Die Chroniken von Eras - Im Bann der Zeit

    • Fantasy

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    • Es war vorbei. Kiv sank kurz erschöpft neben den Überresten der Kreatur auf die Knie.
      Tan trat nun vor und ließ sich vorsichtig und mit respektvollem Abstand neben Liana nieder.
      „Ich kann Eure Heilung übernehmen, Prinzessin“, sagte er nun, denn natürlich hatte er erkannt, wen sie da beschützt hatten. Auch Kiv besah sich die Eldarin nun genauer und erkannte in ihr Prinzessin Liana.
      „Wenn Ihr gestattet“, fügte Tan nun hinzu und musterte die Prinzessin besorgt.
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
      Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
      Are you running out of time?!



      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • "Geh weg....verdammt, geh aus meinen Kopf!"
      Liana hörte Stimmen um sie herum, aber sie nahm sie kaum wahr, war ganz und gar auf die Stimme in ihrem Kopf konzentriert, außer Stande etwas anderes zu tun.

      Am Ende der Wache tauchte mit einem mal Eradîl auf. Als er Liana sah, stürzte er zu ihr und versuchte sie vergeblich anzusprechen. "Liana! Liana? Komm schon, rede mit mir!".
      Schlussendlich wandte er sich an die umstehenden Personen. "Was bei allen Seelen Loreéns ist hier passiert?!"
    • Meleas deutete auf das Häufchen Überreste.
      "Wir hörten einen Schrei und merkwürdige Geräusche. Prinzessin Liana ist von einem... Wesen attackiert worden, wie ich es noch nicht gesehen habe, Eradîl." Ein nachdeklicher, jedoch bleibend kühler Blick glitt über die am Boden liegende Eldarin.
      "Diese Kreatur war eindeutig hinter ihr her. Nur mühsam konnten wir sie töten. Ich nehme an, dass sie einen schweren Schock erlitten hat."


      Thx Tom Bombadil
    • Tans Stirn lag in tiefen Falten, während er das Verhalten der Prinzessin beobachtete. Normalerweise würde er es nicht wagen sie auch nur anzurühren, doch sein Pflichtbewusstsein als Heiler überschrieb seine Achtung vor der königlichen Familie. Vorsichtig legte er seinen Daumen auf die eine Seite ihrer Schläfe, Zeige- und Mittelfinger auf die andere und schloss dann die Augen. Eine Verbindung mit dem Geist eines anderen herzustellen, war nicht immer leicht – vor allem wenn das Gegenüber das nicht wollte. Doch die Prinzessin schien momentan nicht ganz bei sich zu sein. Tan erspürte die Verletzung an ihrem Bein, die jedoch auch so sichtbar war und stellte erleichtert fest, dass die Prinzessin ansonsten nicht verletzt war. Doch…
      „Etwas stimmt nicht“, stellte er fest, öffnete die Augen und blickte Eradîl an.
      „Ihr Geist wird blockiert. Irgendetwas… irgendetwas hält sie gefangen, aber ich weiß nicht was.“
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    • Eradîl sah seinen Schützling besorgt an und folgte Tans Ausführungen.
      "Wache! Holt eine Trage. Wir bringen sie zum Lebensbaum. Und gebt dem König bescheid. Die alten Meister werden sich ihrer annehmen und hoffentlich können sie uns ein paar Antworten geben."
      Er zögerte kurz, dann wandte er sich an die drei tapferen Kämpfer.
      "Und ihr... begleitet uns. König Virnaél wird die Geschichte von euch persönlich hören wollen. Und ihr, mein junger Heiler, sorgt dafür, dass sie ihren Verstand nicht verliert, bevor wir dort ankommen."
      Mit einem Kopfnicken begannen die Wachen, die Befehle auszuführen und sie zogen als Gruppe langsam Richtung Stadt.
    • Leicht den Kopf neigend, stimmte Meleas zu.
      "Er wird nicht sonderlich erfreut sein." Er sah zu Liana, die nicht bei sich war. Das musste eine merkwürdige Magie sein. Nicht, dass er davon so viel verstand. Der Weg war ihm natürlich bekannt, schließlich war eigentlich fast ausschließlich in der Stadt, wenn er seinen König treffen sollte. Kivessa hatte ihn jedenfalls beeindruckt. So jung, aber wirklich eine echte Kämpferin. Anders als andere. Das gefiel ihm.


      Thx Tom Bombadil
    • Kiv erhob sich mit einem letzten Blick auf das, was vor kurzem noch die Kreatur gewesen war. Auch sie konnte sich nicht wirklich vorstellen was mit der Prinzessin geschah, doch sie vertraute ihrem Bruder, der sich mit dem ihr so unbekannten Thema der Magie stets bestens auskannte.
      Tan nickte Eradîl ernst zu und blieb an Lianas Seite, darauf konzentriert ihren Geist beisammen zu halten und so gut es ging zu schützen.
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    • Irgendwo in den Bergen von Oktans Klauen.
      Der Indian Summer war eine wahre Pracht, vor allem die unterschiedlichen Ahornbäume trugen zu diesem Farbenmeer bei. Sanft wehte eine noch warme Brise die Abhänge hinauf. Adrian gönnte sich das Vergnügen hier und da zu verweilen. An einer Esskastanie sammelte er die heruntergefallenen Früchte auf, über einem Feuer am Spieß gebraten würden sie eine willkommene Bereicherung des Speiseplans bedeuten. Auch die dieses Jahr besonders üppig ausfallenden Bucheckern luden zum knabbern ein. Nicht nur er, auch die Tiere des Waldes erfreuten sich an dem reichhaltigen Angebot. Vor allem Streifenhörnchen sprangen hier in großer Zahl herum. Es war eine Freude den possierlichen Tierchen zuzuschauen. Der Pfad führte stetig bergauf und wurde von einem Bach begleitet der leise murmelnd seinen Weg ins Tal suchte. Schließlich wurde Adrian an eine Quelle geführt die den Bach speiste. Hier stellten die gebogenen Äste eines Haselstrauchs einen natürlichen Unterschlupf dar der zum rasten einlud. Da der Tag schon fortgeschritten war, die letzten Sonnenstrahlen verfingen sich in den Baumkronen, beschloss er hier sein Nachtlager aufzuschlagen. Bald schon knackten die Maronen unter der Flamme des kleinen Feuers. Gut gesättigt streckte und reckte sich der Mensch wohlig auf den mit Moos gepolsterten Boden aus. Der Schlaf ließ nicht lange auf sich warten…

      Hihihi….“
      Hau ab du Bestie“
      aber… aber, wer wird den gleich aus der Haut fahren?“ erklang es boshaft kichernd.
      Danach kehrte Ruhe ein und eine sanfte Melodie lullte den erschöpften Geist ein.
      Es klang entfernt wie ein altes Kinderlied, das ihm seine Mutter immer vorgesungen hatte.
      Adrian...“ Die Stimme hatte nur geflüstert aber es klang als würde sie direkt neben ihm sitzen.
      Einen schönen Körper hast du da… hihihi… und noch soo jung.“
      Adrian hatte das Gefühl als würde jemand in ihn eindringen. Vor Schreck fasste er sich ins Gesicht, das sich eigenartig knochig und fleischlos anfühlte. Nun vollends im Traum erwacht sah er auf seinen Arm und wäre am liebsten in Ohnmacht gefallen. Doch der Traum ließ ihn nicht los sondern quälte ihn weiter. Fassungslos schaute er auf seinen eigenen Arm der nur noch aus skelettartigen Knochen zu bestehen schien, an dem hier und da noch verfaultes Fleisch hing. Mit der scheinbar „gesunden“ Hand schlug Adrian in Panik auf die ihm fremde Skeletthand ein. Wieder und wieder, doch die Hand blieb in ihren Zustand unversehrt und die grauenvolle Stimme flüsterte erneut:
      „… ich werde kommen… wenn nicht heute dann doch morgen… hihihi...“
      Das Herz raste und pumpte Adrenalin ohne Ende in das Hirn bis Adrian endlich von Panik getrieben erwachte.

      Draußen war es noch dunkel, das Feuer war abgebrannt. Adrian wusste im ersten Moment überhaupt nicht wo er war, und wer er war. Die Hand, die Hand… seine Hand, vorsichtig tastete er sie ab und vergewisserte sich der Anwesenheit von Haut, Muskeln und Fettgewebe. Auch das Gesicht wurde vorsichtig abgetastet, es dauerte eine ganze Weile bis er glaubte dass er er selbst aber nicht ES war. Die restliche Nacht kauerte er in Hockstellung mit wachem Geist und lauschte ängstlich den Stimmen der Nacht. Immer wieder tauchte vor seinem geistigen Auge die Skeletthand auf. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken.

      Beim ersten Morgenlicht zog er sich aus um sich vollends zu vergewissern unversehrt zu sein.
      Sein Geist konnte den Alp einfach nicht abschütteln. Nach ein paar Schlücken aus der Quelle brach er hastig auf und stolperte panikartig durch die Schönheit der Natur. Der Altweibersommer bescherte ein Meer an silbernen Spinnfäden die seinen Weg kreuzten. Doch dafür hatte Adrian momentan keinen Blick mehr. Nicht einmal der selten gewordene wunderschöne Gesang einer Amsel konnte ihn aufheitern. Der Usutu-Virus war durch Stechmücken eingeschleppt worden, die wahrscheinlich von der Region um Schimmerfels kamen. Der Virus wütete tödlich unter der Familie der Drosseln. Über dem Wald kreiste ein Bussard in der Höhe und ließ seinen markanten Schrei ertönen, beachtete er den einsamen Wanderer?
    • Tropf, tropf, tropf...

      Die Kaverne war düster. Nicht jene Dunkelheit, die sich ergab, wenn man in einer Neumondnacht auf offener See war, sondern jene, wie sie nur massiver Fels hervorbringen konnte. Wasser war wohl das Einzige, was seit langer Zeit in diese Höhle eingedrungen war -- und auch das nur in geringsten Maßen. Hoffentlich. Die Luft konnte man atmen, doch sie war modrig, feucht und schwer.

      Vathalyks Augen blinzelten, als er sie öffnete. Das letzte Mal hatten sie das gleißende Licht der Sonne gesehen, als er -- schwer gezeichnet von einer Infektion, die er sich im Kampfe zugezogen haben musste --, auf dem Sterbebett lag. Sie hatte seinen Tod nicht überdauert, er schon. Doch nun schien es, als wäre selbst das Nichts zuviel für seine Sinne. Träge hievte sich sein kolossaler Oberkörper nach oben, die Ellbogen auf die Wände seines nicht abgedeckten Sarkophags gestützt. Diese Höhle war Sarg genug gewesen. Jetzt aber deutete ihm eine magische Inschrift, diesen Ort zu verlassen.

      Vathalyk! Die Zeit ist gekommen! Steh endlich auf, statt bis ans Ende aller Tage hier herum zu liegen!


      Ja, Manadis hatte einen etwas seltsamen Humor besessen. Aber er war immer sehr gut mit ihm zurecht gekommen, wenn auch heimlich. Schon damals war seine Kunst gelinde gesagt verpönt gewesen und auch heute würde er eher den Teufel tun müssen, als sich als das enttarnen zu lassen, was er nun wirklich war.

      Seine kalte, feuchte Hand berühte den Stein und mehr magische Symbole glimmten auf. Wenn alles gut gegangen war, lag hinter dieser meterdicken Wand immernoch die kleine, verwinkelte Höhle, die einst der Zugang gewesen war. Und er würde jetzt einige gehörige Schritte zurücktreten müssen. Vathalyk beeilte sich, wissend, dass er hinter dem Sarkophag Deckung suchen konnte. Auch an diese Details hatte man damals gedacht. Ob die Menschen heute immernoch so gründlich waren ? Geben musste es sie ja noch, sonst wäre er nicht aufgewacht. Und sie mussten in Not sein, es sei denn, die Magie funktionierte nicht mehr richtig.

      Doch wie lange hatte er nun da gelegen, nichtstuend und die Zeit selbst abwartend ? Seine Hände tasteten sich vorwärts, bis sie auf etwas trafen, was noch kälter war als die Felswand. Etwas, das sich anfühlte wie ein gusseiserner Zeiger einer Turmuhr, nur kleiner. Und eine Turmuhr hatte für gewöhnlich auch nur zwei davon, doch dieser Mechanismus nicht weniger als sechs. Sie zählten nicht Stunden und Minuten, sondern Tage, Jahre, Jahrhunderte... Jene Zeiträume eben, die für ihn während seiner Schlafenszeit relevanter gewesen waren. Jeder Sonnenaufgang änderte die Lichtverhältnisse auf einzigartige Weise und schob den kleinsten aller Zeiger um einen Tag weiter.

      Vathalyk fühlte entlang des Ziffernblattes. Doch das konnte nicht sein! 400... 420.000 Jahre ? So lange ? Unvorstellbar. Etwas musste schiefgelaufen sein. Das Ding funktionierte nicht! Eifrig, die Wahrheit zu erfahren, berührte seine kalte, feuchte Hand den Fels. Erneut glimmten magische Symbole auf und begannen, heller und heller zu werden. Wenn er sich richtig an die Anweisungen erinnerte, musste er jetzt zusehen, dass er hier wegkam... Vathalyk duckte sich hinter dem Sarkophag.

      Als das magische Schauspiel in Rot seinen Höhepunkt erreicht zu haben schien, verabschiedete es sich mit einem gewaltigen Knall. Steine wie Wassertropfen flogen waagerecht, als die Wand in seinen Füßen nicht mehr hinderliche Bestandteile zerlegt wurde. Wer auch immer in diesem Moment auf der anderen Seite gestanden haben mochte, war nun wohl tot. Ein kalkuliertes Risiko, aber jegliche Art von Illusion hatte man damals als zu riskant eingestuft.

      Vathalyk griff nach seinem Stab und stapfte nach draußen, vorsichtig und behäbig. Doch ihn empfing weder ein warmer Sommertag, noch blühende Felder noch wenigstens all das unter einer dicken Schneedecke begraben. Da war nur Eis, so kalt und so hart gefroren, dass es schon wieder zersplittert und griffig geworden war. Der Himmel war dunkel und in Farben getaucht, die stark an Polarlichter erinnerten. Doch diese hier waren statisch... und schienen irgendwie viel weiter entfernt zu liegen. Der Mond war aufgegangen und beschien die Ödnis in fahlweißem Licht, doch ihm fehlte die gewohnte Textur.

      Verwirrt und irritiert verließ Vathalyk sein Grab und begann, zu laufen. Manches kam ihm bekannt vor, einige der gewohnten Berge waren immernoch da. Vielleicht waren wirklich so viele Jahrtausende vergangen ? Wer konnte schon wirklich vorhersagen, was in solchen Zeiträumen alles passierte ? Vielleicht war es ein besonders strenger Winter und seine Augen spielten nach so langer Zeit einfach noch etwas verrückt!

      -----

      Die Orientierung hatte er bereits nach wenigen Stunden verloren. Nicht einmal er hinterließ auf dem Eis irgendwelche Fußspuren und Schnee gab es keinen. Offen gestanden hatte er keine Ahnung wo er nun war. An der Westküste ? In orkischen Gefilden ? Weder hatte er Schiffe gesehen noch irgendwelche Grünhäuter. Es schien alles ausgestorben. War er vielleicht schon auf die gefrorene See hinaus gelaufen ? Das könnte manches erklären.

