Die Chroniken von Eras - Im Bann der Zeit

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    • Die Chroniken von Eras - Im Bann der Zeit

      Zur Welt von Eras: board.de.ogame.gameforge.com/i…-der-Zeit/?postID=3683965

      Der 20. Tag des zehnten Mondes, im Jahre 720 nach der Vereinigung (n.d.V.)

      Der Wind pfiff hier oben lautstark um die Dächer der Stadt, er trug den Gestank von totem Fisch mit sich. Die Wellen brandeten gegen die Steilküste im Westen und trieben die Gischt mehrere Meter über den oberen Rand. Wie immer wurde die kleine Halbinsel vor Schimmerfels komplett überflutet und bildete kaum Schutz gegen die Sturmflut.
      Alarion hielt sich behände auf dem steinernen Schornstein fest und spähte über den Marktplatz. Das Treiben dort unten kümmerte sich kaum um den Sturm. Die Westwinde trafen hier schon immer mit voller Wucht die Küste. So wie die Bauern auf den Feldern auf den Regen warteten, so wartete Alarion auf die Sturmflut. Das ungemütliche Wetter war einer seiner größten Freunde. Stets war jemand unachtsam und wurde von heruntergefallenen Holzverkleidungen oder Ästen im nahen Wald erschlagen oder verletzt. Nicht dass er kein Mitleid mit ihnen emfpand. Aber Alarion war in der Gosse groß geworden und musste sich mit Diebstahl und Heimtücke am Leben erhalten. Betteln brachte in diesem Teil der Welt nichts – jeder war mit sich selbst genug beschäftigt und Reichtümer gab es hier nicht. Es ging immer nur ums nackte Überleben.
      An der Nordseite des Marktes sah er ihn schließlich; ein junger Bursche mit einem Weidenkorb mit ein paar Fischen und einer Wolldecke eilte um die Ecke, als die Ecke des Hauses durch den Sturm angehoben wurde und Teile des Holzdaches nach unten stürzten. Sie trafen ihn seitlich am Schädel und er brach bewusstlos zusammen.
      Mit geübter Leichtigkeit sprang Alarion von seinem Aussichtspunkt auf das Flachdach des Eingangs und von dort auf die matschigen Straßen. Im Vollsprint rannte er um die Ecke und seine gute Laune verflog so schnell wie sie gekommen war. Über dem Jungen war bereits ein anderer gebeugt, der aber ebenso wie Alarion ein anderes Ziel im Sinn hatte. Mit einem wilden Knurren warf sich Alarion mit voller Wucht gegen ihn und schleuderte ihn in den Dreck. Auf dem durchweichten Boden hatte er keinen wirklichen Halt und so flog er gleich hinterher.
      "Du dreckiger kleiner Dieb! Das gehört mir!", entgegnete sein Gegenüber als sie beide unbeholfen versuchten aufzustehen.
      "Troll dich, du Kanalratte! Hier gilt das Recht des Stärkeren." Er wollte ihm gerade einen deftigen Tritt verpassen, als er von hinten in die Knie getreten wurde. Schmerzerfüllt schrie er auf und stürzte in den Dreck. Mit dem Gesicht voller Schlamm nahm er nur zwei dunkle Schemen wahr, die über ihm standen und ihn auslachten. "Der Dächerfloh ist wieder unterwegs, Jungs, schaut ihn euch an! Große Klappe und nix dahinter." Alarion wischte sich den gröbsten Schlamm aus dem Gesicht und starrte in zwei schwarz-gelbe Zahnreihen, die ihn schief anlächelten. Borris Dickwanst. Wer sonst. Er trug diesen lächerlichen Namen sogar mit Stolz, weil er dafür berüchtigt war, andere Diebe hinterrücks zu überfallen und ihnen ihre Beute abzunehmen.
      Alarion spuckte ihm vor die Füße und wollte sich sofort auf ihn stürzen, doch Borris schubste ihn einfach wieder in den Dreck und verpasste ihm einen bösen Tritt in den Bauch. Mit zusammengezogenen Beinen wandt er sich schmerzerfüllt auf der Straße und verfluchte diesen fetten Raffzahn. "Wenn ich dich nochmal hier auf meiner Seite der Stadt sehe, dann stech ich dich ab.", mit diesem Worten nahm sich Borris den Weidenkorb und stieg über den immer noch am Boden liegenden Jungen hinweg.
      Mit den Händen auf dem Bauch schlurfte Alarion die Straßen in Richtung seines Versteckes und warf einen letzten wütenden Blick Richtung Markt. Wieder ein Tag ohne Essen. Wieder eine unruhige Nacht...

