Die Chroniken von Eras - Im Bann der Zeit

    • Fantasy

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    • „Dann hätten wir das auch geklärt,“ sagte der Zwerg und wandte sich an Börte, „los geht‘s“
      Nachdem sie ihre Rechnungen beglichen hatten machte sich der kleine Trupp gemeinsam auf den Weg. Vorsichtig bewegten sie sich durch die Straßen von Ostberg, schließlich konnte ihnen die
      Bande einen Hinterhalt gestellt haben. Zur Verwunderung von Grindol steuerten die Matrosen jedoch nicht den Hafen an sondern versuchten zum südlichen Ausgang der Stadt zu gelangen. Abrupt blieb die Zwerg stehen: „Ich dachte wir...“ „Sachte, sachte,“ versuchte ihn Börte zu beschwichtigen, „mein Boot liegt gut versteckt in einer kleinen Bucht, bewacht von meinen restlichen Matrosen. Wer weiß zu welchen irrwitzigen „Steuern“ sich die hiesige Obrigkeit hinreißen lässt wenn sie meine Waren sieht!“ Mit einem verwegenen Grinsen schaute Börte den Zwerg an. Mit einem Ausdruck des Verstehens auf dem Gesicht nickte dieser, offensichtlich war er in die Hände von Schmugglern geraten. Zudem hatte die Kapitänin ihm irgendetwas von „nicht willkommen“ erzählt fiel es ihm plötzlich wieder ein. So folgte er also ohne weiteren Widerstand, beschloss aber für sich doppelt wachsam zu sein.
    • Koop Spartan - Fara (Kiv und Tan) und Cass (Meleas)

      Die Ansage schien geholfen zu haben. Meleas hatte kein Verständnis dafür, dass die jüngeren Eldar so viel reden mussten. Immerhin waren sie unterwegs auf einer Mission, die niemand recht beschreiben konnte. Aber seine Konzentration galt jetzt nicht dem, was noch irgendwann später kommen würde, sondern ihrem Weg. Die dunklen, üppigen Wälder des Eldarreiches gaben Schutz, jedoch verbargen sie auch vieles. Seine Schritte lenkten ihn sicher über den manches Mal tückischen Boden, gab es doch immer wieder einmal Senklöcher, versteckten tiefen Morast, manch totes Tier in das man nicht treten wollte. Immer wieder hielt er kurz die Gruppe an, lauschte, hier und da brach ein Fuchs aus dem Unterholz, ein Reh, einmal sogar ein Wildschwein. Der Eldar bedauerte, dass er nicht jagen konnte, so tief in den Wäldern war er recht selten. Dafür blieb keine Zeit. Er trieb die anderen an, so wie er selber getrieben war, erlaubte wenige Pausen. Dafür kamen sie gut voran. Der Tag, den sie im Halbdunklen verbracht hatten, wich allmählich der Nacht. Es wurde dunkler und dunkler. Neumond. Schließlich meinte er:
      "Wir werden einen Platz für das Nachtlager suchen. Die Stadt liegt weit hinter uns, für den ersten Tag sind wir gut voran gekommen." Natürlich waren sie alle müde, selbst er. Immerhin schmerzten seine Füße nicht weh, lange Märsche war er gewohnt. Nach kurzer Zeit fand er einen guten Platz - unter einer Trauerweide, deren lange Äste den Boden berührten und beinahe wie ein Zelt wirkten. Der Boden hier war trocken, und eine Wache würde sicherlich nicht gesehen werden.
      "Esst etwas, dann sollte geschlafen werden. Liana, auch du." Meleas übernahm die erste Wache, dann weckte er Liana, und schloss selbst die Augen, an den Stamm des Baumes gelehnt. Sein Schlaf war nie tief, und die merkwürdigen Alpträume taten ihr übriges, dass er jetzt mehr döste denn richtig schlief. Plötzlich erschauerte er und schlug die Augen auf. Sein Blick ging umher. Die Zwillinge schliefen, Liana... war nicht wo sie sein sollte. Etwas stimmte nicht. Erst wollte er sofort los, dann hielt er inne. Dieses Mal war er nicht alleine. Es knackten irgendwo Äste. Sofort weckte er Kiv und Tan.
      "Liana ist weg."

      Erneut suchte sie nach ihrem Bruder, rief seinen Namen wieder und wieder und wurde in ihrer Suche durch schemenhafte Gestalten gehindert. Dieses Mal wachte sie jedoch nicht durch den Traum auf – stattdessen war es eine leichte Berührung an ihrer Schulter, die sie aus dem Schlaf riss. Sofort war Kiv wach und alarmiert. Sie setzte sich auf und blickte einmal kurz prüfend zu Tan, der deutlich verschlafener wirkte. Ihr Instinkt hatte sich nicht gemeldet, noch nicht, doch etwas stimmte hier ganz und gar nicht.
      „Wir sollten nach Spuren Ausschau halten“, sagte die Eldarin nun und machte sich gleich daran ihr Nachtlager genauer zu betrachten, während Tan langsam auf die Füße kam.

      Lianas Schlafplatz wies auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches auf. Ihre Sachen lagen ein wenig durcheinander, als ob sie schlecht geschlafen hätte aber nichts deutete darauf hin, dass sie gewaltsam entführt wurde oder ähnliches. Ein paar Fußspuren führten offensichtlich in den Wald, aus dessen Richtung nun alle drei Eldar klar Geräusche vernehmen konnten. Sie waren allerdings schwer zuzuordnen... Ein schweres Stöhnen folgte auf seltsam schlurfende Geräusche, als ob jemand etwas schweres durch das Dickicht ziehen würde.

      Der Blick des Eldar wanderte ebenfalls zu der Schlafstätte.
      "Keine Spuren von außerhalb, aber..." Er hielt inne und wie von selbst glitt seine Hand zu seinen Waffen, als er seltsame Geräusche vernahm, die alle heißen konnten. Meleas nickte den beiden jüngeren zu und lief lautlos in einem Bogen in Richtung des Geräusches.

      Auch Kiv griff nun zu ihrem Schwert, erwiderte Meleas Nicken und machte sich so lautlos sie konnte in Richtung der Geräusche auf. Tan, der deutlich weniger Erfahrung mit solchen Situationen hatte, folgte langsamer, darauf vorbereitet, wenn nötig Magie zu wirken.

      Die drei Eldar schlichen durch den Wald und das Geräusch kam immer näher. Hier und da waren kleinere Äste abgeknickt und seltsame Schleifspuren durchzogen den Waldboden. Hinter dem Stamm einer riesigen Eiche lag eine kleine Senke, in denen die Wurzeln des großen Baumes wie Tentakel aus dem Boden ragten.
      Nun offenbarte sich die Quelle der Geräusche und der Anblick, der sich ihnen bot, war äußerst skurril.
      Eine Gestalt kniete an einer der größeren Wurzeln. Sie hielt einen dicken Stein in der Hand, mit dem sie gerade anfing, auf einen Körper einzuschmettern, den sie über die Wurzeln gelegt hatte. Das Geräusch von berstenden Schädelplatten und Knochen flutete die Senke und wurde an den Rändern beinahe eingefangen. Die "Beute" war auch so schon bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt und Blut tränkte den Waldboden in dunkelroter Farbe.
      Der Anblick der Gestalt selber war aber um einiges unheilvoller. Sie war in einen braunen zerschlissenen Mantel gehüllt, der aussah, als hätte ihn ein Bär in Fetzen gerissen. Den Arm, mit der sie auf die Beute einschlug, krümmte sich in einem völlig unnatürlichen Winkel nach hinten. Jedesmal, wenn sie ausholte, drehte sie ihren Kopf leicht, so dass die Eldar das riesige klaffende Loch in ihrem Hals sehen konnten.
      Was dem ganzen die Krone aufsetzte, war ein schweres Stöhnen, welches aber nicht ohne "Sinn" war. Vielmehr summte die Kreatur, als ob sie eine Art Lied trällerte.

      Meleas blieb stehen und nahm die Szene in sich auf. Sollte das Liana sein, die es erwischt hatte, so war nichts mehr zu machen. Ihn störte weder das Blut noch alles andere, was für sich schon beängstigend genug war. Er zog sein Schwert und stellte sich in Position, dann grollte seine kalte Stimme durch den Wald:
      "Wer bist du?"

      Kiv, ihr Schwert fest in Händen, stand einen halben Schritt hinter Meleas und wusste nicht recht, was sie tun sollte. Einerseits sagte jeder Instinkt in ihrem Körper, dass sie angreifen musste, andererseits schien Meleas nicht unbedingt den gleichen Gedanken zu haben. Und vielleicht war es gar nicht verkehrt, einer möglichen Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Tan war ebenfalls stehen geblieben, jedoch aus einem völlig anderen Grund. Schockiert betrachtete er das Blut und die verstümmelte Gestalt am Boden. War das... war das etwa..? Ihm wurde schlecht.

      Die Gestalt hörte sie definitiv, denn sie hielt einen kurzen Moment inne, nachdem Meleas sie angesprochen hatte. Sie hob leicht den Kopf, als ob sie aufhorchen wollte. Kurz danach setzten wieder die dumpfen und schmatzenden Schläge ein. Dazu kam eine krächzende Stimme, die eindeutig weiblich war. "Hört ihr das, meine Kinder? Jaa, das sind sie, die Wächter des Waldes. Wollt ihr sie nicht begrüßen? hihihi...."
      Das Kichern hielt an, während die Eldar nun überall Rascheln und knackende Äste hören konnten. Aus der Dunkelheit schälten sich weitere Schatten und man hörte das Surren von gezogenen Schwertern.

      Unmerklich spannte Meleas sich an. Aus einem Ärmel glitt einer seiner Assassinendolche, die höchst uneldarisch waren, griff das Schwert kurz nur mit einer Hand und warf den Dolch plötzlich und ohne Vorwarnung präzise in Halsrichtung auf die Gestalt, dann stellte er sich gegen KIvs Rücken, die Umgebung sondierend. Eine Überzahl von - nun, das würde man sehen. Gleichzeitig blickte er kurz nach oben -Lianen, ein möglicher Ausweg. Seine Augen suchten Tan, der wohl derjenige war, der am meisten gefährdet war und versuchten ihn darauf aufmerksam zu machen.

      Kivs Instinkt spielte verrückt, während die Gestalten, was auch immer sie waren, langsam auf sie zukamen. Dagegen hatten sie keine Chance, dagegen konnten sie keine Chance haben! Doch einen Ausweg sah sie auch nicht wirklich und außerdem mussten sie herausfinden, was mit Liana passiert war. Tan schien ähnliches zu denken. Zwar bemerkte er Meleas Blick und die Ranken über ihnen, jedoch konnte er seine Schwester und Meleas nicht einfach so alleine lassen! Stattdessen machte er sich nun bereit Magie zu wirken. Er hatte nicht viel Erfahrung in defensiver Magie, also würde er improvisieren müssen.

      Die Klinge von Meleas Messer erreichte pfeilschnell sein Ziel und warf die Gestalt nach vorne. Nach ein paar Momenten raffte sie sich aber wieder auf, zog den Dolch mit einem Lachen aus dem Hals und warf ihn achtlos beiseite. Derweil waren einige der Schatten immer näher gekommen und man konnte im fahlen Mondlicht ihre Gesichter sehen. Alle waren mehr oder minder entstellt, Wunden klafften hier und da, manch eine war nicht mehr als ein Skelett. Die meisten dieser Untoten, die weniger schwere Verletzungen hatten, waren dem Anschein nach einmal Eldar gewesen, hier und da waren auch einige Menschen darunter.
      Die ersten begannen nun an Tempo zu gewinnen, wenn sie denn noch Gliedmaßen hatten, mit denen sie rennen konnten, und warfen sich den Eldar entgegen.

      Leise grollte Meleas:
      "Ich hasse Magie." Ihm war sofort klar, womit sie es hier zu tun hatten.
      "Zerhacken. Gnadenlos. Die leben sowieso nicht mehr." Das weibliche Wesen vorne musste der Erschaffer sein. Die Frage war, wie viele Gegner würden es sein?

      "Ihr guten Geister!", entfuhr es Tan, als auch ihm bewusst wurde, was für Wesen sie hier gegenüber standen. Erschaffene, hier, im Wald von Loreén? Doch er konnte sich darüber nicht lange Gedanken machen, denn nun griffen die Wesen an. Instinktiv errichtete er einen Schild um sich, als eine der Kreaturen sich auf ihn stürzen wollte. Er hörte ein Sirren, dann sah er, wie Kiv sich dem Erschaffenen annahm und ihm methodisch die Gliedmaßen abschlug. Tan spürte Galle hochsteigen.

      Meleas ließ das Schwert tanzen, elegant und tödlich, mit all seiner Erfahrung. Doch ob er das überstehen würde wusste er nicht. Daran verschwendete er aber keinen Gedanken. In vielen Schlachten war er angetreten, nicht immer so offen, sondern verborgen, jetzt aber zeigte sich, dass er ein absoluter Meister in der Kampfkunst war - schnell, präzise und effizient.

      Doch kaum war einer der Erschaffenen bezwungen, füllte ein weiterer die Lücke wieder auf. Zuerst waren es vielleicht ein oder zwei dutzend, doch am Rande der Grube tauchten immer mehr dieser Untoten auf. Tans Schild konnte ein paar von ihnen abwehren aber lange könnte er dem Druck nicht standhalten. Einige von ihnen warfen sich völlig kopflos gegen die Barriere, andere schienen sogar taktisch an die Sache ranzugehen und hatten Meleas als gefährlichstes Ziel ausgemacht und wollten ihn zuerst zu Fall bringen. Einer der Erschaffenen hatte gar einen riesigen Morgenstern, den er kreisförmig über seinem Kopf rotieren ließ und dabei mindestens drei seiner Kumpanen den Kopf von den Schultern schlug, als er sich ins Getümmel warf und den erfahrenen Eldar ins Ziel nahm.

      Der Morgenstern ließ ihn kurz innehalten, doch anstatt in Panik zu verfallen suchte er sofort nach Lösungen, der Kreatur beizukommen, und sprang zurück, als die gewaltige Waffe geschwungen wurde. Aber noch bevor er etwas anderes hätte tun können, geschah etwas Seltsames. Sie bekamen Hilfe von ungewöhnlicher Seite.

      Plötzlich fielen einige der Erschaffenen um, als ob sie etwas beiseite gestoßen hätte. Eine Kreatur bahnte sich einen Weg durch die Reihen, welche dann geschickt unter dem mit Eisenstacheln versehenen Mordwerkzeug hindurchtauchte und kurz danach den Erschaffenen mit Wucht zu Boden riss. Dem Umriss und den Geräuschen nach musste es sich um einen Wolf handeln. Er schaute nur kurz auf, bevor er beherzt die Hand, die den Morgenstern führte, in Fetzen riss und vom Körper trennte. Sie hatten kaum Zeit, die Situation zu verarbeiten, da erschien an der Westseite der Grube ein bläulicher Schimmer, dem kurz darauf eine ungeheure Druckwelle folgte, die alle Untoten vor ihr von den Füßen riss. Dort erhob sich gerade eine Gestalt, welche die Gruppe mit einem auffordernden Blick besah, ehe eine männliche Stimme rief:
      "Los, auf die Beine und nichts wie weg hier!"

      Der Eldar stolperte, und kam ohne zu zögern der Aufforderung des Unbekannten nach. Jetzt war nicht die Zeit für Diskussionen. Er blickte sich nicht um, ob Kiv und Tan folgten, sondern sprintete los, die Waffe noch bereit in der Hand.

      Die Zwillinge hielten inne, als die Druckwelle über sie hinwegfegte. Einen Moment lang konnten sie sich nur verwirrt ansehen, dann ergriff Kiv Tans Hand und zog ihn hastig hinter der Gestalt und Meleas her.
      "Was war das?", rief Tan während er lief. "Wer seid Ihr?"

      Der Mann deutete nur nach Westen, während er die drei Eldar an sich vorbei ließ. "Dafür haben wir später noch genug Zeit." Er wandte sich in Richtung der Menge, legte zwei Finger an die Lippen und ließ einen ohrenbetäubenden Pfiff ertönen. Kurz darauf rauschte der Wolf aus der Menge der Erschaffenen heraus und sprang beherzt aus der Senke heraus. Er warf einen letzten Blick zu der untoten Meute und folgte dann den anderen durch das Dickicht.


      Thx Tom Bombadil
    • Je weiter der Tag voranschritt, desto mehr wurde Vathalyk ein Problem offensichtlich: Er kannte sich in dieser Welt nicht mehr aus. Einige Jahrhunderte waren im geologischen Maßstab keine Zeit, was soviel bedeutete als dass wesentliche Merkmale der Landschaft wie Hügel, Täler und Berge noch erhalten waren. Das Klima war jedoch ein wenig anders und so ziemlich alles von Menschenhand geschaffene, das er noch kannte, war nicht mehr. Dafür viel neues... andere Pflanzen auf den Feldern, neue Wege -- und neue Kriege.

      Wohl kaum anders als so war es jedenfalls zu erklären, dass der Erschaffene auf seinem Irrweg entlang der nächstliegenden Pfade und Wege mehr als nur einem Dorf begnete, das im Grunde nur noch eine Ansammlung aus verkohlten Trümmern war. Vathalyk fand sie in diversen Zustanden: Noch glimmend und rauchend, schon erkaltet aber noch mit erkennbaren Formen und bereits von Wind und Regen zu einem schwarzen Brei reduziert. Eine wichtige Erkenntnis: Was auch immer für ein Konflikt dafür verantwortlich war tobte noch immer. Allerdings gab es keine Spuren von mächtiger Magie, wie Vathalyk sie noch aus dem Dämonenkrieg kannte. Die hätte gleich von Anfang an in vielen Fällen nicht einmal mehr irgendwelche Trümmer zurückgelassen. Also handelte es sich wohl um einen mehr zwischenmenschlichen, konventionellen Konflikt. Immerhin eine gute Nachricht.

      Er musste allerdings darauf achten, nicht eventuell mitten zwischen die Fronten zu geraten. Mit viel Umsicht bewegte er sich weiter vorwärts teilweise bis in die Nacht hinein. Was sollte er auch schon wieder schlafen ? Das hatte er doch die letzten paar Jährchen ohne Unterbrechung! Seinem Bemühen um permanente Aufmerksamkeit war es dann auch zu verdanken, dass er einen Wegweiser nach Schimmerfels entdeckte. Nur mit der Entfernungsangabe konnte Vathalyk überhaupt nichts anfangen.... Es gab auch keinen, den er hätte fragen könnten. Allgemein wirkte die Gegend ziemlich gottlos und verlassen, eben genau so, wie man es von einem zerrütteten, geplagten Land erwarten würde.

      Nach etwas mehr als zwei Tagen Fußmarsch sah er schließlich Mauern, die intakt aussahen. Das musste dieses Schimmerfels sein, hatte er sich doch strikt an die Richtung gehalten. Jetzt war nur die Frage, ob er auch hineingelassen würde und ob es dort auch etwas sinnvolles zu kaufen gab, das vielleicht etwas weniger überteuert war als gewisse Händler... Sein untoter Magen grummelte und von den anfänglichen Vorräten war nicht mehr allzu viel übrig. Mal davon abgesehen war dauerndes zu Fuß laufen nervtötend langsam.
    • Koop Spartan – DON (Alarion und Grindol)

      Das sie an eine Schmugglerbande geraten waren, beunruhigte Alarion nicht weiter. So gesehen gehörte er ja zum selben Schlag, er wusste also, wie er mit der Situation umzugehen hatte.
      Der Zwerg war ihm aber noch ein Rätsel. Er wirkte trotz seiner Natur verhältnismäßig groß für einen Zwerg und bot auch sonst einen stattlichen Anblick. Auch seine Ausrüstung war hier und da weit besser bestückt als bei den meisten seinesgleichen.
      "Verzeiht mir, falls ich euch zu nahe trete, Grindol... aber ihr seht nicht aus wie der typische Zwerg, der sich sonst so unter die Menschen mischt." Es war mehr eine Feststellung denn einer Frage, trotzdem warf er ihm einen nachdenklichen Blick zu.

      Erstaunt blickte der Zwerg den Fragesteller an. „Für einen so jungen Menschen verfügst du über eine erstaunliche Beobachtungsgabe. Du hast recht, der Balrog soll mich holen, tausendmal lieber wäre ich bei meinesgleichen. Doch ich bin gezwungen diesen Weg zu gehen… meiner Gesundheit zuliebe oder besser gesagt meinem Seelenheil.“ Hierbei schaute der Zwerg seltsam bedrückt drein.
      „Doch erzählt mir von Euch. Was treibt dich hierher und warum willst du nach Nirha? Haben dort wo du herkommst eigentlich alle solche Katzenaugen?“ fügte er lachend hinzu.

      Alarion lachte auf und fuhr sich mit der Hand über die Augen. "Nein, ich bin wohl der einzige. Allerdings kann ich dir dazu auch nicht mehr sagen. Ich bin ein Waise, also konnte ich meine Eltern auch nicht danach fragen.
      Er steckte seine freie Hand in die Tasche und schlenderte neben dem Zwerg her. "Ein Zwerg, der eine Pilgerreise macht, sieht man auch nicht alle Tage. Ich dachte immer, das einzige was euer Volk aus den Tiefen der Erde lockt ist die Chance auf Reichtum." Dabei bedachte er Grindol mit einem eher schelmischen Grinsen. Andere zu necken machte ihm einfach zu viel Spaß, als dass er es lassen konnte.
      "Ich besuche eine Freundin der Familie. Sie ist eine entfernte Bekannte meines Onkels." Das klang fast wie eine Ausrede. "Naja, eigentlich wollte ich endlich raus in die Welt. Ich hatte nicht vor, mein Leben lang im Schatten der Düsterklippen zu leben."

