Die Chroniken von Eras - Im Bann der Zeit

    • Fantasy

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    Als Gast sind dir nicht alle Inhalte und Funktionen dieses Forums zugänglich.
    Um das Forum im vollen Umfang nutzen zu können, registriere dich bitte.

    • „Dann hätten wir das auch geklärt,“ sagte der Zwerg und wandte sich an Börte, „los geht‘s“
      Nachdem sie ihre Rechnungen beglichen hatten machte sich der kleine Trupp gemeinsam auf den Weg. Vorsichtig bewegten sie sich durch die Straßen von Ostberg, schließlich konnte ihnen die
      Bande einen Hinterhalt gestellt haben. Zur Verwunderung von Grindol steuerten die Matrosen jedoch nicht den Hafen an sondern versuchten zum südlichen Ausgang der Stadt zu gelangen. Abrupt blieb die Zwerg stehen: „Ich dachte wir...“ „Sachte, sachte,“ versuchte ihn Börte zu beschwichtigen, „mein Boot liegt gut versteckt in einer kleinen Bucht, bewacht von meinen restlichen Matrosen. Wer weiß zu welchen irrwitzigen „Steuern“ sich die hiesige Obrigkeit hinreißen lässt wenn sie meine Waren sieht!“ Mit einem verwegenen Grinsen schaute Börte den Zwerg an. Mit einem Ausdruck des Verstehens auf dem Gesicht nickte dieser, offensichtlich war er in die Hände von Schmugglern geraten. Zudem hatte die Kapitänin ihm irgendetwas von „nicht willkommen“ erzählt fiel es ihm plötzlich wieder ein. So folgte er also ohne weiteren Widerstand, beschloss aber für sich doppelt wachsam zu sein.
    • Koop Spartan - Fara (Kiv und Tan) und Cass (Meleas)

      Die Ansage schien geholfen zu haben. Meleas hatte kein Verständnis dafür, dass die jüngeren Eldar so viel reden mussten. Immerhin waren sie unterwegs auf einer Mission, die niemand recht beschreiben konnte. Aber seine Konzentration galt jetzt nicht dem, was noch irgendwann später kommen würde, sondern ihrem Weg. Die dunklen, üppigen Wälder des Eldarreiches gaben Schutz, jedoch verbargen sie auch vieles. Seine Schritte lenkten ihn sicher über den manches Mal tückischen Boden, gab es doch immer wieder einmal Senklöcher, versteckten tiefen Morast, manch totes Tier in das man nicht treten wollte. Immer wieder hielt er kurz die Gruppe an, lauschte, hier und da brach ein Fuchs aus dem Unterholz, ein Reh, einmal sogar ein Wildschwein. Der Eldar bedauerte, dass er nicht jagen konnte, so tief in den Wäldern war er recht selten. Dafür blieb keine Zeit. Er trieb die anderen an, so wie er selber getrieben war, erlaubte wenige Pausen. Dafür kamen sie gut voran. Der Tag, den sie im Halbdunklen verbracht hatten, wich allmählich der Nacht. Es wurde dunkler und dunkler. Neumond. Schließlich meinte er:
      "Wir werden einen Platz für das Nachtlager suchen. Die Stadt liegt weit hinter uns, für den ersten Tag sind wir gut voran gekommen." Natürlich waren sie alle müde, selbst er. Immerhin schmerzten seine Füße nicht weh, lange Märsche war er gewohnt. Nach kurzer Zeit fand er einen guten Platz - unter einer Trauerweide, deren lange Äste den Boden berührten und beinahe wie ein Zelt wirkten. Der Boden hier war trocken, und eine Wache würde sicherlich nicht gesehen werden.
      "Esst etwas, dann sollte geschlafen werden. Liana, auch du." Meleas übernahm die erste Wache, dann weckte er Liana, und schloss selbst die Augen, an den Stamm des Baumes gelehnt. Sein Schlaf war nie tief, und die merkwürdigen Alpträume taten ihr übriges, dass er jetzt mehr döste denn richtig schlief. Plötzlich erschauerte er und schlug die Augen auf. Sein Blick ging umher. Die Zwillinge schliefen, Liana... war nicht wo sie sein sollte. Etwas stimmte nicht. Erst wollte er sofort los, dann hielt er inne. Dieses Mal war er nicht alleine. Es knackten irgendwo Äste. Sofort weckte er Kiv und Tan.
      "Liana ist weg."