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    • Alarion bewegte sich zielgerichtet an den Rand des Klippenvorsprungs, der über das Meer hinaus ragte. Der Sturm peitschte unbarmherzig und entwurzelte bereits die ersten Bäume oben auf dem Steilhang. Oben angekommen ließ er seinen Blick über die raue See schweifen und erkannte weit draußen dunkle Schatten zwischen den hohen Wellen. Es mussten dutzende sein. Mit zusammengekniffenen Augen erkannte er schwarz-rote Segel und hier und da ragte ein Schiffsrumpf bereits unnatürlich schräg aus dem Wasser.
      Jemand näherte sich ihm von hinten, doch Alarion drehte sich nicht um. Die Stimme kam ihm zugleich vertraut und doch unbekannt vor.
      „Eras ist mit uns, mein König. Seht, wie sich das Meer aufbäumt und sie verschlingt! Der Kampf ist beendet bevor er begonnen hat. Was für ein Sieg!“



      --- König? König der Diebe vielleicht und selbst das wäre ziemlich anmaßend gewesen. Er wollte dem Mann etwas entgegnen, doch als er ruckartig herumwirbelte und zu sprechen began, war es nicht seine Stimme die ertönte, nicht mal seine Worte und so langsam dämmerte es Alarion, dass hier etwas nicht stimmte. ---


      „Ein Sieg? Ein SIEG?! Der Krieg hat noch nicht einmal richtig begonnen und ihr ergötzt euch bereits am Leiden der anderen, obwohl wir bisher nicht ein einziges Schwert gegen sie erhoben haben!“
      Der magere, in einen schwarzen Mantel gehüllte Mann erschien ihm seltsam bleich, seine Konturen waren stark verschwommen. Der Mann wich vor ihm zurück, als er mit schnellen Schritten auf ihn zuging und schließlich kurz vor ihm zum stehen kam. „Ich seh es in euren Augen. Die nackte Angst vor der drohenden Schlacht! Hinterrücks könntet ihr wahrscheinlich eure eigenen Kinder ermorden aber von Angesicht zu Angesicht dem Feind gegenübertreten, dazu fehlt euch der Mut! Doch seid euch gewiss, ihr werdet eure Chance bekommen. Dieser Sturm wird sie nicht aufhalten.“
      Dann wandte er sich ab und ging den Pfad zurück, wo bereits mehrere Männer in schillernden Rüstungen auf ihn warteten. Auch sie waren unscharf und wirkten eher wie geisterhafte Schemen. Mit dem Rücken zum Mann rief er noch: „Ihr steht heute in der ersten Reihe, mein Freund!“.
      Bei den Männern angekommen, nickte er ihnen zu und setzte sich seinen eigenen Helm auf. „Sie sind hier. Macht euch bereit, Männer, das ist die Stunde der Wahrheit! Prägt euch die Farbe der See gut ein, denn heute färbt sich das Meer blutrot! Heja!!“
      Die Menge jubelte und schlug die Schwerter auf die Schilde, ein tosender Sturm von Stimmen und Metall auf Holz der immer lauter wurde….

      Mit einem Ruck schreckte Alarion hoch und saß kerzengerade in seinen dreckigen Lumpen, die ihm als Bett dienen sollten. Er sah sich kurz hektisch um, bis er begriff, dass er zu Hause in seinem Versteck hockte. Sein Kopf schmerzte und er fuhr sich mit beiden Händen über die Stirn und durch seine zotteligen Haare. Ein Traum.. es war nur ein Traum. Ein seltsamer allerdings. Normalerweise wusste er selten, was er geträumt hatte oder er hatte Schwierigkeiten sich zu erinnern aber dieses mal… er hatte die Szene immer noch klar im Kopf, jedes einzelne Bild. Er bildete sich sogar ein, immer noch den Salzgeruch des Meeres in der Nase zu haben. Und diese Stimme… es war auf jedenfalls nicht die Seine. Irgendetwas stimmte hier nicht, dessen war er sich sicher.
      Er stieg unbeholfen aus seinen Lumpen und sah durch das löchrige Dach hinaus. Der Sturm hatte sich gelegt, ein leichter Dunst hing zwischen den Dächern und hinter dem Wald verhüllte dichter Nebel die Umrisse der Düsterklippen. Von draußen drangen bereits laute Stimmen zu ihm vor. Die Stadt war erwacht und begutachtete die Sturmschäden.
      Alarion dachte kurz nach und kletterte dann eilig aus einem versteckten Dachboden und lief auf die Straße.
      Ich muss zu Brimgarn Achtfinger. Vielleicht weiß der alte Mann etwas oder hatte schon einmal von diesen Träumen gehört.
      Sein Magen knurrte wütend und Alarion hielt inne.
      Naja, erstmal Essen besorgen und DANN zu Achtfinger!


      _________________

      OOC: Ich wollte an dieser Stelle nur noch einmal erwähnen, dass ich das RPG als eine Art Buch schreiben möchte, in denen ich nicht alle Charaktere selber steuere. Mehrfachposts können bei mir also durchaus öfters vorkommen, weil ich euch immer lieber so oft wie möglich Stücke zum lesen geben möchte, als nur einmal die Woche einen großen Teil :) Da müssen wir aber schauen, wie es im RPG nachher läuft.
    • 4 Ära, der 180. Winter zwergischer Zeitrechnung
      Grindol presste sein Ohr an das Gestein und horchte tief in den Fels, seine Hände klebten förmlich an der Wand und fühlten die leisesten Schwingungen, ja sogar seine Nase sagte ihm wo es besonders ergiebige Fundstellen gab. Mit seinen untrüglichen Sinnen erfasste er die verborgenen Fundstellen der Edelsteine. Sein sprichwörtliches Steingespür wurde unterstützt durch eine Rune.
      Feha – die Rune der Erfüllung.
      Sie steht für Wohlstand und Reichtum, aber auch Macht, Gewalt und Chaos. Sie stellt die Hörner eines Rindes dar, das ursprüngliche Symbol für materiellen Reichtum und der Fruchtbarkeit. Sie funktionierte aber nur bei zunehmenden Mond und auch dann nicht immer, meistens zeigte sie jedoch durch ein schwaches Leuchten passende Fundorte an.
      Je nach Art des Steines mussten auch magische Worte gesprochen werden, wobei Grindol bei weitem nicht die Fähigkeiten eines Runenpriesters hatte.