      „Was verstehst du von der Macht der Steine?“ fuhr der Zwerg Alarion an. „Sie haben einen Wert – sicher und kostbar sind sie aufgrund ihrer Seltenheit. Doch die Steine können mehr, viel mehr als ihr Menschen euch das vorstellt.“ Milder fuhr er fort,“ ganz schön wagemutig von dir mein Sohn, man könnte auch sagen leichtsinnig. Wer eine Reise unternimmt sollte sich wehren können, ohne Not zieht niemand hinaus in die Welt!“ Dabei beobachtete Grindol den Jungen durch seine buschigen Augenbrauen.

      'Die Macht der Steine' - Meinte er das Ernst? Er wusste um die Bedeutung von Gold und Reichtum, er wusste zu was Menschen in der Lage waren um es zu erlangen. Aber das klang doch ein wenig aus der Luft gegriffen. "Ich mache mich nicht über euer Volk lustig, keine Sorge. Man sieht euresgleichen nur ziemlich selten auf der Straße. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal viel über Zwerge."
      Er musste sich beim Stichwort "wehren" ganz bewusst zusammenreißen und nicht nach dem Dolch tasten, den der alte Achtfinger ihm gegeben hatte. "Ich weiß mich durchs Leben zu schlagen. Und nicht allzu stark zu sein, hat auch seine Vorteile.", fügte er mit einem Zwinkern hinzu.

      „Wir Zwerge bleiben lieber unter uns. Es gibt hier und da ein paar Abenteurer oder Ausgestoßene die sich in der Welt herumtreiben. Der Kampf mit den Orks ist uns Abenteuer genug.“ Dabei holte Grindol seine große Streitaxt vom Rücken herunter. „Hier hast du ein Werkzeug mit dem die meisten Zwerge gut umgehen können. Sie hat schon unzählige Orkschädel gespalten und nicht die kleinste Schramme.“ Mit leuchtenden Augen betrachtete Grindol seine Axt. Er hatte sie schon längere Zeit nicht mehr im Kampf benützen können. Fast zärtlich strichen seine Finger über die sichelförmigen Axtblätter. „Diese Prunkaxt ist aus Mondstaht gefertigt, willst du mal ihre Schärfe prüfen?“ Aufmunternd streckte er die Waffe Alarion entgegen.

      Dieser lehnte mit einem Lachen ab, bewunderte die Waffe aber sehr interessiert. "Haha, nein danke. Ich habe schon von der meisterlichen Schmiedearbeit der Zwerge gehört. Ein schönes Stück, wirklich." Wieder musste Alarion an seinen eigenen Dolch denken, der mindestens ebensolche Qualität hatte. Ob er zwergischen Ursprungs war?
      Er deutete mit einem Kopfnicken auf den Rücken der Kapitänin. "Habt ihr eine Ahnung, wie lange wir mit dem Schiff unterwegs sein werden? Es ist wohl meine erste Reise auf See."

      Börte drehte sich um, sie hatte die Frage gehört. „Wie lange wir unterwegs sind richtet sich immer nach dem Wetter,“ antwortete sie. „Zu dieser Jahreszeit kommt der Wind jedoch von der See her. Wir müssten mit etwas Glück Nirha noch vor Sonnenuntergang erreichen.“
      Sie bogen gerade um einen Felsvorsprung als der Blick auf eine kleine Bucht frei wurde. Dort lag ein schlankes Boot vor Anker, das Großsegel war gerafft. Zwei Matrosen an Bord begrüßten die Ankömmlinge lautstark. „Mein Schiff – die ‚Wind‘,“ sagte Börte mit unüberhörbaren Stolz.
      Der Zwerg hingegen schaute etwas skeptischer drein, auch er war noch nie auf See gewesen.
      Dieser ‚Nußschale‘ sollte er sich anvertrauen?

      Alarion hatte zwar auch schon größere Schiffe von der Klippe gesehen, war allerdings eher voller Vorfreude auf die Überfahrt. "Sie wird uns schon rüberbringen! Kommt, das wird bestimmt lustig!"

      Die Kajüte des Bootes war geräumiger als es von außen den Anschein hatte. Nachdem sie an Bord gebracht wurden wies der Steuermann Henrik ihnen ihre Plätze zu. „Bei Fahrt ist es besser, dass ihr euch hier unten aufhaltet. Sollte euch Landratten schlecht werden bitte über Backbord kotzen.“
      Nachdem er die verdutzten Gesichter sah fügte er lachend hinzu, „vom Heck aus gesehen Richtung Bug ist Backbord die linke Seite des Schiffes.“
      Das Schiff würde erst in der Frühe mit der Flut auslaufen, offenbar gab es hier einige Felsenklippen. Grindol ging an Deck. Das Meer war ruhig und die schwarze See wurde von einem hellen Sternenhimmel erleuchtet.

      Alarion setzte immer noch einen fragenden Blick auf, musste aber auch grinsen. "Gibt es denn einen guten Grund, wieso wir nicht rechts vom Schiff kotzen dürfen?"

      Henrik grinste über beide Backen. „Oh ja, den gibt es. Der Wind kommt von Steuerboard!
      Du kannst gerne ausprobieren gegen den Wind zu kotzen.“

      "Na das ist doch ein guter Grund", erwiderte Alarion lachend. Dann gesellte er sich zu Grindol und blickte in den Nachthimmel, schwieg aber. Genau in diesem Moment fühlte er sich unglaublich lebendig. Nicht zum ersten Mal war er froh, dass der alte Achtfinger ihm diese Reise eingeredet hatte. Er atmete tief ein und aus und genoss die frische Seeluft.

      Zweimal in der Nacht wurde der Zwerg geweckt. Das erste Mal ging die Kapitänin mit drei Matrosen von Bord, dabei nahmen sie ein paar Jutesäcke aus der Kajüte mit. Das zweite Mal kamen sie früh am Morgen und brachten andere Säcke, die sie sogleich verstauten. Fast zeitgleich lösten sie die Leinen und stachen in See. Das sanfte Schaukeln des Bootes wurde bald durch ein gleichmäßiges Rollen ersetzt, hervorgerufen durch große Wellen, durch die das Boot glitt. Grindol begab sich an Deck, etwas unsicher und breitbeinig, was für Landratten typisch war, begrüßte er die Morgensonne. Das große Trapez Segel war gehisst und sie nahmen Fahrt in Richtung Nirha auf.

      Alarion hatte nicht gut geschlafen. Anfangs hatte er kein großes Problem mit dem Schaukeln des Schiffes, aber als er unter Deck sich zu Bett legte, war das ein komplett anderes Gefühl. Er musste sich zusammenreißen, dass er sicht nicht übergeben würde.
      Er torkelte ein wenig an Deck und lehnte sich mit einem blassen Gesicht über die Reling. Aus dem Augenwinkel sah er Grindol und setzte ein Lächeln auf, das ein wenig schief war. "Ich werde wohl kein Seemann werden!"

      Solange er geschlafen hatte, machten ihm die Schiffsbewegungen nichts aus, wenn er schlief, dann schlief er. An Bord breitete sich jedoch ein flaues Gefühl in seiner Magengegend aus. Der Zwerg hatte das Gefühl, das ihm langsam etwas die Speiseröhre emporkroch. Wo war noch mal backbord? Links … äh gut. Als Alarion ihn ansprach, bedachte er ihn mit stieren Blick. „Wem sagst du das!“

      "Hoffen wir, dass wir ohne große Zwischenfälle in Nirha landen können.", meinte Alarion und schielte dabei leicht in Richtung der Kapitänin. "Ich hab schon genug Erfahrungen mit Stadtwachen und bin nicht scharf auf eine Fortsetzung." Dabei rieb er sich eher ungewollt an seinen Handgelenken.

      „Die Kapitänin stammt aus Nirha. Ich glaube dort werden wir unbehelligt sein“ Grindols Blick fiel auf die offensichtlich geschundenen Handgelenke von Alarion. „Was ist dir zugestoßen?“

      Alarion lächelte gequält und kratzte sich ein wenig am Hinterkopf. "Ich bin hier und da an die Stadtwache geraten. Eine fette Wache hatte Spaß daran, jemanden wegen Kleinigkeiten an Ketten gefesselt von der Decke hängen zu lassen und ihn zu.... bearbeiten."
      Er schien es nach Außen hin gelassen zu nehmen aber innerlich konnte er die Erinnerungen an die Folternächste immer noch spüren.

      Grindol wollte etwas erwidern, doch die Antwort ergoss sich in einem breiten Strahl in die See. Noch zweimal musste sich der Zwerg übergeben obwohl die See relativ ruhig war. Sie passierten die Landspitze der ‚ewigen Wache‘ und kamen tatsächlich schon am frühen Abend in Nirha an.
      Wie vermutet fuhr Börte direkt in den geschützten Hafenbereich ein.
      „Beim zweiten Mal geht es besser.“ Aufmunternd klopfte die Kapitänin dem Zwerg auf die Schulter.

      Der Junge vermied es lieber, dem Zwerg einen mitleidvollen Blick zuzuwerfen. Irgendwie hatte er so eine Ahnung, dass dieser das nicht so gerne sah. Er war sowieso völlig hin und weg von dem Anblick, der sich ihm schon seit geraumer Zeit bot.
      Nirha war überhaupt kein Vergleich zu Ostberg oder Westberg. Im Vergleich zu Schimmerfels kam ihm der Gedanke, er wäre in der heruntergekommendsten Stadt dieser Welt aufgewachsen. Der Hafen der Handelsstadt wurde von einer befestigten Mauer umschlossen, die auf zwei aufgeschütteten Landzungen gebaut wurde. Große Wehrtürme thronten jeweils am Ende und formten zusammen mit der großen verwinkelten Festung an der nordöstlichen Spitze eine beeindruckende Befestigungsanlage.
      Im Hafen selbst konnte man klar definierte Bereiche sehen, in denen sich das Hafenviertel aufteilen ließ. Nahe der Festung gab es mehrere Anlegestellen, die mit seltsamen Konstruktionen ausgestattet waren. Dicht daneben reihten sich dutzende von Lagerhäusern aneinander. Weiter Richtung Süden erkannte Alarion etwas, dass nach einer Schiffswert aussah, denn eines der großen Handelsschiffe lag dort gerade im Trockendock und bekam einen neuen Anstrich. Ganz am Ende gab es mehrere Abflüsse aus Rohren, die aus der Stadt zu kommen schienen. Dort gab es auch ein paar Buden, die aber eher heruntergekommen waren und ihn seltsamerweise an seine Heimatstadt erinnerten.
      Mit großen Augen sah er zu Börte hinüber.
      "Diese Stadt muss ja im Geld schwimmen, wenn ich mir das hier so anschaue!"

      Ja, Nirha ist so etwas wie ein Dreh- und Angelpunkt für den Handel. Egal ob über Land von Noldar, Oktan und Loreén oder dem Seeweg nach Melphas und Schimmerfels. Uns ist viel daran gelegen, dass es o bleibt.“ Mit einem vielsagenden Blick bedachte Börte den Jüngling.

      Zustimmend nickte Alarion sanft vor sich hin, während er den Blick über die Silouhette der Stadt schweifen ließ. Hier gab es sicher Unmengen voller Taschen, die gelehrt werden wollten! Der Junge konnte es gar nicht erwarten, an Land zu gehen.
      Er wandte sich an den Zwerg, der ihm die Überfahrt spendiert hatte. "Wisst ihr schon, wo ihr mit eurer Suche anfangen werdet?"


      „Wo fängt man am erfolgreichsten mit einer Suche an? In der nächstbesten Hafenkneipe natürlich! Komm mit, ich spendiere dir etwas zu Essen.“ Dann wandte er sich an Börte, um seine Reisekosten zu zahlen. „Gerne mal wieder!“, mit leuchtenden Augen nahm sie die zwei Goldstücke entgegen. „Ach ja, was immer ihr auch sucht – fragt nach der ‘Klaue‘!“ Grindol bedankte sich und sprang auf den Kai. Er stand zwar etwas breitbeinig auf den Füßen, was aber bei einem Zwerg nicht unbedingt auffiel.

      Alarion verabschiedete sich von Börte und gemeinsam machten sie sich auf ins Stadtinnere. Selbst zu der recht späten Stunde war noch einiges los auf den Straßen. Besonders auffällig war, dass es hier eine recht große Anzahl an Stadtwachen zu geben schien. Nebenbei schätzte er die Straßen und Gassen aus reiner Gewohnheit aus dem Blickwinkel eines Diebes ein, während er dem Zwerg durch die Menschenmengen folgte. "Wie kommt ihr eigentlich dazu, mir ständig etwas zu spendieren? Die Überfahrt war schon großzügig und dafür bin ich euch sehr dankbar. Wieso aber tut ihr es weiterhin? Ich schulde eigentlich euch etwas und nicht anders herum."


      Der Zwerg machte eine wegwerfende Handbewegung. „Du hast doch deine Börse verloren, oder? Sei still, bevor ich meinen Geiz wieder entdecke“, fügte er lachend hinzu, „unter meinesgleichen habe ich den Rang eines Fürsten musst du wissen. Außerdem haben wir doch schon einiges zusammen erlebt. “ An einer Kneipe mit dem schönen Namen "Seemanns Kiste“ blieb Grindol stehen. „Wollen wir?“
    • Koop Spartan, Fara (Kiv und Tan) und Cass (Meleas)

      Nach ein paar hundert Metern durch den dichten Wald, setzte sich der unbekannte Retter vor die Gruppe und führte sie wortlos weiter Richtung Westen. Der Wolf folgte ihm beinahe auf den Fuß und hielt nur selten inne, um nach Feinden zu wittern. Erst nach einer Weile bogen sie in einem weiten Kreis ein wenig nach Süden ab. Sie folgten ihnen, bis ihr Retter auf einer kleinen Anhöhe sein Tempo drosselte und schließlich zum Stehen kam. Sein Begleiter hielt ebenso neben ihm und sah ihn mit großen Augen an, bis dieser ihm ein Zeichen gab und der Wolf auf der anderen Seite hinunter lief. Kurz darauf ertönte das vertraute Plätschern von Wasser.
      Sein "Besitzer" wandte sich hingegen an die Gruppe. "Hier sollten wir sicher sein. Die Erschaffenen werden uns nicht so weit folgen. Wir können uns ausruhen."
      Er selbst stieg bereits gemächlich die Anhöhe hinab. Dahinter lag ein malerischer Ort - ein kleiner Wasserfall bildete einen Teich, der nach nur wenigen Metern wieder als unterirdischer Fluss unter der Anhöhe weiterfloss. Gleich daneben war eine etwas größere und schräge Steilwand, die einen natürlichen Dachüberstand bildete sowie mehrere Gesteinsformationen darunter, auf denen hier und da bereits Sachen und Vorräte ausgelegt waren und durch ein paar magische Lichter erleuchtet wurden.

      Der Eldar war ein ausdauernder Läufer, aber langsam kam sogar er an seine Grenzen. Der vorherige Marsch, der Kampf, der wenige Schlaf zollten ihren Tribut. Seine Muskeln begannen zu schmerzen, doch da er mindestens so starrköpfig war wie es wehtat, biss er die Zähne zusammen und ignorierte es. Auch wenn es nichts anderes als Flucht war merkte er sich gut, wo sie waren. Man wusste nie, ob der Retter nicht plötzlich das Problem wurde. Sie waren jetzt ungefähr auf der Hälfte des Weges zwischen Amarîl und den Silbertürmen, also war noch nichts verloren. Außer Liana. Er machte sich keinerlei Illusionen darüber, was mit der Prinzessin geschehen war, wenn sie auf die Erschaffenen getroffen war. Schließlich hielten sie an. Die Stille des Ortes tat gut für den Moment, und langsam atmete er aus, wieder ein, und setzte sich. Ungewöhnlich, dass er so müde war. Für einige Sekunden schloss Meleas die Augen und konzentrierte sich nur auf seine Atmung, die er gekonnt beruhigte, dann betrachtete er mit seinem kühlen Blick den Mann und seinen Wolf. Ein Mensch, ein Magier sicherlich. Garantiert mächtig. All das interessierte ihn jedoch wenig. Er war so oft in den Wäldern unterwegs gewesen. Wie hatte er Erschaffene übersehen können? Dass ein Mann wie der Unbekannte sich sicherlich unsichtbar machen konnte wenn er wollte war dem Assassinen bewusst,. Schließlich sprach der Eldar bedächtig:
      "Wir schulden euch wohl Dank. Erschaffene habe ich noch nie in den Wäldern getroffen. Einen prächtigen Gefährten habt Ihr." Sein Blick fiel auf den Wolf. Es bedeutete einiges, wenn ein solches Wesen einen als Begleiter erwählte.
      "Wer seid Ihr?"

      Die Flucht erschien Tan falsch. Natürlich, sie mussten den Erschaffenen entkommen, denn gegen ihre Zahl konnten sie nicht viel ausrichten – doch was war mit Liana?! Von der Prinzessin fehlte jegliche Spur (er weigerte sich an das blutige Etwas auf dem Waldboden zu denken), was, wenn sie den Erschaffenen ebenfalls über den Weg lief?
      Als sie schließlich anhielten, übernahm Meleas das Reden. Während Kiv sich den Rückzugsortes des Menschen besah und ansonsten still blieb, fügte Tan schließlich noch hinzu: „Ja, wir sind Euch zu Dank verpflichtet. Allerdings fehlt eine Eldarin aus unserer Gruppe und ich würde gerne nach ihr suchen gehen!“

      Der Fremde hatte gerade begonnen seine Waffen abzulegen und die Rüstung zu lockern. Er wollte Meleas gerade antworten, hielt dann aber bei Tans aufgebrachter Stimme inne. Mit einem Stirnrunzeln fragte er: "Ihr seid nicht vollzählig? Diese Eldarin - wann habt ihr sie zuletzt gesehen?"

      "Am Abend, bevor wir schlafen gegangen sind", antwortete Tan. "Wir wachten in der Nacht auf und sie war verschwunden."

      Der Mann nickte langsam und fuhr damit fort, seine Rüstung zu lockern.
      "In dem Fall kann ich euch beruhigen. Diese Meute gehört zu einem Beschwörer namens Kalior. Ich verfolge sie seit Oktans Klauen. Unter den Erschaffenen gibt es eine, die sich "die Mutter" nennt, möglicherweise ist sie euch aufgefallen. Sie war seine "erste" und ist sozusagen seine Ausbilderin. Wenn sie ein neues Opfer hat, fängt sie es und quält es, bis es verrückt wird, das macht sie empfänglicher für Befehle, wenn sie zurückkommen. Erst dann tötet sie und überlässt den geschundenen Körper ihrem Meister. Wenn eure Eldarin erst diese Nacht verschwunden ist, hättet ihr sie auf jeden Fall lebend bei der Mutter gefunden, wenn sie den Erschaffenen in die Hände gefallen wäre. Ihr letztes Opfer dürfte ein Hüter des Waldes gewesen sein, der auf dem Rückweg nach Amarîl war."
      Er zerrte ein wenig stärker am Halteriemen, bis dieser sich löste und seine Schulterstücke herunter rutschten. Er hob kurz den Kopf und sah zu Meleas. "Mein Name ist Lyrianos. Ich hätte die Meute auch gerne früher erwischt aber Kalior ist ein gerissenes Schlitzohr. Am Lîor hatte ich sie schon in die Enge getrieben, aber Kalior hetzte mir einen Flussgeist auf den Hals. Der verdammte Bastard hat für sein Alter ordentlich was drauf, ich hätte ihn nicht unterschätzen dürfen."

      Meleas hob die Hand.
      "Tannivhar, wir werden sie suchen gehen. Und das werden wir bald müssen." Er lauschte den Worten Lyrianos' und stand wieder auf, auch wenn seine Muskeln protestierten. Nun, er war Schmerz gewohnt.
      "Ich verstehe. Euer Tun ist höchst angemessen angesichts der Schrecken, doch wir müssen Liana finden." Sein ernstes Gesicht wies keinerlei Humorspuren auf, als er ergänzte:
      "Liana ist eine sehr unerfahrene junge Eldarin und auch wenn es keine Erschaffenen in der Nähe gäbe so wäre sie vielem hilflos ausgeliefert. Wir sind nicht nur Begleiter, sondern mehr noch Beschützer. Nicht nur, dass sie sich verlaufen wird, sie weiß auch kaum, wie man sich in der Wildnis ernährt." Seine Unhöflichkeit, dass er nicht einmal erklärte wer er war, interessierte ihn nicht. Wenn die Prinzessin noch lebte, dann mussten sie diese finden, schon alleine um des eigenen Kopfes willen.

      Lyrianos schien keinen Grund zur Eile zu haben und machte sich an seinen Vorräten zu schaffen. "Habt ihr euch denn noch keine Gedanken dazu gemacht, wieso sie nicht mehr bei euch ist? Nachdem was ihr mir erzählt habt, scheint euer Lager ja nicht angegriffen worden zu sein." Er hielt inne und nickte kurz zu Tan hinüber.
      "Euer Magier... kann er sie denn nicht aus der Ferne aufspüren?"

      "Wir hatten noch keine Gelegenheit darüber nachzudenken", entgegnete Kiv, bevor Tan antworten konnte. "Wir wurden wach, hörten seltsame Geräusche und als wir diesen nachgingen, wurden wir von den Erschaffenen angegriffen."
      "Allerdings...", überlegte Tan nun laut, "könnte ich versuchen sie aus der Ferne aufzuspüren. Ich habe ihren Geist schließlich schon einmal berührt, wenn auch nur flüchtig."

