ich trage keine Titel und wenn doch, werdet ihr mit ihnen nichts anfangen können. Ich bin kein Gelehrter, kein Jäger dunkler Mächte oder Pilger auf Reisen. Ich bin ein einfacher Mann ohne Ziel."
      Er lehnte sich zur Seite und kramte in seinen Vorräten, bis er ein abgebratenes gut erhaltenes Stück Fleisch hervor zog und herzhaft hinlangte. Zwischen zwei Bissen fragte er mit halbvollem Mund: "Wollt ihr auch was?", aber sofort danach winkte er ab. "Ah stimmt, euer Volk ernährt sich ja nicht von anderen Lebewesen. Seht mal in der Tasche da drüben nach, da müssten noch ein paar Jocka-Früchte sein. Paar Äpfel aus dem Menschenreich sind auch noch da." Seine dunkelblauen Augen wanderten von einem zum anderen. "Na los, worauf wartet ihr, mit leerem Magen ist nicht gut Geschichten erzählen."
      Er machte es sich bequem, wandte sich an Tan und zog die Augenbrauen ein wenig hoch, während er mit dem Stück Fleisch in der Hand dezent gestikulierte. "Mhm, das ist eine sehr berechtigte Frage, mein junger Magier-Freund. Nun, sofern sich eure Freundin noch im Wald aufhält, wäre das naheliegendste, dass wir einfach Loreén fragen."

      Wortlos trat Meleas zu dem Fremden, ohn ihn aus den Augen zu lassen, und nahm sich bewusst ein kleines Stück Fleisch.
      "Also wollt Ihr nichts verraten. Fremde sind selten in diesen Wäldern, doch ich habe die Welt bereist. Aus welchem Land genau seid Ihr?" Er neigte den Kopf.
      "Dann sollte man beizeiten fragen."

      Nach Lyrianos' erneuter Aufforderung erhob Kiv sich und durchstöberte die Tasche. Tan wandte derweil den Blick von dem Fleisch ab, nur um gleich darauf den Menschen mit großen Augen anzusehen.
      "Wir... wir fragen Loreén?"

      "Das Land trägt den Namen Val`okhma. Hilft euch das weiter?" Der Mann bedachte Meleas mit einem skeptischem Blick, eher er sich an Tan wandte und nickte. "Tja, ich hab sie schon eine Weile nicht gesehen. Hat ja auch alle Hände voll zu tun, wie immer eigentlich. Aber wenn jemand eure Prinzessin aufspüren kann, dann ist sie wohl eure beste Chance."

      Meleas kaute das Fleisch und brummte etwas.
      "Gehört, ich war noch nicht dort." Interessant. Da kam jemand aus der weit entfernten Gegend hierher. Warum? Doch der Eldar wusste, dass Lyrianos nichts verraten wollte. Foltern wäre derzeit nicht das beste Mittel, also hieß es abwarten.
      "Soso, Loreén ist eine Person?"

      "Aber...", begann Tan langsam, "aber wie kann das sein? Ich habe noch nie davon gehört, dass Loreén eine Person wäre." Allerdings hatte er bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie von der seltsamen Magie gehört, mit der er Lianas Gemütszustand feststellen konnte.
      Kiv runzelte leicht die Stirn, sagte jedoch nichts.

      Der Mann sah sie doch ein wenig überrascht an. "meine Güte, ihr wisst ja erstaunlich wenig über eure eigene Heimat. Wobei ihr" - er deutete auf Tan - "ja scheinbar hier auch der einzige seid, der ein wenig Verständnis von Magie hat. Ich frage mich, wieso die Ältesten euch nichts davon erzählt haben."
      Lyrianos wippte mit dem Kopf von einer Seite zur anderen. "Naja, sie ist ja auch keine Person - also zumindest nicht in herkömmlicher Weise. Man könnte sagen... sie ist so etwas wie das Herz des Waldes. Deshalb nennt man ihn ja auch 'den Wald von Loreén'."

      "Vermutlich, weil sie die Geheimnisse bewahren." Meleas störte sich wenig daran, es war nicht sein Bereich. Seine Aufgaben lagen woanders.
      "Diese Geschichte ist interessant. Dann sollten wir Loreén wohl aufsuchen."