      Erneut suchte sie nach ihrem Bruder, rief seinen Namen wieder und wieder und wurde in ihrer Suche durch schemenhafte Gestalten gehindert. Dieses Mal wachte sie jedoch nicht durch den Traum auf – stattdessen war es eine leichte Berührung an ihrer Schulter, die sie aus dem Schlaf riss. Sofort war Kiv wach und alarmiert. Sie setzte sich auf und blickte einmal kurz prüfend zu Tan, der deutlich verschlafener wirkte. Ihr Instinkt hatte sich nicht gemeldet, noch nicht, doch etwas stimmte hier ganz und gar nicht.
      „Wir sollten nach Spuren Ausschau halten“, sagte die Eldarin nun und machte sich gleich daran ihr Nachtlager genauer zu betrachten, während Tan langsam auf die Füße kam.

      Lianas Schlafplatz wies auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches auf. Ihre Sachen lagen ein wenig durcheinander, als ob sie schlecht geschlafen hätte aber nichts deutete darauf hin, dass sie gewaltsam entführt wurde oder ähnliches. Ein paar Fußspuren führten offensichtlich in den Wald, aus dessen Richtung nun alle drei Eldar klar Geräusche vernehmen konnten. Sie waren allerdings schwer zuzuordnen... Ein schweres Stöhnen folgte auf seltsam schlurfende Geräusche, als ob jemand etwas schweres durch das Dickicht ziehen würde.

      Der Blick des Eldar wanderte ebenfalls zu der Schlafstätte.
      "Keine Spuren von außerhalb, aber..." Er hielt inne und wie von selbst glitt seine Hand zu seinen Waffen, als er seltsame Geräusche vernahm, die alle heißen konnten. Meleas nickte den beiden jüngeren zu und lief lautlos in einem Bogen in Richtung des Geräusches.

      Auch Kiv griff nun zu ihrem Schwert, erwiderte Meleas Nicken und machte sich so lautlos sie konnte in Richtung der Geräusche auf. Tan, der deutlich weniger Erfahrung mit solchen Situationen hatte, folgte langsamer, darauf vorbereitet, wenn nötig Magie zu wirken.

      Die drei Eldar schlichen durch den Wald und das Geräusch kam immer näher. Hier und da waren kleinere Äste abgeknickt und seltsame Schleifspuren durchzogen den Waldboden. Hinter dem Stamm einer riesigen Eiche lag eine kleine Senke, in denen die Wurzeln des großen Baumes wie Tentakel aus dem Boden ragten.
      Nun offenbarte sich die Quelle der Geräusche und der Anblick, der sich ihnen bot, war äußerst skurril.
      Eine Gestalt kniete an einer der größeren Wurzeln. Sie hielt einen dicken Stein in der Hand, mit dem sie gerade anfing, auf einen Körper einzuschmettern, den sie über die Wurzeln gelegt hatte. Das Geräusch von berstenden Schädelplatten und Knochen flutete die Senke und wurde an den Rändern beinahe eingefangen. Die "Beute" war auch so schon bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt und Blut tränkte den Waldboden in dunkelroter Farbe.
      Der Anblick der Gestalt selber war aber um einiges unheilvoller. Sie war in einen braunen zerschlissenen Mantel gehüllt, der aussah, als hätte ihn ein Bär in Fetzen gerissen. Den Arm, mit der sie auf die Beute einschlug, krümmte sich in einem völlig unnatürlichen Winkel nach hinten. Jedesmal, wenn sie ausholte, drehte sie ihren Kopf leicht, so dass die Eldar das riesige klaffende Loch in ihrem Hals sehen konnten.
      Was dem ganzen die Krone aufsetzte, war ein schweres Stöhnen, welches aber nicht ohne "Sinn" war. Vielmehr summte die Kreatur, als ob sie eine Art Lied trällerte.

      Meleas blieb stehen und nahm die Szene in sich auf. Sollte das Liana sein, die es erwischt hatte, so war nichts mehr zu machen. Ihn störte weder das Blut noch alles andere, was für sich schon beängstigend genug war. Er zog sein Schwert und stellte sich in Position, dann grollte seine kalte Stimme durch den Wald:
      "Wer bist du?"

      Kiv, ihr Schwert fest in Händen, stand einen halben Schritt hinter Meleas und wusste nicht recht, was sie tun sollte. Einerseits sagte jeder Instinkt in ihrem Körper, dass sie angreifen musste, andererseits schien Meleas nicht unbedingt den gleichen Gedanken zu haben. Und vielleicht war es gar nicht verkehrt, einer möglichen Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Tan war ebenfalls stehen geblieben, jedoch aus einem völlig anderen Grund. Schockiert betrachtete er das Blut und die verstümmelte Gestalt am Boden. War das... war das etwa..? Ihm wurde schlecht.