      -----

      Nach wenigen Tagen war klar, dass diese Nacht scheinbar niemals endete. Der Mond ging unter, aber danach war es nur noch dunkler als zuvor, da keine Sonne erschien. Vathalyk war hungrig und verspürte erste Anzeichen der Auszehrung. Manadis hatte ihn davor gewarnt, dass gewisse körperliche Bedürfnisse weiterhin bestehen würden und befriedigt werden müssten, doch wie sollte er in dieser gottverlassenen Gegend etwas zu Essen oder zu Trinken auftreiben ?

      Als er bereits zu der innerlichen Überzeugung gekommen war, dass die Dämonen am Ende doch gewonnen und die Welt in eine Wüste verwandelt haben mussten, spürte Vathalyk auf einmal eine andere Präsenz ganz nah. Dann noch eine, und noch eine...

      "Ich grüße dich!" Eine feminine, verzerrte Stimme, die aus nichts als Traurigkeit zu bestehen schien, sprach ihn von hinten an. "Wie kommt es, dass wir dich noch nicht früher gefunden haben ?" fragte die Erschaffene verwundert. "Bist du einer jener, die man erstmal ins Grab geschickt hat ? Von der Sorte haben wir ein paar..."

      Vathalyk wirbelte herum, rutschte aus und spürte erst jetzt, da das Eis seinen Hintern berührte, wie gnadenlos kalt es wirklich war. Ein Skelett! Und hinter diesem noch viele weitere in mehr oder minder erbärmlichen Zustand. Und... Schemen... Waren das Geister ? Einer von ihnen, offensichtlich ein Mann, streckte seinen knochigen Zeigefinger zu ihm aus: "Der hat noch viel Fleisch auf den Knochen! Ein Frischling! Welch eine Abwechslung... vielleicht sollten wir von ihm probieren ?"

      "Nein!" konterte die andere Stimme mit Entschiedenheit. "Er wird es noch früh genug von selbst verlieren. Und wie du schon sagtest... eine Abwechslung. Wie heißt du ?"

      "V.. Vathalyk. Mein Name ist Vathalyk! Und wer seid ihr ? Was ist passiert ?" Unnötig zu erwähnen, dass er sich doch ziemlich verängstigt fühlte.

      "Wir wurden zurückgelassen. Niemand hat sich für uns interessiert, niemand konnte oder wollte uns mitnehmen, kaum einer konnte sich überhaupt an uns erinnern, gescheige denn an unseren Tod, um das Ritual durchzuführen."

      "Was ?"

      "Er versteht es nicht..."

      "Wie sollte er auch ? Sag, Fremder... hast du den Mond gesehen ?"

      "J...ja. Habe ich! Er sieht so anders aus..."

      Ein amüsiertes, ja geradezu sarkastisches Raunen ging durch die Menge, die immer weiter anzuwachsen schien. Von irgendwo raunzte ein anderer irgendetwas von "Das sagen sie alle...".

      "Weil es nicht der Mond ist!" unterbrach die Frauenstimme das Gelächter. "Was du gesehen hast, ist das, was von der Sonne übrig ist. Diejenigen von uns, die nicht geschützt waren, haben Äonen von Jahren in praktisch körperlosem Zustand verbracht, ehe alles vorbei war und der Versuch, sich wieder zusammensetzen, von Erfolg gekrönt war. Wie sollte man auch vernünftig auf die Suche nach seinen Einzelteilen gehen, wenn ein rot glühendes Gestirn das halbe Firmament ausfüllt und alles verbrennt ?"

      "Ich verstehe nicht..."

      "Da gibt es auch nichts zu verstehen! Willkommen im Geisterkonklave, Fremder! Vielleicht hast du ja Glück und findest denjenigen, der dich damals umgebracht hat. Oder hast du selbst getötet ? Wir haben immernoch Angehörige, die das Ritual durchführen können. Naja..." Sie seufzte. "... Wir haben ja auch einstige Dämonen unter uns. Die ewige Kälte und Finsternis bringt erstaunlich viel Frieden."

      "Wie viel Zeit ist denn jetzt vergangen ?" stellte Vathalyk eine Frage, die mehr ein Protest war.

      Ungläubiges Lachen. "Wenn du wüsstest..."



      Vathalyk schreckte mit so viel Schwung aus seinem Sarkophag, dass sein Kopf fast an die Decke knallte. Er nahm so viel Luft, wie seine Lungen fassen konnten, und schwang sich vom Podest. Voller Sorge presste er seine großen Hände flach auf das Ziffernblatt, alle Zeiger gleichzeitig erfühlend...

      230.242 Tage! Nur rund 630 Jahre!

      Seine Faust rauschte so gegen die Felswand, dass der lederne Handschuh knirschte. Die Explosion erfolgte eine unangenehm vertraute Anzahl von Sekunden später. Die Höhle lag vor ihm -- und Menschen! Naja, jedenfalls die Skelette davon. Kleine und große Überreste von unglücklichen Abenteurern, die sich unzureichend vorbereitet hierher abgeseilt hatten, um doch nichts zu finden. Der Welt musste es besser gehen als damals, denn die Skelette waren größer als der Durchschnitt, den er gewohnt war.

      Auch Vathalyk hatte man ein Seil ins Grab gelegt, um sich aus der Höhle zu befreien. Draußen erwartete ihn das Licht, das Zwitschern von Vögeln und bald auch eine Art Feldweg, der genug Karrenspuren trug, um auf menschliche Existenz hinzudeuten. Das nächste Dorf konnte nicht allzu weit entfernt sein...

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    • Langsam rumpelt ein einsamer Karren gezogen von zwei Pferden die ihre besten Jahre bereits gesehen hatten den Weg entlang. Der Waren selbst war eine mit Plane überspannte Variante, sowohl als um die Fracht vor Wind und Wetter zu schützen als auch als Schlafstätte des nachts herzuhalten. Es war ein Händler, kein reicher sonst wäre es wohl eine ganze Karawane gewesen, eher eienr der die Dorf für Dorf auf den Weg von Stadt zu Stadt abklappern und hier und da ihre kleinen aber benötigten Dienste anbieten. Der Händler selbst, ein Mann um die 50 mit von langen Reisen verwitterter Haut saß in seinen geflickten Kleidern auf dem Kutschbock, hatte sich einen Hut über die Augen gezogen und hielt anscheinend vor sich hin dösend locker die Zügel seiner Zugtiere. Diese kannten das bereits und trotteten friedlich einfach den Weg entlang, nichts an diesem Bild schien ungewöhnlich.
      Nun er hatte noch einen Passagier dabei, ein junger Mann gekleidet in einen Mantel, mit einer Klinge bewaffnet und mit Beuteln und Gürteln behangen.

      Wie üblich, langsam wurde es langweilig. Eine riesige Ebene, so weit das Auge reichte nichts als schattenhafte Umrisse von Wesen dieser Welt. Eldar, Orks, Menschen udn wer weiß was noch alles, alle schienen sie in eine Richtung zu starren. Wie an Fäden gezogene Marionetten, unfähig einen anderen Weg zu wählen wankten sie auf die Mitte der Ebene zu. Irgendwo in dieser Masse befand er sich wie üblich, unmöglich festzustellen ob das derselbe oder ein anderer Platz wie sonst war. teils gezogen, teils geschoben bewegte sich Atticus mit der stummen Masse mit, egal wie er es versuchte auf nichts gaben die Gestalten eine Reaktion. Kein schubsen, kein schreiben kein dagegen anstemmen halt, immer wurde er mitgezogen, immer weiter zum Zentrum.
      Bis zu dem Moment wo ein gleißendes Licht erblühte und eine silberne Feuerwalze über die Ebene zog, alles verbrannte und nicht als geschwärtzte zurücklassend erhob sich aus der Asche mit einem kreischen ein Feuerball und verschwand hinter dem Horizont. Nichts blieb zurück, außer einem einzelnen Atticus, stehend im verbrannten Ödland und durch die Augen des Feuerballs. auf eine Stadt herabblickend.

      Ein Ruck, ein dunkles Pochen und ein darauffolgendes Stöhnen, "Verdammt noch nie hat mich was im Traum.." Ein erneuter Ruck, diesmal begleitet von noch mehr stöhnen lies ihn innehalten, "Verdammte Straßen." Die Mundwinkel seines Fahrers kräuselten sich nur zu einem leichten lächeln, dieser kannte das bereits. Sich am Hinterkopf reibend raffte sich Atticus auf und krabbelte nach vorne zum Kutschbock, irgendwie sah es hier genauso aus wie noch vor ein paar Stunden weiter hinten. Verschlammte Huggelpisten, jede Menge Bäume, noch mehr Wiese und ab und an irgendwas das man als Hügel oder Berg durchgehen lassen konnte. "Sag mal Owen wie weit ungefähr noch bis zum nächsten Dorf oder besser Stadt."
      Der als Owen angesprochene Händler grübelte kurz, "Dorf erreichen wir am Ende diesen Tages. Stadt allerdings..."Sich unterbrechend sah er überlegend nach vorne und blinzelte plötzlich mehrfach, "Bei allen Dämenen was zum..."
      Interessiert durch den Fluch schaute Atticus nach vorne und sah zuerst nur das übliche, unebene Schlammpisten, Bäume und Wiese. "Ein Kerl hier im nirgendwo, deine Baustelle Händler ich halte mich wie abgesprochen im Hintergrund." Etwas zurückweichend um sich eine bessere Position zu verschaffen öffnete er auch unauffällig die Halterung an der Schwertscheide. Owen selbst nickte nur beifällig zu den Vorbereitungen seines Kunden und fixierte seinen nun klaren Blick auf den Fremden dem sie sich näherten.
      FSK12: Der Gute bekommt das Mädchen
      FSK16: Der Böse bekommt das Mädchen
      FSK18: ALLE bekommen das Mädchen


      Der Krieg ist ein Vorgang, bei dem sich Menschen umbringen, die einander
      nicht kennen, und zwar zum Ruhm und zum Vorteil von Leuten, die
      einander kennen, aber nicht umbringen. Paul Valéry (1871-1945)
    • --- Koop mit Cass und Fara ---

      Eradîl kniete vor seinem König und wartete auf sein Urteil. Kurz nach dem König Virnaêl von dem Angriff erfahren hatte, war der Königshof in heller Aufruhr. Die Neuigkeiten verbreiteten sich wie ein Lauffeuer und in Windeseile wusste jeder, das irgendein Wesen die Prinzessin angegriffen hatte. Die Details ließen sie aber bewusst aus, Eradîl war schließlich selber beim Angriff gar nicht anwesend gewesen und genau dafür musste er sich gerade verantworten. Der Schutz der Prinzessin war seine höchste Aufgabe gewesen und im Moment sah es danach aus, als hätte er auf ganzer Linie versagt. Liana war immer noch geistig völlig abwesend, wimmerte vor sich hin und war einfach nicht ansprechbar. Nun richtete sich Virnaéls stählerner Blick auf den silberhaarigen alten Eldar.
      "Entäuschung beschreibt nicht im Ansatz meine Gefühle für euer Versagen, Eradîl! Ihr hattet einen Eid geschworen meine Tochter - meine EINZIGE Tochter! - zu beschützen. Und jetzt schaut sie euch an!"
      Eradîls Blick schweifte zur Seite zum Nebenraum der nur durch einen dünnen Vorhang abgeschirmt wurde. Dort waren die alten Meister immer noch damit beschäftigt Lianas Leiden zu ergründen. Er bedauerte es, dass er sie nicht schützen konnte doch er sah seinem König direkt in die Augen als er antwortete: "Ich werde jedes Urteil hinnehmen und ohne Widerrede ertragen."
      Virnaél schloss kurz die Augen und seine Finger trommelten ungeduldig auf dem weiß-hölzernen Thron.
      "Das werdet ihr. Und es wird eurem Vergehen gerecht werden. Doch zunächst haben wir dringlicheres zu klären. Wir müssen ergründen, was dort vor den Toren von Elyria passiert ist. Ihr wart in euren Ausführungen bisher äußerst vage."
      Er richtete die Frage an Eradîl, der sich aber ohne Worte an seine Begleiter wand.

      Meleas kniete selbstverständlich ebenfalls, zumindest hier. Dass er in vielen anderen Funktionen dem König diente wusste niemand wirklich, und dass er dann auch nicht unbedingt knien musste auch nicht, als Verwandter. Aber er hielt die Etikette ein und wartete ruhig ab. Eradîls Schicksal war ihm recht gleichgültig, der alte Eldar war seiner Pflicht nicht nachgekommen. Als dessen Blick ihn traf, räusperte er sich und sah zu Virnaél, den er so lange kannte, ohne genau dies zu zeigen.
      "Euer Majestät, wenn ich das Wort ergreifen darf." Kurz sah er zu der viel jüngeren Kivessa, dann wieder zum König.
      "Ich war des Nachts auf der Straße, traf auf Kivessa und wir hörten plötzlich einen Schrei - Eure Tochter." Es war nicht das erste Mal, dass er ihm Rede und Antwort stand, und es geschah so leidenschaftslos wie es immer war.
      "Als wir ankamen, sahen wir ein.... Wesen, Ich denke, einen Dämon. Ein wahrlich grauenerregender Anblick, und er hatte es auf die Prinzessin abgesehen. Sowohl Kivessa als auch ich griffen es sofort an um Eure Tochter zu schützen und konnten es knapp besiegen." Kein Wort davon,
      dass er es im Endeffekt getötet hatte. Meleas hatte es einfach nicht nötig, sich selbst herauszustellen, denn König Virnaél kannte seine Fähigkeiten.

      Kiv erwiderte Meleas Blick kurz und lauschte dann seinen Ausführungen. Nachdem er geendet hatte, glitt ihr Blick hinauf zum König der Eldar.
      Plötzlich wünschte sie sich Tans Feingefühl für solche Situationen, denn sie hatte keine Ahnung wie sie sich hier verhalten sollte.
      „Euer Majestät“, begann sie und warf einen kurzen, unsicheren Blick zu Meleas bevor sie fortfuhr:
      „Dieses Wesen, es schien wie auf die Prinzessin fixiert. Es hat sich nur kurz davon abbringen lassen sie anzugreifen, wenn wir ihm zu gefährlich wurden.“
      „So habe ich es ebenfalls wahrgenommen, Euer Majestät“, meldete sich nun auch Tan zu Wort. Er hatte immer wieder besorgt zum Nebenraum geschaut, in dem Liana gerade behandelt wurde. Nun schilderte er:
      „Ich kam etwas später zum Geschehen hinzu und sah, wie die Kreatur versuchte sich auf die Prinzessin zu stürzen. Sie hat sich von nichts davon abhalten lassen und hätte Meleas sie nicht getötet, wäre mein Schild sicher zerstört worden.“

      Kurz bevor der König etwas erwidern konnte, hörten sie Bewegung von der Seite. Es war Meister Umbari, der Ältesten der Weisen, der gerade den Nebenraum verlassen hatte, wo Liana behandelt wurde. Sein ganzes Erscheinungsbild ließ erkennen, dass er längst Teil des Waldes hätte werden sollen doch er weigerte sich immer noch diese Welt zu verlassen.
      "Meister Umbari, wie geht es meiner Tochter?!" Der König war aufgesprungen doch der Alte hatte bereits die Hand erhoben. "Ihr geht es den Umständen entsprechend. Ein dunkler Zauber lag auf ihr und wir wissen noch nicht, wo er her kam aber wir konnten sie vorerst vor dessen Wirkung abschirmen. Wir werden sehen ob es ihr besser geht, wenn sie wieder zu sich kommt."
      Dann wandte er sich den anderen zu.
      "Dieser... Dämon. Könnt ihr ihn mir näher beschreiben?"