      "Wieso sollten sie so etwas geheim halten?", fragte Tan, völlig aus der Fassung gebracht. Was sollte es den Ältesten bringen so etwas vor den restlichen Eldari geheim zu halten? Kiv hatte sich derweil mit zwei Früchten in der Hand von der Tasche erhoben. "Wo hält Loreén sich auf? Werden wir sie schnell erreichen?" Sie mochte vielleicht keinen Bezug zu Magie haben, doch wenn es stimmte, was der Mensch erzählte, dann könnte Loreén ihre beste Chance sein, um Liana zu finden - vorausgesetzt sie mussten dafür nicht den halben Wald durchqueren.

      Lyrianos bedachte Tan mit einem Schulterzucken. "Ihr könnt sie ja fragen, wenn ihr das nächste mal Kontakt zu ihnen habt."
      Kiv schenkte er dagegen ein gepresstes Lächeln, das ein wenig so aussah, als wolle er sich entschuldigen. "Das wird sich zeigen. Sie kann ziemlich launisch sein, daher weiß man nie genau, wie lange man auf sie warten muss. Aber der Tag bricht bald an und der Wald erwacht, in der Phase brauchen wir es gar nicht erst versuchen. Deshalb haben wir ein paar Stunden Zeit, bis wir uns zu ihr auf den Weg machen."

      Der intensive kalte Blick Meleas' durchbohrte den merkwürdigen Fremden eine Weile.
      "Ich hoffe doch sehr, dass es Liana dann noch gut geht." Denn wenn nicht, würde er einen Weg finden, Lyrianos beizukommen. Der Eldar drohte nicht, allerdings merkte er sich nun jede Geste, jeden Zentimeter an dem anderen Mann. Nicht zu unterschätzen wäre in jedem Fall der Wolf. Doch er hatte Geduld und lehnte sich schließlich an einen Baum.
      "Was führt Euch eigentlich in diese Gegend? Weiß der König von Euch?"

      "Ist es denn sinnvoll so lange zu warten?", fragte Kiv nach.

      Lyrianos runzelte die Stirn und warf Meleas einen fast skeptischen Blick zu. "Ihr scheint nicht viel von mir zu halten, was? Ich hatte es bereits vorhin erwähnt, wenn ihr meinen Urteil nicht traut, dann geht und sucht eure Prinzessin! Ich hätte euch nicht aufgehalten und tu es jetzt immer noch nicht."
      Kiv hingegen lächelte er zu. "Ich kenne sie gut genug, glaubt mir. Würdet ihr sie in dieser Phase rufen, würde sie entweder gar nicht auftauchen oder nur, um euch aus Wut über die Störung in Stücke zu reißen."

      "Ich kenne Euch nicht. Skepsis ist grundsätzlich angebracht in manchen Situationen." Doch Meleas rührte sich nicht. Der Fremde war viel zu eigen um ihn in den Wäldern alleine herumziehen zu lassen. Liana konnten sie so schnell nicht finden.
      "Außerdem beantwortet Ihr wahrlich nicht eine meiner Fragen."

      "Vielleicht stellt ihr einfach die falschen." Er hatte wieder sein schelmisches Grinsen aufgesetzt. Man konnte wahrlich nicht sagen, ob er sich über Meleas amüsierte oder ihn ihn provozieren wollte.
      Nach einem Seufzen sagte er: "Ich sagte schon, ich war dem Beschwörer Kalior auf den Fersen. In die westliche Welt trieb mich die einfache Abenteuerlust, falls ihr das wissen wolltet. Und ich würde es stark bezweifeln, dass euer König von meiner Anwesenheit weiß. Ich bin zumindest noch keinem eurer Patrouillien über den Weg gelaufen."

      Meleas schloss nun einfach die Augen. Vielleicht war der Fremde tatsächlich eher harmlos, immerhin hatte er den Beschwörer gejagt. Zumindest war die Frage, wer die größere Gefahr darstellte, klar. Lyrianos wusste vielleicht nicht, dass der König nicht begeistert wäre, wüsste er hiervon. Aber seine Aufgabe war immer noch der Schutz seiner Rasse. Das würde er nicht vergessen.
      "Hmmm." Er verschränkte die Arme und betrachtete sein Gegenüber wieder mit halb geöffneten Lidern.
      "Liana muss gefunden werden, allerdings ist es ebenfalls vonnöten, dass der Beschwörer getötet wird. Er stellt sicherlich die größte Gefahr für die Eldar dar."