      Die Gestalt hörte sie definitiv, denn sie hielt einen kurzen Moment inne, nachdem Meleas sie angesprochen hatte. Sie hob leicht den Kopf, als ob sie aufhorchen wollte. Kurz danach setzten wieder die dumpfen und schmatzenden Schläge ein. Dazu kam eine krächzende Stimme, die eindeutig weiblich war. "Hört ihr das, meine Kinder? Jaa, das sind sie, die Wächter des Waldes. Wollt ihr sie nicht begrüßen? hihihi...."
      Das Kichern hielt an, während die Eldar nun überall Rascheln und knackende Äste hören konnten. Aus der Dunkelheit schälten sich weitere Schatten und man hörte das Surren von gezogenen Schwertern.

      Unmerklich spannte Meleas sich an. Aus einem Ärmel glitt einer seiner Assassinendolche, die höchst uneldarisch waren, griff das Schwert kurz nur mit einer Hand und warf den Dolch plötzlich und ohne Vorwarnung präzise in Halsrichtung auf die Gestalt, dann stellte er sich gegen KIvs Rücken, die Umgebung sondierend. Eine Überzahl von - nun, das würde man sehen. Gleichzeitig blickte er kurz nach oben -Lianen, ein möglicher Ausweg. Seine Augen suchten Tan, der wohl derjenige war, der am meisten gefährdet war und versuchten ihn darauf aufmerksam zu machen.

      Kivs Instinkt spielte verrückt, während die Gestalten, was auch immer sie waren, langsam auf sie zukamen. Dagegen hatten sie keine Chance, dagegen konnten sie keine Chance haben! Doch einen Ausweg sah sie auch nicht wirklich und außerdem mussten sie herausfinden, was mit Liana passiert war. Tan schien ähnliches zu denken. Zwar bemerkte er Meleas Blick und die Ranken über ihnen, jedoch konnte er seine Schwester und Meleas nicht einfach so alleine lassen! Stattdessen machte er sich nun bereit Magie zu wirken. Er hatte nicht viel Erfahrung in defensiver Magie, also würde er improvisieren müssen.

      Die Klinge von Meleas Messer erreichte pfeilschnell sein Ziel und warf die Gestalt nach vorne. Nach ein paar Momenten raffte sie sich aber wieder auf, zog den Dolch mit einem Lachen aus dem Hals und warf ihn achtlos beiseite. Derweil waren einige der Schatten immer näher gekommen und man konnte im fahlen Mondlicht ihre Gesichter sehen. Alle waren mehr oder minder entstellt, Wunden klafften hier und da, manch eine war nicht mehr als ein Skelett. Die meisten dieser Untoten, die weniger schwere Verletzungen hatten, waren dem Anschein nach einmal Eldar gewesen, hier und da waren auch einige Menschen darunter.
      Die ersten begannen nun an Tempo zu gewinnen, wenn sie denn noch Gliedmaßen hatten, mit denen sie rennen konnten, und warfen sich den Eldar entgegen.

      Leise grollte Meleas:
      "Ich hasse Magie." Ihm war sofort klar, womit sie es hier zu tun hatten.
      "Zerhacken. Gnadenlos. Die leben sowieso nicht mehr." Das weibliche Wesen vorne musste der Erschaffer sein. Die Frage war, wie viele Gegner würden es sein?

      "Ihr guten Geister!", entfuhr es Tan, als auch ihm bewusst wurde, was für Wesen sie hier gegenüber standen. Erschaffene, hier, im Wald von Loreén? Doch er konnte sich darüber nicht lange Gedanken machen, denn nun griffen die Wesen an. Instinktiv errichtete er einen Schild um sich, als eine der Kreaturen sich auf ihn stürzen wollte. Er hörte ein Sirren, dann sah er, wie Kiv sich dem Erschaffenen annahm und ihm methodisch die Gliedmaßen abschlug. Tan spürte Galle hochsteigen.

      Meleas ließ das Schwert tanzen, elegant und tödlich, mit all seiner Erfahrung. Doch ob er das überstehen würde wusste er nicht. Daran verschwendete er aber keinen Gedanken. In vielen Schlachten war er angetreten, nicht immer so offen, sondern verborgen, jetzt aber zeigte sich, dass er ein absoluter Meister in der Kampfkunst war - schnell, präzise und effizient.