      Den Ausführungen der Zwillinge war nichts hinzuzufügen. Meleas nickte ihnen beiden kurz zu und blickte dann zu dem Meister Umbari, der schon länger auf der Welt weilote als es vielleicht gut war. Auf dessen Frage hin erklärte er ruhig:
      "Selbst ich sah ein solches bisher nicht. Kein Kopf, einfach nur ein Kranz aus Zähnen, vier Scheren statt Händen, zwei an einem Armpaar, die anderen aus dem Rücken heraus. Ein Schwanz mit einem scharfen Dolche. Mein Schwert konnte den Bauch nicht durchdringen, dafür hatte es andere angreifbare Stellen. Es war sehr stark und schnell. Getötet wurde es mit dem Schwert in den Rachen hinein." So nüchtern wie Meleas das berichtete hätte er auch eine Einkaufsliste herunterlesen können.

      König Virnaél und Meister Umbari waren sich einen sorgenvollen Blick zu. Sie hatten beide den letzten Dämonenkrieg noch miterlebt, auch wenn die Eldari keine große Rolle darin spielten.
      Der alte Meister kratzte sich nachdenklich am Kinn. "Dann war es kein normaler Dämon. Die die unsere Welt bisher befallen hatten, waren zwar bis zum entferntesten entstellt, manch einer hatte auch Flügel und ähnliches... aber im weitesten sahen sie aus wie Menschen und hatten auch eine vergleichbare Größe. Dies hier muss eine neue Ausgeburt des Bösen sein..."
      Der König wandte sich wieder an die Gruppe: "Ist euch noch etwas aufgefallen? Habt ihr gesehen, woher diese Bestie gekommen ist? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Wesen durch Loreéns Wäder streifen kann ohne unser Wissen!"

      Bei den Worten des alten Meisters überlief Tan ein Schauder. Eine neue Art von Dämon? Was hatte das zu bedeuten? Sein Blick glitt zu seiner Schwester, die nun kurz die Augen schloss und den Kampf noch einmal Szene für Szene durchspielte.
      "Da... war ein Licht", sagte sie langsam, schlug die Augen wieder auf und blickte zum König. "Ein blau-schwarzes Licht, als wir ankamen. Doch ich habe nicht weiter darauf geachtet." Der Dämon war in diesem Moment wichtiger gewesen.

      Meister Umbari erwiderte: "Wir werden darauf warten müssen, ob Prinzessin Liana etwas bemerkt hat, dass etwas mehr Licht ins Dunkel wirft." - "Ihr müsst nicht lange darauf warten".
      Lianas Stimme erfüllte den Raum und augenblicklich drehten sich alle zu ihr um.
      König Virnaél stürzte zu ihr und schloss sie in die Arme. "Oh meine Kleine, du bist wohl auf!" Man sah ihm förmlich an, wie seine Anspannung von ihm abfiel doch sofort legte sich ein besorgter Blick in seine Augen. "Sag, wie geht es dir?"
      "Alles in Ordnung, Vater. Mir geht es so weit gut. Mir ist immer noch ein wenig schwindelig und... ich würde gerne ein paar Antworten bekommen."
      Nachdem die anderen ihr kurz erzählt hatten, wie weit sie waren, erhob Liana wieder das Wort und erzählte ihnen alles, was ihr auf der Lichtung aufgefallen war, bevor die anderen dort eintrafen. Sie ließ kein Detail aus - bis auf die Sache mit ihren Traum. Sie hielt es im Moment nicht für eine gute Idee, gleich mit der nächsten beunruhigenden Nachricht zu kommen, zumal der "Traum" auf den ersten Blick nicht wirklich eine Verbindung zu dem Angriff zu haben schien.
      Nachdem sie fertig war, wandte sie sich etwas zögerlich ihren drei Rettern zu: "Danke. Ihr habt mir das Leben gerettet. Ich...." - doch ihr blieben die Worte im Mund stecken, wieder huschten die Bilder dieser Kreatur vor ihrem geistigen Auge vorbei und sie schloss ihre Lippen. Mit einem letzten Blick zu Tannivhar und einem schüchternen Lächeln zu den Dreien senkte sie den Blick.

      Schweigend lauschte Meleas. Offensichtlich war dies eine Gefahr für sein Volk, und dementsprechend machte er sich geistige Notizen. Niemand griff einen Eldar an ohne dass er es sofort auf seine Agenda schrieb, die Gefahr zu vernichten. König Virnaél wusste, dass er sich genau diese Gedanken machte. Erleichtert war er nicht in dem Sinne, als Liana zu ihnen kam, aber durchaus zufrieden, dass sie anscheinend keine bleibenden Schäden davongetragen hatte. Gut. Er nickte der Prinzessin höflich distanziert zu.
      "Selbstverständlich, Prinzessin Liana. Dies ist meine Aufgabe." Sein Blick wanderte zu seinem König.
      "Euer Majestät, dieser Gefahr muss begegnet werden. Wenn Dämonen in unser Land eindringen, so ist es unbedingt geboten, dass wir verstärkt sicher müssen." Zwar verlangte Meleas dies nicht, sprach er doch mit dieser seltsam nüchternen Sachlichkeit. Doch wenn er so offen darlegte, dass er eine eher martialische Aufgabe hatte, so war klar, dass er es als sehr dringend empfand, zu handeln.

      Mitfühlend betrachtete Tan die junge Prinzessin. Sie hatte in dieser Nacht fürchterliches miterlebt und das steckte ihr noch tief in den Knochen, so viel war deutlich zu sehen. Er verneigte sich vor Liana.
      „Ich bin froh, dass wir rechtzeitig vor Ort waren, Prinzessin.“
      Kiv sagte nichts, verbeugte sich jedoch ebenfalls. Man könnte meinen, dass sie leicht rot angelaufen war, als die Prinzessin mit ihr gesprochen hatte.
      Die Zwillinge blickten nun neugierig zu Meleas, der anscheinend bereits über die nächsten Schritte nachdachte.

      König Virnaél nickte dem kampferprobten Eldar zu. "Ihr habt Recht Meleas, doch wie sollen wir das tun, wenn wir nicht wissen, woher diese Portale kommen?"
      Mit einem mal erhob sich Eradîl und richtete sich an seinen König, der ihm nach kurzem Augenblick zunickte. "Mit Verlaub, das alles ergibt doch gar keinen Sinn! Kivessa hatte erwähnt dass dieser Dämon es auf Liana abgesehen hatte. Niedere Dämonen gehorchen oft einem Meister, wir müssen also davon ausgehen dass jemand ihn bewusst geschickt hat. Haltet ihr es für einen Zufall, dass dieses Portal genau bei der Prinzessin aufgetaucht ist und es dann noch sehr auf sie fixiert war?
      Eine komplette Mobilmachung bringt uns nichts solange es keinen größeren Angriff gab und wir auch nicht wissen, womit wir es zu tun haben. Irgendein Puzzlestück fehlt uns."

      Melas kalter Blick richtete sich auf Eradîl.
      "Natürlich war das kein Zufall. An so etwas glaube ich nie." Zu viele Kämpfe hatten ihn das gelehrt.
      "Trotzdem ist es besser, wenn wir die Städte stärker bewachen, für den Fall der Fälle." Nun betrachtete er Liana. Bei vielen Eldar wäre es fast unverschämt gewesen, doch seine kühle Art war nicht angriffig.
      "Prinzessin Liana braucht sicherlich verstärkten Schutz. Wer auch immer es einmal versuchte, wird es unter Umständen noch einmal probieren. Übrigens halte ich Kivessa und Tannivhar für sehr fähig, man sollte die beiden für Schutzaufgaben in Betracht ziehen."

      Bei Meleas Worten merkte Tan auf und wechselte einen kurzen Blick mit seiner Schwester. Kiv runzelte die Stirn. In diesem Moment dachten die Geschwister wohl das gleiche: Sie waren keine Leibwächter und am Hofe kannten sie sich ebenso wenig aus. Andererseits hatte der ältere Eldar durchaus Recht, dass die Prinzessin nach wie vor in Gefahr schwebte. Und Kivs Instinkte könnten bei Lianas Schutz durchaus nützlich sein.
      Keiner der beiden wagte es jedoch zu sprechen ohne angesprochen worden zu sein, nicht einmal Kiv, die von der ganzen Situation immer noch ziemlich eingeschüchtert war.

      König Virnaél betrachtete die beiden Zwillinge, doch sein Blick war alles andere als ermutigend.
      "Ich stehe immer noch in eurer Schuld, doch werde ich den Schutz meiner Tochter nicht zwei solch jungen Eldar anvertrauen solange ich eine dafür ausgebildete Garde habe. Eradîl wird seiner Aufgabe enthoben und..." - "WAS?! Auf keinen Fall!" Der König sah verdutzt zu seiner Tochter, die bei Eradîls Entlassung hochschreckte und sich demonstrativ an dessen Seite stellte.
      "Ich habe mich davon geschlichen, ich wollte nur auf das Fest gehen! Wie hätte jemand sich auf so etwas einstellen sollen? Es war nicht seine Schuld!"
      Ihr Vater bedachte sie mit einem strengen Blick. "Er hat seinen Eid gebrochen. Er ist seiner Aufgabe nicht nachgekommen, ich kann dich ihm nicht mehr guten Gewissens anvertrauen. Und er allein wäre sowieso nicht genug. Ein dutzend der weißen Garde vor deinen Gemächern sollten genügen."
      Liana war alles andere als zufrieden und verschränkte die Arme vor der Brust. " Die Hälfte der Königsgarde, ist das dein Ernst? Willst du mich hier einsperren oder was ?!"
      "Ich werde nicht zulassen, dass so ein Angriff dein Leben noch einmal in Gefahr bringt!"
      Die junge Prinzessin spürte, wie sich ihre rebellischen Gefühle im Eiltempo nach oben drängten und sie blickte hilfesuchend zu den anderen Anwesenden im Raum.

      "Euer Majestät, natürlich muss die Prinzessin geschützt werden. Doch die beiden jungen Zwillinge sollten sicherlich mit einer neuen Schutzaufgabe belohnt werden." Meleas lächelte beinahe, eine Seltenheit.
      "Was mich beschäftigt ist, dass es offensichtlich ein Portal gab. Die Kammer der Prinzessin kann unter Umständen nicht sicher genug sein." Seine emotionslosen Augen trafen auf Lianas, die alles andere als glücklich wirkte.
      "Wenn jemand hinter Euch her ist, wird dieser Jemand alles versuchen, das Ziel zu erreichen. Auch wenn der erste Versuch fehlgeschlagen ist." Das wusste der ältere Eldar sehr sehr gut, denn das machte er schließlich auch.

      Tan hatte im Grunde mit keiner anderen Antwort gerechnet. Natürlich hatten er und seine Schwester alles gegeben um die Prinzessin zu beschützen, doch jeder fähige Eldar hätte an ihrer Stelle gleich gehandelt. Nach wie vor empfand er Mitleid für Liana, doch er konnte auch verstehen, dass ihr Vater sie um jeden Preis sicher wissen wollte.
      Kiv war indessen vollständig verwirrt. Sie verstand nicht warum Meleas darauf beharrte ihr und Tan neue Aufgaben zu geben. Sie hatte bereits eine Aufgabe und sie führte sie gerne aus. Das Verhalten der Prinzessin war ihr ebenso unergründlich. Sicherlich war es nur vernünftig von so vielen kampferfahrenen Eldari wie möglich bewacht zu werden, wenn so ein Angriff noch einmal passieren könnte?

      Das war einfach nicht fair. Sicher, ich bin nicht gerade erpicht darauf, erneut eine ähnliche Begegnung mit solch einem Dämon zu haben - aber dafür werde ich sicher nicht auf noch mehr Freiheiten verzichten.

      Liana überlegte fieberhaft, was sie sagen könnte um ihren Vater zu überreden. Doch es erschien aussichtslos. Angesichts der drohenden Gefahr war das sicher auch kein Wunder. Sie hatte bereits den Mund geöffnet und zu einer erneuten Protestrede auszuholen, als sie eine Präsenz in ihrem Geist wahrnahm. Diese war aber nicht wie die Stimme nach dem Angriff kalt und verachtend. Sie kam ihr sehr vertraut vor, bis sie die Stimme des Meister Umbari in ihrem Kopf wahrnahm. Für den ersten Moment wirkte sie äußert perplex, und realisierte erst nach einem kurzen Augenblick, dass niemand außer sie ihn hören konnte.
      "Lasst euch nichts anmerken und hört mir zu, Prinzessin. Eure Beschreibung des Portals hat eine Erinnerung in mir geweckt. Ein äußerst weiser Gelehrte der Menschen hatte mir vor vielen Jahren einst von etwas erzählt, das dem sehr nahe kommt. Die anderen seines Ordens hielten ihn für verrückt, doch angesichts der Vorkomnisse ist es vielleicht die einzige Spur die wir haben.
      Ihr müsst euch auf den Weg nach Nirha machen und ihn finden! Ich kenne leider seinen Namen nicht mehr aber es dürfte die einzige Gruppe sein, die sich dort näher mit den Leiden des Geistes beschäftigen.
      Erzählt nichts davon eurem Vater, er würde euch niemals ziehen lassen. Doch ihr dürft nicht verweilen, ich befürchte dies wird nicht der letzte Angriff auf euer Leben gewesen sein. Ich befürchte ihr seid hier in Elyria nicht mehr sicher!"

      Die Präsenz war so schnell verschwunden wie sie gekommen war. Sie blickte kurz zu Meister Umbari, doch dieser bedachte sie nicht eines Blickes. Lianas Gedanken rasten und ihr wurde beinahe wieder schwarz vor Augen.
      "Vater, ich... fühl mich nicht besonders gut. Es ist wahrscheinlich die Aufregung. Ich würde mich gerne etwas ausruhen."
      Des Königs Sorge war sofort wieder erkennbar und er nickte eifrig den Wachen zu. "Aber sicher mein Kind. WACHE! Geleitet Prinzessin Liana in ihre Gemächer und bewacht den Eingang. Niemand darf zu ihr, mit Ausnahme von mir und der Königin!"

      Die Wache flankierte Liana und begleitete sie nach draußen. Als sie an den Zwillingen vorbei kam sah sie wieder zu Tannivha und der Moment währte einen Bruchteil länger, als es gut für sie gewesen wäre. Sie fürchtete, er hätte in ihrer manischen Phase bereits etwas gesehen... ihr Traum oder ihre rebellischen Gefühle, ihre wachsende und spätestens durch Meister Umbari komplett entfesselte Absicht, ihrem alten Leben auf ewig den Rücken zu kehren.... Keine dieser Optionen wäre eine gute Option gewesen. Sie empfand ihn als sehr angenehm aber er war ihr völlig fremd und bei Fremden Eldar hatte sie bisher immer die Erfahrung gemacht, dass sie einen unglaublichen Respekt vor ihrem Vater hatten und jeder versuchte sich sein Wohlwollen zu erschleichen. Sie konnte ihm nicht trauen und angesichts der Tatsache, dass er in ihrem Kopf war, war das nicht gerade etwas sehr erbauliches. Sie kannte sich aber mit den geistigen Verbindungen auch nicht gut aus, sie wusste nicht was er dort sehen konnte und was nicht.