      Lyrianos zeigte mit dem Daumen über seine Schulter. "Der nächste Hain von Loreén, in dem wir sie rufen könnten ist noch ein Stück weiter Richtung Westen. Aber wir können bei Gelegenheit Kalior bei ihr auch einfach ansprechen. Möglicherweise kann sie die Sache klären. Und dann schauen wir mal, ob sie uns etwas über eure verschwundene Prinzessin erzählen kann."

      "Wenn es ihr Wald ist, dann werden ihr Erschaffene hier sicher nicht gefallen." Meleas seufzte ein wenig.
      "In der Zwischenzeit könnt Ihr ja ein paar Geschichten erzählen."

      Die Zwillinge beobachteten den Austausch zwischen Meleas und dem Menschen wortlos. Zwar ging die unterschwellige Spannung zwischen den beiden an Kiv vorbei, Tan war jedoch sehr wohl in der Lage diese zu spüren und runzelte leicht besorgt die Stirn. Hoffentlich würde das nicht noch Schwierigkeiten bringen. Schließlich fragte er: "Woher kennt Ihr Loreén eigentlich? Wart ihr schon öfters hier im Wald?"

      Ein Lächeln umspielte Lyrianos Lippen und er fuhr sich wieder mit den Fingern durch den Bart, wie schon zuvor. "Ein oder zweimal." Er kniff leicht die Augen zusammen und machte eine vage Handbewegung. Er sah so aus, als ob er versuchte, sich an etwas zu erinnern. "vielleicht auch dreimal." Er sah zu Tan hinüber und knabberte weiter an seinem Stück Fleisch. "Sie ist ... so was wie ... eine alte Bekannte würde ich sagen. Ich hab ihr vor einer Ewigkeit mal aus einer misslichen Lage geholfen - etwas, dass ihr eigentlich ganz und gar nicht gefällt. Aber ... naja, sie war mir etwas schuldig. Seitdem wechselt das eigentlich ständig, mal schulde ich ihr was, mal sie mir - ich weiß nicht mal mehr, wie der letzte Stand eigentlich war." Aus einem unerfindlichen Grund setzte er ein beinahe vergnügtes Grinsen auf. "Wir werden es wissen, wenn sie irgendwelche Opfer verlangt oder so."

      "Hmmm." Meleas betrachtete den Mann vor sich und knabberte bedächtig an einem Stück Fleisch. Was dieser so erzählte, wie er sich gab war äußerst interessant.
      "Ein Opfer findet sich." Er lächelte beinahe, als er schließlich fragte:
      "Was ich mich gerade frage, da wird ja von einer Wesenheit reden - wie alt seid Ihr denn?"

      Der Anblick des Fleisches verursachte leichte Übelkeit in Tan, doch er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen und wandte stattdessen den Blick ab. Meleas Frage interessierte ihn jedoch ungemein. Kiv hatte weniger Probleme mit dem Anblick und sah nun neugierig zu Lyrianos.

      Dieser sah an sich herab und breitete die Arme aus. "Naja allzu alt seh ich hoffentlich nicht aus, ich habe noch vor ein paar Jährchen auf dieser Welt zu wandeln. Es dürften nun so an die vierzig Jahre sein, habe zwischendurch nicht ganz mitgezählt."

      Irgendwie glaubte Meleas dem Mann nicht, doch im Prinzip war es egal. Lyrianos gab sich absichtlich so merkwürdig geheimnisvoll, und der Assassine hatte eine ziemliche Geduld.
      "So jung, interessant. Wie auch immer." Er streckte sich ein wenig.
      "Bevor ich einroste, trainiere ich ein wenig."

      Lyrianos nickte und wandte sich an die Zwillinge. "Ihr könntet euch ein wenig ausruhen, wenn ihr das wollt. Ihr habt die Nacht ja alle ein bisschen wenig geschlafen. Wir wecken euch, wenn wir uns auf den Weg machen."