      Meleas sah zu dem jungen Eldar.
      "Probier es. Wenn nicht, werde ich losziehen. Ihr bleibt hier." Alleine war er schneller und effizienter, wenn es darauf ankam. Da musste er auch nicht unbedingt Wege benutzen.
      "Lyrianos, ich neige nicht zu übereilten Maßnahmen, aber angesichts dessen was ich weiß ist Eile angemessen."

      Lyrianos machte keinerlei Anstalten, sich Meleas anzuschließen. "Ich werde euch nicht davon abhalten aber es wäre verschwendete Zeit, wenn euer Freund uns auch so bestätigen kann, dass es ihr gut geht."

      So zuversichtlich wie er vermochte, nickte Tan Meleas zu, dann ließ er sich auf dem Boden nieder und versuchte sich zu konzentrieren. Er hatte noch nie einen anderen Eldar aus der Ferne aufgespürt, konnte sich aber in etwa denken, wie es funktionieren musste. So suchte er also nach Lianas Geist, versuchte sich in Erinnerung zu rufen, wie genau es sich angefühlt hatte ihn zu berühren, doch...
      "Nichts", sagte er leise und schlug die Augen wieder auf. Ein Eisklumpen hatte sich in seinem Magen geformt. "Ich kann sie nicht spüren."
      Kiv hatte die Stirn in Falten gelegt. Nach einem kurzen Zögern meldete sie sich zu Wort: "Ihr Anhänger. Damit kann sie nicht aufgespürt werden, oder?"
      Tans Augen weiteten sich vor Schreck. "Daran habe ich nicht gedacht!" Er blickte von seiner Schwester zu Meleas und dem Menschen.

      Der Fremde fuhr sich mit der Zunge über die Zähne und hatte plötzlich einen Anflug eines Lächelns auf den Lippen.
      "Der Anhänger ist mit Eldarmagie verzaubert, nicht wahr?" Er nickte, als ob er sich selbst die Frage damit beantworten würde und wandte sich wieder an Tan.
      "Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel Wissen eure Ältesten doch zurückhalten." Er stand auf und stellte sich dann direkt vor den jungen Magier. "Magie, mein junger Freund, ist nicht schon immer da. Es gibt Kräfte in dieser Welt, die weitaus älter und stärker sind. Versucht es noch einmal - aber diesesmal...." Er beugte sich zu Tan hinüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr.

      Kivs Hand schnellte automatisch zu ihrem Schwert, als der Mensch sich ihrem Bruder näherte, doch als sie sah, dass keine Gefahr von diesem ausging, entspannte sie sich etwas. Tan runzelte derweil etwas die Stirn, als Lyrianos sich zu ihm beugte. Er strengte sich an, um die Worte des Menschen verstehen zu können: "... Verschließt euren Geist gegenüber jeder Form von magischer Energie. Alles was ihr braucht ist eine Emotion, die ihr aussendet, egal welche." Eine... Emotion? Tan war sich nicht ganz sicher ob er verstand. Einen Moment sah er Lyrianos verwirrt an... doch eine andere Wahl hatten sie nicht wirklich, wenn sie nicht gerade den ganzen Wald durchkämmen wollten. So nickte er dem Menschen bloß zu, ließ sich erneut auf dem Boden nieder und versuchte seinen Anweisungen zu folgen. Verschließt euren Geist... So etwas hatte er noch nie getan. Die Vorstellung, der Magie gegenüber abgeschnitten zu sein, bereitete ihm Sorgen. Fühlte Kiv sich so jeden Tag? Eine Emotion... Doch welche Emotion sollte es sein? Laut dem Menschen war es egal, so versuchte Tan die Emotion hervorzurufen, die ihm als erstes in den Sinn kam, wenn er an Liana dachte. Sorge, vor allem. Er konzentrierte sich auf dieses Gefühl und schickte es aus.


      Es vergingen einige Augenblicke, in denen überhaupt nichts geschah. Dann traf ihn völlig unvorbereitet ein Gefühl von Sicherheit, ja sogar völliger Entspanntheit.
      Lyrianos beobachtete währenddessen die Reaktionen auf Tans Gesicht und hatte ein wissendes Lächeln aufgesetzt.

      Meleas hatte die Arme verschränkt und wartete. Magie war ihm immer fremd gewesen, und auch wenn er den eldarischen Weisen glaubte, so war er grundsätzlich misstrauisch allen anderen gegenüber, Insbesondere merkwürdigen Menschen, die unerkannt im Wald hausten.
      "Was sagt es dir?" Er gab es nicht gerne zu, doch es wurde deutlich, dass er trotz seiner Herkunft keine Bindung zur Magie hatte, denn er hatte keine Ahnung, was das genau war, was da passierte. Und das mochte er nicht.

      Tan schlug die Augen auf. "Ich spüre etwas... Ich... ich spüre sie! Liana!" Er lächelte, ohne recht zu wissen woher er seine plötzliche Zuversicht nahm. "Es geht ihr gut, sie ist in Sicherheit."

      "Na bitte, da habt ihr eure Antwort." Der Fremde zwinkerte Tan zu und kümmerte sich wieder um seine Vorräte.

      Das war absolut unlogisch. Meleas betrachtete den Mann eine zeitlang und meinte schließlich kühl:
      "Eigentlich nicht, nein. Es wirft nur eine ganze Menge neuer Fragen auf." Zwar hatte er sie gerettet, doch hieß das nicht, dass der Mann nur gute Absichten hegte.
      "Auch wenn es ihr noch gut gehen sollte, so kann sich derartiges rasch ändern.Warum also sollte ich Euch trauen, wenn ich Euch nicht kenne?"

      "Ihr müsst ja nicht mir trauen aber wenigstens eurem jungen Magier hier... Tannivhar, war dein Name richtig?", meinte er an Tan gewandt hinzu und verschränkte dann die Arme.
      "Er kann euch jederzeit darüber auf dem Laufenden halten, wie es Liana geht. Stand jetzt, geht es ihr ausgezeichnet. Also entspannt euch auch ein wenig. Ihr könnt natürlich auch einfach zurückgehen und euch mit dieser untoten Meute anlegen. Ich hab ja schon gesehen, wie gut das funktioniert hat."

      "Wer sagt mir, das Ihr ihn nicht beeinflusst?" Meleas war nicht wütend, das sah man ihm auch an, doch kalkulierte er die Risiken anders als die meisten anderen Eldar. Magie war für ein ein Unischerheitsfaktor.
      "Ich bin für die Hilfe nicht undanḱbar. Aber allein das Wissen, dass es ihr noch gut geht beruhigt mich nicht ganz. Was wisst ihr mehr? Und was seid Ihr?"

      "Wer oder was ich bin, spielt doch keine größere Rolle. Ich würde euch ja mehr erzählen, wenn ihr dem Mann, der euren Arsch gerettet hat, nicht mit unendlichem Misstrauen begegnen würdet."
      Er hob den Arm und fing an, seine Finger abzuzählen.
      "Ihr wisst nicht, wann eure Freundin genau verschwunden ist. Ihr wisst nicht, wieso. Ihr wisst vielleicht nicht einmal wohin sie wollte und wisst auch nicht, wo sie sich aktuell befindet." Aus Richtung des kleinen Teiches hörten sie wieder lautes Geplätscher. Der Wolf kam heraus und kam zum Lager getrottet. Nach ein paar Metern hielt er inne und schüttelte sich kräftig, dass das Wasser nur so umherspritzte und kam dann gemächlich näher.
      Lyrianos beobachtete ihn mit einem Lächeln und setzte sich dann wieder auf seinen Stein.
      "Ihr solltet inne halten und euch genau eure nächsten Schritte überlegen. Und ihr müsst euch ein wenig ausruhen. Falls ihr dann immer noch zu der Entscheidung kommt, ihr müsstet blindlings zurück laufen und sie suchen, helfe ich euch."
      Währenddessen lief der Wolf ein wenig umher, beschnüffelte die Eldar und lief um ihre Beine.

      "Niemand hat von blindlings gesprochen", warf Kiv ruhig ein. Ihr Blick folgte dem Wolf und, einem plötzlichen Instinkt folgend, streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Etwas an dem Tier faszinierte sie. "Doch auch wenn es ihr im Moment gut geht, sollten wir sie bald finden. Der Wald ist groß und je länger wir voneinander getrennt sind, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie überhaupt noch einmal finden."

      "Misstrauen hält am Leben." meinte Meleas nur knapp und hob beide Augenbrauen.
      "Ich mache nichts blindlings, wie Kivessa bereits sagte. Doch nun gut." Seine kalten Augen fixierten erst den Wolf, dann den Magier.
      "Liana ist die Tochter des eldarischen Königs. Wenn ihr etwas zustößt, kann ich mir die Reaktion gut vorstellen." Trotz der Worte hörte man nicht wirklich Sorge aus den Worten, er zählte nur Fakten auf.
      "Für uns hat ihr Schutz höchste Priorität. Eine zu lange Ruhepause können wir uns nicht leisten."

      Lyrianos hob die Augenbrauen und verzog kurz den Mund. "Eine verschwundene Prinzessin also, soso... ." Er schien noch etwas sagen zu wollen, wirkte dann aber ein wenig abwesend. Stattdessen verfolgte er mit prüfendem Blick seinen pelzigen Begleiter, wie er die ausgestreckte Hand Kivs beschnupperte. Seine Schnauze stuppste leicht gegen die Hand wie eine Aufforderung und schmiegte sich dann kurz gegen die Handfläche.
      Der Mann schien in Gedanken und riss sich mit ein wenig Mühe los und konzentrierte sich wieder auf das Gespräch.
      "Es wundert mich, dass eine eldarische Prinzessin so eine kleine Leibgarde hat. Noch dazu einen magischen Anhänger, der es ihr wiederum gestattet, sich vor vielen Augen zu verstecken." Jetzt war er es, der Meleas einen misstrauischen Blick zuwarf. Der Moment hielt aber nicht lange an.
      "Ich will eurem Pflichtgefühl nicht im Wege stehen. Wenn ihr denkt, ihr könnt sie ausfindig machen, dann geht. Mehr als euch davon abraten, dies ohne Vorbereitung und Rast zu tun, kann ich nicht. Solltet ihr euch dagegen entscheiden, könnt ihr mir gerne Gesellschaft leisten."

      Ein kleines Lächeln spielte um Kivs Mundwinkel, als der Wolf sich an ihre Hand schmiegte. Vorsichtig fuhr sie durch seinen dichten Pelz. So ein schönes Tier. Nur mit Mühe konnte sie sich wieder dazu bringen, der Unterhaltung zu folgen.
      "Kannst du herausfinden, wo sie sich aufhält?", fragte sie ihren Bruder, doch dieser schüttelte seinen Kopf.
      "Nein, ich kann nur sagen, wie sie sich fühlt. Doch wo sie ist... ich weiß es nicht." Die Zwillinge blickte zu Meleas.

      Meleas hielt dem Blick ohne mit der Wimper zu zucken stand. Den Wolf beobachtete er mehr aus dem Augenwinkel.
      "Gut, halte die Verbindung. Wenn wir annehmen, dass sie real ist, dann haben wir jedenfalls eine Spur." Auf seinem Gesicht erschien ein dünnes Lächeln, an Lyrianos gerichtet.
      "Liana wäre ansonsten allein gereist." Nachdenklich warf er einen Blick auf seine beiden jungen Begleiter, dann seufzte er und erklärte:
      "Als Verwandter und dem König direkt Unterstellter sehe ich es als Aufgabe an, eine äußerst dickköpfige Prinzessin zu schützen, mit allen Mitteln. Ich würde nicht planlos losrennen, sondern überlegen, wie weit sie in der Zeit hätte gehen können und einen Radius schlagen. Wenn sie scheinbar guten Sinnes ist. so wird sie an einem eher angenehmen Ort sein." Er verschränkte die Arme.
      "Nun, wenn Ihr so viel wisst - welcher Ort käme dann in Frage?"

      "Wie kommt ihr darauf, ich wüsste mehr in Bezug auf eure Prinzessin als ihr?", fragte Lyrianos mit einem Stirnrunzeln.
      "Ich kenne weder sie noch euch. Nachdem was ihr sagt, scheint sie ja von zu Hause ausgerissen zu sein - der Gedanke, dass sie diesen Fluchtgedanken auch bei ihren Beschützern fortführt, ist zumindest nicht auszuschließen. Ihr wart mit ihr unterwegs, was war denn das Ziel eurer Reise? Möglicherweise hat sie sich dazu entschieden, den Weg allein zu bestreiten."
      Der Wolf genoss währenddessen sichtbar die Streicheleinheiten. Lyrianos schien das ganze mit wachsendem Interesse zu verfolgen. Seine Augen fixierten Kiv und er nickte ihr knapp zu. "Sie scheint dich wirklich zu mögen."

      Tan nickte Meleas zu, erhob dann jedoch an Lyrianos gerichtet das Wort: "Ich denke nicht, dass sie alleine fortgehen würde. Wir hatten bereits ausgemacht, dass wir sie begleiten würden, ich sehe keinen Grund, wieso sie uns zurücklassen sollte." Außer sie traute ihnen nicht mehr. Der Gedanke machte ihm zu schaffen, doch er verwarf ihn schnell wieder. Sie hatten nichts getan, um Lianas Vertrauen zu verlieren.
      Kiv schaffte es derweilen gerade so den Blick von dem Wolf zu lösen und den Menschen anzusehen. "Ich mag sie auch. Wie heißt sie?"

      "Unser Ziel liegt im Tief im Reich der Menschen. Liana wüsste nicht einmal, in welche Richtung sie gehen muss um dorthin zu gelangen." Meleas lehnte sich an einen Baum. Die Müdigkeit war da, aber es half nichts.
      "Und ich nehme es an, da ihr offensichtlich ein Wissender seid. Aber nun denn." Er setzte sich und sah sein Gegenüber aufmerksam an.
      "Warum sollten wir eher ruhen denn suchen - was bringt Euch dann zu der Annahme, das mache Sinn, wenn Ihr doch nicht mehr wisst?"

      Lyrianos sah zu Kiv und kratzte sich ein wenig am Bart. "Ihr richtiger Name ist Nav'harikshar, was in eurer Sprache so viel wie 'Grau-Schatten' bedeutet. Sie hört aber lieber auf die Kurzform Navari." Die Wölfin hatte es sich derweil zu Kivs Füßen bequem gemacht. Ihr Herrchen beäugte sie immer noch mit einem seltsamen Blick. "Es ist erstaunlich, sie hält sich sonst eigentlich sehr bedeckt."
      Sein Blick traf wieder Meleas. "Ich habe nie behauptet, ihr solltet das eine tun und das andere lassen. Aber ich sehe euch an, dass ihr erschöpft seid, auch wenn ihr es euch nicht anmerken lassen wollt. Der Wald ist kein schweigsames Grab, mein Freund. Hier wird mehr geflüstert als in mancher dunklen Gasse der Menschenstädte. Eine Prinzessin verschwindet hier nicht spurlos. Ihr mögt der Magie in diesem Wald nicht trauen, aber sie bringt euch wohl am schnellsten zu dem, was ihr sucht."

      "Müdigkeit macht mir wenig." Meleas sah kurz zu Kivessa und dem Wolf. Zu Lebewesen hatte er nie eine gute Bindung finden können, aber es schien keine Gefahr von dem Tier auszugehen.
      "Ich habe nichts gegen Magie. Ich hinterfrage allerdings gerne Motive." Irgendwann würde Liana vermutlich panisch werden. Das konnte böse enden.
      "Wer Ihr seid, wissen wir noch immer nicht. Ich bin oft in den Wäldern, jedoch habe ich Euch nie gesehen - was mich nicht unbedingt verwundert- und wüsste gerne, mit wem wir es hier zu tun haben."

      "Navari", wiederholte Kiv leise. Auch während sie sich mit dem Wolf beschäftigte, blieben ihre Sinne scharf. Sie beteiligte sich nur nicht groß an der Unterhaltung, da sie wenig mit Magie anzufangen wusste und darauf vertraute, dass ihr Bruder auf diesem Gebiet mehr bewandert war.
      "Ihr sprecht von der Magie des Waldes", sagte dieser nun an den Menschen gewandt. "Heißt das, es gibt noch einen Weg, Liana zu finden?" Natürlich war er dankbar dafür, dass er durch den Rat des Menschen feststellen konnte, dass es der Prinzessin gut ging. Doch ihr bloßer Gemütszustand verriet ihm noch nicht, wo sie sich aufhielt.

      Ein schelmisches Grinsen umspielte die Lippen des Fremdlings. "Ihr kennt meinen Namen, somit kennt ihr mich besser als die meisten." Er stöhnte ein wenig, als er sich erhob und sich weiter Richtung Steilwand in seinen Vorräten umsah. "Ihr weiß nicht, was ihr euch davon versprecht. Ich komme aus einem Land weit im Osten, weit hinter der Wüste. Ich trage keine Titel und wenn doch, werdet ihr mit ihnen nichts anfangen können. Ich bin kein Gelehrter, kein Jäger dunkler Mächte oder Pilger auf Reisen. Ich bin ein einfacher Mann ohne Ziel."
      Er lehnte sich zur Seite und kramte in seinen Vorräten, bis er ein abgebratenes gut erhaltenes Stück Fleisch hervor zog und herzhaft hinlangte. Zwischen zwei Bissen fragte er mit halbvollem Mund: "Wollt ihr auch was?", aber sofort danach winkte er ab. "Ah stimmt, euer Volk ernährt sich ja nicht von anderen Lebewesen. Seht mal in der Tasche da drüben nach, da müssten noch ein paar Jocka-Früchte sein. Paar Äpfel aus dem Menschenreich sind auch noch da." Seine dunkelblauen Augen wanderten von einem zum anderen. "Na los, worauf wartet ihr, mit leerem Magen ist nicht gut Geschichten erzählen."
      Er machte es sich bequem, wandte sich an Tan und zog die Augenbrauen ein wenig hoch, während er mit dem Stück Fleisch in der Hand dezent gestikulierte. "Mhm, das ist eine sehr berechtigte Frage, mein junger Magier-Freund. Nun, sofern sich eure Freundin noch im Wald aufhält, wäre das naheliegendste, dass wir einfach Loreén fragen."

      Wortlos trat Meleas zu dem Fremden, ohn ihn aus den Augen zu lassen, und nahm sich bewusst ein kleines Stück Fleisch.
      "Also wollt Ihr nichts verraten. Fremde sind selten in diesen Wäldern, doch ich habe die Welt bereist. Aus welchem Land genau seid Ihr?" Er neigte den Kopf.
      "Dann sollte man beizeiten fragen."

      Nach Lyrianos' erneuter Aufforderung erhob Kiv sich und durchstöberte die Tasche. Tan wandte derweil den Blick von dem Fleisch ab, nur um gleich darauf den Menschen mit großen Augen anzusehen.
      "Wir... wir fragen Loreén?"

      "Das Land trägt den Namen Val`okhma. Hilft euch das weiter?" Der Mann bedachte Meleas mit einem skeptischem Blick, eher er sich an Tan wandte und nickte. "Tja, ich hab sie schon eine Weile nicht gesehen. Hat ja auch alle Hände voll zu tun, wie immer eigentlich. Aber wenn jemand eure Prinzessin aufspüren kann, dann ist sie wohl eure beste Chance."

      Meleas kaute das Fleisch und brummte etwas.
      "Gehört, ich war noch nicht dort." Interessant. Da kam jemand aus der weit entfernten Gegend hierher. Warum? Doch der Eldar wusste, dass Lyrianos nichts verraten wollte. Foltern wäre derzeit nicht das beste Mittel, also hieß es abwarten.
      "Soso, Loreén ist eine Person?"

      "Aber...", begann Tan langsam, "aber wie kann das sein? Ich habe noch nie davon gehört, dass Loreén eine Person wäre." Allerdings hatte er bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie von der seltsamen Magie gehört, mit der er Lianas Gemütszustand feststellen konnte.
      Kiv runzelte leicht die Stirn, sagte jedoch nichts.

      Der Mann sah sie doch ein wenig überrascht an. "meine Güte, ihr wisst ja erstaunlich wenig über eure eigene Heimat. Wobei ihr" - er deutete auf Tan - "ja scheinbar hier auch der einzige seid, der ein wenig Verständnis von Magie hat. Ich frage mich, wieso die Ältesten euch nichts davon erzählt haben."
      Lyrianos wippte mit dem Kopf von einer Seite zur anderen. "Naja, sie ist ja auch keine Person - also zumindest nicht in herkömmlicher Weise. Man könnte sagen... sie ist so etwas wie das Herz des Waldes. Deshalb nennt man ihn ja auch 'den Wald von Loreén'."

      "Vermutlich, weil sie die Geheimnisse bewahren." Meleas störte sich wenig daran, es war nicht sein Bereich. Seine Aufgaben lagen woanders.
      "Diese Geschichte ist interessant. Dann sollten wir Loreén wohl aufsuchen."

      "Wieso sollten sie so etwas geheim halten?", fragte Tan, völlig aus der Fassung gebracht. Was sollte es den Ältesten bringen so etwas vor den restlichen Eldari geheim zu halten? Kiv hatte sich derweil mit zwei Früchten in der Hand von der Tasche erhoben. "Wo hält Loreén sich auf? Werden wir sie schnell erreichen?" Sie mochte vielleicht keinen Bezug zu Magie haben, doch wenn es stimmte, was der Mensch erzählte, dann könnte Loreén ihre beste Chance sein, um Liana zu finden - vorausgesetzt sie mussten dafür nicht den halben Wald durchqueren.