      Hastig senkte sie wieder den Blick und eilte aus dem Grünsaal.
      Der König wandte sich währenddessen an die Verbliebenen. "Ich denke, für den Moment können wir nicht viel mehr tun. Prinzessin Liana ist vorerst sicher. Die Meister werden sie weiter beobachten (Meister Umbari nickte Virnaél zustimmend zu), meine Garde wird sie beschützen und zwar, bis die Sache vollständig aufgeklärt ist.
      Eradîl - ihr werdet vorerst von eurer Aufgabe entbunden, bis ich entschieden habe, wie ich mit euch verfahre.
      Meleas, ihr seid entlassen.
      Nun... zu euch beiden." Dabei wandte er sich an die Zwillinge. "Ihr habt einem Mitglied der Königsfamilie in höchster Not das Leben bewahrt. Nach unseren Familientraditionen steht es euch daher zu, die Waffen euer Wahl aus der königlichen Schmiede zu beziehen. Zudem seid ihr gern gesehene Gäste an unserem Hof und werdet jederzeit einen Platz im Lebensbaum haben. Habt ihr noch eine Bitte an mich, so bin ich gewillt sie mir anzuhören."

      Meleas erhob sich und verbeugte sich sogar leicht, dem Publikum geschuldet. Dass Eradil nun nicht mehr so mächtig war, würde sicher manch einen freuen. Ihm war es egal, aber es war zur Kenntnis genommen. Der Eldar hörte noch, was der König den Zwillingen mitteilte und trat dann nach draußen, blieb aber nach kurzem Überlegen stehen. Besonders Kivessa hatte seine Aufmerksamkeit geweckt. Sie war anders als andere ihrer beides Volkes.

      Mit schwer zu lesender Miene erwiderte Tan den Blick der Prinzessin. Ihr Schicksal berührte ihn und gerne hätte er ihr geholfen, doch er wusste nicht wie. Etwas anderes beschäftigte ihn dabei ebenfalls, etwas, das er gespürt hatte, als er in Lianas Geist geblickt hatte. Zwar hatte er sich bemüht nicht zu tief in ihren Gefühlen und Gedanken zu wühlen – zum einen, weil sie ihm dafür keine Erlaubnis erteilt hatte und zum anderen, weil es schlichtweg seine Fähigkeiten überstieg – doch ein Gefühl hatte ihren Geist, ihr ganzes Wesen derart durchdrungen, dass es ihm nicht hatte entgehen können: der Wunsch nach Freiheit, der Wunsch nach einem anderen Leben. Vielleicht bildete er es sich ein, doch er meinte genau dieses Gefühl nun wieder in ihren Augen zu erblicken.
      Nachdenklich sah er ihr kurz nach, wandte sich dann jedoch wieder dem König zu, der nun ihn und Kiv ansprach.
      Die Zwillinge verneigten sich beide tief, überwältigt von den Worten des Königs. Selbst Kiv war bewusst welch große Ehre ihr gerade zu Teil geworden war.
      „Habt Dank, Majestät“, sagte Tan, und auch Kiv sprach hastig ihren Dank aus. Sie hatte keine weitere Bitte, doch Tan zog kurz nachdenklich die Stirn kraus und sagte:
      „Nun, eine Bitte hätte ich.“ Sein Blick glitt nun zu dem alten Eldar Meister. „Ich würde mich gerne mit Meister Umbari darüber unterhalten, wie er den Geist der Prinzessin vor dem dunklen Zauber abgeschirmt hat. In derartiger Magie bin ich nicht sonderlich bewandert, doch sollten uns tatsächlich weitere Dämonenangriffe bevorstehen, so wäre ich gerne dafür gewappnet.“

      König Virnaél lächelte angesicht von Tans Bitte. "Aufmerksam und weitsichtig. Ihr werdet einmal ein guter Magier werden, mein junger Freund. Aber diese Entscheidung liegt letztendlich bei Meister Umbari selbst."
      Der alte Meister bedachte Tan mit einem abschätzigen Blick. "Der Wille zum Lernen ist immer der erste Schritt. Doch ihr solltet euch bewusst sein dass die Lehre der Bewusstsseins-Magie die mit Abstand schwierigste Schule ist, die wir Eldar zu Erlernen im Stande sind. Normalerweise unterweisen wir nur die fähigsten und weitaus erfahreneren Magier in dieser Kunst."
      Sein ernster Blick durchbohrte den jungen Eldar und schien sogar durch ihn hindurch zu schauen. Dann zeichnete sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht ab."Aber ich denke, es wäre durchaus einen Versuch wert. Kommt morgen Nacht zur Quelle des Flusses Eli am östlichen Stadtrand. Ich werde euch dort erwarten und dann werden wir sehen, ob ihr für diese hohe Art der Magie geeignet seid."

      Der Blick des alten Meisters ruhte wie ein Gewicht auf Tans Seele, doch er zwang sich dazu nicht wegzuschauen und wurde schließlich belohnt. Er neigte den Kopf vor Umbari.
      "Ich danke Euch. Mir ist durchaus bewusst, dass diese Form von Magie viel Übung und Talent erfordert, doch ich fühle mich bereit, mich dieser Herausforderung zu stellen."
      Kiv betrachtete ihren Bruder kurz nachdenklich. Sie konnte mit Magie einfach nichts anfangen, trotzdem erkannte sie jedoch wie nützlich diese Form von Magie sein würde. Ob Tan ihr gewachsen war?
      Die beiden Zwillinge verbeugten sich nun erneut tief vor dem König und warteten darauf entlassen zu werden.

      Der König nickte abschließend den beiden Eldar zu und stand auf. "Dann wäre das beschlossen. Die Nacht war für euch wie auch für den Rest für uns sehr aufregend. Ihr habt euch eine Ruhepause auf jedenfall verdient. Möge der Wald über uns alle wachen."
      Mit diesen Worten entließ er die Zwillinge.
    • Das Gelächter war bis auf die Gasse zu hören, es ging hoch her in der Taverne Zum vollen Humpen die dem Zwerg Bilgur Fassläufer gehörte. Das wichtigste für einen Zwerg war es Leib und Seele zusammenzuhalten – jeder Zwerg aß und trank gerne und viel. So traf Grindol hier jede Menge Bekannte sowie den ein oder anderen Schwippschwager mit dem er über einige Ecken verwandt war. Die Daziik, wie sich die Dwarfs oder Zwerge selber nannten, hielten ihre Klanzugehörigkeit in Ehren. In grauer Vorzeit haben sich die Klans sogar gegenseitig bekämpft, doch spätestens seit der Schlacht in den Dämmerlanden hielten die Überlebenden Daziik eng zusammen. Wettkämpfe untereinander waren jedoch Bestandteil ihres Zeitvertreibs. Äxte werfen, Stämme spalten, die Steinmetzkunst oder besonders findige Edelsteinsucher, der Zwerg hatte seinen Spaß bei aller Art von Wettbewerb, so auch beim Singen. Zu fortgeschrittener Stunde, einhergehend mit der Menge geleerter Humpen, steigerten sich die Zwerge in der Taverne immer mehr in diese typische Geselligkeitsform hinein. So tönten alsbald altbekannte und unbekannte Lieder durch die Gassen von Oraz-ak-Kazuum, die Töne brummten überwiegend im unteren Frequenzbereich aus den bärtigen Gesichtern, kein Vergleich zu dem hohen Gesang der Eldars.


      Werft die Gläser fest an die Wand,
      Schlitzt das Tischtuch von Damast,
      Kork und Gummi steckt in Brand,
      Tut, was Bilgur Fassläufer hasst!

      Spritzt den Wein an jede Tür,
      In den Boden stampft das Fett,
      Tränkt die Chaiselongue mit Bier,
      Schmeißt die Knochen unters Bett!

      Wir zerkleinern mit dem Beil
      Töpfe, Schüsseln, Porzellan.
      Und ist danach noch etwas heil,
      fangen wir von vorne an.

      J.R.R. Tolkien


      Natürlich wurde nicht alles wörtlich genommen was so daher gesungen wurde, trotzdem zerbrach der ein oder andere Humpen theatralisch an der Wand der rustikalen Taverne. Selbstverständlich wurde er von Bilgur Fassläufer auf die Rechnung gesetzt. Ging es zuvor gesellig bis leutselig zu, tanzten die Zwerge inzwischen auf den stabilen Tischen bis spät… nein früh in den Morgen hinein.

      Polternd ruckelte das Fuhrwerk, bestehend aus einem zweiachsigen Wagen dem ein Pony vorgespannt war, über den holprigen Weg der die Handelsstraße zwischen den Schattenbergen und den Menschenlanden darstellte. Der Weg nach Melphas war nicht ungefährlich und ohne Anstrengung, aber besser als durch die Sümpfe von Theran in die Flusslande zu wollen, dort hausten die Ausgestoßenen Saggras. War die Straße in der Nähe der großen Zwergenbinge noch mit Steinen gepflastert so ähnelte er mit der Zeit eher einem Feldweg. Tiefe Furchen der Räderwerke hatten ihre Spuren hinterlassen, bei aufgeweichtem Boden sicher kein einfaches Unterfangen vorwärts zu kommen. Oben auf dem Wagen thronte oder besser schlief Grindol seinen Rausch aus, die Hände lagen über Kreuz auf dem großen Beil das auf seiner Brust ruhte. Das Gezeche weit in die Nacht hinein forderte seinen Tribut. Zum Glück hatte er instinktiv gleich den Wagen als Schlafplatz aufgesucht. Über die Abreise-Modalitäten hatte er tags zuvor noch mit dem Händler Ballesch Golddurst geredet, dieser wollte so früh wie möglich los da er schon Ware geladen hatte. So einigte man sich auf den nächsten Morgen und dieser brach gerade an. Das schaukeln des Fuhrwerks schien Grindol noch fester schlafen zu lassen. Gegen Mittag erreichten sie eine Herberge die Ballesch gezielt ansteuerte. Zum tänzelnden Pony war auf dem Schild zu lesen. Das fehlen der rollenden Fahrbewegung, der plötzliche Stillstand, ließ Grindol endlich wach werden. Er rieb sich die Augen und bekam gerade noch mit wie sein Händler den Gastwirt überschwenglich begrüßte, offenkundig kannten sich die beiden gut.
      „Gibt es Neuigkeiten?“ hörte er Ballesch fragen.
    • Oktans Klauen
      So langsam wurde die Baumgrenze überwunden, nur noch hier und da drückte sich eine verkrüppelte Bergkiefer in die Felsnischen. Dafür breiteten sich blühende Matten der Alpenrose und andere Heidekrautgewächse aus. Der Weg schlängelte sich serpentinenartig durch das niedere Gestrüpp und folgte eng den Ausfaltungen des Berges. Von daher wusste man nie was einem hinter der nächsten Wegbiegung erwartete. So stolperte Adrian immer wieder in Kolonien von Murmeltieren die hastig pfiffen und erschrocken das Weite suchten. Die Bergziegen hingegen blieben ruhig im Fels stehen und knabberten an den kärglichen Grasbüscheln, der einsame Wanderer stellte keine Bedrohung dar. Bergdohlen flogen frech und in Schwärmen um die Wette, während vom Aufwind getrieben der König der Lüfte hoch oben seine Kreise zog. Doch Adrian hatte dafür keine Muße. Angstvoll trieb ihn der Traum immer weiter, er wollte jetzt unter Menschen sein, entgegen seinen sonstigen Vorlieben. So lief er auch noch weiter als es schon dunkel zu werden begann. Der Mond ging auf und sein silberhelles Licht machte die Nacht zum Tage. Am Firmament leuchteten die Sterne in einer Intensität wie sie es eben nur in den Bergen tun. Die Unrast ließ Adrian weiterlaufen, nicht die schlechte Sicht sondern die Müdigkeit brachte ihn immer wieder zum stolpern. Zudem bereitete ihm sein lädiertes Bein Schmerzen, das kaum sichtbare Humpeln trat immer stärker hervor. Schließlich musste er sich hinsetzen und eine Weile verschnaufen. An einen Fels gelehnt döste er im sitzen...
      Nur einen kurzen Moment, einen klitzekleinen Augenblick“, dachte er. In der Nacht sahen die Berge von Oktans Klauen irgendwie lebendiger aus. Einer Sage nach stammten die spitzen, gebogenen Felsnadeln von den Klauen eines riesigen Drachen, von daher war der Name Drachenberge auch im Umland verbreitet. Es gab jedoch viele Sagen und Legenden von denen die meisten nicht der Wahrheit entsprachen. So behaupteten auch einige die Berge seien ein Unterschlupf der Dämonen, ja sie hätten sogar selbst einen gesehen. In Wahrheit gab es hier seit Äonen weder Drachen noch Dämonen. Doch allein die Vorstellung daran machte Oktans Klauen gefährlicher und interessanter zugleich. In Adrians Dorf präsentierten Wanderzirkusse gegen ein paar Kupfermünzen angeblich echte Dämonenfratzen. In seiner Heimat gehörten Dämonen jedoch eher zu Wesen längst vergangener Tage. Obwohl es Feste zur Austreibung böser Geister mit Licht und Feuer gab, galten sie als nur als altes Brauchtum und dienten nicht der Abwehr tatsächlicher Gefahren. Ein Höhepunkt im Dorf war der jährliche Besuch der Märchenerzählerin Maruba. In ihrer Jurte drängten sich groß und klein um ihren Geschichten zu lauschen in denen auch Dämonen eine Rolle spielten.

      Die Lider wurden schwerer und schlossen sich ganz. Der Körper forderte sein Bedürfnis ein.
      Es dauerte nicht lange und Orpheus sang Adrian in den Schlaf...
      Ein helles fröhliche Kinderlachen drang an sein Ohr, ein Lachen so natürlich wie es nur Kinder zustande bringen. Erstaunt stellte er fest – das Lachen stammte von ihm selbst! Adrian sah sich als siebenjähriger Knabe beim Spiel zu Hause im elterlichen Garten. Sein Vater hatte eine Schweinsblase mit Luft gefüllt und dann verschlossen. Nun spielten beide Ball über die Schnur wo ansonsten Mutters Wäsche hing. Dabei warf sich Adrian nach Herzenslust auf den Boden um den Ball zu fangen. Immer wieder jauchzte er vor Freude auf und auch die leichte Lähmung in seinem Bein störte ihn überhaupt nicht.
      Essen ist fertig,“ rief es aus dem Haus. Adrian lieferte sich lachend ein Wettrennen mit seinem Vater. Schon an dem himmlischen Geruch war zu erkennen was es gab: Pfannkuchen.
      Eine von Adrians Leibspeisen, Pfannkuchen mit feinem Lauchgemüse und danach die süße Variante mit Quark und getrockneten Weintrauben.
      Feuer… es brennt… F E U E R … H i l f e...“ Die Schreie mischten sich in das brüllen der Feuersbrunst und Adrian sah die Gesichter seiner Eltern wie Wachs zerschmelzen. Schluchzend, von Weinkrämpfen geschüttelt barg der Junge das Gesicht in seinen Händen um nicht mehr zusehen zu müssen.
      Adrian… ADRIAN!!,“ die Stimme klang fest und kam ihm irgendwie bekannt vor.
      Adrian… sieh her,“ drängte die Stimme seines Vaters. Und wirklich nachdem er sich getraut hatte die Hände weg zu nehmen sah er direkt in das gütige Gesicht seines Vaters. Wenig später leuchtete sogar das Konterfei seiner Mutter auf und nahm an der Seite von seinem Vater Platz.
      Wir beschützen Dich,“ die Stimme seines Vaters klang beruhigend und sicher.
      Voller Sehnsucht streckte Adrian seine Hände aus und versuchte seine Eltern zu umarmen…
      Vater… Mutter...“ doch die Hände griffen ins Leere.