      40 Jahre? Sowohl Kiv als auch Tan brauchten einen Moment um zu realisieren, dass die Lebensspanne eines Menschen bedeutend kürzer war, als die der Eldari. Trotzdem war es ein seltsamer Gedanke, dass dieser Mann jünger als sie beide war und doch so viel mehr über ihre eigene Heimat zu wissen schien. Bei Lyrianos Worten sahen die Zwillinge sich kurz an. Tan ließ sich erschöpft zu Boden sinken. Die Anstrengungen der Nacht machten sich bemerkbar. Kiv trat jedoch an Meleas heran. "Ich möchte mit Euch trainieren."

      Der Eldar nickte und bedeutete der Jüngeren, ihm zu einer Stelle zu Folge, wo der Boden nicht ganz so dich bewachsen war.
      "Eine lockere Übung am besten." Er zog sein Schwert.
      "Balance und Augenmaß trainieren. Das gehört zu den wichtigsten Grundlagen."

      Lyrianos verfolgte währenddessen mit großem Interesse Meleas Anweisungen an die junge Eldarin, als er sich auf den moosbewachsenen Boden setzte und sich gegen den Stein lehnte. Ohne den Blick von den beiden zu lösen, streckte er die Hand nach Navari aus und schnippste mit den Fingern, woraufhin die Wölfin sich von ihrem Platz erhob und zu ihm herüber getrottet kam. Sie legte sich der Länge nach neben ihm hin, bettete ihre Schnauze auf den Vorderpfoten und ließ ihre Augen zwischen Tan und den anderen beiden hin und her wandern, während der Mensch mit den Fingern durch ihr Fell fuhr.

      Eine Weile beobachtete Tan die Übungen, die seine Schwester und Meleas vollführten, doch schon bald merkte er, dass seine Lider schwer wurden. Er streckte sich auf dem Boden aus und war innerhalb weniger Augenblicke eingeschlafen. Kiv folgte derweil Meleas Anweisungen, versuchte sich Haltung, Schrittfolgen und Ausweichmanöver so gut wie möglich einzuprägen. Sie merkte, dass sie müde wurde, doch die Übungen taten ihr spürbar gut. Als sie schließlich geendet hatten, ließ sie sich neben Tan nieder, sah noch einmal zu Navari und legte sich dann ebenfalls schlafen.
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      Bleiche klamme Hände legten sich um seinen Hals und drückten zu. Panikartig wurde Adrian der Skeletthände gewahr die ihn erbarmungslos würgten. Er wollte schreien doch lediglich gurgelnde Geräusche drangen aus seinem zusammengepressten Kehlkopf. Wild ruderte er mit seinen Händen und versuchte sich aus der tödlichen Umklammerung zu befreien. Doch eisern hielt ihn das Skelett ähnliche Wesen in seinem Griff. Erbarmungslos drückte es zu und raubte Adrian die Luft zum atmen. Begleitet wurde dies durch das penetrant hohe kichern, das Adrian mittlerweile schon vertraut war. Der offene Mund konnte keine lebensspendende Luft mehr einsaugen und langsam wurde ihm schwarz vor Augen. Plötzlich rüttelte ihn etwas an den Schultern…

      Mit einem tiefen Atemzug erwachte Adrian aus seinem Traum, er rang buchstäblich nach Luft.
      Es dauerte eine Weile bis er sich wieder orientieren konnte. Hinter ihm stand der Greis und hielt ihn an den Schultern gepackt. Eine ernste und sorgenvolle Mine war in seinem Gesicht verzeichnet. Leise sprach er:
      „Ich verstehe langsam warum du Hilfe suchst. Wir können hier nicht viel beitragen, du brauchst tatsächlich jemanden der sich mit solchen Zuständen auskennt. Leider ist es mir nicht gelungen deine „Heiler“ ausfindig zu machen. Der einzige Hinweis verweist auf einen Mann namens „Klaue“, doch so viel ich weiß ist er eine sehr zwielichtige Person.“
      „Wo kann ich ihn finden,“ fragte Adrian, „ich kann und will nicht länger warten.“ Fast flehentlich blickte er den ehrwürdigen Greis an.
      Dieser nickte bedächtig mit dem Kopf. „Ich verstehe Dich … gehe in das Hafenviertel und erkundige dich dort. Sei aber achtsam und leise, der Kluge erfährt mehr durch beobachten und zuhören als durch fragen! Wenn du Hilfe brauchst bist du hier jederzeit willkommen.“
      Mit diesen Worten entließ der Alte Adrian. Dieser machte sich eiligst auf den Weg ins Hafenviertel, nicht ohne sich vorher für das Hilfsangebot zu bedanken.
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      Coop -DON- (Grindol) und Spartan (Alarion)