      Zeige was verborgen ist
      dringe in das Dunkel
      such den Schatz der innewohnt
      und leuchtet als Karfunkel



      Grindol liebte es alleine in verlassenen Gängen nach Gemmen zu suchen. Natürlich war dies nicht ungefährlich, die Gefahr ging jedoch mehr von möglichen Einstürzen und Verschüttungen aus als von den Orks. Diese hatten sie bei ihrer Ankunft vor fünfzig Jahren in Durk-nok-zamir erfolgreich ausgemerzt. An diesem Tag war er aber besonders tief in das unterirdische Reich eingedrungen und war zu müde für die Heimkehr. So richtete er sich seinen Rastplatz ein und fiel alsbald in einen unruhigen Schlaf…

      Etwas zerrte an ihm… zog ihn in seinen Bann. Er konnte es nicht deutlich wahrnehmen… nur schemenhaft tauchte es vor ihm auf. Plötzlich befand er sich mitten in einer Schlacht, um ihn herumtobte ein Kampf und gellende Schreie drangen an sein Ohr. Er selbst schwang seine Zwillingsaxt beidhändig und das Blut troff nur so von den Schneideblättern. Sein kupferroter Bart nahm zusehends die tiefrote Farbe des umherspritzenden Lebenssaftes an. Schwärze… Stille… Grindol befand sich an einem dunklen Ort der tiefe Ruhe ausstrahlte, langsam erkannte er mehrere Gestalten die im Kreis um etwas herumstanden. Es waren Zwerge in deren Mitte sich eine aufgebahrte Person befand, man hatte ihr eine große Zwillingsaxt auf das silberne Kettenhemd gelegt. Es handelte sich offenbar um die Totenwache vor der eigentlichen Beerdigung. Beim näherkommen erkannte Grindol auch wer dort auf der Bahre lag – er selbst! Geschrei, Getümmel… wieder befand er sich in einer Schlacht, schemenhaft tauchten Gesichter vor ihm auf – Elfen, Menschen, Orks. Dann wieder Stille… Dunkelheit… das Gefühl beobachtet zu werden. Irgendetwas zerrte an ihm, nahm ihn die Luft zum atmen so dass er anfing zu schreien…

      Der Zwerg schreckte aus dem Schlaf empor durch den eigenen Schrei geweckt. Auch wenn er über eine leidliche Nachtsicht verfügte holte er doch lieber die Schwerspatlampe hervor. Aufgeladen mit Tageslicht strömte sie ein gelblich-orangenes Licht aus. Grindol meinte Schatten am Ende des Ganges erkennen zu können, täuschten ihn seine Augen oder war da etwas?