      Das Mondlicht schillerte silbernfarben auf die verlorene Gestalt, die in sich zusammengesunken auf den Felsen lag. In dem kalten Licht sah das Gesicht merkwürdig bleich und fahl aus, bei näherer Betrachtung erkannte man Tränen die der schlafenden Gestalt die Wange herunterliefen. Durch das Licht glichen sie Perlen die schimmernd den Weg des Vergessens suchten. Die kalte Nacht würde den einsamen Wanderer früh genug aus seinen Träumen holen.
    • Koop - Meleas (Cass), Kiv und Tan (Fara)

      Nachdem sie entlassen worden waren, machten die Zwillinge sich daran den Grünsaal zu verlassen. Draußen vor dem Saal trafen sie auf Meleas. Hatte er auf sie gewartet?
      Tan trat zu dem älteren Eldar.
      „Mein Herr Meleas, Ihr seid verletzt – erlaubt Ihr mir Euch zu heilen?“

      Daran hatte er tatsächlich nicht mehr gedacht.
      "Ich sage nicht nein. Es ist aber kaum der Rede wert." Zumindest für ihn. Mit etwas nachdenklichem Blick bedachte er vor allem die junge Kivessa.
      "Dies war ein außergewöhnlicher Kampf. Was wäre deine nächste Strategie gewesen?"

      "Trotzdem ist es ratsam den Schnitt zu behandeln", wandte Tan ein. "Wir wissen nicht woraus die Klingen dieses Wesens bestanden oder womit sie vielleicht bedeckt waren. Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr uns zu unserer Unterkunft begleiten, dort kann ich mir den Schnitt genauer ansehen."
      Kiv überlegte währenddessen.
      "Das Biest so gut es geht kampfunfähig machen", erwiderte sie schließlich. "Ansonsten war der Stich in den Schlund wohl die einzige Möglichkeit es zu töten."

      Wie es seine Art war, wägte Meleas kurz ab, dann nickte er.
      "In Ordnung. Das macht Sinn." Die drei gingen los.
      "Gute Strategie. Dieser Dämon wäre alleine nur schwierig zu besiegen gewesen. Da er eine gewisse Panzerung aufwies, musste die einzige Schwachstelle der Schlund sein. Ob Blutverlust ausreichend geschwächt hätte ist fraglich."

      "Da stimme ich Euch zu", erwiderte Kiv nachdenklich. "Es war gut, dass Ihr Euer Schwert dabei hattet."
      Die drei liefen durch die nun wieder friedlichen Straßen Elyrias. Es war kaum vorstellbar, dass hier erst vor Kurzem ein Kampf auf Leben und Tod ausgetragen worden war.
      "Ein Glück, dass Ihr beide wach wart. Wer weiß, was sonst mit Liana passiert wäre", überlegte Tan laut.

      Der Grund seines Wachseins verschwieg Meleas, denn das war ihm beinahe unangenehm. Er und ein Alptraum. Es passte einfach nicht.
      "Mein Schwert trage ich immer. Da die Stadt sicherlich nicht mehr sicher ist, rate ich dazu, dass die Waffen nicht mehr abgelegt werden oder in der Nähe sind." Der ältere Eldar blieb völlig nüchtern und sachlich dabei, Angst hatte er keine. Es war einfach wie es war.
      "Nun, Liana wäre vermutlich getötet worden oder vielleicht entführt. Was der Dämon mit ihr wollte können wir nicht wissen. Wenn, dann hat höchstens Meister Umbari eine Idee. Es war auch keine Option, den Dämon am Leben zu lassen, Antworten hätte man wohl nicht bekommen."

      Tan hätte diese Sicherheitsmaßnahme normalerweise für viel zu übertrieben gehalten, schließlich war Elyria bisher vollkommen sicher gewesen. Doch nun musste selbst er eingestehen, dass es sinnvoll war stets bewaffnet zu sein. Er runzelte leicht die Stirn. Etwas an der Art wie Meleas sprach, gefiel ihm nicht - diese absolute Teilnahmslosigkeit. Es war nicht so wie bei Kiv, die manchmal einfach nicht einschätzen konnte welchen Effekt ihre Worte hatten oder wann welcher Tonfall angemessen war. Er fragte sich, ob Meleas schon immer so gesprochen, oder es sich mit der Zeit einfach angewöhnt hatte.
      "So wie der Dämon sich auf deinen Schild geworfen hat, Bruder, wirkte es, als wollte er die Prinzessin verschlingen", merkte Kiv an. Tan nickte langsam. Ihm wurde schlecht bei dem Gedanken und er war froh rechtzeitig da gewesen zu sein.
      "Es ist offensichtlich, dass die Kreatur von jemandem geschickt wurde", sagte er nun. "Ich denke nicht, dass sie überhaupt ein eigenes Bewusstsein hatte."

      "Es ist bekannt, dass es Dämonen gibt. die durchaus andere Wesen verschlingen. Möglich ist das." Meleas blickte sich um. Nun waren die Straßen und Gassen recht ruhig, fast abwartend. Irgendetwas schien in der Luft zu liegen ohne greifbar zu sein. Seine Träume... Gab es Zusammenhänge?
      "Möglich, Tannivhar. Sogar wahrscheinlich. Deswegen denke ich nicht, dass dies der letzte Angriff war. Unter Umständen kann dies sogar mehr ein Test gewesen sein, ob jemand es besiegen kann. Was, wenn noch mehr von diesem oder Schlimmeres gesandt wird?"

      Diese Worte halfen nicht gerade dabei, dass Tan sich besser fühlte.
      „Ein Glück, dass Liana nun beschützt wird“, murmelte er.
      „Ich frage mich, wieso der Dämon sie angegriffen hat“, überlegte Kiv nun. „Was hätte jemand davon sie umzubringen?“

      Seine kühlen Worte hatten eine seltsam faktische Sicherheit.
      "Ich bin nicht sicher, ob der Schutz reichen wird." Dann wandte sich Meleas an Kivessa.
      "Das ist wirklich ein Rätsel. Doch Solange wir nicht einmal genau wissen, wo er herkam und wer möglicherweise dahintersteckt, kann man nur spekulieren. Sie ist die Prinzessin, also eine hochstehende Persönlichkeit. Das kann beispielsweise genutzt werden, um eine Instabilität in einem Reich herbeizuführen." Damit kannte er sich nun wirklich aus.
      "Unser König ist sehr viel älter und geschützt, an ihn ist es weitaus schwieriger heranzukommen. Prinzessin Liana hingegen ist noch sehr jung, unerfahren, ein leichtes Ziel." In so einem Fall hätte er ganz genauso gehandelt.

      "Die weiße Garde besteht aus den besten Kämpfern des Volkes", wandte Tan zweifelnd ein. Sicher würden sie im Falle eines weiteren Angriffs Liana schützen können?
      "Aber sie ist das jüngste Kind der Königsfamilie", überlegte Kiv nun laut weiter. "Warum haben sie nicht den Thronfolger attackiert?"
      "Die Prinzessin ist die einzige Tochter der königlichen Familie", erwiderte Tan. "Der König und die Königin lieben sie sehr, das ganze Volk liebt sie! Es wäre eine Tragödie, würde ihr etwas zustoßen."
      "Oh." So hatte Kiv noch gar nicht darüber nachgedacht, doch sie vermutete, dass ihr Bruder recht hatte.

      "So ist es. Trauer und Zorn sind niemals eine gute Mischung. Der Thronfolger ist eine Sache, aber es gibt nicht nur diesen im Zweifel. Doch die einzige geliebte Tochter, das wäre für die Seele des Volkes weitaus schlimmer." Tannivhar hatte eine gute Einsicht.
      "Es stimmt, sie sind sehr gut. Ob es ausreicht werden wir hoffentlich nicht erfahren müssen." Seine Zweifel hatte Meleas.
      "Jeder Eldar sollte jetzt Augen und Ohren offen halten."

      Die Zwillinge erwiderten nichts. Beide waren in nachdenkliches Schweigen verfallen. Wenig später erreichten sie jedoch ihre Unterkunft und ihre Gedanken wurden kurzfristig abgelenkt. Ihre Gastgeber waren bereits wach und wollten die Geschwister mit Fragen bestürmen, doch Tan gelang es sie erst einmal abzuwimmeln, indem er ihnen versprach alles später zu erklären. Er hatte keine Ahnung wie viel von dem, was sich in dieser Nacht zugetragen hatte, weitererzählt werden sollte.
      Schließlich wies er Meleas an sich zu setzen, damit er sich seine Schulter ansehen konnte.

      Das Schweigen tat gut. In der Unterkunft angekommen hielt sich der ältere Eldar im Hintergrund und nickte. Er setze sich in dem Zimmer, legte seine Waffen ab, die er nie aus den Augen legte und legte die Wunde frei. Natürlich war nicht zu übersehen, dass er andere, alte Narben hatte, aber die hatte er weitestgehend vergessen.

      Tan war einen Moment erschrocken ob der vielen alten Narben die Meleas aufwies, doch rasch besann er sich auf seine Aufgabe als Heiler und untersuchte die Wunde.
      "Ich kann nichts ungewöhnliches daran feststellen", sagte er schließlich. "Es scheint ein normaler Schnitt zu sein."
      Er legte seine Hand auf die Wunde, um den Heilungsprozess mit Hilfe von ein wenig Magie zu beschleunigen und den Schnitt somit zu verschließen. Kiv hatte sich währenddessen ebenfalls gesetzt und überprüfte, ob ihr Langdolch im Kampf irgendwelchen Schaden davon getragen hatte.

      Es tat gut, dass die WUnde geheilt wurde anstatt wie meistens normal zu heilen.
      "Vielen Dank.Gut, dann wird der Dämon noch ein einfacher gewesen sein." Meleas lächelte nicht, doch es klang Anerkennung in der Stimme mit.
      "Nicht viele hätten derart die Nerven behalten angesichts dessen."

      Bei diesen Worten merkten die Zwillinge auf und sahen sich kurz an.
      "Ich glaube nicht, dass Zeit war, um die Nerven zu verlieren", erwiderte Tan, befand die Heilung für abgeschlossen und setzte sich nun ebenfalls. Nun, da die Anspannung der letzten Stunde von ihm abgefallen war, merkte er Müdigkeit.
      "Jemand war in Gefahr und brauchte Hilfe", stimmte Kiv zu.
      "Wenn wir nicht aufeinander aufpassen, wer dann?", beendete Tan ihren Gedanken.

      "Ich habe schon ältere Eldar, erfahrenere gesehen, aber auch menschliche und andere Kämpfer, die das nicht geschafft hätten. Daher gebührt euch Respekt, es ist keineswegs selbstverständlich." Meleas zog sich rasch wieder an.
      "Deswegen auch mein Vorschlag an den König. Es gibt viele gut ausgebildete Kämpfer, doch Derartiges braucht einen besonderen Geist. Ihr seid sehr nobelund stellt euch selbst zurück, und da ihr Zwillinge seid arbeitet ihr gemeinsam anders." Sein Blick fiel auf Kivessa.
      "Hast du jemals echten Schwertkampfunterricht genossen?"

      "Eure Worte ehren uns", sagte Tan nach kurzem Schweigen. Kiv kaute auf ihrer Unterlippe herum. Sie kam sich nicht besonders vor, wenn sie ehrlich sein sollte..
      Auf seine Frage antwortete sie: "Meine Tante und mein Onkel haben mich ausgebildet - sie waren beide Krieger."

      Der kühle Blick musterte die junge Frau - aus seiner Sicht jung.
      "Du hast sehr gute Anlagen und gutes Grundwissen von ihnen bekommen. Wenn du willst, bringe ich dir ein paar Kniffe bei." Warum nicht? Vieles was er gelernt hatte war nicht in noblen Kömpfen geboren worden, sondern in verzweifelten Situationen. Er wandte sich an den anderen Zwilling.
      "Bei Magie kann ich dir nicht helfen, doch du darfst selbstverständlich dabei sein."

      "Das... ist sehr großzügig von Euch", sagte Tan langsam. Kiv schwieg einen Moment und überlegte, dann nickte sie.
      "Ja das erscheint mir sinnvoll." Sie hatte nicht wirklich vor ihre Aufgabe als Hüterin abzulegen, doch einige von Meleas' Fähigkeiten würden ihr auch im Wald gelegen kommen.
      "Danke", sagte sie halb vergessen.

      Kivessa war etwas seltsam, doch ihn störte es nicht. Etikette hatte ihn noch nie besonders interessiert und auch wenn er ein Verwandter des König war, so konnte er an den höfischen Umgangsformen nie etwas besonders Gutes finden.
      "Derzeit bin ich nun einmal hier, und kann etwas Sinnvolles tun. Wann habt ihr Zeit?"

      "Nun...", begann Tan zögerlich.
      "Es war geplant, dass wir heute zu unserer Siedlung zurückkehren", erklärte Kiv. Allerdings war beiden anzusehen, dass sie sich nicht sicher waren, ob dieser Plan noch stand.

      "Ich bin recht ortsflexibel. Doch ich schätze wir müssen abwarten, was der König von uns verlangt." Meleas nahm sein Schwert um es prüfend anzusehen. Dunkle Spritzer waren daran. Er würde es schleifen müssen.
      "Gebt mir Nachricht. Der Hof weiß, wie man mich zur Not findet."

      "Ja das schätze ich auch", erwiderte Tan.
      "Gut, dann werden wir uns bei Euch melden."

      "Ich werde eure Nachricht erwarten. Sollte ich einen Auftrag haben, werdet ihr das erfahren. Ich vergesse aber nicht das Versprechen" Meleas nickte ihnen zu.
      "Bis bald." Der Eldar hielt sich nicht sonderlich lange auf, sondern ging hinaus ohne wirklich groß die Form zu wahren. Vermutlich wussten beide nicht, wer er eigentlich war, aber weder das eine noch das andere störte ihn sonderlich. Kivessa war interessant, so konnte er sein Wissen weitergeben.


      Nachdem Meleas gegangen war, blieben die Zwillinge einen Moment schweigend sitzen. Tan betrachtete nachdenklich die Tür, durch die Meleas verschwunden war. Er war… anders als die anderen Eldari, auch anders als Kiv. Etwas daran beunruhigte ihn.
      Kiv stand schließlich als erste auf.
      „Ich muss noch etwas Schlaf nachholen. Heute werden wir sicherlich nicht mehr zur Siedlung zurückkehren.“
      Tan nickte, dann fiel ihm etwas ein.
      „Warum warst du überhaupt draußen unterwegs?“
      Kiv, schon halb auf dem Weg zu ihrem Zimmer, blieb stehen, drehte sich jedoch nicht sofort um.
      „Ich konnte nicht schlafen“, sagte sie schließlich und blickte über ihre Schulter.
      „Der Traum?“, fragte Tan alarmiert nach.
      „Nein“, erwiderte Kiv sofort, dann, fast ebenso schnell: „Doch.“
      Tan runzelte die Stirn. Es war nicht Kivs Art zu lügen, wenn auch impulsiv.
      „Möchtest du darüber reden?“
      Diesmal ließ Kiv sich einen Moment länger Zeit, bevor sie erneut: „Nein“, sagte.
      „Es bringt nichts darüber zu reden, Bruder…. Du solltest dich auch noch etwas hinlegen.“
      Damit verließ sie den Raum endgültig. Tan blieb noch eine Weile in Gedanken sitzen, doch dann überkam auch ihn die Müdigkeit und er zog sich in sein Zimmer zurück um sich hinzulegen.
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
      Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
      Are you running out of time?!