      In der Kneipe war die Luft stickig. Direkt hinter dem Eingang wurde Alarion ein wenig beiseite gestoßen, als zwei Wachen einen völlig betrunkenen Seemann vor die Tür bugsierten.
      Alarion rückte seine Klamotten ein wenig zurecht und sah sich dann um. Es war ein großer Raum, auf der linken Seite war ein langer Tresen, an denen einige Männer mit der selben Uniform saßen und sich mit dem Wirt unterhielten. Auch sonst war es ziemlich voll. Weiter hinten in einer Ecke steckten ein paar düstere Gestalten die Köpfe ineinander, zwei von ihnen hatten sich zurückgelehnt und schienen eine Art Kraut zu rauchen, denn es rauchte kräftig vor ihrer Nase. Mit einem skeptischen Blick drehte sich Alarion zu Grindol um.

      Der Zwerg zog tief die Luft ein, mit einem beinahe verklärtem Gesichtsausdruck stapfte er dann schnurstracks los. Alarion stehen lassend rempelte er links und rechts die Seeleute beiseite, bis er die Ecke als den Ursprung des vermeintlichen Wohlgeruchs erreichte. Unterwegs hatte er seine Pfeife aus der Weste genestelt, diese hielt er nun den beiden Qualm-Fabrikanten unter die Nase:
      „Scheint ja ein gar vorzügliches Kraut zu sein. Würdet ihr so freundlich sein einen Wandersmann eine Prise davon abzugeben?“

      Einige der Seeleute riefen ihm derbe Sprüche hinterher, schienen aber sonst keine Anstalten zu machen, ihn zur Rede zu stellen. Die zwielichtige Gruppe, die er so frivol um eine Prise Kraut angeschnorrt hatte, schien da schon von einem anderen Kaliber zu sein. Der überraschte Ausdruck auf ihren Gesichtern währte nur einen kurzen Augenblick, schon waren einige von ihnen aufgesprungen und bauten sich vor dem Zwerg auf. Ein mies dreinblickender Hüne mit einer hässlichen Narbe im Gesicht stieß ihn kraftvoll gegen die Schulter und blaffte ihn an. "Verzieh dich, du Gnom! Mach das du verschwindest und gesell dich zu deiner Sippe in der Gosse." Die beiden Pfeife-Rauchenden hatten sich nicht erhoben. Einer von ihnen sah aus wie ein Bote, was man an seinem dreckigen Mantel und der Reiseausrüstung erkennen konnte. Der andere schien eine Art Lederrüstung zu tragen, die an einen Wams erinnerte. Der Mann warf dem Hünen einen Blick zu, als ob dieser ein kleines Kind wäre, wobei er ein wenig mit den Augen rollte. "Ganz ruhig, Tarek." Er fixierte Grindol und nahm einen kräftigen Zug. Er hatte eine unheimlich tiefe Stimme. "Wir wollen doch nicht, dass die Wache hier noch mehr Leute aufmischen muss." Die anderen Männer sahen sich an und schienen sich still abzusprechen, dann setzten sie sich langsam wieder hin. Alarion hörte hier und da auch leise, wie Dolche wieder eingesteckt wurden. Erst da fiel ihm auf, das scheinbar im gesamten Raum alle den Atem angehalten hatten, denn erst als die Männer sich setzten, begannen die anderen Gäste sich abzuwenden und ihre Gespräche wieder aufzunehmen.
      "Tut mir leid, Herr Zwerg. Mein Vorrat ist aufgebraucht." Er hob die Hand und deutete zur anderen Seite des Raumes, während er ein die Mundwinkel verzog. "Wärt ihr so freundlich und würdet euch einen anderen Tisch suchen? Ihr macht meinen Freund hier nervös."