      Lyrianos bedachte Tan mit einem Schulterzucken. "Ihr könnt sie ja fragen, wenn ihr das nächste mal Kontakt zu ihnen habt."
      Kiv schenkte er dagegen ein gepresstes Lächeln, das ein wenig so aussah, als wolle er sich entschuldigen. "Das wird sich zeigen. Sie kann ziemlich launisch sein, daher weiß man nie genau, wie lange man auf sie warten muss. Aber der Tag bricht bald an und der Wald erwacht, in der Phase brauchen wir es gar nicht erst versuchen. Deshalb haben wir ein paar Stunden Zeit, bis wir uns zu ihr auf den Weg machen."

      Der intensive kalte Blick Meleas' durchbohrte den merkwürdigen Fremden eine Weile.
      "Ich hoffe doch sehr, dass es Liana dann noch gut geht." Denn wenn nicht, würde er einen Weg finden, Lyrianos beizukommen. Der Eldar drohte nicht, allerdings merkte er sich nun jede Geste, jeden Zentimeter an dem anderen Mann. Nicht zu unterschätzen wäre in jedem Fall der Wolf. Doch er hatte Geduld und lehnte sich schließlich an einen Baum.
      "Was führt Euch eigentlich in diese Gegend? Weiß der König von Euch?"

      "Ist es denn sinnvoll so lange zu warten?", fragte Kiv nach.

      Lyrianos runzelte die Stirn und warf Meleas einen fast skeptischen Blick zu. "Ihr scheint nicht viel von mir zu halten, was? Ich hatte es bereits vorhin erwähnt, wenn ihr meinen Urteil nicht traut, dann geht und sucht eure Prinzessin! Ich hätte euch nicht aufgehalten und tu es jetzt immer noch nicht."
      Kiv hingegen lächelte er zu. "Ich kenne sie gut genug, glaubt mir. Würdet ihr sie in dieser Phase rufen, würde sie entweder gar nicht auftauchen oder nur, um euch aus Wut über die Störung in Stücke zu reißen."

      "Ich kenne Euch nicht. Skepsis ist grundsätzlich angebracht in manchen Situationen." Doch Meleas rührte sich nicht. Der Fremde war viel zu eigen um ihn in den Wäldern alleine herumziehen zu lassen. Liana konnten sie so schnell nicht finden.
      "Außerdem beantwortet Ihr wahrlich nicht eine meiner Fragen."

      "Vielleicht stellt ihr einfach die falschen." Er hatte wieder sein schelmisches Grinsen aufgesetzt. Man konnte wahrlich nicht sagen, ob er sich über Meleas amüsierte oder ihn ihn provozieren wollte.
      Nach einem Seufzen sagte er: "Ich sagte schon, ich war dem Beschwörer Kalior auf den Fersen. In die westliche Welt trieb mich die einfache Abenteuerlust, falls ihr das wissen wolltet. Und ich würde es stark bezweifeln, dass euer König von meiner Anwesenheit weiß. Ich bin zumindest noch keinem eurer Patrouillien über den Weg gelaufen."

      Meleas schloss nun einfach die Augen. Vielleicht war der Fremde tatsächlich eher harmlos, immerhin hatte er den Beschwörer gejagt. Zumindest war die Frage, wer die größere Gefahr darstellte, klar. Lyrianos wusste vielleicht nicht, dass der König nicht begeistert wäre, wüsste er hiervon. Aber seine Aufgabe war immer noch der Schutz seiner Rasse. Das würde er nicht vergessen.
      "Hmmm." Er verschränkte die Arme und betrachtete sein Gegenüber wieder mit halb geöffneten Lidern.
      "Liana muss gefunden werden, allerdings ist es ebenfalls vonnöten, dass der Beschwörer getötet wird. Er stellt sicherlich die größte Gefahr für die Eldar dar."

      Lyrianos zeigte mit dem Daumen über seine Schulter. "Der nächste Hain von Loreén, in dem wir sie rufen könnten ist noch ein Stück weiter Richtung Westen. Aber wir können bei Gelegenheit Kalior bei ihr auch einfach ansprechen. Möglicherweise kann sie die Sache klären. Und dann schauen wir mal, ob sie uns etwas über eure verschwundene Prinzessin erzählen kann."

      "Wenn es ihr Wald ist, dann werden ihr Erschaffene hier sicher nicht gefallen." Meleas seufzte ein wenig.
      "In der Zwischenzeit könnt Ihr ja ein paar Geschichten erzählen."

      Die Zwillinge beobachteten den Austausch zwischen Meleas und dem Menschen wortlos. Zwar ging die unterschwellige Spannung zwischen den beiden an Kiv vorbei, Tan war jedoch sehr wohl in der Lage diese zu spüren und runzelte leicht besorgt die Stirn. Hoffentlich würde das nicht noch Schwierigkeiten bringen. Schließlich fragte er: "Woher kennt Ihr Loreén eigentlich? Wart ihr schon öfters hier im Wald?"

      Ein Lächeln umspielte Lyrianos Lippen und er fuhr sich wieder mit den Fingern durch den Bart, wie schon zuvor. "Ein oder zweimal." Er kniff leicht die Augen zusammen und machte eine vage Handbewegung. Er sah so aus, als ob er versuchte, sich an etwas zu erinnern. "vielleicht auch dreimal." Er sah zu Tan hinüber und knabberte weiter an seinem Stück Fleisch. "Sie ist ... so was wie ... eine alte Bekannte würde ich sagen. Ich hab ihr vor einer Ewigkeit mal aus einer misslichen Lage geholfen - etwas, dass ihr eigentlich ganz und gar nicht gefällt. Aber ... naja, sie war mir etwas schuldig. Seitdem wechselt das eigentlich ständig, mal schulde ich ihr was, mal sie mir - ich weiß nicht mal mehr, wie der letzte Stand eigentlich war." Aus einem unerfindlichen Grund setzte er ein beinahe vergnügtes Grinsen auf. "Wir werden es wissen, wenn sie irgendwelche Opfer verlangt oder so."

      "Hmmm." Meleas betrachtete den Mann vor sich und knabberte bedächtig an einem Stück Fleisch. Was dieser so erzählte, wie er sich gab war äußerst interessant.
      "Ein Opfer findet sich." Er lächelte beinahe, als er schließlich fragte:
      "Was ich mich gerade frage, da wird ja von einer Wesenheit reden - wie alt seid Ihr denn?"

      Der Anblick des Fleisches verursachte leichte Übelkeit in Tan, doch er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen und wandte stattdessen den Blick ab. Meleas Frage interessierte ihn jedoch ungemein. Kiv hatte weniger Probleme mit dem Anblick und sah nun neugierig zu Lyrianos.

      Dieser sah an sich herab und breitete die Arme aus. "Naja allzu alt seh ich hoffentlich nicht aus, ich habe noch vor ein paar Jährchen auf dieser Welt zu wandeln. Es dürften nun so an die vierzig Jahre sein, habe zwischendurch nicht ganz mitgezählt."

      Irgendwie glaubte Meleas dem Mann nicht, doch im Prinzip war es egal. Lyrianos gab sich absichtlich so merkwürdig geheimnisvoll, und der Assassine hatte eine ziemliche Geduld.
      "So jung, interessant. Wie auch immer." Er streckte sich ein wenig.
      "Bevor ich einroste, trainiere ich ein wenig."

      Lyrianos nickte und wandte sich an die Zwillinge. "Ihr könntet euch ein wenig ausruhen, wenn ihr das wollt. Ihr habt die Nacht ja alle ein bisschen wenig geschlafen. Wir wecken euch, wenn wir uns auf den Weg machen."

      40 Jahre? Sowohl Kiv als auch Tan brauchten einen Moment um zu realisieren, dass die Lebensspanne eines Menschen bedeutend kürzer war, als die der Eldari. Trotzdem war es ein seltsamer Gedanke, dass dieser Mann jünger als sie beide war und doch so viel mehr über ihre eigene Heimat zu wissen schien. Bei Lyrianos Worten sahen die Zwillinge sich kurz an. Tan ließ sich erschöpft zu Boden sinken. Die Anstrengungen der Nacht machten sich bemerkbar. Kiv trat jedoch an Meleas heran. "Ich möchte mit Euch trainieren."

      Der Eldar nickte und bedeutete der Jüngeren, ihm zu einer Stelle zu Folge, wo der Boden nicht ganz so dich bewachsen war.
      "Eine lockere Übung am besten." Er zog sein Schwert.
      "Balance und Augenmaß trainieren. Das gehört zu den wichtigsten Grundlagen."

      Lyrianos verfolgte währenddessen mit großem Interesse Meleas Anweisungen an die junge Eldarin, als er sich auf den moosbewachsenen Boden setzte und sich gegen den Stein lehnte. Ohne den Blick von den beiden zu lösen, streckte er die Hand nach Navari aus und schnippste mit den Fingern, woraufhin die Wölfin sich von ihrem Platz erhob und zu ihm herüber getrottet kam. Sie legte sich der Länge nach neben ihm hin, bettete ihre Schnauze auf den Vorderpfoten und ließ ihre Augen zwischen Tan und den anderen beiden hin und her wandern, während der Mensch mit den Fingern durch ihr Fell fuhr.

      Eine Weile beobachtete Tan die Übungen, die seine Schwester und Meleas vollführten, doch schon bald merkte er, dass seine Lider schwer wurden. Er streckte sich auf dem Boden aus und war innerhalb weniger Augenblicke eingeschlafen. Kiv folgte derweil Meleas Anweisungen, versuchte sich Haltung, Schrittfolgen und Ausweichmanöver so gut wie möglich einzuprägen. Sie merkte, dass sie müde wurde, doch die Übungen taten ihr spürbar gut. Als sie schließlich geendet hatten, ließ sie sich neben Tan nieder, sah noch einmal zu Navari und legte sich dann ebenfalls schlafen.
    • Bleiche klamme Hände legten sich um seinen Hals und drückten zu. Panikartig wurde Adrian der Skeletthände gewahr die ihn erbarmungslos würgten. Er wollte schreien doch lediglich gurgelnde Geräusche drangen aus seinem zusammengepressten Kehlkopf. Wild ruderte er mit seinen Händen und versuchte sich aus der tödlichen Umklammerung zu befreien. Doch eisern hielt ihn das Skelett ähnliche Wesen in seinem Griff. Erbarmungslos drückte es zu und raubte Adrian die Luft zum atmen. Begleitet wurde dies durch das penetrant hohe kichern, das Adrian mittlerweile schon vertraut war. Der offene Mund konnte keine lebensspendende Luft mehr einsaugen und langsam wurde ihm schwarz vor Augen. Plötzlich rüttelte ihn etwas an den Schultern…

      Mit einem tiefen Atemzug erwachte Adrian aus seinem Traum, er rang buchstäblich nach Luft.
      Es dauerte eine Weile bis er sich wieder orientieren konnte. Hinter ihm stand der Greis und hielt ihn an den Schultern gepackt. Eine ernste und sorgenvolle Mine war in seinem Gesicht verzeichnet. Leise sprach er:
      „Ich verstehe langsam warum du Hilfe suchst. Wir können hier nicht viel beitragen, du brauchst tatsächlich jemanden der sich mit solchen Zuständen auskennt. Leider ist es mir nicht gelungen deine „Heiler“ ausfindig zu machen. Der einzige Hinweis verweist auf einen Mann namens „Klaue“, doch so viel ich weiß ist er eine sehr zwielichtige Person.“
      „Wo kann ich ihn finden,“ fragte Adrian, „ich kann und will nicht länger warten.“ Fast flehentlich blickte er den ehrwürdigen Greis an.
      Dieser nickte bedächtig mit dem Kopf. „Ich verstehe Dich … gehe in das Hafenviertel und erkundige dich dort. Sei aber achtsam und leise, der Kluge erfährt mehr durch beobachten und zuhören als durch fragen! Wenn du Hilfe brauchst bist du hier jederzeit willkommen.“
      Mit diesen Worten entließ der Alte Adrian. Dieser machte sich eiligst auf den Weg ins Hafenviertel, nicht ohne sich vorher für das Hilfsangebot zu bedanken.
    • Coop -DON- (Grindol) und Spartan (Alarion)

      In der Kneipe war die Luft stickig. Direkt hinter dem Eingang wurde Alarion ein wenig beiseite gestoßen, als zwei Wachen einen völlig betrunkenen Seemann vor die Tür bugsierten.
      Alarion rückte seine Klamotten ein wenig zurecht und sah sich dann um. Es war ein großer Raum, auf der linken Seite war ein langer Tresen, an denen einige Männer mit der selben Uniform saßen und sich mit dem Wirt unterhielten. Auch sonst war es ziemlich voll. Weiter hinten in einer Ecke steckten ein paar düstere Gestalten die Köpfe ineinander, zwei von ihnen hatten sich zurückgelehnt und schienen eine Art Kraut zu rauchen, denn es rauchte kräftig vor ihrer Nase. Mit einem skeptischen Blick drehte sich Alarion zu Grindol um.

      Der Zwerg zog tief die Luft ein, mit einem beinahe verklärtem Gesichtsausdruck stapfte er dann schnurstracks los. Alarion stehen lassend rempelte er links und rechts die Seeleute beiseite, bis er die Ecke als den Ursprung des vermeintlichen Wohlgeruchs erreichte. Unterwegs hatte er seine Pfeife aus der Weste genestelt, diese hielt er nun den beiden Qualm-Fabrikanten unter die Nase:
      „Scheint ja ein gar vorzügliches Kraut zu sein. Würdet ihr so freundlich sein einen Wandersmann eine Prise davon abzugeben?“

      Einige der Seeleute riefen ihm derbe Sprüche hinterher, schienen aber sonst keine Anstalten zu machen, ihn zur Rede zu stellen. Die zwielichtige Gruppe, die er so frivol um eine Prise Kraut angeschnorrt hatte, schien da schon von einem anderen Kaliber zu sein. Der überraschte Ausdruck auf ihren Gesichtern währte nur einen kurzen Augenblick, schon waren einige von ihnen aufgesprungen und bauten sich vor dem Zwerg auf. Ein mies dreinblickender Hüne mit einer hässlichen Narbe im Gesicht stieß ihn kraftvoll gegen die Schulter und blaffte ihn an. "Verzieh dich, du Gnom! Mach das du verschwindest und gesell dich zu deiner Sippe in der Gosse." Die beiden Pfeife-Rauchenden hatten sich nicht erhoben. Einer von ihnen sah aus wie ein Bote, was man an seinem dreckigen Mantel und der Reiseausrüstung erkennen konnte. Der andere schien eine Art Lederrüstung zu tragen, die an einen Wams erinnerte. Der Mann warf dem Hünen einen Blick zu, als ob dieser ein kleines Kind wäre, wobei er ein wenig mit den Augen rollte. "Ganz ruhig, Tarek." Er fixierte Grindol und nahm einen kräftigen Zug. Er hatte eine unheimlich tiefe Stimme. "Wir wollen doch nicht, dass die Wache hier noch mehr Leute aufmischen muss." Die anderen Männer sahen sich an und schienen sich still abzusprechen, dann setzten sie sich langsam wieder hin. Alarion hörte hier und da auch leise, wie Dolche wieder eingesteckt wurden. Erst da fiel ihm auf, das scheinbar im gesamten Raum alle den Atem angehalten hatten, denn erst als die Männer sich setzten, begannen die anderen Gäste sich abzuwenden und ihre Gespräche wieder aufzunehmen.
      "Tut mir leid, Herr Zwerg. Mein Vorrat ist aufgebraucht." Er hob die Hand und deutete zur anderen Seite des Raumes, während er ein die Mundwinkel verzog. "Wärt ihr so freundlich und würdet euch einen anderen Tisch suchen? Ihr macht meinen Freund hier nervös."

      Der Zwerg bebte innerlich, die leichte Rötung seiner Gesichtsfarbe war ein untrügliches Zeichen dafür. Er war drauf und dran den Tisch mit einem Axthieb zu zerteilen. Wer wagt es ihn zu schubsen! Ihn, Grindol, ein Fürst unter den Seinen, ein gottgleicher Krieger, über dessen Heldentaten daheim Lieder gesungen wurden. Die Überzahl der Gegner schien ihn nicht im Geringsten zu stören. Aber der Zwerg schluckte seine Wut hinunter, er war hier schließlich nur ein „Wanderer“. So begann er laut lachend zu antworten:
      „Haha, steckt nur eure Zahnstocher weg bevor ihr euch noch verletzt.“ Blitzschnell wirbelte er seine Axt nach vorne und hielt sie dem Hünen unter die Nase. „Und du … die Klinge ist scharf genug dich einen Kopf kleiner zu machen, solltest du je wieder Lust verpüren mich berühren zu wollen!“ Mit blitzenden Augen fixierte er den langen Lulatsch. Dann wandte er sich an den Wortführer. „Schade, du hättest dabei sogar ein gutes Geschäft machen können. Doch bevor ich meinen Magen fülle hätte ich noch eine Frage an Dich.“ Grindol schnipste mit dem Daumen eine Münze in die Luft, die um ihre eigene Achse rotierte, bis der Zwerg sie wieder auffing und krachend auf den Tisch knallte. Als er seine Hand hob kam eine Goldmünze zum Vorschein.
      „Könnt ihr mir sagen wo ich die Klaue finde?“
      Der Hüne schien das ganze überhaupt nicht witzig zu finden und plusterte sich auf - hielt aber die Füße still. Sein Anführer beäugte den Zwerg erst belustigt und hob bei der Erwähnung der Klaue die Augenbrauen. Der Münze schenkte er keine Beachtung. "Behaltet euer Gold, Herr Zwerg. Ihr werdet schon bald lernen, dass in dieser Stadt Wissen weitaus höher gehandelt wird als Geld. Dürfte ich fragen, wieso ihr die Klaue aufsuchen wollt?"

      „Grindol, Fürst Grindol um genauer zu sein,“ die Stimme des Zwerges war jetzt eisig.
      „Das ist eine rein persönliche Angelegenheit und ich werde auch nur der Klaue gegenüber antworten. Doch behaltet ruhig euer Wissen für euch, ich bin bisher ganz gut ohne damit ausgekommen.“ Während er diese Worte sprach holte er mit einer Hand die Goldmünze vom Tisch während die andere die Axt fest im Griff hatte. Aufmunternd klopfte er Alarion auf die Schulter: „Komm Junge, ich habe einen Bärenhunger, liegt wohl an der Seeluft. Hier ist unsere Anwesenheit nicht länger von Nöten.“

      Mit einem unsicherem Blick zu der zwielichtigen Gruppe folgte Alarion Grindol. Als beide sich von ihnen abgewandt hatten sah der Anführer einen seiner Leute an und nickte in Richtung der beiden Gefährten. Dieser ließ nur ein knappes Nicken folgen.
      Alarion wandte sich derweil an Grindol. "Ich kenne Männer wie ihn. Man sieht auf den ersten Blick, dass er im Untergrund der Stadt wahrscheinlich keine kleine Nummer ist. Wir sollten vorsichtig sein."

      Der Zwerg setzte sich an einen freien Tisch und stellte die Axt griffbereit neben sich. „Die werden sich melden, wir haben ja genügend auf uns aufmerksam gemacht,“ sagte er leise zu Alarion.
      Dann winkte er den Wirt herbei. Was wohl diese Seemanns Kiste zu bieten hatte?

      Der Wirt, ein etwas älterer und gut gebauter Seemann - erkennbar an seinen starken Armen und dem Marine-Abzeichen auf dem Hemd - kam an den Tisch und sah die beiden fragend an, ein altes zerkratztes Tablett unter dem Arm geklemmt. "Ahoi ihr Land'radden, was darfs sein?"

      „Bring uns eine ordentliche Portion deiner besten Speisen … und für mich einen großen Humpen Bier dazu. Was meinst du Alarion?“

      "Bier klingt großartig!" Seine Augen hellten sich auf. Sein letztes hatte er vor Ewigkeiten mal einem Säufer abgenommen, der sowieso dabei war, die letzten Reste zu verschütten. Hier mal einen echten Krug zu bekommen, ließ sein Herz höher schlagen.
      "Zwee Krug Bier, mochen wir. Ansonscht ham' wa noch 'n Stück Hachse vom Schwein, frisch von der Theke." Er nickte ihnen begeistert zu, während er sich die Rände rieb. "Zweemal?"

      „Zweemal äh zweimal bitte. Bier und Haxe … aber schön knusprig die Haut!“

      "Aber selbstverständlich, kommt sofort!"
      Der Wirt machte auf dem Absatz kehrt und eilte in Richtung Küche.
      Alarion hielt sich den Bauch, der gerade anfing zu knurren. "Wow, ich hab gar nicht gemerkt, wie viel Hunger ich hab." Er konnte es gar nicht erwarten, endlich mal ein richtiges Mahl zu sich zu nehmen. Ihn beschlich beinahe ein schlechtes Gewissen, denn er war es einfach nicht gewohnt, dass man ihm einfach so solche Speisen spendierte.
      Er ignorierte seine Schuldgefühle und wandte sich fragend an Grindol. "Diese 'Klaue' von der Börte gesprochen hat... denkst du, sie wird uns helfen? Ich glaube kaum, dass es sich bei ihr um einen Wohltäter handelt, der uns aus purer Güte helfen wird."