      Doch kaum war einer der Erschaffenen bezwungen, füllte ein weiterer die Lücke wieder auf. Zuerst waren es vielleicht ein oder zwei dutzend, doch am Rande der Grube tauchten immer mehr dieser Untoten auf. Tans Schild konnte ein paar von ihnen abwehren aber lange könnte er dem Druck nicht standhalten. Einige von ihnen warfen sich völlig kopflos gegen die Barriere, andere schienen sogar taktisch an die Sache ranzugehen und hatten Meleas als gefährlichstes Ziel ausgemacht und wollten ihn zuerst zu Fall bringen. Einer der Erschaffenen hatte gar einen riesigen Morgenstern, den er kreisförmig über seinem Kopf rotieren ließ und dabei mindestens drei seiner Kumpanen den Kopf von den Schultern schlug, als er sich ins Getümmel warf und den erfahrenen Eldar ins Ziel nahm.

      Der Morgenstern ließ ihn kurz innehalten, doch anstatt in Panik zu verfallen suchte er sofort nach Lösungen, der Kreatur beizukommen, und sprang zurück, als die gewaltige Waffe geschwungen wurde. Aber noch bevor er etwas anderes hätte tun können, geschah etwas Seltsames. Sie bekamen Hilfe von ungewöhnlicher Seite.

      Plötzlich fielen einige der Erschaffenen um, als ob sie etwas beiseite gestoßen hätte. Eine Kreatur bahnte sich einen Weg durch die Reihen, welche dann geschickt unter dem mit Eisenstacheln versehenen Mordwerkzeug hindurchtauchte und kurz danach den Erschaffenen mit Wucht zu Boden riss. Dem Umriss und den Geräuschen nach musste es sich um einen Wolf handeln. Er schaute nur kurz auf, bevor er beherzt die Hand, die den Morgenstern führte, in Fetzen riss und vom Körper trennte. Sie hatten kaum Zeit, die Situation zu verarbeiten, da erschien an der Westseite der Grube ein bläulicher Schimmer, dem kurz darauf eine ungeheure Druckwelle folgte, die alle Untoten vor ihr von den Füßen riss. Dort erhob sich gerade eine Gestalt, welche die Gruppe mit einem auffordernden Blick besah, ehe eine männliche Stimme rief:
      "Los, auf die Beine und nichts wie weg hier!"

      Der Eldar stolperte, und kam ohne zu zögern der Aufforderung des Unbekannten nach. Jetzt war nicht die Zeit für Diskussionen. Er blickte sich nicht um, ob Kiv und Tan folgten, sondern sprintete los, die Waffe noch bereit in der Hand.

      Die Zwillinge hielten inne, als die Druckwelle über sie hinwegfegte. Einen Moment lang konnten sie sich nur verwirrt ansehen, dann ergriff Kiv Tans Hand und zog ihn hastig hinter der Gestalt und Meleas her.
      "Was war das?", rief Tan während er lief. "Wer seid Ihr?"

      Der Mann deutete nur nach Westen, während er die drei Eldar an sich vorbei ließ. "Dafür haben wir später noch genug Zeit." Er wandte sich in Richtung der Menge, legte zwei Finger an die Lippen und ließ einen ohrenbetäubenden Pfiff ertönen. Kurz darauf rauschte der Wolf aus der Menge der Erschaffenen heraus und sprang beherzt aus der Senke heraus. Er warf einen letzten Blick zu der untoten Meute und folgte dann den anderen durch das Dickicht.


      Thx Tom Bombadil
    • New

      Je weiter der Tag voranschritt, desto mehr wurde Vathalyk ein Problem offensichtlich: Er kannte sich in dieser Welt nicht mehr aus. Einige Jahrhunderte waren im geologischen Maßstab keine Zeit, was soviel bedeutete als dass wesentliche Merkmale der Landschaft wie Hügel, Täler und Berge noch erhalten waren. Das Klima war jedoch ein wenig anders und so ziemlich alles von Menschenhand geschaffene, das er noch kannte, war nicht mehr. Dafür viel neues... andere Pflanzen auf den Feldern, neue Wege -- und neue Kriege.