      4. Ära, der 220 Winter
      Der Herbst war schon fortgeschritten. Grindol war auf seiner Wanderschaft in den Schattenbergen.
      Der Weg war mühsam und beschwerlich, ungeübte Augen konnten die von Zwergen kunstvoll angelegten Wege kaum erkennen. Auch jetzt im Herbst konnten schon erste Schneeverwehungen den Weg gefährlich und unüberwindbar machen. Missmutig stapfte Grindol den Pfad entlang, er hatte kein Bedürfnis seine Heimat zu verlassen, doch folgte er schließlich dem Rat seines Runenpriesters der auch zugleich der Heiler in seinen Stamm war. Die Träume suchten ihn selten aber regelmäßig heim, die Abfolge ähnelte sich immer: geisterhafte Schemen von ihm unbekannten Personen, die Schlacht und seine aufgebahrte Leiche, das unbekannte Etwas…
      Der Priester konnte ihn auch mit seinen Runen nicht davon befreien. Auf eine seiner Wanderungen hörte er jedoch von einer anderen Person die auch von seltsamen Träumen heimgesucht wurde, sie zog es zu einem ein Ort namens Nirha – dort sollte es angeblich Hilfe geben. „Ein Gerücht,“ dachte Grindol,“ich laufe in die Fremde wegen einem Gerücht!“ Auch wenn ihm diese Tatsache ärgerte so war ihm die Unvermeidlichkeit bewusst. Die verstärkte Intensivität der Träume ließ ihn letztendlich keine Wahl. Begleitung hatte er strikt abgelehnt.“Das ist mein Weg, mein Schicksal das es zu klären gilt,“ wies er jede Hilfe von sich. So befand er sich auf den Weg nach Oraz-ak-Kazuum, da von dort ein Handelsweg zu den Menschenlanden führte. Zumindest konnte er in der großen Ringstadt, dem Mittelpunkt des Zwergenreiches, alte Bekannte besuchen.
    • Adrian
      Die Wälder leuchteten jetzt in verschiedenen Farben und stiegen sanft den Hügel an. Nachdem Adrian sie verlassen hatte folgte er beinahe beschwingt den verschlungenen Bergpfaden. Endlich hatte er ein Ziel vor Augen, wenn es auch sehr vage und unbestimmt war. Fort von hier, fort von dem Ort der ihn beinahe täglich an die Tragödie erinnerte. Seine Eltern waren in einer Feuersbrunst, die das heimische Haus zerstörte, ums Leben gekommen. Ein idyllisches Häuschen hatten seine Eltern gehabt. Ein bisschen Grund und Boden sowie Hühner und eine alte Ziege, die aber brav ihre Milch abgab. Seine Mutter verstand es dem kargen Stück Land genügend Gemüse für die Selbstversorgung abzugewinnen. Es gab jedoch einen Streitpunkt mit dem Nachbarn, der einen zwielichtigen Eindruck machte. Adrian nannte ihn nur die fette Wanze. Ein ein alter Obstbaum Stand auf der Grundstücksgrenze der die süßesten Birnen weit und breit hatte, manch einer munkelt er stamme aus dem Eldarreich Loreén. Der dicke Nachbar beanspruchte die Früchte für sich und Adrians Eltern kamen ihm entgegen und überließen ihm den größten Teil der Ernte, doch einen Teil beanspruchten sie für sich. Man munkelt noch heute gerüchteweise, dass der verärgerte Nachbar das Haus in Brand gesetzt hätte. Der Brand, acht Jahre war Adrian damals alt gewesen, in seiner Erinnerung so präsent als wäre er gestern passiert. Sein Vater rannte in das Haus um ihn aus dem Feuer zu holen und warf ihn auf den Boden, danach machte er auf dem Absatz kehrt um seine Mutter aus den Flammen zu retten. Doch die Balken brachen zusammen und weder Vater noch Mutter konnten dem Flammenmeer entkommen. Das schreiende Kind wurde von dem herbeieilenden Onkel zurückgehalten der ihn dann später auch in die Obhut nahm. Dieser Onkel hieß Gernot und war von Beruf Seiler. Eine Tätigkeit die Adrian anfänglich faszinierte aber mit der Zeit immer gleichtöniger wurde. Eher lustlos arbeitete er sein Soll ab und verdingte sich lieber in einsamen Wanderungen in der Natur.

      Adrian… Adriiiiiaaaaan,“ eine helle, glockenreine Stimme rief ihn wieder und wieder. Da tauchte das Gesicht seiner Mutter auf und lächelte ihn liebevoll und gutmütig an. Wenig später gesellte sich sein Vater hinzu und beim Blick seiner dunklen Augen wurde es Adrian warm ums Herz. Doch dann begannen die Konturen zu verschwimmen… die Gesichtszüge lösten sich auf und transformierten zu gräßlichen Fratzen. Fratzen von denen sich allmählich die Haut löste und die deutlich sichtbar der Verwesung anheim fielen. „Adrian, ADRIAN!“ Die Stimme klang jetzt dumpf und tiefer, eher nach einer Herausforderung anstatt des liebreizenden Klanges den seine Mutter erzeugt hatte. Die Fetzen lösten sich weiterhin auf und schließlich starrte ihn nur noch ein Skelett an . „Adrian… Adrian,“ schrillte es nun hoch und unangenehm in seinen Ohren. Schlagartig wechselten nun die Gesichter, mal deutlich mal verschwommen. Tote, Untote, unbekannte Menschen und andere Wesen zogen im raschen Wechsel vorüber. Jeder schrie oder sagte etwas in einem heillosen Durcheinander. Auch seine Eltern tauchten wieder auf und riefen ihn bevor sie wieder verblassten. Plötzlich packte ihn jemand an den Schultern und schüttelte ihn grob. Hat Adrian schon vorher vor Entsetzen stöhnen müssen so schrie er jetzt angstvoll auf…

      Adrian, Adrian,“ die beruhigende und feste Stimme seines Onkels holte ihn wieder in die Realität zurück. Seine Hände hatten Adrian an den Schultern gepackt um ihn wachzurütteln. „Es ist nur ein Traum,“ sagte er. Doch es blieb nicht nur ein Traum… die Träume oder besser Alpträume wurden zu einem ständigen Begleiter in Adrians Leben. Es gab gute Träume in denen seine Eltern „obsiegten“ und böse bei denen er das Gefühl hatte hunderte von Händen streckten sich nach ihm aus. „Ich kann dir nicht helfen,“ sagte sein Onkel Gernot eines Tages zu ihm,“niemand hier kann dir helfen. Doch in Nirha soll es Heiler geben dir dir helfen können, zumindest behauptet das der fahrende Händler im Ort.“

      Mit ein wenig Kleingeld und Reiseproviant versehen machte sich Adrian also auf den Weg nach Nirha. Dabei mied er die breite Handelstraße und somit andere Menschen, auch wenn er so mehr Zeit brauchte. Die Pfade in Oktans Klauen waren zwar beschwerlich und teilweise halsbrecherisch, doch drohte hier keine so große Gefahr von Dieben und Räubern wie in Rhega. Tief einatmend zog Adrian die klare Bergluft ein, er hatte das erste Mal in seinem Leben ein Ziel vor Augen.