      Grindol beugte sich leicht über den Tisch und schielte in Richtung der zwielichtigen Gesellschaft.
      Mit leiser Stimme antwortete er auf Alarions Frage:
      „Man soll nicht von einem Namen auf seinen Träger schließen, wer weiß was sich hinter der ‘Klaue‘ verbirgt. Außerdem haben wir ja nichts zu verbergen, schließlich geht es ja nicht um Schmuggelware. Wir brauchen lediglich ein wenig Hilfe bestimmte Menschen zu finden.“
      In selben Augenblick hielt er inne und schaute mit seinen scharfsinnigen Äuglein in Alarions ungleiches Augenpaar. „Das heißt, ich brauche Hilfe. Du bist doch zu Besuch bei der Bekannten deines Onkels … wenn ich mich nicht irre. Du weißt doch wo sie wohnt, oder?“

      "Ich weiß, dass sie hier ein Gasthaus führt. Mein...Onkel meinte, es hieß "zur schleichenden Katze" oder so. Dürfte nicht so schwer zu finden sein."

      Als das Essen gebracht wurde machte sich Grindol mit Heißunger darüber her. Das Fett tropfte von der Schweinhaxe in seinen Bart, was ihn nicht weiter anficht. Mit dem Handrücken wischte er sich über den Bart und strich die Hände anschließend an seinem Lederwams ab. Das Wams war durch diesen oftmaligen Gebrauch an dieser Stelle dunkler geworden und glänzte selber wie eine Schweineschwarte. Nach dem Essen bestellte er eine zweite Runde Bier, und als der Wirt das Gewünschte brachte fragte er ihn:
      „Kennt ihr vielleicht eine Gasthaus mit dem Namen „zur schleichenden Katze“?

      Der Wirt stellte die Bierkrüge ab und nickte. "Aber sischer kenn ich des. Jehört der guten Eleonora, ne richt'ge Frau, des sag ich euch!" Er stemmte die Arme in die Hüften und schüttelte den Kopf. "Musste sich nach dem Tod ihres Jatten janz allen drum kümmern, armes Ding. Aber kannsch euch nur empfehlen, es is och nicht weet von hier. Hinter der Wache nach Norden und dann die Ratsstraße runter Richtung Markt, da könnt ihrs nicht verfehlen."
      Alarion leckte sich noch die Finger von der Haxe und ließ die Männer reden.

      Der Zwerg bedankte sich beim Wirt und hob seinen Humpen zum Trinken an. Als das Gefäß halb leer war setzte er es wieder ab und fragte Alarion:
      „Was ist, sollen wir das Gasthaus wechseln und bei deiner Tante oder so ähnlich vorbeischauen? Vielleicht wissen sie dort ja auch etwas über die Klaue?“

      Alarion hob seinen Krug und trank den Rest aus, dann nickte er. "gluck.... aahh. Gerne! Scheint ja nicht allzu weit zu sein."
      Nachdem beide ausgetrunken hatten und Grindol beim Wirt bezahlt hatte, verließen sie die Schenke.
      Einer der Männer vom Tisch aus der Ecke beobachtete sie und folgte ihnen unauffällig...
    • Nirha - Seemanns Kiste
      Roggash beobachtete das Treiben in der Kneipe. Seemänner, Flussschiffer, Fährleute und anderer Abschaum der unteren Schichten trieben sich herum. Tranken. Sangen. Lachten. Und kotzten in die Seitengasse wann immer es zu viel wurde. Dann kehrten sie zurück und begannen von vorn. Das übliche Treiben in den heruntergekommenen Schattengassen größerer Metropolen - oder aber ganz gewöhnlicher Alltag in jedem Hafenviertel, egal ob groß oder klein. Den Stab zu seiner rechten in eine der Ecken des Raumes gelehnt, hob er erneut den großen Bierhumpen an das stoßzahnbewehrte Gesicht, nahm einen großen Schluck und wischte sich genervt die Flüssigkeit aus dem Bart, die mal wieder auf den Gedanken gekommen war, an seinen schlohweisen Haaren herunterzulaufen.
      Das Bier half die Müdigkeit ein wenig zu vertreiben. Die Müdigkeit, die er seit Tagen, Wochen, Monaten verspürte, weil die Nächte so kurz ausfiehlen. Es war nicht die niemals schlafende Stadt, die ihn um seine Ruhe brachte. Auch nicht sein Hunger, der ihm im Hinterkopf antrieb. Es war ein Traum. Ein Traum, der sich immer wieder wiederholte. Ständig. Jede Nacht. Ein Traum, der ihm jedes Mal das Gefühl gab, es sei sein letzter Moment auf dieser Welt.

      -----
      Raggosh war körperlos. Er war nichts und doch zugleich etwas. Eine Macht ohne Körper. Und sie flog über das Land hinweg. Ein Land ohne Grün oder jedwede andere Farbe. Grau in Grau. Weiß in Weiß. Schwarz in Schwarz.
      Unter ihm zogen farblose Wälder, Seen, Flüsse, Meere hinweg. Städte, Dörfer, Zelte, Hölen.
      Und immer wieder hämmerte sein Herzschlag durch die Welt, hallte von unsichtbaren Wänden zurück, so als befände er sich in einem engen kleinen Raum, obwohl er frei über einer endlosen Weite schwebte.

      Auf einmal war er der Boden, über den die Hufe wilder Pferde galloppierten.
      Dann war er der Wind, der um die blassen Gesichter von Orks, Zwergen, Menschen und Eldar wehte. Um lange Schlachtenreihen aus Geschöpfen, die jeglicher Beschreibung trotzten.
      Dann war er das Wasser ... eins mit den gurgelnden Wellen der Flüsse, Seen und Meere.
      Er spürte Kraft. Seine eigene Kraft? Menschen kamen an seine Ufer, um von dem erfrischenden Nass zu kosten - oder einfach nur zu benetzen.
      Dann war er das Feuer, das sich langsam durch die Eingeweide eben jener Menschen fraß.

      Es folgte eine gewisse Ruhe. So lange, bis der langsam hämmernde Herzschlag auf einmal verstummte. Dann, absolute Stille.
      ----

      Jedes Mal fühlte es sich an, als sei dieser hörbare Herzschlag sein eigener. Und jedes Mal wachte er schweißgebadet auf, wenn die absolute Stille unerträglich wurde und in der Brust zu schmerzen begann. Trotz seiner Erfahrungen im Reich der Magie, hatte sich ihm bis jetzt noch keine Lösung offenbart. Trotz seiner Macht. Seiner immer weiter steigenden Macht! Und doch war er machtlos!
      Wütend schlug der Ork auf den hölzernen Tisch, sodass sich einige Blicke zu ihm umwandten. Er ignorierte sie und versank wieder in seinen eigenen Gedanken.

      Das heißt ... er versank nur kurz. Denn nicht lange darauf, gab es Dinge zu beobachten. Dinge, die interessant und amüsant zu werden versprachen.

      Ein Zwerg und ein magerer Menschenfrischling betraten den Raum. Der Junge verschüchtert, aber mit aufmerksamen Blick - und seine Augen leuchteten im Dämmerlicht und Widerschein der aufgehängten Laternen hell wie Glut. Der Zwerg stolzierte herum, wie es Zwerge nunmal taten. Dieser hier vielleicht sogar ein wenig mehr als die anderen, die Roggash bisher über den Weg gelaufen waren. Und unbekümmert waren die Erdkriecher. Denn jedem vorsichtigen Individuum wäre es vermutlich vollkommen klar gewesen, dass gerade die zwielichtige Gruppe, auf die er sich zubewegte, die schlechteste Wahl in diesem dichtbepackten Lokal waren. Roggash zog die Kapuze ein wenig tiefer ins Gesicht und schob sich weiter in den Schatten der gegenüberliegenden Ecke, versuchte zu verstehen, um was es ging - was trotz seines guten Orkgehörs nicht gerade einfach fiel. Schließlich war die Kneipe brechend voll und mit Pack allererlesenster Güte bestückt. Aufgrund der Gestik konnte Roggash nur vermuten, dass es um das Kraut ging, dessen Konsum in der Ecke öffentlich zelebriert wurde. Dann wurde es still im Raum. Hie und da konnte Roggash den kalten Stahl langsam und vorsichtig herausgezogener Klingen erkennen. Was auch immer der Zwerg tat - er sollte ein wenig mehr Feingefühl an den Tag legen, falls ihm sein Leben lieb war. Die Stille hatte einen Vorteil: Das folgende Gespräch war bis zu einem gewissen Punkt sehr gut zu verstehen. Nachdem der Anführer der Kneipenschläger die Situation entschärft hatten, begannen wieder Gespräche aufzuflammen - alle jedoch erheblich leiser, sodass die Konversation auch weiter verfolgt werden konnte.

      Fürst Grindol. Die "Klaue". Der Zwerg schien reich. Und die Axt, die er trug, verschwamm vor Roggashs Augen für einen kurzen Augenblick blutrot. Der Schrei eines Orks hallte in seinem Ohr. Vielleicht gut, dass sich die beiden nicht allzu in seine Nähe setzten. Roggash zog die Kapuze wieder ein wenig nach hinten, trank weiter an seinem Bier und beobachtete weiter. Die Blicke der Kräuterraucher gefielen ihm. Sie taxierten den Zwerg und den Menschenjungen immer abwechselnd, um keine allzu große Aufmerksamkeit zu erregen. Die Situation war noch nicht ausgestanden. Weder für die Meuchelbande, noch für die zwei Reisenden, noch für Roggash selbst.
      Die "Klaue"? Seine Neugier war geweckt. Untergrundpseudonyme, die nicht allerorts bekannt waren, sondern nur einem bestimmten Kreis, dienten häufig zur Verschleierung der wahren Identität und waren nicht als "Titel" verdient. Er selbst hatte noch nichts von einer Klaue gehört - die anderen in der Kneipe dem Anschein nach ebenfalls nicht. Das Wissen um diese Sache konnte möglicherweise bare Münze wert sein. Und der Ork suchte schon seit mehreren Tagen nach einem neuen Fall.

      Deswegen beobachtete er auch das Zwerg-Mensch-Gespann. Folgte ihnen mit den Bernsteinaugen, als sie die Kneipe verließen. Er bemerkte auch, dass sich zumindest einer der Männer aus der Ecke langsam erhob und den beiden folgte. Eilig trank der Ork den letzten Rest des nunmehr abgestandenen Biers - wobei es eigentlich nie besonders gut geschmeckt hatte; auch nicht am Anfang -, griff nach seinem Stab und verließ die Kneipe nach den anderen.
      Der Zwerg und der Junge hatten den Weg zu Wache und Ratsstraße eingeschlagen. Roggash wählte einen Weg durch die Gassen, die ihn parallel zu den Gefährten und dem unvermeidlichen Verfolger führte. Es hatte seine Vorteile immer über seine Umgebung Bescheid zu wissen. Und glücklicherweise befand er sich schon seit einiger Zeit in Nirha, sodass ihm die ungesehene Verfolgung keine wirklichen Schwierigkeiten bereiten sollte.
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      Coop Spartan & Fetzen

      Schimmerfels schien schon etwas Größeres als ein Dorf zu sein, dafür sprachen die befestigten Wege und stabilen, hohen Mauern, die die Siedlung umgaben. Mit schweren, schlürfenden Schritten schritt Vathalyk auf das Tor zu, vor dem sich, welch' Überraschung, ein paar Wachen postiert hatten. Wenn das hier ein Gebiet im Konflikt war, war das nur logisch. Kontrollen hatte es schon immer gebeben, nur war der Untote zu seiner Zeit in einem solch hohen Rang gestanden, dass kaum noch einer gewagt hatte, wegen sowas an ihn heranzutreten. Das war jetzt wohl natürlich anders: Keiner konnte ihn mehr kennen, wenn er nicht zufällig das richtige Geschichtsbuch in der Hand hatte, in dem er mal porträtiert worden war. Und das setzte schon voraus, dass es ein solches Werk überhaupt noch gab. Das denkbar Schlimmste, das passieren konnte war, dass sie ihn als Wiedergänger entlarven würden. Dann würde es richtig ungemütlich werden, doch sonst ? Vathalyk hatte keine Ahnung, welche Gesetze sich die Menschen in der Zwischenzeit ausgedacht hatten.
      Die Wachen folgten ihrer Aufgabe mit ziemlichem Desinteresse. Ihre maroden Rüstungen und zerbeulten Schilde erweckten den Eindruck, sie könnten möglicherweise beim nächsten Schlag auseinanderfallen. Sie waren gerade in einem Gespräch vertieft, als Vathalyk sich dem Tor näherte. Abschätzig beäugten sie den Fremden, wandten sich dann aber wieder ihrem Gespräch zu.

      So ganz traute Vathalyk der Sache nicht. War ja schön, wenn er hier einfach durchlatschen konnte, aber was, wenn das irgendeine Art von Falle war ? Misstrauisch beäugte er die armselig wirkenden Gestalten, ehe er sich an selbigen vorbei in Richtung Tor schob. Die Häuser dahinter konnte er bereits sehen, da selbiges offen stand. Die Stadt selbst schien nicht im allerbesten Zustand zu sein, ähnlich der Wachen, aber immerhin: Es war eine menschliche Siedlung und hier würde es hoffentlich auch etwas zu kaufen geben. Vielleicht sogar zu niedrigeren Preisen als bei gewissen Händlern...

      Die Hauptstraße führte in einem Halbbogen relativ schnell zu einem größeren Platz, in dessen Mitte ein zerstörter Brunnen stand. Mehrere Hütten aus Stoff und dünnen Holzstangen waren überall auf dem Platz aufgebaut. Der Markt war zwar nicht klein, wirklich viel los auf den dreckigen Straßen war aber nicht. Die wenigen Menschen wirkten wahnsinnig misstrauisch und hier und spürte man gierige Blicke im Rücken. DIe Händler verkauften keinerlei Schmuck oder ähnliches, meistens waren es nützliche Dinge wie Seile, Netze, Werkzeuge oder Waffen. Überall hing der Geruch von frischem Fisch in der Nase und das ein leichtes Echo von schmatzenden Geräuschen verfing sich zwischen den Fassaden der heruntergekommenen Häuser.

      Erbärmlich war wahrlich ein passendes Wort, um diesen Ort zu beschreiben. Er hätte sich wirklich einen besseren Ort für einen Einkauf aussuchen können, doch so wirklich viel Wahl hatte er zu seiner Verteidigung ja auch nicht gehabt. Mit nicht gerade übersprießender Euphorie näherte sich Vathalyk einem der Händler in seinem wackeligen Zelt, wenn auch nicht mit der Absicht, etwas von dessen Plunder gegen sein Gold zu nehmen. "Verzeiht, aber könnt ihr mir sagen, wo ich hier einen Schmied finde ? So etwas wie ein Pferdehändler wäre auch nicht schlecht..."

      Der Mann hinter dem morschen Tisch war mager und musste schon etwas älter sein. Bei der Frage nach einem Pferdehändler musste dieser anfangen zu prusten, das sehr schnell in einen Hustanfall über ging. "Da seid ihr wohl in der falschen Stadt gelandet. Hier können sich die meisten nicht mal eine Ziege leisten." Er hielt dem Blick von Vathalyk aber nicht lange stand und seufzte dann. "Ihr könnt es mal beim Vogt versuchen, er ist gerade in der Stadt." Er nickte in Richtung eines steinernen Gebäudes, welches am Ende der Straße an einer Ecke stand und über einen Turm verfügte, dessen Dach allerdings zur Hälfte fehlte.

      "Der Vogt ? Seid ihr sicher, dass der mich überhaupt reinlassen würde ? Und einen Schmied gibt es hier gar nicht ?" Vathalyk erwartete schon ein festes 'Nein' als Antwort, aber die Hoffnung gab er noch nicht auf. Wenn selbst beim Vogt das Dach beschädigt war, musste es allerdings wirklich schlimm stehen. Zu Fragen, wie weit es denn zu besseren Ortschaften wäre, wäre allerdings wohl auch etwas dreist...

      Der Händler schniefte, kratzte sich ein wenig an der Nase und zog dann einmal mit dem Ärmel über sein Gesicht. "Marbo wurde gerade in die Hauptstadt nach Dorga gerufen. Irgendwas von wegen 'neue Rüstungen'. Wirklich motiviert wirkte er nicht, als sie ihn abholten. Wirst ja schließlich nich bezahlt, wenn die Säcke was wollen, aber was will er machen - besser als der Galgen."

      "Na dann... Ich gehe dann mal. Vielen Dank für die Auskunft!" Die Demotivation schien Vathalyk geradezu in die Stimme gelegt, wenn selbst der Schmied schon die Wahl zwischen Galgen und unbezahlter Arbeit gehabt hatte an diesem Ort. Wie dann der Vogt wohl drauf war ? Er würde es herausfinden müssen. Stumm trottete der Wiedergänger zu besagtem Gebäude mit dem halb kaputten Turmdach und fand sich alsbald vor einem schon eher in die Kategorie vermodert gehörenden, hölzernen Tor wieder, dessen Klopfring auch nicht sonderlich beschaulich wirkte. Egal, das Teil verlangte nach Bedienung. Hoffentlich würde auch jemand aufmachen, der etwas zu sagen hatte.

      Er klopfte an, doch überraschenderweise riss jemand sofort nach dem ersten Klopfen die Tür auf. Nicht unbedingt zum Vorteil des Klopfringes, den es aus der Verankerung riss, das morsche Holz ächzend und knirschend. "Verdammte scheiß Tür, wer will de...". Der Mann der gerade rausstürmen wollte, hielt überrascht inne und bedachte Vathalyk mit dem kaputten Klopfring in der Hand ein wenig skeptisch. "Ähm.... ja bitte?"

      "Seid gegrüßt. Seid ihr der Vogt ? Mein Name ist Vathalyk, und ich möchte vielleicht etwas von euch kaufen, wenn ihr erlaubt." Das war sehr direkt, aber der Mann vor ihm benahm sich auch nicht gerade höflich...

      Sein Blick war mehr als irritiert. "Ihr wollt ... etwas kaufen? Also ja, ähm, ich bin der Vogt von Dorgar, gewissermaßen der Verwalter des Königshauses... was genau... also womit kann ich ihnen denn helfen?"

      "Eine neue Hand wäre schön..." gab Vathalyk mit einem leichten Grinsen zu verstehen, während er symbolisch seine Finger durchschüttelte. Schließlich hatte der Mann vor ihm die Tür so abrupt und kräftig aufgerissen, dass der Klopfring abgerissen war, weil des Untoten Hände ihn gerade noch bedient hatten. "Nein, also, Scherz beiseite. Ich bin auf der Durchreise und möchte schneller werden als zu Fuß. Ich suche also einen reitbaren Untersatz oder so etwas und man hat mir gesagt, bei euch gäbe es so etwas. Vielleicht."

      "Ah ja... nun.... die Stallungen sind im letzten Winter abgebrandt... wir hatten sowieso nicht viele. Ich müsste schauen ob.... hm..." Das Stammeln des Mannes schien kein Ende zu nehmen. "Vielleicht... möglicherweise.. also, wenn sie Geld hätten dann.... also wenn sie viel Geld hätten, dann... ja dann könnten wir da eventuell etwas finden, ja... jaja."

      Vathalyks Blick wurde zunehmend skeptischer. Das war der Vogt ? Der hatte aber Nerven... oder besser gesagt keine. Aber mal sehen -- er kramte in seine Tasche und zog den schmaler gewordenen Goldbeutel heraus. Ein Schütteln sollte genügen, das charakteristische Klingeln war eindeutig. "So... wie stehen jetzt die Chancen ?"

      Der Vogt streckte kurz die Hand nach dem Beutel aus und zog sie rasch zurück. Er rieb sich die Hände und nickte eifrig. "Ja doch, das ... das sieht doch ganz gut aus, ja! Es gibt, also wie schon gesagt, keine Stallungen mehr. Aber ihr könntet mein ... ja, mein Pferd haben!" Sein Blick ruhte noch auf dem Geldbeutel aber er schob sich an Vathalyk vorbei und deutete um die Ecke. "Kommt, ich bring euch hin!"

      Vathalyk folgte. Wenn der Vogt selbst sein letztes Hab und Gut herzugeben bereit war, musste die Verzweiflung schon ziemlich groß sein. Es brach aus ihm regelrecht heraus: "Verzeiht, aber könnt ihr mir noch eine Frage beantworten ? Was.... was ist hier passiert. Ich bin nicht von hier, und so kann ich mich nur über das überall vorhandene Elend wundern..."

      Der Vogt ging voraus, drehte sich bei der Frage aber im Laufen um und setzte wieder ein äußerst irritiertes Gesicht auf. "Nicht.. ihr wisst nicht (?) - also.... die Dämonen...der Bürgerkrieg...die...die Wächter?" Er setzte einen fragenden Blick auf, während sie um die Ecke bogen und in Richtung Norden sich dem Stadtrand näherten. "Wie könnt ihr nicht wissen, dass.... naja nun gut. Also ... wie soll, ich mein wo soll ich anfangen, ja... dem Land fehlt es an Geld, an Nahrung... dann die Banditen und diese ständigen Überfälle... Schlimm, einfach schlimm." Er schüttelte nur den Kopf und schien mit der Zeit mehr mit sich selbst zu reden.

      Vathalyk blieb auf einen Satz stehen. "Dämonen ?" hakte er nach. "Sagtet ihr gerade tatsächlich 'Dämonen' ? Wo ?" Uralte Instinkte setzten ein. Sollte er sich etwa getäuscht und nach Jahrhunderten des Schlafens von einem Dämonenkrieg in den nächsten gestolpert sein ? "Und wo findet dieser Bürgerkrieg statt ? Ich habe wirklich keine Ahnung!" Irgendetwas sagte ihm, dass er sich gerade gewaltig lächerlich machte -- so sehr seine Worte auch der Wahrheit entsprechen mochten. "Und gibt es irgendwo auch noch Ländereien, wo dies anders ist in dieser Gegend ?"