      Der Zwerg bebte innerlich, die leichte Rötung seiner Gesichtsfarbe war ein untrügliches Zeichen dafür. Er war drauf und dran den Tisch mit einem Axthieb zu zerteilen. Wer wagt es ihn zu schubsen! Ihn, Grindol, ein Fürst unter den Seinen, ein gottgleicher Krieger, über dessen Heldentaten daheim Lieder gesungen wurden. Die Überzahl der Gegner schien ihn nicht im Geringsten zu stören. Aber der Zwerg schluckte seine Wut hinunter, er war hier schließlich nur ein „Wanderer“. So begann er laut lachend zu antworten:
      „Haha, steckt nur eure Zahnstocher weg bevor ihr euch noch verletzt.“ Blitzschnell wirbelte er seine Axt nach vorne und hielt sie dem Hünen unter die Nase. „Und du … die Klinge ist scharf genug dich einen Kopf kleiner zu machen, solltest du je wieder Lust verpüren mich berühren zu wollen!“ Mit blitzenden Augen fixierte er den langen Lulatsch. Dann wandte er sich an den Wortführer. „Schade, du hättest dabei sogar ein gutes Geschäft machen können. Doch bevor ich meinen Magen fülle hätte ich noch eine Frage an Dich.“ Grindol schnipste mit dem Daumen eine Münze in die Luft, die um ihre eigene Achse rotierte, bis der Zwerg sie wieder auffing und krachend auf den Tisch knallte. Als er seine Hand hob kam eine Goldmünze zum Vorschein.
      „Könnt ihr mir sagen wo ich die Klaue finde?“
      Der Hüne schien das ganze überhaupt nicht witzig zu finden und plusterte sich auf - hielt aber die Füße still. Sein Anführer beäugte den Zwerg erst belustigt und hob bei der Erwähnung der Klaue die Augenbrauen. Der Münze schenkte er keine Beachtung. "Behaltet euer Gold, Herr Zwerg. Ihr werdet schon bald lernen, dass in dieser Stadt Wissen weitaus höher gehandelt wird als Geld. Dürfte ich fragen, wieso ihr die Klaue aufsuchen wollt?"

      „Grindol, Fürst Grindol um genauer zu sein,“ die Stimme des Zwerges war jetzt eisig.
      „Das ist eine rein persönliche Angelegenheit und ich werde auch nur der Klaue gegenüber antworten. Doch behaltet ruhig euer Wissen für euch, ich bin bisher ganz gut ohne damit ausgekommen.“ Während er diese Worte sprach holte er mit einer Hand die Goldmünze vom Tisch während die andere die Axt fest im Griff hatte. Aufmunternd klopfte er Alarion auf die Schulter: „Komm Junge, ich habe einen Bärenhunger, liegt wohl an der Seeluft. Hier ist unsere Anwesenheit nicht länger von Nöten.“

      Mit einem unsicherem Blick zu der zwielichtigen Gruppe folgte Alarion Grindol. Als beide sich von ihnen abgewandt hatten sah der Anführer einen seiner Leute an und nickte in Richtung der beiden Gefährten. Dieser ließ nur ein knappes Nicken folgen.
      Alarion wandte sich derweil an Grindol. "Ich kenne Männer wie ihn. Man sieht auf den ersten Blick, dass er im Untergrund der Stadt wahrscheinlich keine kleine Nummer ist. Wir sollten vorsichtig sein."

      Der Zwerg setzte sich an einen freien Tisch und stellte die Axt griffbereit neben sich. „Die werden sich melden, wir haben ja genügend auf uns aufmerksam gemacht,“ sagte er leise zu Alarion.
      Dann winkte er den Wirt herbei. Was wohl diese Seemanns Kiste zu bieten hatte?

      Der Wirt, ein etwas älterer und gut gebauter Seemann - erkennbar an seinen starken Armen und dem Marine-Abzeichen auf dem Hemd - kam an den Tisch und sah die beiden fragend an, ein altes zerkratztes Tablett unter dem Arm geklemmt. "Ahoi ihr Land'radden, was darfs sein?"

      „Bring uns eine ordentliche Portion deiner besten Speisen … und für mich einen großen Humpen Bier dazu. Was meinst du Alarion?“

      "Bier klingt großartig!" Seine Augen hellten sich auf. Sein letztes hatte er vor Ewigkeiten mal einem Säufer abgenommen, der sowieso dabei war, die letzten Reste zu verschütten. Hier mal einen echten Krug zu bekommen, ließ sein Herz höher schlagen.
      "Zwee Krug Bier, mochen wir. Ansonscht ham' wa noch 'n Stück Hachse vom Schwein, frisch von der Theke." Er nickte ihnen begeistert zu, während er sich die Rände rieb. "Zweemal?"