      The post was edited 1 time, last by Don Quichotte ().

    • „Komm schon, Eradîl, nur dieses eine mal! Es ist Osiras Geburtsfest, mein letztes ist schon Ewigkeiten her! Ich will doch nur ein bisschen Spaß haben!“
      Lianas flehender Blick hätte das Herz jedes anderen Eldar zum schmelzen bringen können, kaum jemand konnte ihr etwas abschlagen. Eradîl ließ es sicher nicht kalt, doch waren seine Hintergründe anderer Natur.
      Seit Lianas Geburt war es seine Pflicht – ja seine Lebensaufgabe - ihr Leben zu schützen und sie vor Unheil zu bewahren. Diesen Schwur leistete er einst ihrer Mutter und wenn die Königin etwas veranlasste, dann konnte sich selbst ihre Tochter nicht dagegen auflehnen.
      „Tut mir Leid, Liebes, aber du weißt genau was deine Mutter gesagt hat. Ich werde dir Tag und Nacht nicht von der Seite weichen und das zählt auch für den heutigen Abend.“
      Liana sprang entrüstet auf, warf die Arme in die Luft und begann damit, im Zimmer auf und ab zu laufen. Sie trug ein tiefgrünes ärmelloses Unterhemd mit weißen Verzierungen und eine dazu passende kurze Hose. Darüber hatte sie ein durchsichtiges Überkleid, dessen Ärmel aufgeschnitten waren und wie Schleifer hinter ihren Armen flatterten. Weiter unten verlief es links und rechts zu je einem langgezogenen Dreieck zusammen.
      Sie hatte sich extra ihre Lieblingskleider heraus gesucht, so sehr hatte sie sich auf das Fest heute gefreut - und theoretisch konnte sie ja immer noch hingehen. Aber mit Eradîl im Schlepptau hatte das ganze immer so einen faden Beigeschmack. Sie mochte den in die Jahre gekommenen Eldar mit seinen langen silbernen Haaren, er war ihr in all den Jahren immer ein guter Freund gewesen, auch wenn er eigentlich als ihr Bewacher abgestellt war. Doch sie brauchte dringend mal etwas Freiraum.
      Nein, das stimmte so nicht ganz. Sie brauchte Freiheit. Die Möglichkeit, sich endlich von ihren Fesseln zu lösen und etwas von dieser Welt zu sehen!
      Doch selbst wenn nicht, dann wollte sie wenigstens mal einen Abend für sich alleine haben.
      „Wir sind hier in Elyria, was soll schon passieren? Das kann doch echt nicht wahr sein! Seit 2 Jahren bin ich volljährig, wie kann sich Mutter immer noch so aufführen, als ob ich ein kleines Kind wäre?!“
      Eradîl musterte sie belustigt, denn genau in diesem Moment wirkte sie sehr wohl wie ein kleines Kind, dass seinen Willen nicht bekommt.
      „Du kennst sie besser als ich, du solltest doch wissen, das es ihr nie darum ging, dir etwas zu verwehren. Sie sorgt sich um dich.“
      Lianas schnaubte genervt und ging hinaus auf den kleinen, aus weißem Holz geschnitzten, Balkon und sah hinunter auf die Lichtung, wo das Fest bereits begonnen hatte.
      Aus dem Augenwinkeln sah sie eine Bewegung und hätte beinahe laut aufgeschrien, hätte sie sich nicht ihre Hände vor den Mund geschlagen. Dort auf dem nächsten Ast saß Malra, ihre beste Freundin und sah sie verschmitzt an. Ganz vorsichtig, ohne Elradîls Aufmerksamkeit zu wecken, beugte sie sich zu Malra hinüber und flüsterte „Verdammt, was machst du denn hier?!“
      „Wie ich sehe hast du dich rausgeputzt, sehr schön! Na los, wir sind eh schon spät dran!“
      Mit einem kaum merkbaren Nicken zu Eradîl wies Liana ihre Freundin auf das eigentlich offensichtliche hin. „Ich kann hier nicht weg! Du weißt wie Mutter ist, am Ende schicken sie ihn noch zu den Silbertürmen. Das kann ich ihm nicht antun.“
      Malra strich ihre kurzen braunen Haare zur Seite und legte den Kopf etwas schief. Dabei hatte sie dieses für sie so typische breite Grinsen auf dem Gesicht, bei dem Lianas Selbstzweifel wie so oft durchbrochen wurden. „Du willst dir nur ein schlechtes Gewissen einreden! Du weißt genauso gut wie ich, dass Eradîl nicht verhaftet wird. Wofür auch, dafür dass du auf dem Fest warst? Oh ja, Tanzen ist ja so lebensbedrohlich.“
      Was solls. Sie konnte nicht ihr ganzes Leben lang im Schutz des Lebensbaumes verschwenden.
      Malra sah ihr ihre Entscheidung sofort an und ihr Grinsen wurde noch breiter. Sie reichte ihr die Hand und in Windeseile kletterten sie die großen Äste hinab und dann in die Richtung, aus der die vielen Stimmen und zauberhaften Lieder erklangen.