      Wohl kaum anders als so war es jedenfalls zu erklären, dass der Erschaffene auf seinem Irrweg entlang der nächstliegenden Pfade und Wege mehr als nur einem Dorf begnete, das im Grunde nur noch eine Ansammlung aus verkohlten Trümmern war. Vathalyk fand sie in diversen Zustanden: Noch glimmend und rauchend, schon erkaltet aber noch mit erkennbaren Formen und bereits von Wind und Regen zu einem schwarzen Brei reduziert. Eine wichtige Erkenntnis: Was auch immer für ein Konflikt dafür verantwortlich war tobte noch immer. Allerdings gab es keine Spuren von mächtiger Magie, wie Vathalyk sie noch aus dem Dämonenkrieg kannte. Die hätte gleich von Anfang an in vielen Fällen nicht einmal mehr irgendwelche Trümmer zurückgelassen. Also handelte es sich wohl um einen mehr zwischenmenschlichen, konventionellen Konflikt. Immerhin eine gute Nachricht.

      Er musste allerdings darauf achten, nicht eventuell mitten zwischen die Fronten zu geraten. Mit viel Umsicht bewegte er sich weiter vorwärts teilweise bis in die Nacht hinein. Was sollte er auch schon wieder schlafen ? Das hatte er doch die letzten paar Jährchen ohne Unterbrechung! Seinem Bemühen um permanente Aufmerksamkeit war es dann auch zu verdanken, dass er einen Wegweiser nach Schimmerfels entdeckte. Nur mit der Entfernungsangabe konnte Vathalyk überhaupt nichts anfangen.... Es gab auch keinen, den er hätte fragen könnten. Allgemein wirkte die Gegend ziemlich gottlos und verlassen, eben genau so, wie man es von einem zerrütteten, geplagten Land erwarten würde.

      Nach etwas mehr als zwei Tagen Fußmarsch sah er schließlich Mauern, die intakt aussahen. Das musste dieses Schimmerfels sein, hatte er sich doch strikt an die Richtung gehalten. Jetzt war nur die Frage, ob er auch hineingelassen würde und ob es dort auch etwas sinnvolles zu kaufen gab, das vielleicht etwas weniger überteuert war als gewisse Händler... Sein untoter Magen grummelte und von den anfänglichen Vorräten war nicht mehr allzu viel übrig. Mal davon abgesehen war dauerndes zu Fuß laufen nervtötend langsam.
    • New

      Koop Spartan – DON (Alarion und Grindol)

      Das sie an eine Schmugglerbande geraten waren, beunruhigte Alarion nicht weiter. So gesehen gehörte er ja zum selben Schlag, er wusste also, wie er mit der Situation umzugehen hatte.
      Der Zwerg war ihm aber noch ein Rätsel. Er wirkte trotz seiner Natur verhältnismäßig groß für einen Zwerg und bot auch sonst einen stattlichen Anblick. Auch seine Ausrüstung war hier und da weit besser bestückt als bei den meisten seinesgleichen.
      "Verzeiht mir, falls ich euch zu nahe trete, Grindol... aber ihr seht nicht aus wie der typische Zwerg, der sich sonst so unter die Menschen mischt." Es war mehr eine Feststellung denn einer Frage, trotzdem warf er ihm einen nachdenklichen Blick zu.

      Erstaunt blickte der Zwerg den Fragesteller an. „Für einen so jungen Menschen verfügst du über eine erstaunliche Beobachtungsgabe. Du hast recht, der Balrog soll mich holen, tausendmal lieber wäre ich bei meinesgleichen. Doch ich bin gezwungen diesen Weg zu gehen… meiner Gesundheit zuliebe oder besser gesagt meinem Seelenheil.“ Hierbei schaute der Zwerg seltsam bedrückt drein.
      „Doch erzählt mir von Euch. Was treibt dich hierher und warum willst du nach Nirha? Haben dort wo du herkommst eigentlich alle solche Katzenaugen?“ fügte er lachend hinzu.

      Alarion lachte auf und fuhr sich mit der Hand über die Augen. "Nein, ich bin wohl der einzige. Allerdings kann ich dir dazu auch nicht mehr sagen. Ich bin ein Waise, also konnte ich meine Eltern auch nicht danach fragen.
      Er steckte seine freie Hand in die Tasche und schlenderte neben dem Zwerg her. "Ein Zwerg, der eine Pilgerreise macht, sieht man auch nicht alle Tage. Ich dachte immer, das einzige was euer Volk aus den Tiefen der Erde lockt ist die Chance auf Reichtum." Dabei bedachte er Grindol mit einem eher schelmischen Grinsen. Andere zu necken machte ihm einfach zu viel Spaß, als dass er es lassen konnte.
      "Ich besuche eine Freundin der Familie. Sie ist eine entfernte Bekannte meines Onkels." Das klang fast wie eine Ausrede. "Naja, eigentlich wollte ich endlich raus in die Welt. Ich hatte nicht vor, mein Leben lang im Schatten der Düsterklippen zu leben."