      Mit einem vielsagendem Blick begutachtete der Vogt ihn nun von oben bis unten. Er schien ihn wohl für einen Spinner oder so zu halten. "Ihr... ich... ähm, ja, Dämonen. Sind vor paar Jahren wieder verschwunden, keine Ahnung warum. Das alte Reich zerbrach. Kaputt. Fünf Reiche, fünf Könige - und jedermann - also auch Frau, weil... eine ist ne Königin - also jeder will was vom Kuchen essen... also abhaben." Sie erreichten eine heruntergekommene Hütte, die durch eine eingefallene Wand zu einem Stall umfunktioniert war. Vor der Hütte stand eine einsame Wache und nahm übertrieben Haltung an, als der Vogt heran schritt. Dieser redete weiter zu Vathalyk. "Jeder hat so seine Probleme... Aufstände - und diese ständigen Anschläge, ja.. jaja. Aber denen gehts immer noch besser als mir - ich meine uns. Ah. Das isser". Er deutete auf einen klapprigen Gaul, der ziemlich abgemagert aussah. "Eigentlich in einem guten Alter, aber das Futter, oooh das Futter, so teuer! Kann kaum ein Mensch bezahlen."

      "Keine Dämonen also ? Na dann ist alles halb so schlimm. Eifersucht, Mord, Diebstahl, Betrug, Bestechung und Raub gab es schließlich schon immer und der Mensch war schon immer des Menschen Wolf. Kenne ich gar nicht anders, außer es gibt eine noch viel größere Bedrohung..." Fast hätte er jetzt von der Vergangenheit angefangen, doch der Anblick des Tieres kam gerade noch rechtzeitig, um ihn davon abzuhalten. Vathalyk streckte seinen muskulösen Arm aus und deutete auf die schäbige Unterkunft. "Ähm... das hier ist das Tier, welches ihr mir anbietet ? Okay... Also Gold für Futter hätte ich genug, wenn es denn etwas zu kaufen gibt -- und ihr mir etwas übrig lasst." Viel durfte dieser Vogt jetzt dafür aber nicht verlangen, sonst würde er lieber weiterlaufen... "Und trägt es überhaupt etwas ?"

      "hm, hat mich schon paar mal hergeschleppt. Ist'n guter Junge. Leider, ja leider auch der einzige, der noch da ist. Nen anderen haben wir nich. Futter haben wir nur das bisschen da in der Ecke, reicht bis morgen." Er verzog den Mund und schaute auf den Geldbeutel. "ja, sollte mit drin sein."

      "Ich pflege es, sämtliche Waren selbst in Augenschrein zu nehmen, bevor ich sie kaufe. Wenn ihr erlaubt..."
      Als erstes widmete sich Vathalyk dem Heu. Vermodert durfte es auf keinen Fall sein, auch nicht besonders Nass. Doch wenn man das Dach hier so betrachtete... Der Wiedergänger stapfte durch den ubiquitären Matsch und kniete vor dem Haufen hin, um ihn zu betasten und zu durchsuchen. Dabei zog er die gepanzerten Stulpen aus, auch wenn das nur Dreck an den Händen bedeuten würde. Nur so aber konnte er einen wirklichen Eindruck gewinnen. "Naja, sieht überraschenderweise ganz gut aus. Und jetzt das Tier..." Mit diesen Worten schwang er sich auf.

      Er schien ausgesprochen ruhig und zutraulich zu sein. Er schien wohl eigentlich mal ein Fuchs zu sein, die Farbe war aber unter dem Dreck kaum noch zu erkennen. Er schnaubte nur kurz, macht aber keine Anzeichen dafür, dass er Probleme hätte. "Mit genug Futter kommt der wieder auf die Beine, ja wirklich!"

      "Ich hoffe es!" gab Vathalyk nicht allzu zufrieden wirkend zu verstehen. Er sah auf diesem Tier doch schon etwas merkwürdig aus...
      "Was wollt ihr denn für den Knaben ?" Wehe, dieser Vogt würde jetzt denselben schlechten Stil wie dieser fahrende Händler wählen und ihm ein halbes Vermögen für fast nichts abknöpfen wollen. Noch einmal würde er das ganz sicher nicht mitmachen.

      "Tja Preis, puh... ich denke, also ich meine so um die 20... vielleicht 25 Goldstücke müsst ihr schon locker machen." Er erhob den Zeigefinger, bevor Vathalyk sich möglicherweise über den Preis beschweren konnte. "Ich weiß, ich weiß, aber bedenkt! - Es ist das einzige weit und breit. Schimmer... stein... ähm Fels mein ich - hat hier nirgends sonst Pferde, selbst in der Hauptstadt sind sie rar, jaja. Schlimme Zeiten, oh ja, schlimme Zeiten sind das...."

      "Wie bitte ?" Mit dem Charme eines Tigers, dem man gerade auf den Schwanz getreten hatte, schritt Vathalyk frontal auf den Vogt zu. Er hatte mangels aktueller geschichtlicher Kenntnisse keine Ahnung von der aktuellen Preislage, aber gemessen an dem was er aus der Vergangenheit kannte war das... maßlos überteuert. Mindestens. Die Hände in die Hüften gestemmt baute sich der Untote vor dem anderen Mann auf. "Ihr wollt wohl, dass ich bald genauso verhungert aussehe wie dieses Tier ? Und noch ein Hinweis: Ich bin vermutlich auch der einzige Kunde weit und breit, der überhaupt etwas bezahlen kann!"

      Der Mann hob abwehrend die Hände und machte einen aufgeschreckten Gesichtsausdruck. "Hm ja, das mag schon stimmen, mein Herr aber wisst ihr... also es ist ja so, dass... ich bin kein Stallmeister. Ich verkaufe mein Pferd nicht, weil ich es loswerden will. Ihr wollt es also müsst ihr... besser solltet ihr den Preis auch zahlen...können. Oder wollen, je nachdem."

      "Und was, wenn ich nicht kann ?" gab Vathalyk leicht bissig zu verstehen. Eine Lüge, jedenfalls physikalisch gesehen. Emotional und kognitiv jedoch die Wahrheit: Diesem Wucher würde er sich selbst nicht preisgeben, egal wie Elend es hier zuging oder nicht.

      Leicht abschätzig betrachtete der Vogt seinen Verhandlungspartner und wippte leicht mit dem Kopf. "Dann sagen wir 16 Gold und 10 Silberstücke. Der Preis ist gut, ja wirklich gut! Für einen Freund, he?"

      "Wer mein Freund ist und wer nicht, entscheide immernoch ich selbst. 12 Goldstücke!"

      "Hm sagen wir 14 und... 17 Silber und keine Münze weniger!" Der Mann verschloss die Arme. Er schien fest entschlossen, den Gaul entsprechend teuer zu verkaufen.

      "Was wollt ihr überhaupt mit so viel Gold ? Zu kaufen gibt es hier ja nichts, was so viel wert wäre. Das sagtet ihr ja quasi selbst."

      Der Mann schien beinahe laut lachen zu wollen, besann sich dann aber eines Besseren, am Ende wurde es nur ein Schnauben. "Hier in Schimmerfels? Gar nichts. Ich will ja aber schon morgen zurück in die Hauptstadt. Es ist nicht überall alles so wie....... na so halt." Dabei machte er eine allumfassende Bewegung und deutete damit scheinbar auf die ganze Region.

      "Oh...." und Vathalyk hob eine Augenbraue. Jetzt wurde es interessant. "Ihr wollt also weg von hier ? Meint ihr nicht, ihr könntet in einer nach Kriegsgebiet ausehenden Gegend wie dieser hier eine Eskorte brauchen ?"

      Der Mann deutete nach draußen, wo noch immer die übermotivierte Wache stand und den Anschein erweckte, sie würde hier das Heiligtum eines alten Ordens bewachen. "Der gute Wilfried ist ja da." Er zuckte mit den Achseln und setzte ein fast schon wehmütiges Lächeln auf. "Auch ein guter Junge. Reicht völlig aus... keiner hier hat Geld für richt'ge Waffen oder Rüstungen. 'Nen paar Bauern überfall'n is einfacher, als jemanden mit Eskorte. Wissen ja auch fast alle, kaum einer reist noch mit Reichtümern von hier nach da."

      "Meint ihr nicht, dass meine Rüstung und Waffen da etwas... geeigneter wären ? Und wer passt in der Zwischenzeit auf das Gebäude auf ? Ich mach euch einen Vorschlag: Ich begleite euch, da ich ohnehin von hier weg will, und dafür überlegt ihr euch das mit den 14 Goldstücken nochmal ganz scharf..."

      "Ihr.... ihr wollt mir eure Dienste anbieten?", fragte der Mann ein wenig verwirrt. Er war immer noch ein wenig irritiert von Vathalyks Fragerei zur Zeit und aktuellen Situation, wobei er natürlich nicht bestreiten konnte, dass eine zusätzliche Wache sicher hilfreich wäre.
      Er kratzte sich am Kinn und schielte raus zu Wilfried. "Dann für 12 und das Pferd gehört dir." Er spuckte sich in die Hand und hielt sie Vathalyk hin.

      "Elf. Und wir können ja gemeinsam reiten, wenn ihr das wünscht."

      Der Vogt schüttelte nur den Kopf. "Ich kann selber laufen. Und der klapprige Gaul trägt sowieso in dem Zustand nur einen von uns. 12!"

      "Das ist eigentlich immernoch zu viel, aber ich bin dennoch einverstanden. Wenn der gnädige Herr denn nun die Güte hätte, die geplante Reiseroute sowie sämtliche darüber vorhandenen Kenntnisse mit seiner zukünftigen Eskorte zu teilen ?"
      Wenn der Kerl wüsste, dass er gerade einen Handel mit einem verdammten Magier abgeschlossen hatte. Einem sehr wiedergängerischen noch dazu...

      Mit einem äußerst verwirrten Gesicht nahm der Vogt die Bezahlung entgegen. "Re...Reiseroute? Ich muss zur Hauptstadt, das... ich dachte, das hatte ich schon erwähnt. Es gibt nur eine... ja, eine Straße nach Norden... ja."

      "Ah ja, stimmt. Und da kommt man natürlich völlig problemlos und ohne Plan hin, sonst bräuchte ihr ja eine Eskorte, zu deren Anheuerung ihr euch jetzt schleunigst entschließen müsstet. Have verstanden..." Vathalyk hätte angesichts des vor Naivität nur so strotzenden Vogts fast mit den Augen gerollt. Diese Reise würde sicherlich interessant werden... "Habt ihr denn schon alles gepackt ? Wann wollt ihr denn aufbrechen ?"

      Er verzog das Gesicht und kratzte sich den Kopf, als ob er ernsthaft darüber nachdenken müsste. "Hm ja naja ich dachte bald.... also - sehr bald. Ich war auf dem Sprung, wollte eigentlich mich gerade aufmachen, jaa. Dann standet ihr vor der Tür."

      "Na dann... werde ich wohl mal vor selbiger auf euch warten, oder ?" Vathalyk nahm das Pferd am Halfter und führte es vom Platz. Immerhin waren genug Satteltaschen dabei, um diverse Futteralien und sonstiges Zeug darin für sich zu verstauen. Mal sehen, wie sich dieser seltsame, offensichtlich völlig verarmte Vogt anstellen würde.

      Dieser nickte zustimmend und gab seiner Wache ein Zeichen, die wieder übertrieben Haltung annahm und sich zu ihm gesellte. "Dann hol ich.... meine Sachen... ja... ja so machen wir das."
      Mit seiner Wache zog er in Richtung Stadt, um seine Vorräte zu holen und gemeinsam mit Vathalyk in die Haupstadt Rhegas zu ziehen...
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      Coop mit Fara, Cass und Spartan

      Es war schon fast Mittag. Durch das Blätterdach konnte man den Sonnenstand gerade so erahnen.
      Lyrianos saß immer noch im Moos und lehnte am selben Stein, an den er sich schon angelehnt hatte, als die Zwillinge sich zum Ausruhen hingelegt hatten. Die sichelförmige Klinge seiner Waffe ruhte im Unterholz - er hatte die Verbindung zum Stab gelöst und hielt diesen nun in seiner rechten Hand, während er mit einem Dolch in der Linken feine Linien in das Holz schnitt. Einen kurzen Moment sah er auf, holte tief Luft und nickte dann wie zu sich selbst. Er sah sich kurz im Lager um ohne aufzustehen und fand Navari am Wasser, die dort mit den Pfoten durchs flache Wasser tapste. Sie sah zu ihm auf und er nickte zu den Zwillingen, woraufhin die Wölfin gemächlich herantrottete. Tan stupfste sie sanft aber bestimmt mit der Schnauze gegen das Bein und wandte sich dann an Kiv. Lyrianos folgte der Wölfin mit einem nachdenklichen Blick während er blind weiterschnitzte. Es war ihm schon vorher aufgefallen, dass sie die junge Eldarin offenbar anders behandelte als ihren Bruder. Es wirkte.... ja was eigentlich? Zärtlich? Fürsorglich? Oder doch eher vorsichtig? Er vermochte es nicht einzuschätzen und noch weniger konnte er sich einen Reim darauf machen. Navari war zwar nie scheu gegenüber Menschen oder Eldar gewesen - er konnte sich aber nicht daran erinnern, dass sie im Umgang mit Fremden jemals Unterschiede gemacht hatte.
      Immer noch nachdenklich, aber mit einem leichten Lächeln auf den Gesicht, beobachte er die beiden, wie sie langsam wach wurden.

      Meleas war nicht unbedingt zufrieden mit der jungen Eldarin. Seine Kommandos kamen grundsätzlich knapp und emotionslos, und er sah, wie viel Arbeit Kivessa noch vor sich haben würde. Aber er wurde eben auch nicht wütend. Schließlich nickte er, als kleine Fortschritte zu erkennen waren und entließ sie. Er selbst spürte nun auch die Schwäche in seinem Körper, aber er legte sich nicht zu ihnen. Stattdessen verschwand er in den Büschen und kletter einen Baum hoch, setzte sich dort auf einen dicken Ast und schloss die Augen. Auf der Erde fühlte er sich oft nicht so wohl wie hier, vielleicht seine ganz eigene Verbundenheit mit der Natur. Seufzend ließ er sich im Verborgenen ein wenig fallen und entspannte ein wenig, denn auch er brauchte Schlaf. Und dieses Mal hatte er Glück. Anstatt, dass er wieder in diese seltsamen Alpträume fiel und sich verhedderte, war es ein erholsamer und dunkler, traumloser Schlaf, der ihm eigen war. Aber er konnte nie lange am Stück schlafen. Ein Geräusch, etwas Ungewohntes, und schon waren seine Augen offen. Kurz fuhr er sich über das Gesicht. Ich bin nicht mehr der Jüngste... Seine kurze Orientierungslosigkeit hatte aber keine Folgen hier. Allerdings... Er sah nun, weswegen er aufgewacht war. Ein Eichhörnchen war neugierig herangekommen und betrachtete ihn. Bewegungslos saß der Eldar auf dem Ast und beobachtete, wie es näher und näher kam, sich der Gefahr gar nicht bewusst. Schließlich hopste es dem Mann auf das Bein. Blitzschnell packte Meleas das kleine Tier, das erschrocken aufquikte und zappelte, aber der erbarmungslose Griff ließ nicht los.
      "Hm, du kannst froh sein, dass ich nicht hungrig bin." lachte der Eldar leise und überlegte trotzdem, es zu töten um einen Vorrat zu haben. Doch schließlich setzte er das Eichhörnchen auf einen Ast. Blitzschnell war es verschwunden, vermutlich völlig verstört. Er erhob sich nun leise und ging zurück zum Lagerplatz, wo er die Szene betrachtete. Der seltsame Mann schnitzte scheinbar selbstvergessen, die Zwillinge schliefen. Kurz wartete er, dann glitt er lautlos auf den Boden zurück und wartete.

      Tan brauchte einen ziemlich langen Moment um durch den Stupser der Wölfin zu erwachsen. Verschlafen blinzelte er in das grüne Blätterdach. Kiv hingegen wurde sogleich wach, kaum dass die Wölfin sie berührt hatte. Ohne dass sie es selbst wirklich bemerkte, breitete sich ein kleines Lächeln auf ihren Lippen aus, als sie das Tier sah. Sie setzte sich auf und streckte der Wölfin eine Hand entgegen.
      Auch Tan richtete sich nun auf und sah noch einmal prüfender in den Himmel. "Mir scheint, als hätten wir ziemlich lange geschlafen", stellte er fest.

      Lyrianos hielt kurz inne, begutachtete die Arbeit am Schaft und murmelte unverständlich ein paar Worte, während er mit der Hand über das Holz strich. Danach hob er die Klinge aus dem Moos auf und befestigte sie wieder am Stab.
      "Nicht mehr als ein paar Stunden. Wir können uns so langsam auf den Weg machen, es ist nicht weit von hier."
      Navari schnüffelte währenddessen an Kivs Hand und schien mit den Gedanken ganz wo anders zu sein.

      "Wundervoll." erklang Meleas Stimme und ging an Lyrianos vorbei.
      "Dann lasst und keine Zeit mehr verlieren."

      "Nun denn." Tan rappelte sich auf und streckte sich kurz. Plötzlich war er aufgeregt. "Leitet den Weg."
      Kiv beobachtete Navari genau und bekam gar nicht wirklich mit, was um sie herum geschah. Erst als ihr Bruder sie direkt ansprach, um sie darauf hinzuweisen, dass sie aufbrachen, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen.
      "Gut, lasst uns gehen", sagte sie und stand auf.

      Mit einem tiefen Seufzen erhob sich Lyrianos und steckte fast schon schwungvoll seine Waffe weg. Er sah sich kurz um und ging dann zu seinen Vorräten, wo er hier und da noch ein paar Sachen verstaute.
      Er sah kurz seine Begleiter an und ging dann voraus in Richtung Westen, drehte sich aber nochmal kurz um. "Eins noch; wenn wir Loreén treffen - überlasst erst mal mir das Reden." Dabei schenkte er ihnen mit hochgezogenen Augenbrauen einen Blick, der mehr Warnung als Ratschlag war.

      Meleas nickte wortlos. Zwar gefiel es ihm nicht, aber der Mann kannte das Wesen, das sie aufsuchten, vermutlich am besten. Sicherlich würde er sehr genau hinhören ob es eine wie auch immer geartete Falle war, hatte aber keine Ambitionen Dinge zu starten, die nicht sein mussten. Als er jung gewesen war, hätte das ein Problem sein können. Mittlerweile wusste der Eldar, wie gefährlich es sein konnte, vorzupreschen.

      Auch die Zwillinge machten deutlich, dass sie Lyrianos verstanden hatten. Tan hatte ohnehin keine Ahnung, was er zu einem Wesen wie Loreén hätte sagen sollen - er konnte nicht einmal ganz fassen, dass es sie wirklich gab. Kiv hatte ebenfalls entschieden, dass es das Beste wäre, wenn sie zunächst still blieb, wusste sie doch, dass ihre Aussagen schnell als beleidigend oder unsensibel aufgefasst werden konnten.

      Lyrianos zog ein ordentliches Tempo an. Er rannte nicht, schien es aber fast eilig zu haben, ihr Ziel zu erreichen - etwas das angesichts seiner sonst so entspannten Art und Weise ein wenig befremdlich wirkte. Trotzdem wirkte er gut gelaunt, während er dort mit den Eldar im Schlepptau sich durch den Wald schlug. Man sah ihm an, dass er sich gerne in der Natur aufhielt, seine treue Wölfin scheinbar immer an seiner Seite.
      Es dauerte nicht lange, bis sie an eine Senke kamen, die schon auf den ersten Blick aus dem typischen Waldbild heraus fiel. Es sah aus, als ob jemand die schönsten Bäume und Sträucher, die er in diesem Wald finden konnte, zusammengetragen hätte. Selbst das Moos schien hier grüner und saftiger auszusehen. Der Übergang vom normalen Wald zum Hain war nicht aprupt aber dennoch auffällig schnell. Ein kleiner Bach plätscherte vor sich hin und die Blätter spielten mit dem Sonnenlicht.
      "Solche Haine wie diesen hier gibt es überall im Wald, du hast sie vielleicht schon mal gesehen", meinte er an Kiv gewandt. Er hatte sein Tempo gedrosselt und fuhr nun ein bedächtig mit den Fingern durch ein Meer aus Blüten, die an einem Strauch wuchsen. "Sie sind so etwas wie ...vergessene Altare der ersten Eldar, an denen sie früher zur Natur gebetet haben."

      Mit einem Nicken trat Meleas an Lyrianos heran.
      "Diese Orte kenne ich. Gute Plätze zum Ruhen." Die Spiritualität der Altäre ging komplett an ihm vorüber. Da er nie eine Verbindung gefunden hatte zur Magie und zur Natur nur in Maßen, war er dazu auch nicht in der Lage. Das hieß nicht, dass er das nicht respektierte, er konnte einfach nichts damit anfangen.

      Auch Kiv hatte ähnliche Orte bereits an einigen Stellen im Wald entdeckt. Dabei hatte sie zwar durchaus bemerkt, dass es sich um besondere Orte handelte, hatte jedoch nicht weiter darüber nachgedacht. Magie erschloss sich ihr einfach nicht. Trotzdem fühlte sie sich hier... ruhiger. Sie blickte zu ihrem Bruder, der sich mit großen Augen umsah. "Altäre?", hakte er nach. Er konnte sich nicht daran erinnern jemals gehört zu haben, dass die Eldari beteten.