      Wie jedes mal, wenn das Volk der Eldar ein Neugeborenes in ihren Reihen begrüßen konnte, wurde ein großer Festtag im ganzen Reicht abgehalten und die Eltern mit ihrem Kind in die Hauptstadt Elyria eingeladen.
      Liana und Malra erreichten die Lichtung und bewunderten den zauberhaften Anblick. Überall schwebten magische Lichter und erhellten die dunkle Nacht in einem angenehmen blau-weißem Ton. Überall hingen Fahnen und farbige Bänder zwischen den Ästen der Bäume. In der Mitte gab es eine kreisrunde große Fläche, auf der bereits viele Eldar waren und im Takt der Musik tanzten. Drum herum waren viele Tische aufgebaut und ein jeder konnte sich von der langen Tafel am Ende des Platzes bedienen auf der die erlesensten Früchte des Waldes ausgestellt waren.
      Die beiden Eldarin sahen sich strahlend an und liefen dann lachend auf den großen Platz.
      Liana wollte keine Zeit verlieren und ihre Zeit so gut es ging auskosten. Sie ließ sich von der Menge treiben und schloss ihre Augen, lauschte den wohlklingenden Tönen der Musik, die einem das Herz aufgehen ließ. Ihre Gedanken zerstreuten sich, ihre Umgebung begann zu verschwimmen und nach und nach war sie in einer anderen Welt…

      Ein paar vereinzelte Mondstrahlen durchbrachen die dichten Baumkronen, doch am Boden herrschte tiefe Nacht.
      Sie bewegte sich vorsichtig, beinahe als wolle sie eine Beute erlegen. Die Dunkelheit machte ihr nichts aus, sie war ihr Verbündeter. Der Wind strich sanft durch ihr graues Fell und der Wald flüsterte leise vor sich hin.
      Eine Pfote vor die andere, jetzt nur keinen Mucks, sonst bemerkt er dich. Eigentlich ein Selbstmordkommando, doch ihre Neugier war geweckt.
      Durch das Dickicht bewegte sich ein riesiger Schatten, der vereinzelt Äste von den Bäumen riss und sich nicht um das lauten Knacken kümmerte. Dafür hörte man unentwegt seinen rasselnden schweren Atem. Seine riesigen Flügel hatte er angewinkelt und schützten vor allem seine linke Flanke, an der eine riesige Wunde klaffte. Solch ein majestätisches Geschöpf am Boden und schwer verletzt zu sehen, regte etwas in ihr.
      Es dauerte mehrere Augenblicke bis der Schatten direkt vor ihr vorbeizog und sich in Richtung der Lichtung bewegte.
      Sie folgte ihm so leise sie konnte, doch als vor ihr kein Baum mehr war und sie die Lichtung erreichte, so war die Kreatur verschwunden. Dort an der einsamen Eiche saß nur ein junger Mann, der seine Hände auf eine Wunde presste. Sie roch das Blut und spürte die Angst, die ihn zu übermannen drohte. Die Angst, seine letzten Atemzüge zu machen und in die ewigen Jagdgründe einzufahren.
      Langsam näherte sie sich ihm, allzeit bereit ihre Fänge in seinen Hals zu schlagen und sein Herz zum Stillstand zu bringen. Er bemerkte etwas und sah sich angespannt um. Doch als er sie schließlich in der Dunkelheit wahrnahm, entspannten sich seine Züge und er lächelte gequält.
      „Das ich dich nochmal zu Gesicht bekomme...hallo Grau-Schatten!“…….