      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • Vathalyk war noch nicht lange unterwegs gewesen, als er bereits von vorne kommend ein Rumpeln, Knarzen und Klappern vernehmen konnte, das ihm selbst nach vielen Jahrhunderten des Begräbnisses nur allzu bekannt vorkam. Ein Pferdegespann kam ihm direkt entgegen, schwer beladen mit einem Haufen Kisten und vier Personen, die er natürlich nicht näher identifizieren konnte. Gefahr ? Das würde sich zeigen. Wenn es so war wie früher, dann war das hier wahrscheinlich nur ein fahrender Händler mit vielleicht ein paar Helfern oder mehr schlecht als recht angeheuerten Eskorten. Nichtsdestotrotz hatte man ihm scharf eingebläut, dass er jetzt quasi auf der dunklen Seite der Dinge stand. Genauer gesagt der schwarzmagischen. Reichlich törichte und pauschale Ansicht, aber leider war der allgemeine Hass auf alles, was mit dieser Kunst zu tun hatte, noch das, was er am ehesten als konstant gebliebene Größe erwartete. Sie durften ihn nicht als das erkennen, was er nun wirklich war.


      Auf der anderen Seite wäre so ein fahrbahrer Untersatz doch ganz angenehm und wesentlich effizienter. Vor allem aber würde er sicher zur nächsten Siedlung führen, von deren Lage er keinen blassen Schimmer hatte. Den Entschluss gefasst habend, es zu versuchen, ging Vathalyk demonstrativ nicht zur Seite, sondern lief auf der Mitte des Weges weiter, bis der Mann auf dem Bock zwangsweise anhalten musste.


      "Ich grüße euch!" trug Vathalyk in klaren, deutlich ausgesprochenen Worten vor. Fast schon übertrieben... aber wer konnte schon wissen, inwieweit Dialekte im Laufe der Jahrhunderte gedriftet waren ? Besser also nichts vorauszusetzen und sich so einfach und direkt wie möglich auszudrücken. "Hättet Ihr etwas dagegen, mich ein Stück auf eurem Weg mitzunehmen ?"


      Der Händler erwies sich, vorsichtig ausgedrückt, als Geldschlund. Auch wenn er ihn direkt in seiner nativen Währung hätte bezahlen können, wäre der geforderte Betrag sicherlich überhöht gewesen. Vathalyk aber hatte man schlecht Münzen als Startkapitel mit ins Grab legen können -- wer wusste schließlich schon, wann welche davon noch wieviel wert sein würde. Blankes, glänzendes Edelmetall hingegen war eine Konstante. Nur leider verstand der Kerl davon nichts oder gab es zumindest erfolgreich vor... Oder aber es musste in der Vergangenheit sehr dramatische Goldfunde gegeben haben.


      Schließlich wurde es Vathalyk doch erlaubt, den Wagen zu besteigen. Ziemlich missmutig quetschte er sich neben einen der anderen Männer. Er roch seltsam...
    • Die Sonne stand bereits sehr tief als Alarion die letzten Höhenmeter auf der bergigen Straße machte und ins Tal hinabblickte. Von der Klippenstraße aus hatte man einen erstklassigen Ausblick. Drüben auf der anderen Seite der riesigen Flussmündung krümmten sich seltsame gebogene Berge in den Himmel. Auf dem Wasser selbst erkannte Alarion einige Kutter und sogar ein großes Handelsschiff, welches gerade auf dem Weg ins Landesinnere war. Es umschiffte gerade eine große Insel auf der eine riesige Burgruine thronte.
      Alarion genoss die Aussicht noch einen Moment und wandte sich dann wieder seinem Ziel zu. Die kleine Hafenstadt lag knapp hinter einem kleinen Wäldchen, direkt an der großen Brücke, die zu der Inselfestung führte.
      Heute würde er sicher nicht mehr die Stadt erreichen aber so weit im Gebirge wollte er dann doch nicht noch einmal sein Nachtlager aufschlagen. Die letzte Nacht hatte er kaum geschlafen. Die Düsterklippen machten ihrem Namen alle Ehre. Ständig hörte man unheimliche Geräusche, ein Trollruf hallte unentwegt zwischen den Hängen hin und her und ein unwirklicher Nebel legte sich des Nachts über die Berge. Selbst einem gestandenen Krieger hätte dies ein paar Alpträume beschwert. Alarion war davon nicht verschont geblieben doch kümmerte ihn dieser Traum weniger. Nachdem er in Schimmerfels diesen besonderen Traum hatte, konnte er an nichts anderes mehr denken. Er hatte ihn bisher nicht wieder heimgesucht, doch er konnte das Gefühl immer noch von einem „normalen“ Traum unterscheiden. Ich hoffe wirklich, dass der Weg nicht umsonst ist.
      Er wusste nicht einmal, ob ihn das überhaupt so sehr ärgerte. Alles was er besaß, hatte er bei sich, er hätte überall hingehen können. Jetzt wo er sich erst einmal auf den Weg gemacht hatte, wollte er gar nicht aufhören zu reisen. Es war ein tolles Gefühl, er fühlte sich frei und nicht zum ersten mal spürte er einen kleinen Stich der Reue.Wieso nur bin ich nicht eher darauf gekommen, dieses Drecksloch zu verlassen – schon hörte er wieder die Stimme des Alten in seinem Kopf: Vergiss nie vorher du kommst! Egal wohin dich dieser Weg auch führt, man sollte nie seine Herkunft verleugnen oder vergessen!“ Vergessen werd ich sie nicht – vermissen muss ich sie aber auch nicht.

      Er überprüfte noch einmal den Knoten seines Beutels, in dem er seine Vorräte mit sich herum trug. Es war angenehm, sich einmal nicht darum zu kümmern, wo man als nächstes etwas zu Essen her bekam. Allerdings wusste er, die Vorräte würden maximal bis Nirha reichen.Hoffentlich gibs in dieser Taverne, die mir Achtfinger genannt hat, was gutes zu futtern.Geld hatte er nicht. Und wenn bräuchte er das eh erst einmal für die Fähre. Eins nach dem anderen.
      So folgte er seinem Weg in das Tal hinab.
    • Koop Meister Umbari (Spartan) und Tan (Fara)

      Der nächste Morgen verlief chaotisch für die Zwillinge. Neuigkeiten und Gerüchte über die Vorkommnisse der Nacht begannen bereits sich in der Stadt auszubreiten. Die Geschwister taten ihr Bestes, um diesen Gerüchten aus dem Weg zu gehen und versuchten sich eine Ausrede einfallen zu lassen, warum sie ihre Gruppe nicht wie geplant zur Siedlung zurückbringen konnten, doch die meisten Eldari der Gruppe schienen ohnehin beschlossen zu haben noch ein paar Tage in Elyria bleiben zu wollen, was zumindest eine Sache schon einmal erleichterte.
      Der restliche Tag ging relativ schnell um und als der Mond bereits am Himmel stand, machte Tan sich schließlich auf um Meister Umbari aufzusuchen. Die Quelle des Flusses Eli lag am östlichen Rand der Stadt und entsprang aus dem Vorsprung eines naheliegenden kleinen Berges. Unterhalb der Quelle hatte sich ein Quellteich gebildet, der zum Größten Teil begehbar war. Tan zog sich die Schuhe aus und betrat das kühle, klare Wasser, welches ihm schnell bis zu den Schienbeinen, jedoch nicht höher reichte. In der Mitte des Teiches, dort, wo das Wasser langsam tiefer wurde, saß Meister Umbari auf einem großen, flachen Vorsprung. Er saß der Quelle gegenüber, sodass Tan nur seinen Rücken sehen konnte, doch es war zweifellos der alte Meister.
      Tan verneigte sich, auch wenn Meister Umbari ihn nicht sehen konnte und sagte:
      „Meister Umbari, ich bin hier für Eure Unterweisung.“

      Ohne sich umzudrehen oder seine Haltung auch nur zu verändern, erhob er seine Stimme, die von den Steilwänden zurückgeworfen wurde und ein eigentümliches Echo bildete.
      "Was sind die drei stärksten Gefühle, die den Geist eines jeden fühlenden Wesens beeinflussen können?"

      Tan dachte einen Moment nach.
      "Liebe", sagte er schließlich. "Hass. Und Furcht."

      "Ja, Furcht kann einen lähmen und einen dazu bringen, so manche gute Vorsätze beiseite zu legen. Doch jeder kann sich seiner Angst stellen. Nein, die letzte richtige Antwort ist der Glaube."
      Der Meister stand auf und drehte sich zu Tannivhar um. "Liebe und Hass sind die wohl stärksten Gefühle positiv wie negativ und zu gleich auch die stärksten Gegensätze. Doch der Glaube, die Überzeugung für etwas höheres einzustehen, das steht manchmal außerhalb, oft aber auch Seite an Seite der anderen beiden und kann dem Ganzen eine gefährliche Note verpassen.
      Du bist hier um die hohe Kunst der Bewusstseinsmagie zu erlernen. Vergiss nicht, dein Erfolg auf diesem Gebiet, einen bestimmten Zauber zu vollbringen, liegt nie allein in deinen eigenen Fähigkeiten. Die Elementare beherrschen, die Energie bündeln um Schutzzauber zu erschaffen - all das kann man mit viel Ausdauer erlernen. Doch in der Bewusstseinsmagie ist dein Ziel immer eine andere Seele und damit ein Gegenspieler, den du nie unterschätzen darfst. Ein jedes Wesen wird durchflutet von Gedanken, Emotionen, Wünschen - sie alle haben Macht. Besonders dann, wenn dein Gegenüber weiß, sie richtig einzusetzen. Doch ebenso sind sie seine Schwäche. Deinen Gegner zu kennen und richtig einzuschätzen bestimmt darüber, ob du im Geist eines anderen die Oberhand behälst oder dich selbst verlierst."
      Mit strengem Blick sah der Meister auf seinen Schüler hinab und deutete auf die tiefere Stelle der Quelle. "Bist du dir den Gefahren bewusst und dennoch klaren Verstandes und voller Vertrauen in deine Fähigkeiten, so gehe hinein, tauche unter und öffne deinen Geist."

      Kurz ließ Tan sich die Worte des Meisters durch den Kopf gehen. Ja, es stimmte wohl. Furcht war schließlich nichts weiter als eine Erschütterung des Glaubens. Er hörte Meister Umbari aufmerksam zu und spürte dabei wie ein Schauder ihn überlief. Wie es sich wohl anfühlte gegen den Geist eines anderen Wesens vorzugehen? Liana war kaum bei Bewusstsein gewesen, als er ihren Geist berührt hatte und er hätte es ohnehin niemals gewagt in ihn einzudringen.
      Sein Blick wanderte nun zu den Tiefen des Quellteiches. Das hier war ein vollkommen anderes Level der Magie als die, welche er bisher kannte. Doch seine Gedanken wanderten erneut zurück zu Liana, zu seiner eigenen Hilflosigkeit. Er fühlte sich bereit. Vorsichtig watete er weiter in den Teich hinein, bis das Wasser ihm bis zu den Schultern stand, dann holte er tief Luft und tauchte unter.
      Unter Wasser nahm er sich einen Moment Zeit um sich zu sammeln, sich zu konzentrieren und seinen Geist zu öffnen. Er schlug die Augen auf. Einen Moment lang sah er nur Dunkelheit und ganz verschwommen das Licht des Mondes, welches auf die Wasseroberfläche schien. Dann schien das Licht sich zu vervielfältigen. Auf einmal sah er viele verschiedene Lichtpunkte, in unterschiedlichen Farben, die vor seinen Augen umhertanzten. Er hob eine Hand und berührte einen davon, der dann in noch viel kleinere Lichtpunkte zerstob. Tan drehte sich auf der Stelle und blickte sich um. Er hatte nicht mehr das Gefühl im Wasser zu stehen. Die Substanz um ihn herum erschien ihm fester, zäher. Er versuchte einen Schritt zu tun, doch plötzlich schien sich alles zu drehen und er hatte keine Ahnung wo oben und unten war. Die Lichtpunkte kreisten ihn nun ein, schirmten ihn von allem anderen ab, füllten sein komplettes Sichtfeld aus. Er schien nicht länger auf dem Grund des Teiches zu stehen, sondern durch eine Welt aus Farben und Licht zu schweben, völlig entrückt von allen weltlichen Sorgen.

      Meister Umbaris Blick folgte Tannivhar in die Quelle. Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf den jungen Eldar, bereit, in seine Gedanken einzudringen und er ließ seine Stimme in seinem Kopf hallen.
      "Dies soll deine erste Lektion sein. Willst du verstehen, was deine Magie anrichten kann, so musst du dich dem selber aussetzen. Das Wasser der Eli-Quelle regt deinen Geist an, deine Fantasie, sie zeigt dir Dinge, die nicht real sind, sie lenkt dich vom wesentlichen ab. Doch es sind deine Gedanken! Lenke sie. Verteidige dich. GLAUBE an dich!!"

      Beinahe hätte er sich in diesem bunten Lichtermeer verloren. Beinahe. Doch dann rang die Stimme des alten Meisters an sein Ohr. Tan riss die Augen auf und sah sich um. Die Lichtpunkte wirbelte immer noch um ihn herum, immer noch schien er zu schweben. Doch nun fühlte sich das alles anders an – falsch. Das ist nicht real, schoss es ihm durch den Kopf. Er sah sich um, versuchte einen Weg aus dem Lichtermeer hinaus zu finden, doch er wusste nicht einmal mehr wo oben und unten war. Kurzzeitig kam Panik in ihm hoch.
      Furcht ist nichts weiter, als eine Erschütterung des Glaubens.
      Tan schloss die Augen. Das hier war nicht real. Er schwebte in keinem Lichtermeer, er saß auf dem Grund des Quellteiches. Hier gab es ein Oben und Unten, einen Weg aus dem Wasser hinaus. Was auch immer seine Augen ihm zeigen mochten, war nichts weiter als eine Illusion, ein Trick, der seinem Geist gespielt wurde. Wenn er sich konzentrierte, sich voll und ganz darauf konzentriert, dann konnte er den Grund unter sich spüren. Seine Hand wanderte hinab und berührte den glatten Stein. Ja, dies hier war der Teich. Er schlug die Lider auf. Die Lichter waren verschwunden. Seine Hand presste sich immer noch gegen den Boden des Quellteiches und nun wurde Tan bewusst, wie lange er bereits hier gesessen hatte und wie dringend er neuen Sauerstoff brauchte. Er stieß sich vom Boden ab, schnellte aus dem Wasser hervor und holte tief Luft.

      Der Meister sah erstaunt auf seinen völlig durchnässten Schüler hinab. "Ihr habt einen wachen Geist, mein junger Magier, dass muss ich euch lassen." Er rückte sichtbar auf dem Stein zur Seite um ihm den Platz neben sich anzubieten und setzte sich wieder in einer entspannten Haltung hin, so dass sich Tannivhar ihm gegenüber setzen konnte.
      "Vergesst nie, dass es selbst außerhalb der Eldar Magiekundige gibt, die die Kräfte der Bewusstseinsmagie nutzen. Die Verteidigung ist immer das höchste Gut, das gilt für den Körper und insbesondere auch für den Geist." Er ließ ihn noch kurz ein paar Augenblicke um Luft zu holen und wieder bei klarem Verstand zu sein. "Nun wollen wir mal sehen, wie ihr euch schlagt, wenn jemand nicht mit guten Absichten euren Geist befällt!" Er senkte seinen Kopf und hatte einen beinahe durchbohrenden Blick aufgesetzt. Kurz darauf drang er gewaltsam in den Geist von Tannivhar ein und suchte gezielt nach großen und bedeutenden Erinnerungen.