      „Zweemal äh zweimal bitte. Bier und Haxe … aber schön knusprig die Haut!“

      "Aber selbstverständlich, kommt sofort!"
      Der Wirt machte auf dem Absatz kehrt und eilte in Richtung Küche.
      Alarion hielt sich den Bauch, der gerade anfing zu knurren. "Wow, ich hab gar nicht gemerkt, wie viel Hunger ich hab." Er konnte es gar nicht erwarten, endlich mal ein richtiges Mahl zu sich zu nehmen. Ihn beschlich beinahe ein schlechtes Gewissen, denn er war es einfach nicht gewohnt, dass man ihm einfach so solche Speisen spendierte.
      Er ignorierte seine Schuldgefühle und wandte sich fragend an Grindol. "Diese 'Klaue' von der Börte gesprochen hat... denkst du, sie wird uns helfen? Ich glaube kaum, dass es sich bei ihr um einen Wohltäter handelt, der uns aus purer Güte helfen wird."

      Grindol beugte sich leicht über den Tisch und schielte in Richtung der zwielichtigen Gesellschaft.
      Mit leiser Stimme antwortete er auf Alarions Frage:
      „Man soll nicht von einem Namen auf seinen Träger schließen, wer weiß was sich hinter der ‘Klaue‘ verbirgt. Außerdem haben wir ja nichts zu verbergen, schließlich geht es ja nicht um Schmuggelware. Wir brauchen lediglich ein wenig Hilfe bestimmte Menschen zu finden.“
      In selben Augenblick hielt er inne und schaute mit seinen scharfsinnigen Äuglein in Alarions ungleiches Augenpaar. „Das heißt, ich brauche Hilfe. Du bist doch zu Besuch bei der Bekannten deines Onkels … wenn ich mich nicht irre. Du weißt doch wo sie wohnt, oder?“

      "Ich weiß, dass sie hier ein Gasthaus führt. Mein...Onkel meinte, es hieß "zur schleichenden Katze" oder so. Dürfte nicht so schwer zu finden sein."

      Als das Essen gebracht wurde machte sich Grindol mit Heißunger darüber her. Das Fett tropfte von der Schweinhaxe in seinen Bart, was ihn nicht weiter anficht. Mit dem Handrücken wischte er sich über den Bart und strich die Hände anschließend an seinem Lederwams ab. Das Wams war durch diesen oftmaligen Gebrauch an dieser Stelle dunkler geworden und glänzte selber wie eine Schweineschwarte. Nach dem Essen bestellte er eine zweite Runde Bier, und als der Wirt das Gewünschte brachte fragte er ihn:
      „Kennt ihr vielleicht eine Gasthaus mit dem Namen „zur schleichenden Katze“?

      Der Wirt stellte die Bierkrüge ab und nickte. "Aber sischer kenn ich des. Jehört der guten Eleonora, ne richt'ge Frau, des sag ich euch!" Er stemmte die Arme in die Hüften und schüttelte den Kopf. "Musste sich nach dem Tod ihres Jatten janz allen drum kümmern, armes Ding. Aber kannsch euch nur empfehlen, es is och nicht weet von hier. Hinter der Wache nach Norden und dann die Ratsstraße runter Richtung Markt, da könnt ihrs nicht verfehlen."
      Alarion leckte sich noch die Finger von der Haxe und ließ die Männer reden.

      Der Zwerg bedankte sich beim Wirt und hob seinen Humpen zum Trinken an. Als das Gefäß halb leer war setzte er es wieder ab und fragte Alarion:
      „Was ist, sollen wir das Gasthaus wechseln und bei deiner Tante oder so ähnlich vorbeischauen? Vielleicht wissen sie dort ja auch etwas über die Klaue?“

      Alarion hob seinen Krug und trank den Rest aus, dann nickte er. "gluck.... aahh. Gerne! Scheint ja nicht allzu weit zu sein."
      Nachdem beide ausgetrunken hatten und Grindol beim Wirt bezahlt hatte, verließen sie die Schenke.
      Einer der Männer vom Tisch aus der Ecke beobachtete sie und folgte ihnen unauffällig...