      „….ob es ihr gut geht? Sie ist ganz kühl“ -“Nimm die Pfoten von ihr, du Schleimbeutel!!“ Malras Stimme hallte über den ganzen Platz und wer auch immer ihr dort so gefährlich nahe gekommen war, sprang mit einem Satz hoch, als hätte sie Feuer gefangen. Schon nahm Malra die Stelle ein und legte ihre Hände auf ihre Wangen. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass Liana wieder bei Bewusstsein war, drängte sie sie zum aufstehen. „Komm schon, alle starren schon auf dich! Was war da eigentlich los mit dir? Herrje, wenn deine Mutter das rausfindet…“.
      Eilig entfernten sie sich vom Fest. Sie redete ohne Unterlass aber das war das beste der gesamten Situation, so konnte sich Liana auf Malras Worte konzentrieren und musste sich nicht darüber den Kopf zerbrechen, was die anderen Eldar wohl dachten, die ihr immer noch besorgt hinterher schauten. Etwas abseits setzte sie sich an einen Baum und stützte den Kopf in die Hände.
      Malra hatte aufgehört zu reden und warf ihr einen sorgenvollen Blick zu, während sie sich vor sie in das Gras kniete. „Lia komm schon, rede mit mir.“
      So hatte sie Malra schon länger nicht mehr genannt. Eigentlich tat sie es nur noch, wenn Liana auf stur schaltete und eigentlich keine Lust auf Diskussionen hatte.
      Liana sah zu ihr rauf und mit panischem Blick sagte sie zu Malra: „Ich glaube, irgendwas stimmt mit mir nicht!“
    • Es war eine fröhliche kleine Gruppe, die da durch den Wald zog. Natürlich, schließlich gab es auch etwas zu feiern, trotzdem wäre es Kiv lieber, sie würden etwas ruhiger sein. Das hier war nicht wirklich ein gefährlicher Teil des Waldes – immerhin waren sie schon recht nah an der Hauptstadt – doch im Wald von Loreen konnte man sich nie sicher sein, was zwischen den Bäumen abseits der Pfade lauerte.
      Sie ließ ihren Blick über die Gruppe schweifen. Alles ihr wohl bekannte Gesichter, Eldar und Eldarin aus ihrer eigenen Siedlung, die zum Geburtsfest in die Hauptstadt aufbrachen. Es war sogar ein Kind dabei, ein kleiner Junge, dessen eigenes Geburtsfest erst sieben Jahre zurücklag. Sie hatte bemerkt, wie er sie anfangs mit großen Augen angestarrt hatte und auch jetzt noch ab und an Blicke in ihre Richtung warf. Es war ihr unangenehm, ohne dass sie wirklich erklären konnte wieso. Vermutlich hatte er schon allerlei Geschichten gehört.
      Sie merkte auf. War da etwas im Wald? Sie meinte, eine Bewegung zu sehen, Rascheln im Unterholz zu hören. Ihre Hand wanderte an den Griff ihres Schwertes und sie blieb stehen. Das Rascheln wurde lauter. Kiv trat einen Schritt darauf zu, bereit der Gruppe Befehle zu erteilen, da sprang ein Fuchs aus einem nahen Gebüsch und eilte rasch davon. Beruhigt ließ sie die Hand sinken.
      „Ist alles in Ordnung?“ Ihr Bruder, Tan, war zur ihr getreten. Kiv nickte leicht.
      „Nur ein Fuchs.“
      „Es muss ein großer Fuchs gewesen sein, wenn du darauf reagiert hast“, bemerkte Tan erheitert. Kiv schüttelte den Kopf.
      „Nein, ein ganz normaler. Doch es ist nicht ratsam sich nur auf seine Instinkte zu verlassen. Vor allem hier.“
      „Ich weiß, Schwester“, sagte Tan und sah sie dabei schon wieder mit diesem Blick an, der ihr verriet, dass sie etwas falsch verstanden hatte. „Ich wollte nur einen Scherz machen.“
      „Oh.“ Kiv wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte und setzte sich daher wieder in Bewegung, um zum Rest der Gruppe aufzuschließen.
      „Und ich finde, dass du deinem Instinkt ruhig mehr zutrauen kannst“, fuhr Tan nun fort, während er neben ihr lief.
      „Diese Unterhaltung hatten wir schon einmal, Bruder“, antwortete Kiv. „Gefühle und Ahnungen können täuschen, sie können manipuliert werden. Mein Instinkt ist praktisch, doch deswegen werde ich nicht ignorieren, was ich sehen und hören kann.“
      Tans seufzte. „Das verlange ich auch gar nicht, Kiv.“
      Auch wenn sie ihn nicht ansah, konnte sie spüren, dass er sie von der Seite musterte.
      „Was?“, fragte sie schließlich, leicht gereizt.
      „Was ist mit diesem Traum, von dem du mir erzählt hast?“
      Innerlicht verfluchte sie sich dafür, dass sie ihm davon erzählt hatte.
      „Was soll damit sein?“
      „Hattest du ihn erneut?“
      Kiv ließ sich Zeit mit ihrer Antwort. „Ein oder zweimal“, gab sie schließlich zu. „Es ist nur ein Traum, Tan.“
      „Immer der gleiche Traum, seit Wochen“, merkte ihr Bruder an.
      „Ein Traum ist ein Traum“, erwiderte sie. „Ob man ihn einmal oder zehnmal träumt, ist egal.“
      Tan erwiderte nichts mehr darauf, doch Kiv war sich ziemlich sicher, dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen worden war. In der Ferne vor ihnen tauchten allmählich die Lichter der Hauptstadt auf. Kiv spürte, wie etwas Anspannung von ihr abfiel. Nun konnte ihnen nicht mehr viel passieren. Die Geschwister schlossen zur Gruppe auf und machten sich daran das letzte Stück des Weges zurückzulegen.