      „Was verstehst du von der Macht der Steine?“ fuhr der Zwerg Alarion an. „Sie haben einen Wert – sicher und kostbar sind sie aufgrund ihrer Seltenheit. Doch die Steine können mehr, viel mehr als ihr Menschen euch das vorstellt.“ Milder fuhr er fort,“ ganz schön wagemutig von dir mein Sohn, man könnte auch sagen leichtsinnig. Wer eine Reise unternimmt sollte sich wehren können, ohne Not zieht niemand hinaus in die Welt!“ Dabei beobachtete Grindol den Jungen durch seine buschigen Augenbrauen.

      'Die Macht der Steine' - Meinte er das Ernst? Er wusste um die Bedeutung von Gold und Reichtum, er wusste zu was Menschen in der Lage waren um es zu erlangen. Aber das klang doch ein wenig aus der Luft gegriffen. "Ich mache mich nicht über euer Volk lustig, keine Sorge. Man sieht euresgleichen nur ziemlich selten auf der Straße. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal viel über Zwerge."
      Er musste sich beim Stichwort "wehren" ganz bewusst zusammenreißen und nicht nach dem Dolch tasten, den der alte Achtfinger ihm gegeben hatte. "Ich weiß mich durchs Leben zu schlagen. Und nicht allzu stark zu sein, hat auch seine Vorteile.", fügte er mit einem Zwinkern hinzu.

      „Wir Zwerge bleiben lieber unter uns. Es gibt hier und da ein paar Abenteurer oder Ausgestoßene die sich in der Welt herumtreiben. Der Kampf mit den Orks ist uns Abenteuer genug.“ Dabei holte Grindol seine große Streitaxt vom Rücken herunter. „Hier hast du ein Werkzeug mit dem die meisten Zwerge gut umgehen können. Sie hat schon unzählige Orkschädel gespalten und nicht die kleinste Schramme.“ Mit leuchtenden Augen betrachtete Grindol seine Axt. Er hatte sie schon längere Zeit nicht mehr im Kampf benützen können. Fast zärtlich strichen seine Finger über die sichelförmigen Axtblätter. „Diese Prunkaxt ist aus Mondstaht gefertigt, willst du mal ihre Schärfe prüfen?“ Aufmunternd streckte er die Waffe Alarion entgegen.

      Dieser lehnte mit einem Lachen ab, bewunderte die Waffe aber sehr interessiert. "Haha, nein danke. Ich habe schon von der meisterlichen Schmiedearbeit der Zwerge gehört. Ein schönes Stück, wirklich." Wieder musste Alarion an seinen eigenen Dolch denken, der mindestens ebensolche Qualität hatte. Ob er zwergischen Ursprungs war?
      Er deutete mit einem Kopfnicken auf den Rücken der Kapitänin. "Habt ihr eine Ahnung, wie lange wir mit dem Schiff unterwegs sein werden? Es ist wohl meine erste Reise auf See."

      Börte drehte sich um, sie hatte die Frage gehört. „Wie lange wir unterwegs sind richtet sich immer nach dem Wetter,“ antwortete sie. „Zu dieser Jahreszeit kommt der Wind jedoch von der See her. Wir müssten mit etwas Glück Nirha noch vor Sonnenuntergang erreichen.“
      Sie bogen gerade um einen Felsvorsprung als der Blick auf eine kleine Bucht frei wurde. Dort lag ein schlankes Boot vor Anker, das Großsegel war gerafft. Zwei Matrosen an Bord begrüßten die Ankömmlinge lautstark. „Mein Schiff – die ‚Wind‘,“ sagte Börte mit unüberhörbaren Stolz.
      Der Zwerg hingegen schaute etwas skeptischer drein, auch er war noch nie auf See gewesen.
      Dieser ‚Nußschale‘ sollte er sich anvertrauen?

      Alarion hatte zwar auch schon größere Schiffe von der Klippe gesehen, war allerdings eher voller Vorfreude auf die Überfahrt. "Sie wird uns schon rüberbringen! Kommt, das wird bestimmt lustig!"

      Die Kajüte des Bootes war geräumiger als es von außen den Anschein hatte. Nachdem sie an Bord gebracht wurden wies der Steuermann Henrik ihnen ihre Plätze zu. „Bei Fahrt ist es besser, dass ihr euch hier unten aufhaltet. Sollte euch Landratten schlecht werden bitte über Backbord kotzen.“
      Nachdem er die verdutzten Gesichter sah fügte er lachend hinzu, „vom Heck aus gesehen Richtung Bug ist Backbord die linke Seite des Schiffes.“
      Das Schiff würde erst in der Frühe mit der Flut auslaufen, offenbar gab es hier einige Felsenklippen. Grindol ging an Deck. Das Meer war ruhig und die schwarze See wurde von einem hellen Sternenhimmel erleuchtet.