      Leicht zitternd vor Kälte und abfallender Anspannung neigte Tan den Kopf.
      „Danke, Meister.“
      Er stieg aus dem Teich und ließ sich triefend dem alten Eldar-Meister gegenüber nieder. Zwar hörte und verstand er dessen Worte, doch er war noch völlig geschafft von dem Kraftakt, sich aus den Illusionen des Teiches zu lösen und somit überhaupt nicht auf das vorbereitet, was nun geschah: Er spürte die Präsenz des anderen in seinem Kopf wie einen immer schwerer werdenden Druck. Bilder liefen vor seinem geistigen Auge ab, Bilder von Kiv, von seinen Eltern. Er war wieder 12 und kletterte mit seiner Schwester um die Wette und dieses eine Mal, dieses eine Mal nur war er schneller als sie. Er war 22 und trat den Heilern bei, der ganze Stolz seiner Familie. Und dann sah er Kiv vor sich, Kiv, die ihm von ihren Träumen erzählte, die sie immer wieder heimsuchten.
      Aufhören!, schoss es Tan durch den Kopf, doch dieses Mal hatte er nicht die Willenskraft sich zu wehren.

      Unaufhaltsam durchforstete Meister Umbari die Erinnerungen des jungen Magiers, bis..... Das kann nicht sein! Schlagartig zog sich der Alte aus Tannivhars Geist zurück. Er sah in immer noch entgeistert an, schien die Lektionen völlig vergessen zu haben.

      Entkräftet sank Tan in sich zusammen, die Hände auf dem Stein vor ihm abgestützt. Der Druck war aus seinem Kopf verschwunden und die Flut an Erinnerungen verebbt. Sein Herz pochte wie wild und er brauchte einen Moment um sich zu sammeln, sich wieder aufzurichten und Meister Umbari anzusehen. Der Blick des alten Eldar schien nichts gutes zu verheißen.
      „Ich…“, brachte Tan schwer atmend hervor. „Ich bin sicher beim nächsten Mal werde ich mich besser zur Wehr setzen können.“

      "Nein es war...." Meister Umbari schüttelte sich und schien wieder mit den Gedanken bei der Ausbildung zu sein. "Du hast dich gut geschlagen. Selbst nach vielen Jahren des Trainings könntest du dich nicht einem Meister wie mir entziehen. Doch allein die Erfahrung ist es, die dir bereits weiter hilft. So trifft dich eine Attacke wie diese nie wieder wirklich unvorbereitet. Solltest du je in die Situation kommen, deine Gedanken vor jemandem verbergen zu müssen, so halte dich an deine stärksten Erinnerungen. Ziehe sie aus den Tiefen deines Geistes, lasse sie dich durchfluten, bis in die Fingerspitzen. Solche Gefühle bringen den Geist durcheinander und machen es deinem Angreifer schwer, seine wahren Absichten in die Tat umzusetzen."

      Aufmerksam hörte Tan zu und nickte ernst.
      "Ja, Meister", sagte er und neigte leicht den Kopf, warf dem alten Eldar aber noch verstohlen einen besorgten Blick zu. War wirklich alles in Ordnung?

      "Nun weißt du, wie du dich verteidigen kannst. Doch uns fehlt die Zeit, sämtliche Lektionen der Bewusstseinsmagie durchzugehen, ich befürchte du wirst sehr bald auf Reisen gehen und es wird dich nicht gen Heimat ziehen... Du bist bestimmt nicht heute hergekommen, um dich nur selbst zu schützen. Also, welche Technik ist es, die du erlernen möchtest?"

      Moment… was? Stirnrunzelnd betrachtete Tan den alten Eldar-Meister. Was sprach er da von einer Reise? Doch bevor er danach fragen konnte, hatte Meister Umbari bereits weitergeredet. Tan musste sich kurz sammeln und sagte dann:
      „Ich… nun… ich würde gerne wissen, wie Ihr es geschafft habt den Geist der Prinzessin vor dem Dämon abzuschirmen.“

      Ein leichtes Lächeln umspielte die alten und faltigen Züge des Meisters. "Soso, ganz der Heiler, immer bedacht die anderen zu schützen. Ja, du hattest ja schon im Grünsaal etwas in der Richtung gesagt... Nun zu allererst musst du wissen, dass dies kein normaler Zauber war. Wir wissen nicht genau, was er eigentlich bewirken sollte doch das war für den Schutz vollkommen irrelevant. Entscheidend ist, dass jedem Zauber eine Art Seele innewohnt. Jedesmal wenn wir einen Zauber wirken, stecken wir dort auch unsere Absichten und Gefühle mit hinein, fast immer unbewusst. Dies führt aber auch dazu, dass man dunkle Zauber sehr schnell an ihrer Aura erkennen kann. Du weißt, wir Eldar ziehen unsere Kraft aus den schönen und ansehnlichen Dingen. Dem Leben selbst oftmals, ohne ihm natürlich zu schaden. Man kann mit ein wenig Übung diese Schutzbarrieren, die du für dich selbst aus guten starken Erinnerungen heraufbeschwörst, auf andere Übertragen die selber zu schwach sind, sich davor zu schützen. Doch musst du diese Technik mit Bedacht einsetzen! Dieser Schutz besteht womöglich aus deinen persönlichsten und tiefsten Erinnerungen und es kann sein, dass der Geschützte Teile oder gar ganze Erinnerungen davon auffängt. Wenn du Geheimnisse zu verbergen hast, ist es nicht ratsam auf diese Art der Magie zurückzugreifen!"

      Äußerst konzentriert lauschte Tan des Worten des Meisters.
      "Das heißt...", rekapitulierte er langsam. "Dass meine positiven Erinnerungen auch andere schützen können." Der Gedanke gefiel ihm irgendwie und gleichzeitig beunruhigte er ihn.
      "Kann es sein... nun, gibt es die Gefahr, dass sich dadurch der Geist des Schützenden und der Geist des Geschützten vermischen, wenn man nicht vorsichtig genug ist?"

      "Ich bin erfreut, dass ihr über den normalen Zauber hinaus denkt! Nun, auch ich vermag das nicht mit Sicherheit sagen zu können. Aus den alten Schriften unseres Ordens geht hervor, dass Bewusstseinszauber und die betroffenen Seelen in einigen Fällen konvergent reagieren. Das bedeutet, dass Zauber verstärkt oder geschwächt wirken können, je nachdem wie eure Gefühle gegenüber dem anderen sind. Abseits davon gibt es die sogenannte Seelenvereinigung. Es ist eher eine Art...theoretisches Modell, dass die führenden Eldar-Gelehrten über die Zeit entworfen haben. Wir haben es bisher nie wirklich nachweisen können, doch einigen Erzählungen nach, soll etwas in der Art bereits vorgekommen sein. Diese Seelenvereinigung ist eine Art Verschmelzung wie du sagtest, doch würde ich es nicht als Risiko beschreiben. Es ist vielmehr die stärkste Form der Bindung, die zwei Individuen eingehen können. Sie sind für sich genommen immer noch zwei unterschiedliche Wesen, doch sie können den anderen jederzeit spüren, in Gedanken selbst über das Meer hinweg alles teilen. Es ist wie eine unsichtbare Kraft, die beide Seelen auf ewig zueinander zieht.
      Um auf deine Frage zurückzuschließen - es heißt, dass solch eine Vereinigung durch solche Zauber ausgelöst oder verstärkt werden kann. Sicher wissen tut das keiner und der Zauber allein ist mit Sicherheit auch nicht die alleinige Antwort auf diese Frage. Ich selber denke nicht, dass dies willkürlich bei jemand wildfremden passieren kann aber vergiss nie, es gibt immer Wege der Magie, die selbst wir noch nicht entschlüsselt haben."

      „Ich verstehe.“ Der Gedanke der Seelenvereinigung faszinierte ihn ungemein und gleichzeitig konnte er sich kaum vorstellen wie es sich anfühlen musste auf eine solche Art mit einer anderen Person verbunden zu sein.
      „Und der Schutz, den Ihr um den Geist der Prinzessin gelegt habt – wird er anhalten? Oder schwebt sie noch in Gefahr?“

      Meister Umbari kratzte sich ein wenig am Kopf und fuhr dann unbeirrt weiter: "Vorerst ist sie in Sicherheit. Die Kreatur muss den Zauber irgendwie auf sie übertragen haben. Nachdem ihr sie getötet habt, konnte der Zauber nach der Abschirmung nicht erneut auf Prinzessin Liana übergehen. Doch sie wird nicht mehr lange Elyrias Schutz genießen." Langsam stand er auf, glättete seine Robe und sah Tannivhar mit ernstem Blick an. "Sie weiß es nicht aber sie wird auf dich angewiesen sein, wenn sie ihren Plan in die Tat umsetzt. Sie ist der Schlüssel und du wärst gut damit beraten jede Entscheidung über sie sorgfältig abzuwägen. Die größten Gefahren lauern oft in unmittelbarer Nähe."

      Einen Moment lang verstand Tan überhaupt nicht was vor sich ging. Immer noch auf dem Stein sitzend blickte er mehr als verwirrt zu Meister Umbari hoch.
      „Ihren Plan?“ Hastig kam er auf die Füße, wobei ihm kurz etwas schwindelig wurde.
      „Was meint Ihr damit? Hat sie etwa vor Elyria zu verlassen?“ Erneut musste er an das denken, was er in ihrem Geist gespürt hatte – dieser Wille, dieser Drang zu entfliehen. Konnte es wirklich sein?

      Mit einem fast schon traurigen Blick besah der Meister Tannivhar und legte den Kopf schief. "Vielleicht schläft sie tief entspannt in ihren Gemächern und träumt von der fernen See... oder sie ist längst auf dem Weg in die Wildnis, die sie so wenig kennt... Aber ihr wusstet um ihre Absichten doch schon längst - oder vertraut ihr eurem eigenen inneren Auge so wenig? Die Frage ist nur, wie ihr mit diesem Wissen umgeht. Ganz gleich, wie ihr euch entscheidet, ihr werdet nicht hier in Elyria bleiben. Ich konnte euch an diesem Abend unmöglich in alle Bereiche der komplexen Magie der Bewusstseinszauber einführen, doch ihr habt eine grobe Vorstellung davon was euch erwarten kann. Und was sie anrichten kann. Ihr werdet es wissen, wenn die Zeit gekommen ist, den nächsten Schritt zu gehen."

      Ein Eisklumpen bildete sich langsam in Tans Magengegend. Er musste seine Schwester aufsuchen, so schnell wie möglich.
      „Ich danke Euch für Eure Unterweisung, Meister“, sagte er mit einer tiefen Verbeugung, bevor er noch einmal unsicher zu dem alten Eldar blickte.
      „Wisst Ihr… Könnt Ihr mir sagen, was ihr Ziel ist?“

      Meister Umbari senkte den Kopf und sein Blick durchbohrte den jungen Magier förmlich. Mit einem wissenden Lächeln sagte er: "Sie sucht Antworten, die sie hier in Elyria nicht finden kann. Ihr Ziel ist die freie Handelsstadt Stadt Nirha. Was sie dort hinzieht, kann ich euch nicht verraten. Manchmal ist es besser, jemand kann frei darüber entscheiden, ob bestimmte Geschichten erzählt werden oder nicht."
      Der Meister wandte sich zum Gehen, doch er drehte seinen Kopf noch einmal um und rief Tannivhar zu: " Vergiss nicht - wäge jede Entscheidung sorgfältig ab! Du hast nicht mehr nur dein eigenes Leben in deiner Hand." Dann wandte er sich um und verließ die Quelle.

      „Nirha“, wiederholte Tan leise. Er hatte eine vage Idee, wo diese Stadt lag. Mit großen Augen blickte er Meister Umbari hinterher. Ein Teil von ihm konnte immer noch nicht glauben, was er da soeben gehört hatte. Dann löste er sich jedoch aus seiner Starre. Er musste Kiv finden!
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
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      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • Die Mahlzeit war einfach aber üppig und die Schärfe der Pepperoni ließ Grindol den Restalkohol ausschwitzen. Ballesch hatte keine Neuigkeiten in Erfahrung bringen können und so zogen sie nach einer guten Pfeife auch schon wieder weiter. Der große Fluß der sein Wasser aus dem Eis der Schattenberge speiste war ein ständiger Begleiter zur Linken. Mal weiter weg mal näher dran, das Geräusch des Flusses war allgegenwärtig, vom leisen Murmeln bis hin zum lautem Brüllen reichte die Klaviatur. Am Abend erreichten sie eine Weggabelung, eine breite Schneise führte schnurstracks zu den Sümpfen von Theran. Doch auf diesem Weg wuchsen Gräser und Sträucher. Man sah ihm an, dass ihn kaum jemand benutzte. Die bisherige Straße schmiegte sich in einem Bogen an die Ausläufer der Schattenberge. Dieser Weg führte um den Sumpf herum nach Melphas, genauer gesagt Wurz am See. Doch da das Fuhrwerk kaum schneller war als ein strammer Fußgänger neigte sich der Tag schon dem Ende zu. An der Weggabelung stand ein großes Gasthaus mit dem passenden Namen „Zum Wegscheid“. Das Nachtquartier für den Händler und seine Ware.
      Der Gastwirt erzählte ihnen das sich neuerdings komische Wesen blicken ließen, man vermutet die Saggras dahinter. Grindols Blick musste wohl sein Unverständnis ausgedrückt haben denn der Wirt fügte hinzu:
      „Saggras sind Mischwesen aus Mensch und Dämon, kaum einer hat sie jedoch wirklich zu Gesicht bekommen. Diejenigen die das geschafft haben, können uns heute nicht mehr davon erzählen. Ich habe mir jedenfalls noch einen zweiten Bärenreißer zugelegt, diese Hunde fressen mir zwar die halben Vorräte auf, aber ich fühle mich nun viel sicherer.“
      Nach dieser Erklärung nippte Grindol nur noch lustlos an seinem Humpen und empfahl sich früh zu Bett. Doch er wälzte sich nur von einer eigenartigen Unruhe getrieben hin und her und fiel erst sehr spät in einen traumlosen Schlaf.