      "Ich weiß nicht, was euch die Ältesten über eure frühen Vorfahren erzählt haben. Sie waren sehr spirituell und die Verehrung Loreéns war ein zentraler Bestandteil ihrer Kultur. Ich weiß nicht genau, wieso die Ältesten dieses Wissen heute zurückhalten - so wie ich sie kenne, haben sie meist aber einen guten Grund für solche Dinge."
      Als sie die Mitte des Hains erreichten, sahen sie die Zwillingsbäume, deren ineinander verworrene Stämme in jedem Hain zu finden waren. Lyrianos sah hinauf zu dem majestätischen Blätterdach. "Hier ist es."
      Er blieb etwa zwei Meter vor den Stämmen stehen. Mit seinen Händen formte er eine Art Klangkörper und legte die Lippen an. Der Pfeifton, den er dabei erzeugte, war unheimlich sauber aber nicht besonders laut. Die Tonfolge bestand aus lediglich einem höheren und einem tieferen Ton, die eigenartig vibrierten. Allerdings schienen die Höhlungen der Zwillingsbäume den Ton aufzufangen. Es war, als ob sie dort eingefangen wurden und der ganze Baum die Musik in sich aufnehmen wollte.
      Obwohl es beinahe Windstill war, fielen einige der grünen Blätter hinunter. Mitten im Flug änderten sie die Richtung und formierten sich zu einem kleinen Wirbelsturm direkt vor Lyrianos, der immer schneller wurde. Die Luft flimmerte ein wenig, bis der Wirbelsturm mit der Zeit langsamer wurde und nach und nach den Blick freigab.
      Dort im Moos stand eine attraktive junge Frau, vom Aussehen her so um die 20. Sie war allenfalls leicht bekleidet, ihre Hautfarbe hatte stellenweise große Ähnlichkeit mit der elfenbeinfarbigen Haut der Eldar, floss aber hier und da in eine fast schon grasgrüne Farbe über. Sie trug lange blonde Haare, die mit Blumen bestückt waren und hatte dunkelgrüne Augen, die die Besucher neugierig musterte.
      Bei Lyrianos blieben sie hängen und ein schelmisches Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Ihre nackten Füße setzten sich in Bewegung und sie näherte sich dem jungen Mann.
      "Na, wen haben wir denn da.... .".
      Lyrianos erwiderte den Blick, den man unmöglich deuten konnte. "Ja, ist schon eine Weile her, meine Liebe."
      Sie schlich wie ein Raubtier um ihn herum, begutachtete ihn von oben bis unten und zupfte an seinen Sachen, bis sie wieder direkt vor ihm stand und fast schon mahnend den Finger erhob und ihm gegen die Brust tippte. "Hm, ich kann dir sagen, wie lange es her ist. Beim letzten Mal hast du mich mit unserem gemeinsamen ...Freund... allein gelassen."
      Sein Blick klärte sich langsam auf. "Verdammt, ich wusste, da war irgendwas Unerledigtes auf meiner Liste."
      Ihr Blick schien nun amüsante Züge anzunehmen. "Schön, dass du dich dran erinnerst. Das heißt, diesmal schuldest du mir etwas."
      Erst jetzt fiel ihr Blick auf die anderen Eldar und ihre Augen verengten sich kurz. "Nun, wie es scheint, ist das kein Freundschaftsbesuch, hm?"
      Sie sah ihn ein wenig vorwurfsvoll aber trotzdem nicht böse an. Sie musterte die anderen, während sie ihr Gesicht auffordernd in seine Richtung drehte. "Welchen Namen trägst du dieses mal?"
      "Lyrianos. Ich wäre dir sehr verbunden, wenn wir es dabei belassen." Ihre grünen Augen wanderten nur kurz zu ihm und schenkten ihm ein wissendes Lächeln, dann wandte sie sich gänzlich zu den Eldar und bewegte sich auf sie zu.
      "Hm...Ihr seid nicht ohne Grund hier, das ist klar. Also... es ist lange her, seit Eldar das letzte mal mich um einen Gefallen gebeten haben." Sie besah alle drei mit festem Blick, bis sie ihnen ein sanftes Lächeln schenkte. "Keine Sorge, ich beiße nicht. Nicht in dieser Gestalt - und wenn, dann aus einem erfreulicheren Grund, versprochen."

      Die Konversation wurde von Meleas beobachtet und kühl analysiert. Diese seltsame Frau war ein Wesen, das er nicht einordnen konnte, weswegen höchste Vorsicht geboten war. Ihm ging das Religiöse und das Magische des Ganzen ziemlich am Allerwertesten vorbei, sagte jedoch nichts fürs Erste und ließ den Mann reden, der anscheinend nicht nur diesen Namen trug. Er hatte doch gewusst, dass weitaus mehr dahinter steckte. Jetzt war allerdings nicht die Zeit um Fragen zu stellen. Er erwiderte den Blick der Frau, wenn es denn eine war, ohne Angst, verneigte sich dennoch dann kurz.
      "Wir sind nur Reisende, die eine Gefährtin verloren haben. Eine junge Eldarin. Auf der Suche nach ihr haben wir ...Lyrianos getroffen, er half uns gegen eine Horde Untoter. Sie ist recht jung und unerfahren, und wir befürchten, dass ihr Gefahr droht."

      Als Meleas sprach, verneigten die Zwillinge sich ebenfalls, sprachen jedoch kein Wort. Zuvor waren beide mehr oder minder damit beschäftigt gewesen die vermeintlich junge Frau anzustarren. Was besprochen wurde ging zwar nicht unbedingt an ihnen vorbei, doch beide waren zu fasziniert und auch eingeschüchtert, um überhaupt auf die Idee zu kommen, etwas zu sagen.

      "Hm, eine junge Eldarin, sagt ihr..." Wie schon bei Lyrianos bewegte sie sich auf Meleas und die Zwillinge zu und schlich um sie herum. Mit ihrer Hand berührte sie Kiv und fuhr ihr den Arm hinab, während sie den Zwillingen anzügliche Blicke zuwarf. Sie sah zu Lyrianos und setzte dabei ein fast schon glückseeliges Lächeln auf. "Hach, ich mag es, wenn sie noch so jung sind! So voller Energie... und Leidenschaft. Und so naiv."
      Lyrianos verdrehte spielerisch die Augen und er schnippste mit den Fingern. "Komm schon Loreén, bleib bei uns."
      Sie hatte sich gerade vor Tan aufgebaut, sich auf die Zehnspitzen gestellt und die Arme hinter dem Rücken verschränkt, während sie ihn mit leicht geneigtem Kopf musterte. Sie schien charakterlich irgendwo zwischen einem verspielten Kind und einer offenherzigen, erfahrenen Frau zu schwanken.
      Jedesmal wenn sie über etwas nachzudenken schien, summte sie kaum hörbar eine Melodie. "Wenn sich eure Freundin im Wald aufhält, dann kann ich sie aufspüren." Sie erhob wie zuvor ihren Zeigefinger und zeigte anschuldigend auf Lyrianos, während ihre Augen enger wurden. "Du weißt, dass ich ungern mehr als einen Gefallen offen stehen lasse. Und du schuldest mir sowieso schon etwas....".
      Mit einem Blick auf die Eldar zog sie die Augenbrauen hoch und ließ die offensichtliche Frage unausgesprochen.

      Meleas war vieles, aber nicht dumm. Und vorlaut schon gar nicht. Für jugendliche Hitzköpfigkeiten war er zu alt. Er verschränkte die Arme und betrachtete Loreén mit einem schlicht neutral zu benennden Gesichtsausdruck. Sicher, er war neugierig, trotzdem wollte er keineswegs, dass sie glaubte, er hege irgendwelche feindlichen oder anderweitige Absichten. Er war natürlich im Fall des Falles bereit, wusste allerdings, dass das ein Wesen war, das er schwer würde bekämpfen können. Die kaum versteckte Drohung ihrerseits an Lyrianos kommentierte er nicht. Deren Angelegenheiten bleiben die ihren.

      Tan spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. Er hatte keine Ahnung, wie er auf dieses Verhalten reagieren sollte. Kivs Arm kribbelte leicht, dort wo Loreén ihn berührt hatte und ihr Herz schlug etwas schneller. Es war nicht so, als ob die Worte der Gottheit, oder was auch immer sie sein mochte, über ihren Kopf hinweg gingen, doch Kiv konnte sich weitaus besser fassen als ihr Bruder. „Lyrianos hat uns bloß zu Euch geführt, er hat sonst nichts weiter mit unserer Gefährtin zu tun“, stellte sie sachlich fest, während sie Loreéns Blick erwiderte. „Wenn Ihr sie aufspürt, würden wir Euch somit einen Gefallen schulden, nicht Lyrianos.“ Das war nur logisch. Was für ein Gefallen das schlussendlich sein würde, konnte sie natürlich nicht wissen, doch im Moment war nur wichtig, dass sie Liana fanden.

      Loreéns Augen wanderten über Kivs Gesicht und sie sah ihr schließlich fest in die Augen, während sie ein mysteriöses Lächeln aufsetzte. "Hm, ein berechtiger Einwand. Wir müssten uns dann wohl nur noch über den... Preis einig werden."
      Währenddessen folgte Lyrianos Loreéns Blick mit einem Stirnrunzeln. Ihm schwante nichts gutes. "Komm schon Loreén, ich glaube kaum das sie in der Stimmung für deine übliche Art der Bezahlung sind."
      Ihre Gesichtszüge schienen ihr kurz zu entgleiten. Man hatte den Eindruck, sie wäre tatsächlich gekränkt von seinen Worten. "Das zwischen uns hatte nie etwas mit Bezahlung zu tun. Du schuldest mir was, ich schulde dir was - dieses Wechselspiel basiert allein auf Vertrauen, etwas was ich sonst kaum jemandem in der Form entgegenbringen würde." Lyrianos biss sich auf die Lippen und er wirkte irgendwie schuldig.
      Loreén hatte sich aber schon wieder unter Kontrolle und wandte sich an die Eldar. Ihr Augen funkelten. "Ein bloßes Versprechen reicht mir nicht. Mein Preis für meine Hilfe ist... eine Treue-Rune." Ihr Blick bleib bei Kiv hängen. "Von ihr."
      Mit aufgeschreckten Augen machte Lyrianos einen Schritt nach vorn. "Nein, das kannst du nicht von ihr verlangen!" - Loreén hob mahnend die Hand und er blieb anrupt stehen. "Na!....Sie hat es selbst gesagt - sie sind es, die mir einen Gefallen schulden, nicht du." Sie fixierte Kiv und ein Lächeln umspielte ihre Lippen.

      Ihm gefiel das immer weniger. Ohne dass er großartig darüber nachdenken musste wusste Meleas, dass Loreén brandgefährlich war und man ihr nie über den Weg trauen sollte. Da sie ein durch und durch magisches Wesen war, konnte er sich allerdings auch nicht mit ihr anlegen, selbst wenn er das für notwendig hielt. Stattdessen verneigte er sich leicht und meinte durchaus neugierig:
      "Eine Treuerune? Was bewirkt sie?"

      Tan zuckte sichtlich zusammen als Loreén sprach, doch Kiv blieb vollkommen ruhig. Meleas stellte die Frage, bevor sie selbst dazu kam und so wartete sie schlicht ab, was es mit dieser Treue-Rune auf sich haben mochte.

      Bevor Loreén antworten konnte, meldete sich Lyrianos zu Wort. "Eine Treue-Rune ist eine Art ... magischer Vertrag. Anders als bei einem herkömmlichen Vertrag oder Versprechen kannst du es hier nicht ignorieren, wenn dir danach ist." Man konnte ihm ansehen, dass er etwas in der Form schonmal gesehen oder erlebt haben musste. "Egal wo du bist oder was du machst - wenn du durch die Rune gerufen wirst, bist du gezwungen dem Ruf ohne Umschweife Folge zu leisten und die dir auferlegte Aufgabe zu erfüllen, völlig egal, was das ist."

      Das war nicht akzeptabel. Das würde bedeuten, dass Kivessa jederzeit einfach würde verschwinden müssen. Selbst wenn sie anderweitig beschäftigt war und gebraucht wurde. Und wer wusste schon, welche merkwürdigen Aufgaben dieses Wesen vorbrächte? Das Problem war nur, das er derzeit keine Ahnung hatte, was er dagegen hätte tun können. Das Wesen war nichts das er mit den weltlichen Mitteln bekämpfen können würde, vermutlich war hier eine Magie am Werke, die niemand auf dieser Welt irgendwie bekämpfen konnte. Im Endeffekt war es alleine die Entscheidung der jungen Eldarin. Sie musste wissen, ob das was sie bekämen, nämlich die Prinzessin, diese Last wert war für sie selbst. Ruhig blickte Meleas zu ihr.
      "Bedenke, was es bedeutet."

      "Nein!", sagte Tan und trat vor seine Schwester, bevor diese etwas sagen konnte. "Darauf können wir unmöglich eingehen."
      "Das ist nicht deine Entscheidung", erwiderte Kiv ruhig und blickte an Tans Schulter vorbei nicht zu Loreén, sondern zu Lyrianos. "Ist das hier die einzige Möglichkeit Liana zu finden?", fragte sie ihn sachlich.

      Er presste die Lippen aufeinander und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. "Möglicherweise. Es ist auf jedenfall die mit Abstand schnellste Methode. Keiner von uns hat irgendeinen Anhaltspunkt."
      Loreén beobachtete beide abwechselnd, bis sie kurz seufzte und Kiv ein warmes Lächeln schenkte. "Es ist kein Bund für die Ewigkeit. Die Treue-Rune hält genau für eine Aufgabe an, danach hast du deine Schuld abgearbeitet." Sie trat vor die junge Eldarin und ergriff ihren Arm, während sie ihre andere Hand an Kivs Wange legte und sie mit festem Blick fixierte. "Ich brauche jemanden, der ein gutes Gespür für die Natur besitzt - und ich weiß, dass du das hast! Ich würde nichts von dir verlangen, was nicht unabdinglich für den Schutz des Waldes wäre!".

      Meleas seufzte leicht. Verdammte alte Wesen.
      "Kivessa, du musst wissen ob es dir wert ist."

      Für den Schutz des Waldes. Diesem hatte Kiv immerhin ihre Lebensaufgabe gewidmet. Und hier stand sie immerhin vor Loreén persönlich. Sie hatte keine Ahnung von Magie oder übernatürlichen Wesen, doch sie kannte den Wald, besser als fast alles andere. Ihr Blick flackerte kurz zu Tan, der sie eindringlich ansah und den Kopf schüttelte, doch ihr Entschluss war gefasst.
      "Einverstanden."

      Lächelnd zog Loreén ihre Hand zurück und legte sie auf ihren Brustkorb, auf der sich ein grün wabernder Energiekristall bildete, der aus ihrem Inneren zu kommen schien. Sie hielt ihn schützend in ihrer rechten Hand, nahm Kivs linken Arm und drückte den Kristall sanft auf die Innenseite ihrer Handfläche. Dann umschloss sie Kivs Hand mit beiden Händen und schloss die Augen. "Ein Schwur den Sieben,
      die Seele ewig bind an ihr Versprechen - soll bersten, mög sie ihr Wort je brechen."
      Der Kristall glühte auf und strahlte durch die Finger der beiden Frauen hell erleuchtet. Als Loreén ihre Hände zurückzog, konnte man auf Kivs Hand eine Rune erkennen. Sie war smaragd-grün, ihre Form erinnerte entfernt an die eines Baumes - zwei Halbbögen, die sich in der Mitte trafen, wo dünne Linien die Schnittstelle durchzogen, als hätte man ein Band darum gebunden. Jeweils an der oberen und unteren Seite,dort wo die jeweiligen Enden wieder auseindander liefen, zierte eine Art Edelstein die Rune.

      Es war ein... seltsames Gefühl. Nicht unangenehm, oder schmerzhaft, Kiv spürte bloß, dass etwas mit ihr geschah. Fasziniert betrachtete sie das Leuchten und dann, als sie ihre Handfläche wieder sehen konnte, die Rune, die sich dort gebildet hatte. Auch Tan starrte darauf, während sein Herzschlag in seinem Kopf pulsierte. soll bersten, mög sie ihr Wort je brechen. Er dachte an Liana, dachte an Meister Umbari, dachte an das kleine, schwache Kind, welches seine Schwester einst gewesen war - in was hatte er sie da bloß hineingezogen?
      Kiv blickte von der Rune nun wieder zu Loreén. "Werdet Ihr jetzt unsere Gefährtin auffinden?"

      Loreén sah ihn an und nickte. "Ihr habt euren Preis bezahlt - jetzt erfülle ich auch meine Pflicht."
      Sie trat zurück und brachte etwas Abstand zwischen sich und den anderen. Lyrianos ahnte schon, was sie vorhatte und ging von sich aus ein paar Schritte zurück. Die junge Frau breitete die Arme wie zum Gebet aus und setzte sich in einen Schneidersitz - nur dass sie dies frei schwebend in der Luft tat. Um sie herum bildete sich eine magische Aura, ganz ähnlich der des Kristalls, die ihren ganzen Körper umspannte. Ihr Kinn ruhte auf ihrer Brust und sie schloss wieder die Augen, um sich zu konzentrieren.
      Man konnte hören, wie der Wald auf die Magie reagierte. Es war, als würde ein unregelmäßiger Wind aus dem Nichts durch die Blätterdächer und Sträucher wehen. Das Rascheln schwoll an und lose Blätter verfingen sich im magischen Wirbel.
      Nach nur wenigen Augenblicken sah man ein deutliches Stirnrunzeln auf Loreéns Stirn. Sie bewegte den Arm, als wolle sie einen Schleier beiseite streichen. Kurz darauf öffnete sie die Augen und sie setzte einen fragenden Blick auf. Offenbar sah sie in den Augen der anderen nicht die Antwort, die sie suchte. "Das könnte die kürzeste Suche werden, die ich je machen musste." Die Aura der Magie ließ nach und sie setzte behutsam ihre nackten Füße wieder auf den Boden. Sie sah sich auf der Lichtung um, als würde sie etwas suchen. "Ich weiß wo sie ist - gewissermaßen." Sie wandte sich an Lyrianos. "Könntest du bitte mal Navari rufen? Sie begleitet dich doch immer noch, oder?".
      Dieser runzelte verwirrt die Stirn. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass sie scheinbar nicht mit auf die Lichtung gekommen war. Er sah sich um und legte zwei Finger an die Lippen um zu pfeifen.
      Die Wölfin trabte entspannt hinter dem Zwillingsbaum hervor, als ob sie es sich dort die ganze Zeit gemütlich gemacht hätte.
      Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht breitete Loreén die Arme aus und kniete sich ins Gras, während Navari beinahe begeistert ihr in die Arme sprang. "Hallo, meine Schöne!". Sie kraulte ihr Fell und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Du hast da jemanden, den ich mir mal ausleihen muss." Sie sammelte Energie in ihrer Hand und legte sie auf Navaris Fell. Als sie die Hand wieder hob, sah es aus, als hätte sie einen blauen Schimmer aus dem Fell gezogen. Sie dirigierte ihn ins Gras, wo er aufblitzte und einen Körper formte, der den Eldar sehr bekannt war. Dort im Gras lag Liana, scheinbar, als würde sie schlafen.
      Lyrianos verfolgte die Szene mit wachen Augen und kratzte sich ein wenig ungläubig am Kopf. "Öhm.... ok - das war einfach."

      Mit wachsender Verwirrung beobachteten die Zwillinge, was da vor sich ging. Keiner von beiden verstand, wieso plötzlich die Wölfin zu ihnen gerufen wurde und welche Magie Loreén an ihr wirkte. Als jedoch plötzlich Liana im Gras auftauchte, kam Tan in Bewegung. Er eilte auf die junge Eldarin zu und kniete sich neben ihr ins Gras. "Liana?" Zaghaft streckte er eine Hand aus, um sie an der Schulter zu berühren. Kiv war währenddessen vollkommen still geblieben, starrte Liana jedoch an, als würde sie sie das erste Mal klar sehen.

      Meleas beobachtete und was er sah, gefiel ihm nicht. Ganz und gar nicht. Zumindest schienen sie weiterzukommen was Liana anging. Die Tochter des Königs war tatsächlich auffindbar.... Und wie. Sehr, sehr seltsam. Aber so war Magie nun einmal. Er schwieg kurz, dann nickte er dem mächtigen Wesen zu.
      "Habt Dank." Er trat neben Kiv und meinte leise, ohne Liana aus den Augen zu lassen:
      "Dir ist Magie so fremd wie mir, nicht wahr?"

      Die junge Prinzessin regte sich nicht. Ihre Haut wirkte seltsam blass und sie schien nicht einmal zu atmen. Lyrianos runzelte die Stirn, bis seine besorgte Mine sich sehr schnell zu einem alarmierenden Gesichtsausdruck formte. "Ähm.... Loreén?!". Die hatte das längst mitbekommen, sprang auf und kniete sich neben Liana ins Gras. Sie legte eine Hand auf Lianas Stirn, die andere schwebte über ihrem Körper und sie schloss die Augen. Nach wenigen Augenblicken öffnete sie die Augen, hielt die Magie aber aufrecht.
      "Sie ist in einer Art... Starre. Sie ist mit Sicherheit magischen Ursprungs. Ich kann sie daraus befreien, aber ich brauch ein bisschen Zeit."
      Lyrianos Stirnrunzeln hatte gefährliche Ausmaße angenommen. Er schien angestrengt über etwas nachzudenken. "Loreén, hilf mir, was war das?" Die junge Frau hob den Kopf. "Sie war durch eine Seelenverschmelzung an Navari gebunden." Er hob die Augenbrauen und sah sie fragend an. "Aber... Seelenverschmelzungen gehen nur zwischen Wesen der gleichen Spezies." Er fing an im Gras auf und ab zu gehen. "Sie muss ein Gestaltwandler sein, anders kann ich es mir nicht erklären...". Mit geöffneten Händen deutete er auf die Eldar. "Habt ihr davon gewusst?....Und diese Starre...sie wird sich unmöglich selbst verzaubert haben können, diese Form von Magie ist weit fortgeschritten... ich verstehe das nicht." Sein Blick fiel auf Naravi, die ihn aus großen Augen anblickte. "Liana ist doch verschwunden, bevor wir uns getroffen hatten. Irgendwie fehlt uns hier ein Puzzlestück. Geht den Abend ihres Verschwindens noch einmal durch, irgendwas muss uns entgangen sein."