      Alarion setzte immer noch einen fragenden Blick auf, musste aber auch grinsen. "Gibt es denn einen guten Grund, wieso wir nicht rechts vom Schiff kotzen dürfen?"

      Henrik grinste über beide Backen. „Oh ja, den gibt es. Der Wind kommt von Steuerboard!
      Du kannst gerne ausprobieren gegen den Wind zu kotzen.“

      "Na das ist doch ein guter Grund", erwiderte Alarion lachend. Dann gesellte er sich zu Grindol und blickte in den Nachthimmel, schwieg aber. Genau in diesem Moment fühlte er sich unglaublich lebendig. Nicht zum ersten Mal war er froh, dass der alte Achtfinger ihm diese Reise eingeredet hatte. Er atmete tief ein und aus und genoss die frische Seeluft.

      Zweimal in der Nacht wurde der Zwerg geweckt. Das erste Mal ging die Kapitänin mit drei Matrosen von Bord, dabei nahmen sie ein paar Jutesäcke aus der Kajüte mit. Das zweite Mal kamen sie früh am Morgen und brachten andere Säcke, die sie sogleich verstauten. Fast zeitgleich lösten sie die Leinen und stachen in See. Das sanfte Schaukeln des Bootes wurde bald durch ein gleichmäßiges Rollen ersetzt, hervorgerufen durch große Wellen, durch die das Boot glitt. Grindol begab sich an Deck, etwas unsicher und breitbeinig, was für Landratten typisch war, begrüßte er die Morgensonne. Das große Trapez Segel war gehisst und sie nahmen Fahrt in Richtung Nirha auf.

      Alarion hatte nicht gut geschlafen. Anfangs hatte er kein großes Problem mit dem Schaukeln des Schiffes, aber als er unter Deck sich zu Bett legte, war das ein komplett anderes Gefühl. Er musste sich zusammenreißen, dass er sicht nicht übergeben würde.
      Er torkelte ein wenig an Deck und lehnte sich mit einem blassen Gesicht über die Reling. Aus dem Augenwinkel sah er Grindol und setzte ein Lächeln auf, das ein wenig schief war. "Ich werde wohl kein Seemann werden!"

      Solange er geschlafen hatte, machten ihm die Schiffsbewegungen nichts aus, wenn er schlief, dann schlief er. An Bord breitete sich jedoch ein flaues Gefühl in seiner Magengegend aus. Der Zwerg hatte das Gefühl, das ihm langsam etwas die Speiseröhre emporkroch. Wo war noch mal backbord? Links … äh gut. Als Alarion ihn ansprach, bedachte er ihn mit stieren Blick. „Wem sagst du das!“

      "Hoffen wir, dass wir ohne große Zwischenfälle in Nirha landen können.", meinte Alarion und schielte dabei leicht in Richtung der Kapitänin. "Ich hab schon genug Erfahrungen mit Stadtwachen und bin nicht scharf auf eine Fortsetzung." Dabei rieb er sich eher ungewollt an seinen Handgelenken.

      „Die Kapitänin stammt aus Nirha. Ich glaube dort werden wir unbehelligt sein“ Grindols Blick fiel auf die offensichtlich geschundenen Handgelenke von Alarion. „Was ist dir zugestoßen?“

      Alarion lächelte gequält und kratzte sich ein wenig am Hinterkopf. "Ich bin hier und da an die Stadtwache geraten. Eine fette Wache hatte Spaß daran, jemanden wegen Kleinigkeiten an Ketten gefesselt von der Decke hängen zu lassen und ihn zu.... bearbeiten."
      Er schien es nach Außen hin gelassen zu nehmen aber innerlich konnte er die Erinnerungen an die Folternächste immer noch spüren.

      Grindol wollte etwas erwidern, doch die Antwort ergoss sich in einem breiten Strahl in die See. Noch zweimal musste sich der Zwerg übergeben obwohl die See relativ ruhig war. Sie passierten die Landspitze der ‚ewigen Wache‘ und kamen tatsächlich schon am frühen Abend in Nirha an.
      Wie vermutet fuhr Börte direkt in den geschützten Hafenbereich ein.
      „Beim zweiten Mal geht es besser.“ Aufmunternd klopfte die Kapitänin dem Zwerg auf die Schulter.