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      Fröstelnd umklammerte Adrian seinen Umhang als die Kälte ihn weckte. Ringsherum war die Welt mit weißem Puderzucker bestreut, Rauhreif wie Adrian erkannte. Er stand auf und schlug die Arme um sich damit ihm wärmer wurde. Es wurde langsam hell aber der Blick auf die Berge blieb verborgen. Ein milchig trüber Nebel versperrte die Sicht. Es würde wohl noch eine ganze Weile dauern bis die Sonne für Klarheit sorgen konnte.
      Nach einer Stärkung schlurfte Adrian weiter.
      Gegen Mittag, die Sonne hatte den Nebel in die Täler gedrängt, erreichte er das Ende dieses Hochplateaus. An einem Pfahl hing ein verwittertes Brett auf dem in kaum lesbaren Buchstaben ‚Nirha‘ stand. Irgendjemand hat einen Tierschädel auf den Pfahl gespießt auf dem zu allem Überdruss ein fetter Bartgeier saß. Dieser ‚Lämmergeier‘ ist darauf spezialisiert Knochen zu fressen, dazu lässt er sie aus großen Höhen auf den Fels fallen. Der Geier ein böses Omen? Adrian war nicht abergläubisch bzw. hatte mit seinen eigenen Empfindungen genug zu tun. Ihn faszinierte viel mehr die Größe des imposanten Raubvogels der sich beim näherkommen in die Lüfte schwang.
      Der Weg begann nun langsam aber stetig abwärts zu führen. Er kam an einem qualmenden Holzmeiler vorbei, dessen Köhler jedoch so missmutig dreinblickte dass er sich nicht traute ihn anzusprechen. Adrian war froh als als er am Wegesrand eine kleine Ansammlung Häuser erblickte aus dessen Schornsteinen vereinzelt sogar Rauch quoll, er schien in die Nähe menschlicher Behausungen gekommen zu sein.
    • Talmon Rasselstab
      Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen wanderte er durch die Düsterklippen, querte Wege anstatt ihnen zu folgen, bis er nach ein paar Tagen von einem Berg aus das Meer sehen konnte. Das weite, kühle Meer. Talmon atmete tief durch und schob sich etwas Trockenfleisch, von dem er sich derzeit ernährte, zwischen die Zähne.
      Es war ein windiger Tag als er die Küste und eine kleine Siedlung erreichte. Der Himmel war grau und das dunkle Meer von weißen Kronen gesprenkelt.
      Der kleine Anleger am Strand war verlassen und so durchstreifte er die kleine Siedlung, erst auf der Suche nach einer Gaststätte, dann nach einem Versammlungsraum.
      Schlussendlich hämmerte er mit seinem Stab einfach an die Tür des größten Gebäudes der kleinen Siedlung.
      Der Himmel hatte beschlossen, dass Grau nicht die richtige Farbe war und war erst Dunkelgrau geworden und hatte dann seine Pforten geöffnet. Es war ein feiner, stetiger Regen. Keine großen Tropfen aber dennoch ging er durch die Kleidung und durchweichte die Haut, kühlte den Körper aus. Man könnte es einen Küstenregen nennen.
      "Heda! Jemand Zuhause? Hier draußen wird es allmählich nass!" Rief er begleitend zu seinem Klopfen. Er würde an diesem Tag wohl nicht mehr weiter kommen und brauchte ein Obdach und vielleicht konnte er einen Fischer am kommenden Morgen für ein paar Münzen überzeugen ihn bis nach Nirha oder zumindest eine Tagesfahrt die Küste entlang zu bringen.

      Farkas Hornschmied
      Der Nachtwächter kehrte am Nachmittag zurück in die Schmiede, holte sein Messer ab und ließ gutes Geld bei dem Zwerg. Zwar hatte er es noch einmal versucht den Preis ein wenig herunter zu handeln, doch der Zwerg war hart wie Granit geblieben.
      Farkas kehrte nach dem Besuch des Nachtwächters noch kurz an den Amboss zurück um ein paar Rohlinge zu formen, ehe er es für diesen Tag gut sein ließ.
      Der Dáziik hängte die speckige Lederschürze an den Hacken, wusch sich Schweiß und Schmutz mit einem feuchten Lappen aus dem Gesicht, von den Armen und dem Oberkörper, klopfte seine Hose ab und warf sich eine dunkle Tunika über. Noch schnell in die unverwüstlichen Holzschuhe geschlüpft und den breiten Ledergürtel mit der Tasche und dem Messer gegürtet und dann fehlte nur noch die obligatorische Pfeife, die er sich noch stopfte und anzündete, ehe er paffend die Schmiede verließ.
      Zielstrebig begab er sich einmal mehr zu seinem Stammlokal, auf einen ordentlichen Eintopf und einen großen Humpen Bier.
      Fragen, Anregungen oder Kritik? -> Konversation oder #ogame.de-rpg

      Lass uns ein Spiel spielen...


      <Seaten>Kata ist wie Cass, nur fauler und männlich
    • Koop Fara (Kivessa) und Cass (Meleas)



      Dieses Mal war Kiv zum Glück ein traumloser Schlaf vergönnt. Als sie erwachte, schien die Sonne bereits hell am Himmel. Sie brachte den Tag damit zu einen neuen Zeitplan für ihre Rückkehr in die Siedlung aufzustellen und Fragen aus dem Weg zu gehen - eine Leichtigkeit für sie, denn die Fragenden wandten sich ohnehin eher an ihren Bruder.
      Tan würde den Abend mit seiner Lehrstunde bei Meister Umbari verbringen, sodass Kiv - die, ohne dass sie es sich selbst wirklich erklären konnte, ungerne alleine sein wollte - eine Nachricht an Meleas schickte und ihn fragte, ob er an diesem Abend Zeit für eine Übungsstunde hätte.

      Der ältere Eldar hatte nur schwer Schlaf gefunden und war wieder von merkwürdigen Träumen heimgesucht worden. Ihm fiel es schwer, bei seinen Morgenroutinen die Schatten der Nacht zu verlassen, doch nach zwei schweißtreibenden Stunden hatte er sein Gleichgewicht wiedergefunden. Es waren nur Träume. Magie und er kamen ja nicht zusammen, daher war das ohnehin nur Zufall. Weshalb ihm "Nirhar" im Kopf blieb, wusste er nicht, doch sicherlich hatte er das auf seinen vielen Reisen gehört. Irgendwann kam eine der Boten des Königs zu ihm. Kivessa. Sehr gut. Die junge Eldar war ehrgeizig. Er schickte den nicht einmal Zwanzigjährigen zu Kiv mit der Botschaft, dass sie gerne am Abend eine Übungsstunde einrichten könnten. Zwei Stunden vor Sonnenuntergang.

      Kiv nahm die Nachricht entgegen und sprach sich kurz mit ihrem Bruder ab. Er würde vermutlich bereits fort sein, wenn sie zurückkehrte. So machte sie sich kurz vor der vereinbarten Zeit auf den Weg zu dem ausgewählten Treffpunkt, ihr Schwert an ihrer Seite. Sie würde es, Meleas Ratschlag befolgend, in nächster Zeit wohl nicht mehr so häufig ablegen.

      Meleas war früher aufgebrochen und stand mit geschlossenen Augen und verschränkten Armen da. Er lauschte. Obwohl Kivessa einen sehr leichten Gang hatte, nahm er sie wahr, sein Gehör gut geschult darin, alles soweit es ging mitzubekommen. Ihr Schritt war energisch, zielorientiert. Anders als viele Eldar, die manches Mal beinahe zu schweben schienen oder zumindest zögerlich. Aber mit dem Schwert musste man auch tanzen lernen.
      "Hallo, Kivessa. Pünktlichkeit ist gut." Er öffnete seine Augen, die so merkwürdig kühl wirkten.
      "Ich würde gerne von dir wissen, was du bisher gelernt hast.Du hast bereits eine sehr gute Basis, und weitere Fähigkeiten können nur nutzen." Natürlich kam er direkt auf den Punkt. Viel Herumgerede lag ihm nicht.

      Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen blieb Kiv ein paar Schritte vor Meleas stehen.
      "Ich wurde im bewaffneten Zweikampf geschult, sowohl mit dem Schwert als auch mit kleineren Klingen. Außerdem bin ich im unbewaffneten Nahkampf trainiert." Sie zögerte kurz.
      "Das ist etwas an mir... eine Art Instinkt, die mich Gefahren bereits im Vorfeld spüren lässt. Das hat sich schon oft als nützlich erwiesen."

      "Äußerst nützlich im Kampf." Meleas schien sehr entspannt und keineswegs dazu bereit, irgendetwas zu tun. Die Ruhe selbst.
      "Da ich keine Verbindung zu Magie habe, muss ich mich komplett auf meine körperlichen Fähigkeiten verlassen. Das ist das Wichtigste. Man weiß nie." Er nickte ihr zu.
      "Gut. Wie oft musstest du schon wirklich kämpfen?"

      Bei seinen Worten starrte Kiv ihn einen Moment nur an. Sie hatte immer gedacht, dass sie die einzige ihres Volkes wäre, die keinen Zugriff auf Magie hatte.. Seine Frage überrumpelte sie dann gleich ein zweites Mal. Sie kaute kurz auf ihrer Unterlippe herum.
      "Nicht oft", gab sie zu. "Der Wald ist voller Gefahren, doch die wenigsten davon sind selbst bewaffnet. Und gegen andere Eldar habe ich bisher nur zur Übung gekämpft." Andere Wesen, Menschen, Orks, Zwerge, hatte sie noch nie gesehen.

      Ihre Reaktion irritierte in anfangs kurz, aber Meleas zeigte es nicht.
      "Die Eldar neigen auch nicht dazu, viel zu reisen." Es wäre seltsam gewesen, wenn die junge Frau wirklich viele Kämpfe zu bestreiten gehabt hätte,
      "Dafür hast du dich aber sehr gut gehalten gegen den Dämon. In dem Fall hat es keine Chance zur Gnade gegeben, da sein Ziel klar war." Ob sie bereit wäre, ein anderes Wesen zu töten, das nicht so anders war, wenn auch kein Eldar?
      "In den meisten Kämpfen geht es um dein Leben gegen das andere. Da darf es kein Zögern geben, kein Zurückzucken. Natürlich ist es hier in diesem Reich eher selten, doch wie wir nun wissen, kann man sich auch dabei irren."

      Kiv nickte langsam. So viel hatten ihr ihre Tante und ihr Onkel ebenfalls beigebracht.
      "Ich werde nicht zögern", sagte sie überzeugt.

      Meleas neigte leicht den Kopf.
      "Das wird sich zeigen." Es gab einen Unterschied, ob man ein kaum eldarisches Wesen tötete oder Menschen, andere Eldar... Zumindest für die meisten. Ihm war es immer recht gleichgültig gewesen. Nur Eldar tötete er nicht gerne, das kam aber auch so gut wie nie vor.
      "Nun gut. Dann üben wir einmal ein wenig." Der ältere Mann warf seinen Umhang zur Seite und stellte sich mit dem Schwert in Abwarteposition, sehend, was Kivessa machen würde. Bei vielen würde es arrogant wirken, so wie er da stand, aber er hatte etwas an sich, das eine tiefgehende Selbstsicherheit ausstrahlte, ohne überheblich zu sein.

      Kiv zog ihr Schwert und stellte sich ebenfalls auf. Sie kannte dieses Szenario. Einen Moment betrachtete sie ihr Gegenüber eingehend, dann attackierte sie mit einem tief angesetzten Hieb.

      Von einem Moment zum nächsten bewegte sich Meleas und parierte den Hieb mit der flachen Klinge, hob ihr Schwert nach rechts weg und tänzelte ein paar Schritte zurück. Er beobachtete Kivessa genau.
      "Gut auf die Schritte achten. Das Schwert ist ein Tänzer, es möchte von wendigen Beinen getragen werden."

      Kiv machte einen Ausfallschritt zur Seite, runzelte die Stirn und attackierte dann erneut.
      „Schwerter werden nicht von Beinen getragen.“

      "Der ganze Körper wird davon getragen. Vernachlässigt man die Basis..." Meleas machte plötzlich eine rasche Folge von Schritten, fast tänzerisch umspielend, und legte seine Klinge auf den Rücken der jüngeren Eldar.
      "...dann ist man im Nachteil." Er trat wieder zurück.
      "Wendigkeit, Tanz, gemäßigte Kraft und Technik brauchen wir im Gesamten, damit man erfolgreich den Feind besiegen kann."

      Er bewegte sich plötzlich so schnell, dass sie nicht mehr mitkam und bevor sie sich versah, war er hinter ihr und seine Klinge in ihrem Rücken. In einem echten Kampf wäre das ihr Ende gewesen. Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum.
      „Wie kann ich verhindern, dass so etwas wie gerade passiert?“

      "Immer auf der Hut sein, und Wendigkeit lernen. Am besten die Klinge immer an der anderen lassen, oder zumindest dieser folgen." Meleas lehnte sich aud den Griff, die Klinge stak im Boden.
      "Du wirst wenige außerhalb der Eldar finden, die ein Schwert so führen können wie ich. Zum einen lebe ich schon länger, zum anderen habe ich die Erfahrung. Einige der besten Eldar haben mehr theoretische Erfahrung." Im Gegensatz zu ihm, der in der Praxis verhaftet war.
      "Der Körper wird zu einer Einheit, die Füße und Beine geben die Richtung vor. Tatsächlich ist es von Vorteil, wenn man Tanzen gelernt hat."

      „Ich kann nicht tanzen“, erwiderte Kiv sachlich. Sie überlegte kurz.
      „Es geht um Körperkontrolle, nicht wahr?“

      Meleas neigte leicht den Kopf.
      "Das auch. Man braucht nicht nur Muskeln, sondern Körperkontrolle und Geschmeidigkeit. Du musst deinen Körper absolut kennen, wissen, wie man die Schritte setzt, üben. Wendig sein. Die Technik des Schwertes kommt dann hinzu."

      "Mein Onkel und meine Tante haben mich auch immer dazu angehalten bestimmte Schrittfolgen wieder und wieder zu üben."
      Kiv hatte stets etwas beruhigendes in den festen Abläufen dieser Übungen gefunden.
      "Was kann ich sonst noch tun?"

      "Sehr viel mit erfahrenen Kämpfern üben. Nicht nur an Schrittfolgen denken, sondern sie so intus haben, dass du sie einfach verwendest , ohne dass du großartig darüber nachdenken musst. Alles in einen Fluss bringen, auf eine Ebene, die nicht mehr rational ist." Meleas hob sein Schwert.
      "Dies ist die Verlängerung deines Armes, deine Waffe gehört zu dir. Mentale Stärke hast du bereits bewiesen, jetzt ist es an dir, den Kopf auszuschalten und dich leiten zu lassen von deinem Instinkt."

      Kiv blickte auf ihr Schwert hinab. Sie konnte es sich beim besten Willen nicht als Verlängerung ihres Körpers vorstellen.
      "Ich habe nie viel auf meinen Instinkt gegeben", gab sie leise zu. "Natürlich war er schon einige Male nützlich, doch im Grunde habe ich mich immer eher auf das verlassen, was ich sehen und hören konnte, nicht das, was irgendein Gefühl mir vermitteln wollte."
      Das war vermutlich auch der Grund, wieso sie keine Magie wirken konnte.

      "Sehen und Hören ist ebenso wichtig, aber man kann nicht über alles nachdenken. Ist man im Kampf, so hat man dafür auch keine Zeit." Meleas lächelte merkwürdig kühl.
      "Ich verstehe das. Mir fiel es lange selbst schwer, es wurde Gewohnheit. Wenn die Bewegungen so eintrainiert sind, dass man nicht mehr denken muss und man sich vertraut, hat man schon halb gewonnen."

      "Eine Sache der Übung", überlegte Kiv laut und blickte Meleas an.
      "Dann sollten wir jetzt weiterüben."

      "Sollten wir." Meleas stellte sich wieder in Position und sorgte dafür, dass Kivessa gut ins Schwitzen kam. Gnade oder Pausen kannte der Eldar nicht, dafür legte er eine erstaunliche Geduld an den Tag - was wohl seinem Alter und seinem Leben geschuldet war. Er wusste sehr genau wie echte Kämpfe aussahen und schonte sie nicht mit blutigen Details oder Schrammen.


      Thx Tom Bombadil