      Kiv reagierte einen Moment gar nicht, dann blickte sie mit leicht gerunzelter Stirn zu Meleas. "Ich hatte noch nie einen Zugang dazu", bestätigte sie leise. "Dafür besitze ich einen guten Instinkt, was drohende Gefahren angeht." Sie sah erneut zu Liana. "Nur, dass er mir dieses Mal nicht geholfen hat." Das war eine Premiere.
      Tan versuchte derweil die Verzweiflung zu bekämpfen, die in ihm aufstieg. Was, wenn sie Liana zu spät gefunden hatten. Was wenn sie...? Doch er wagte nicht einmal, es zu denken. Stattdessen konzentrierte er sich voll und ganz auf Loreén. Eine magische Starre? Seelenverschmelzung? Was ging hier bloß vor? "Wir... wir haben nichts von einer Seelenverschmelzung gewusst", antwortete er leise auf die Frage des Menschen. "Liana hat nie etwas in diese Richtung erzählt. Bloß..." Plötzlich fiel ihm etwas wieder ein. "Nun, bevor sie verschwunden ist, als wir noch im Wald unterwegs waren, da wirkte sie sehr interessiert an Bewusstseinsmagie. Sie wollte wissen, wie es sich anfühlt und... nun... ich war erst vor Kurzem dazu gezwungen in ihren Geist zu blicken und sie wollte wissen, was ich dort alles gesehen habe. Es schien ihr sehr wichtig."

      "Ich habe mich wenig mit ihr unterhalten. Sie war schlicht verschwunden, dann suchten wir sie, und trafen auf die Untoten." Meleas runzelte die Stirn.
      "Liana ist die Tochter des Königs und mit mir verwandt. Allerdings ist sie vor einiger Zeit attackiert worden, von einem Alptraumwesen..."

      Lyrianos sah Tan an und schüttelte den Kopf. "Es gibt einen Unterschied zwischen Seelenverbindung und Seelenverschmelzung. Eine Verbindung ist das, was du mit Liana geteilt hast, das ist... eine spezielle Form von Magie, die nicht durch externe Kräfte hervorgerufen werden kann. Seelenverschmelzungen hingegen binden sozusagen zwei Seelen an einen Körper, das lässt sich sehr wohl gezielt durch andere Kräfte hervorrufen." Er fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht und blickte zu Liana.
      "Wenn sie nach Bewusstseinsmagie gefragt hat, nachdem du in ihrem Kopf warst, wird sie sicher Angst davor gehabt haben, was du dort finden könntest.... ich nehme an, sie wusste da schon, dass sie ein Gestaltwandler ist, konnte es aber noch nicht richtig einordnen."
      Als Meleas den Angriff erwähnte, horchte er auf. Er ließ sich von ihm dieses Alptraumwesen und den Angriff näher beschreiben und hörte dem erfahrenen Eldar aufmerksam zu.
      "Das hört sich an, als ob es sich hier nicht um einen herkömmlichen Dämon handelt....".
      Loreén warf dem Menschen einen fragenden Blick zu. "Der Angriff des Dämons schien ja kein Zufall zu sein. Habt ihr mal darüber nachgedacht, dass eure Begegnung mit den Untoten ebenfalls kein Zufall war?"
      Lyrianos schien erst gar nicht zu begreifen, worauf sie hinaus wollte. "Wie meinst du das?"
      "Du warst ihnen doch auf den Fersen. Hast du sie in den Wald getrieben oder hast du sie verfolgt?"
      Er stoppte seinen Auf- und Ab -Marsch und seine Augen wurden größer.
      "Wenn..... Moment!.... Wenn Kalior und seine Erschaffenen Liana auf der Spur waren....dann sicher nicht, um sie einfach nur umzubringen. Nehmen wir mal an, Liana wäre ihm in dieser Nacht tatsächlich über den Weg gelaufen - wieso sollte er sich die Mühe machen, sie in Starre zu versetzen und an Navaris Körper zu binden? Ich mein er konnte ja nichtmal wissen, dass sie ein Gestaltwandler ist."

      In Tans Kopf schwirrten die Gedanken, sodass er einen Moment brauchte, um Lyrianos und Loreén zumindest halbwegs zu folgen. "Aber... aber wieso sollte Kalior überhaupt hinter Liana her sein....?" Noch während er die Frage stellte, erinnerte er sich an etwas anderes. "Meister Umbari... er nannte Liana 'den Schlüssel' - könnt Ihr etwas damit anfangen?"

      Meleas sah zu Liana. Ihm gefiel das ganz und gar nicht. Der König würde unglaublich wütend sein, wenn mit seinem Kind etwas passierte, das der Assassine eigentlich hätte verhindern sollen.
      "Wenn Kalior etwas von ihr wollte, dann sollten wir fragen. Sprich: schnappen."

      "Sicher, Kalior könnte uns am ehesten sagen, was hier vorgeht. Ob er damit rausrückt, steht auf einem anderen Blatt." Er tigerte noch ein wenig hin und her und blieb dann stehen. "Ok, wie wäre es damit; Liana flieht mit euch aus Elyria, möglicherweise sogar gezielt verursacht durch den Angriff. Kalior soll sie abfangen, hat aber nicht daran gedacht, dass sie so viel Begleitschutz dabei hat - er trifft sie bei Nacht und versucht sie gefangen zu nehmen, sie aber verwandelt sich in einen Wolf und kämpft gegen ihn."
      Loreén schaute nur kurz auf, während sie Lyrianos Idee aufgriff. "Er bekommt Panik, weil er das so nicht auf dem Plan hatte. Der Umstand, dass sie ein Gestaltwandler ist, macht eine Gefangennahme eher schwierig. Er weiß aber, dass du und Navari ihm auf den Fersen sind. Er nutzt das Chaos während des Kampfes aus, wirkt einen Erstarrungszauber, bindet Liana dann an Navari und zieht sich dann zurück. Ihr würdet Liana nicht finden und euch möglicherweise irgendwann wieder aufteilen."
      Lyrianos nickte und starrte kurz angestrengt ins Leere. "Er wüsste, ich wäre ihm wohl irgendwann wieder allein auf den Fersen und hätte damit Liana genau zu ihm geführt." Er schien mit seinen Ausführungen zufrieden und atmete einmal hörbar auf. "Die einzig offene Frage wäre, was euer Älteste mit "Schlüssel" meinte und was genau Kalior mit der Prinzessin vorhatte. Es würde mich stark wundern, wenn es dort keine Verbindung geben würde.... wo wolltet ihr mit der Prinzessin eigentlich hin?"

      Es war Kiv, die auf die letzte Frage antwortete: "Wir waren auf dem Weg nach Nirha." Es fiel ihr schwer den Ausführungen Lyrianos und Loreéns zu folgen, zu sehr waren diese in magischem Denken verwurzelt. "Es war Meister Umbari, der Liana auf die Idee gebracht hat nach Nirha zu gehen", ergänzte Tan nun. "Und er war es auch, der mich - und damit auch meine Schwester und Meleas - Liana als Schutz zur Seite gestellt hat." Hatte der alte Meister etwa gewusst, was Liana widerfahren würde?
      "Wie kann es sein, dass wir nicht mitbekommen haben, dass die Prinzessin angegriffen wurde?", fragte Kiv nun mit gerunzelter Stirn.

      "Ob Kalior damit rausrückt oder nicht, wir müssen ihn ausschalten." Meleas war anzusehen, dass er nicht besonders gut gelaunt war. Magie. Er hasste es.
      "Ich kann mir vorstellen, dass sie nicht direkt im Camp angegriffen worden ist. In jedem Fall müssen wir versuchen, sie wieder zu normalisieren." Das ganze Gerede um den Schlüssel und anderes war ihm recht egal.
      "Und wir müssen zusehen, dass wir so schnell wie möglich weiterkommen dann."

      Lyrianos nickte zustimmend. "Das denke ich auch. Wenn dieser Meister Umbari der Ansicht war, sie würde in Nirha Antworten finden, solltet ihr mit ihr schnellst möglich dorthin aufbrechen. Ich werde mich um Kalior kümmern, das hätte ich schon viel eher..." - "ich hab sie!" Loreéns Zwischenruf verschob augenblicklich die Aufmerksamkeit aller auf Liana. Ein Ruck ging durch ihren Körper, ihr Brustkorb senkte sich zum Luftholen und sie öffnete schlagartig die Augen. Sie schaute sich um und Verwirrung war der einzige Ausdruck auf ihrem Gesicht, den man hätte finden können. Sie schaute in die Runde und Erleichterung, ob der bekannten Gesichter, mischte sich mit dazu. Ausgerechnet bei Lyrianos blieb ihr Blick hängen. Es war unmöglich ihren Blick zu deuten...

      Erleichterung überkam Tan, als die Prinzessin ihre Augen öffnete. "Liana! Geht es Euch gut?", fragte er, immer noch neben ihr kniend. Kiv stand einen Moment einfach nur da, scheinbar ohne zu wissen, wen sie ansehen oder was sie tun sollte. Dann ging sie hinüber zu Navari, kniete sich hin und hielt dem Wolf erneut eine Hand entgegen.

      Navari war schon wieder auf die Beine gesprungen und beobachte die Szene mit neutralem Interesse. Kivs Hand beäugte sie erst misstrauisch und näherte sich nur äußerst zaghaft, bis sie ein wenig an ihr schnupperte und nach einem kurzen Augenblick sich wie gewohnt gegen Kivs Hand schmiegte.
      Währenddessen konnte Liana ihren Blick nur widerwillig von Lyrianos lösen. Erst nach einem Augenblick wandte sie sich Tan zu. Sie hatte ihn schon zuvor erkannt, aber ihr Gesichtsausdruck schien erst jetzt ein paar der vergangenen Stunden aufzuarbeiten und die Puzzlestücke nach und nach zusammen zu setzen, denn ihre Augen huschten hin und her, als würde sie zwischen der Realität und den Erinnerungen vor ihrem geistigen Auge immer wieder wechseln. In einem Anflug aufkommender Emotionen fiel sie dem jungen Magier um den Hals. "Tan! Dem Wald sei dank, ich dachte, ich hätte euch verloren!" Sie schien sich an die Ettiquette zu erinnern und ließ ihn wieder los. "Da war dieses Geräusch... und... und dann diese Kreatur und das ganze Blut... dann stand dort dieser Mann im Umhang, der die Kreatur aufhetzte und ich.... ich....". Ihre Augen wurden größer und sie sah ängstlich in die Augen der Anwesenden. "Hab... hab ich jemanden verletzt? Was ist passiert?"

      Meleas ließ nicht erkennen, dass er sehr froh war, dass Liana wieder geistig anwesend war. Er nickte Loréen zu.
      "Habt Dank." Der Eldar trat zu der jungen Frau. Sie wirkte durcheinander, aber ok.
      "Nein. Was passiert ist, wüssten wir ebenfalls gern. Du bist aus dem Lager verschwunden, wir trafen auf einen Beschwörer mit Untoten, auf Lyrianos und seinem Wolf, mit dessen Seele du verschmolzen warst, und Loréen hat dich gerettet." Er war gut im Zusammenfassen.
      "Und nun wüssten wir gerne, wie das passieren konnte."

      Völlig überrumpelt von der Umarmung, brauchte Tan einen Moment um auf die Fragen der Prinzessin zu antworten, sodass Meleas dies übernahm. Auf seine ganz eigene Art. Tan runzelte leicht die Stirn. "Vielleicht war das etwas zu knapp für Liana", merkte er so diplomatisch wie möglich an. Er wandte sich erneut Liana zu. "Wir sind aufgewacht und Ihr wart fort, also haben wir nach Euch gesucht..." Möglichst kurz aber immer noch ausführlich begann er zu erzählen, was ihnen nach Lianas Verschwinden widerfahren war.
      Kiv streichelte währenddessen Navari mit nachdenklicher Miene, vermied jedoch den Blick in Richtung der Prinzessin.

      Dankbar für die etwas ausführlichere Erklärung der Dinge schenkte sie Tan ein erleichtertes Lächeln. "In dem Fall lief es ja noch halbwegs glatt... ich versteh das mit dem 'Wolf-sein' selbst noch nicht ganz genau.... Ich wüsste nicht was ich getan hätte, wenn ich einen von euch verletzen würde.... Ich kann euch aber auch nicht so viel mehr sagen. Dieser Beschwörer - Kalior habt ihr ihn genannt - er hatte mir gegenüber auch nichts weiter gesagt. Ich weiß nicht, wieso er hinter mir her sein könnte. Ich bin nur froh, wenn ihr bald sehr viel Abstand zwischen uns und diesen Dingern bringen können." Zum ersten mal wandte sie sich auch an Loreén. "Ich.... ich habe euch noch nicht für eure Hilfe gedankt. Also.... vielen Dank, Loreén. Ohne euch wär ich wohl noch eine Weile an Navari gebunden gewesen." Liana schien mit der Tatsache, dass es sich hier um so etwas wie eine Wald-Göttin handelte, sehr gefasst aufzunehmen.
      Diese widerrum schenkte ihr ein warmes Lächeln. "Es freut mich, dass ich helfen konnte." Sie sah kurz zu Kiv, die ja der Beweis dafür war, dass Loreén nicht aus reiner Herzensgüte geholfen hatte - schien es aber nicht für wichtig zu erachten, dass noch einmal zu erwähnen. Sie wandte sich hingegen an Lyrianos und sah ihn auffordernd an. "Wir müssen da noch etwas besprechen."
      Der Mann nickte und die beiden zogen sich ein wenig abseits der gekreuzten Baumstämme zurück. Die Eldar konnten nicht verstehen, um was es ging, aber es schien um ein ernsteres Thema zu gehen.

      Meleas seufzte leise. Immer diese Zeitverschwendung.
      "Da sind noch einige Fragen offen, Liana. Allerdings werden wir bald weitermüssen. Und dafür müssen wir genau wissen, warum Kalior dich haben wollte."

      "Meleas hat recht", sagte Tan leise. "Lyrianos hat zwar angeboten, sich um Kalior zu kümmern, doch wir können nicht wirklich weiterziehen, bevor wir nicht wissen, was er von Euch wollte und was vielleicht noch auf Euch lauern wird."
      Kiv hatte aufgeschaut, als Loreén sie ansah und gesellte sich nun zögerlich zu Tan, Meleas und der Prinzessin.

      Die Prinzessin sah Meleas mit festem Blick an und ihre Stimme bekam einen leicht genervten Unterton. "Ich. weiß. es. nicht. Keine Ahnung, was Kalior von mir wollte. Er hatte seine Kreatur auf mich gehetzt und sie angewiesen, mich nicht ernsthaft zu verletzen. Mehr war da nicht." Sie hätte selbst gern gewusst, was das alles sollte, aber irgendwie wusste sie nicht genau, was sie mit dem Wissen anfangen sollte. Es nervte sie, dass sie ständig auf Schutz angewiesen war. Sie musste demnächst unbedingt rausfinden, wie das mit der Wolfsform funktionierte.
      "Hört mal, ich verstehe, dass da offene Fragen sind - aber wenn er hinter mir her ist, wäre es doch total idiotisch, wenn ich ihm jetzt genau in die Arme laufe!"

      Meleas hob eine Augenbraue.
      "Du weißt, dass es alles andere als normal ist, dass du überhaupt mit dem Wolf verschmelzen konntest. Der Punkt ist, dass für mich die einzige Erklärung ist, dass er irgendwoher von besonderen Fertigkeiten deinerseits weiß." Höflichkeit oder gar Distanz hielt der Eldar jetzt für fehl am Platz.
      "Du musst gar nichts. Für dich wäre jede Konfrontation viel zu gefährlich." Seufzend sah er zu Lyrianos und Loréen hinüber.
      "Sobald sie mit ihrem Gespräch fertig sind planen wir wie wir weiter vorgehen."

      Währenddessen schien die Unterhaltung zwischen Loreén und Lyrianos härtere Züge anzunehmen. Letzterer schien alles andere als glücklich, während die Hüterin des Waldes weiter auf ihn einredete. Den ein oder anderen Wortfetzen konnte man aufschnappen, wenn sie die Stimmen erhoben.
      "...... nicht einmischen."
      "Wieso?! Es ist meine Entscheidung, wenn.......... als ob das eine Rolle spielen würde!"
      "Tu nicht so, als wäre es dir egal" - "Es IST mir egal!"
      "....lügen.....noch nie... . .... ihren Blick gesehen. Ich bin nicht blind, Lyrianos!"
      Der Mann winkte genervt ab und kam wieder zurück zu Gruppe. Für Loreén schien das Gespräch noch nicht beendet zu sein. Sie folgte ihm und rief ihm nach. "Du wirst dich wieder verlieren und ich bin dann nicht da, um dich aus dem Loch zu ziehen!" Lyrianos wirbelte herum und zeigte mit einem mahnenden Finger auf Loreén. "Das ist auch nicht deine Aufgabe!" - "Ich will doch nur verhindern, dass das selbe passiert wie b..." - "oh nein nein nein, dieses Thema ist für dich tabu und das weißt du ganz genau! Ich habe mit diesem Teil meiner Vergangenheit abgeschlossen also hör auf, diese alten Geschichten hervorzukramen!"
      Sie sah ihn voller Mitleid an. "Das ist doch genau das, was ich meine. Du kannst das nicht ewig vor dir herschieben." Er verdrehte die Augen und beugte sich zu ihr, so dass man seine nächsten Worte unmöglich hören konnte. ".... und damit ist alles dazu gesagt, was es zu sagen gibt." Ihr Blick war alles andere als beruhigt, aber sie schwieg.
      Er ging zu den anderen. "Es spielt keine Rolle, wie viel wir über Kaliors wahre Absichten wissen, ihr solltet schnellstmöglich nach Nirha ziehen. Er wird sowieso nicht hier im Wald bleiben, jetzt da er auf unserer Liste steht. In Bewegung bleiben ist der einzige Vorteil, den ihr jetzt habt. Ich kann euch anbieten, euch zu begleiten, wenn ihr das wünscht. Andernfalls hefte ich mich an seine Fersen und bring ihn ein für alle mal zu Strecke."

      Kaum waren sie wieder vereint, da gerieten Liana und Meleas auch schon wieder aneinander. Tan hielt sich lieber raus - im Grunde konnten sie, wie Meleas bereits gesagt hatte, nur abwarten, was Lyrianos und Loreéns Gespräch ergeben würde. Er runzelte leicht die Stirn. Worum auch immer es da gehen mochte.. Als Lyrianos sich schließlich wieder an die Gruppe wandte, musste Tan kurz nachdenken. Er persönlich hätte nichts dagegen, wenn der Mensch sie noch ein wenig begleitete, doch andererseits war es auch wichtig, dass Kalior eingehalten wurde.
      Kiv schien ähnlich zu denken. "Kalior zu jagen war der Grund, weswegen Ihr hergekommen seid, oder nicht?"

      Meleas registrierte den Streit und speicherte das Gesagte im Hinterkopf ab. Man wusste ja nie.
      "Nun..." meinte er dann gedehnt.
      "Kalior will irgendwas von Liana. Sie ist bei uns. Ich kann mir gut vorstellen, dass er UNS folgt. Daher wäre es logisch, wenn Lyrianos mitkäme."

      Lyrianos sah abwechselnd von Tan zu Meleas. "Ich folgte ihm, weil er ein Totenbeschwörer ist und ich wahrlich kein Freund von ihnen bin. Ich wusste nicht, welche Wellen das schlagen würde, daher spielen meine ursprünglichen Motive hier keine Rolle mehr. Wenn ich ihn verfolge, ist es nicht sicher, wann ich ihn stellen könnte."
      Aus dem Augenwinkel sah er nur wie Loreén fast unmerklich den Kopf schüttelte doch er ignorierte sie.
      "Stand jetzt müssen wir davon ausgehen, dass er es wieder bei Liana versucht, daher wäre es wohl auch effizient, wenn ich mich in eurer Nähe aufhalte - sofern ihr damit einverstanden seid."

      "Ich sehe nichts, was dagegen spricht", erwiderte Kiv schlicht. Tan schien nur kurz zu überlegen, nickte dann jedoch.
      "Ich habe auch nichts dagegen, doch ich denke, das letzte Wort sollte bei Liana liegen."

      "Mehr Schutz ist besser als weniger." Der Eldar begann, seine Sachen einzusammeln.
      "Wir sollten keine Zeit verlieren."

      Liana nickte zustimmend. "Etwas anders würde nicht viel Sinn ergeben." Zum ersten Mal überhaupt kreuzten sich Lianas und Lyrianos Blicke. Er kam ihr schon nach ihrem Aufwachen merkwürdig bekannt vor. Er allerdings schien den Augenkontakt mit Liana fast schon zu meiden. "Dann ist das geklärt." Er wandte sich an Loreén und nickte knapp. "Danke nochmal für deine Hilfe. Wir zwei werden uns bestimmt bald wiedersehen." Sie besah ihn mit einem ernsten Blick. "Sei weise in den Entscheidungen, die du triffst."
      Nacheinander verabschiedeten sie sich voneinander und die Gruppe verließ den Hain gen Norden...

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