      Der Junge vermied es lieber, dem Zwerg einen mitleidvollen Blick zuzuwerfen. Irgendwie hatte er so eine Ahnung, dass dieser das nicht so gerne sah. Er war sowieso völlig hin und weg von dem Anblick, der sich ihm schon seit geraumer Zeit bot.
      Nirha war überhaupt kein Vergleich zu Ostberg oder Westberg. Im Vergleich zu Schimmerfels kam ihm der Gedanke, er wäre in der heruntergekommendsten Stadt dieser Welt aufgewachsen. Der Hafen der Handelsstadt wurde von einer befestigten Mauer umschlossen, die auf zwei aufgeschütteten Landzungen gebaut wurde. Große Wehrtürme thronten jeweils am Ende und formten zusammen mit der großen verwinkelten Festung an der nordöstlichen Spitze eine beeindruckende Befestigungsanlage.
      Im Hafen selbst konnte man klar definierte Bereiche sehen, in denen sich das Hafenviertel aufteilen ließ. Nahe der Festung gab es mehrere Anlegestellen, die mit seltsamen Konstruktionen ausgestattet waren. Dicht daneben reihten sich dutzende von Lagerhäusern aneinander. Weiter Richtung Süden erkannte Alarion etwas, dass nach einer Schiffswert aussah, denn eines der großen Handelsschiffe lag dort gerade im Trockendock und bekam einen neuen Anstrich. Ganz am Ende gab es mehrere Abflüsse aus Rohren, die aus der Stadt zu kommen schienen. Dort gab es auch ein paar Buden, die aber eher heruntergekommen waren und ihn seltsamerweise an seine Heimatstadt erinnerten.
      Mit großen Augen sah er zu Börte hinüber.
      "Diese Stadt muss ja im Geld schwimmen, wenn ich mir das hier so anschaue!"

      Ja, Nirha ist so etwas wie ein Dreh- und Angelpunkt für den Handel. Egal ob über Land von Noldar, Oktan und Loreén oder dem Seeweg nach Melphas und Schimmerfels. Uns ist viel daran gelegen, dass es o bleibt.“ Mit einem vielsagenden Blick bedachte Börte den Jüngling.

      Zustimmend nickte Alarion sanft vor sich hin, während er den Blick über die Silouhette der Stadt schweifen ließ. Hier gab es sicher Unmengen voller Taschen, die gelehrt werden wollten! Der Junge konnte es gar nicht erwarten, an Land zu gehen.
      Er wandte sich an den Zwerg, der ihm die Überfahrt spendiert hatte. "Wisst ihr schon, wo ihr mit eurer Suche anfangen werdet?"


      „Wo fängt man am erfolgreichsten mit einer Suche an? In der nächstbesten Hafenkneipe natürlich! Komm mit, ich spendiere dir etwas zu Essen.“ Dann wandte er sich an Börte, um seine Reisekosten zu zahlen. „Gerne mal wieder!“, mit leuchtenden Augen nahm sie die zwei Goldstücke entgegen. „Ach ja, was immer ihr auch sucht – fragt nach der ‘Klaue‘!“ Grindol bedankte sich und sprang auf den Kai. Er stand zwar etwas breitbeinig auf den Füßen, was aber bei einem Zwerg nicht unbedingt auffiel.

      Alarion verabschiedete sich von Börte und gemeinsam machten sie sich auf ins Stadtinnere. Selbst zu der recht späten Stunde war noch einiges los auf den Straßen. Besonders auffällig war, dass es hier eine recht große Anzahl an Stadtwachen zu geben schien. Nebenbei schätzte er die Straßen und Gassen aus reiner Gewohnheit aus dem Blickwinkel eines Diebes ein, während er dem Zwerg durch die Menschenmengen folgte. "Wie kommt ihr eigentlich dazu, mir ständig etwas zu spendieren? Die Überfahrt war schon großzügig und dafür bin ich euch sehr dankbar. Wieso aber tut ihr es weiterhin? Ich schulde eigentlich euch etwas und nicht anders herum."


      Der Zwerg machte eine wegwerfende Handbewegung. „Du hast doch deine Börse verloren, oder? Sei still, bevor ich meinen Geiz wieder entdecke“, fügte er lachend hinzu, „unter meinesgleichen habe ich den Rang eines Fürsten musst du wissen. Außerdem haben wir doch schon einiges zusammen erlebt. “ An einer Kneipe mit dem schönen Namen "Seemanns Kiste“ blieb Grindol stehen. „Wollen wir?“