      Das Fest war einfach nur herrlich. Die Musik, die ausgelassene Stimmung, die Tänze. Tan wusste nicht, was er lieber tat: Mitten im Getümmel dabei zu sein, oder am Rande zu stehen und zu beobachten, wie glücklich alle waren.
      Seine Eltern hatten ihm und Kiv oft von ihrem eigenen Geburtsfest erzählt. Zwillinge waren für Eldar eine Rarität, sodass ihre Geburt besonders überschwänglich gefeiert worden war. Tan hatte diese Geschichte als Kind geliebt. Erst viele Jahre später, als er schon beinahe volljährig war, hatte seine Tante ihm anvertraut, dass weder sein Vater noch seine Mutter das Fest wirklich genießen konnten, aus Angst um die kleine Kivessa, die so schwach und zart zur Welt gekommen war.
      Eben jenes schwache zarte Kind stand nun – alles andere als schwach und zart – an einem der mit Essen beladenen Tische und sah aus, als würde sie lieber noch eine Tour durch den Wald machen, anstatt hier zu sein. Mit einem Lächeln und einem kleinen Stich im Herzen bahnte Tan sich einen Weg zu ihr.
      „Du weißt schon, dass dies ein freudiger Anlass sein soll?“
      „Natürlich“, erwiderte Kiv schlicht. „Die Geburt eines Kindes ist immer ein freudiger Anlass.“
      Tan nickte zur Tanzfläche. „Möchtest du tanzen?“
      „Nein“, antwortete Kiv auf ihre gewohnt ehrlich Art. Sie biss sich auf die Unterlippe und fügte hinzu:
      „Aber wenn du tanzen möchtest…“
      „Du musst nicht tanzen, wenn du nicht willst“, versicherte Tan ihr rasch. „Komm, lass uns woanders hingehen.“
      Kiv schien erleichtert, aber auch etwas unsicher. „Du würdest lieber hierbleiben, oder?“
      Bevor Tan antworten konnte, erweckte ein Aufruhr auf dem Platz ihre Aufmerksamkeit. Anscheinend war jemand ohnmächtig geworden. Eine kleine Traube Eldar und Eldarin hatte sich gebildet und nun wurden Stimmen laut.
      „Was ist da los?“, fragte Tan und machte sich im gleichen Moment auf den Weg, um sich die Sache näher anzusehen. Kiv setzte sich neben ihm ebenfalls in Bewegung, doch bevor die Zwillinge an ihrem Ziel angekommen waren, hatte sich die kleine Menge bereits aufgelöst. Wer auch immer dort zusammengebrochen war, war nun verschwunden.
      „Hoffentlich ist alles in Ordnung“, murmelte Tan leise, bevor er sich an seine Schwester wandte.
      „Hast du etwas gespürt?“
      Kiv schüttelte den Kopf. „Gar nichts.“
      Sie wirkte immer noch äußerst unwohl, vor allem jetzt, mitten zwischen so vielen Leuten, also bedeutete Tan ihr, ihm zu folgen und gemeinsam bahnten sie sich einen Weg aus der Menge und weg vom Fest.
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
      Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
      Are you running out of time?!



      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • Die Ruhe des Waldes umhüllte Meleas wie eine Decke. Natürlich ließ sich der Eldar nicht täuschen, er wusste, dass grundsätzlich Gefahren lauern konnten. Aber es schreckte ihn nicht, ganz im Gegenteil. Im Schatten. oben auf einem dicken Ast über den Wegen war er in seinen Sachen beinahe unsichtbar. Im Schneidersatz saß er dort, den Rücken an den Stamm eines Baumes gelehnt, der noch älter war als er selbst. Seit einigen Tagen war er bereits zurück in seiner Heimat, irritiert von Träumen, die keinen Sinn ergaben. Träume von Orks, von Menschen - niederen Wesen. So diffus, dass er zwar wusste, dass es geschehen war, aber keinerlei Sinn darin fand. Es war nur deswegen so merkwürdig, weil er es nicht gewohnt war, viel zu träumen, oder sich nie erinnerte. Vielleicht war es nun doch das letzte Anzeichen fortschreitenden Wahnsinns, den man ihm mehrfach attestiert hatte. Das Anderssein war für die meisten schwer erklärbar, ihn störte es überhaupt nicht. Eigentlich feierten die Eldar das Leben, er brachte den Tod, wenn es notwendig war. Bevor er weitergrübeln konnte, hörte er allerdings etwas. Stimmen. Sofort stand er in einer fließenden Bewegung auf, glitt über die Bäume und dann hinunter in die Büsche. Seine eisblauen Augen beobachteten die Gruppe. Sofort erkannte er die meisten, insbesondere die für ihn junge Waldführerin. Zwillinge waren selten, und auch wenn er selten mit jemandem interagierte, so war er im Bilde über die beiden. Einen Moment lang dachte er, sie hätte ihn bemerkt, aber es war ein Fuchs, der an ihm vorbei lief. Sinnend sah er ihnen nach, ohne dass sie es ahnen konnten. Das Fest... Eine Gelegenheit, sich zumindest kurz unauffällig dem Volk zu nähern. Meleas hatte es fast vergessen gehabt.

      Elyria war schön wie immer, zumindest hatte man ihm das immer gesagt. Der Firlefanz beeindruckte ihn nicht. Zumindest nahm der Eldar seine Kapuze ab und wusch sich an einer kleinen Quele Gesicht und Hände, bevor er stumm und unauffällig an den Tisch mit dem Essen trat. Großzügig war sein Volk, er genoss die Früchte, denn oft hatte er weitaus kargere Mahlzeiten und nahm dann das was er konnte. Sein Blick wanderte umher, über die Gesichter, viele, die er kannte. Nur wussten diese nicht, dass er wusste, wer sie waren. Naomi, eine junge Eldarin, die mit ihren gerade 30 Jahren derzeit viele Köpfe verdrehte. Der alte Lif, der viele Geschichten über das Volk zu erzählen wusste und die jungen unterrichtete. Und - nun, das war eine Überraschung. Liana war hier, ohne Begleitschutz. Nicht, dass sie wirklich wissen konnte, wer er war, auch wenn sie ihn vielleicht schon mit dem König gesehen hatte. Dann allerdings war er alarmiert. Was... Die junge Eldarin war zu Boden gesunken. Doch deren Freundin war bereits zur Stelle, und Liana bald bei Bewusstsein. Merkwürdig. Nachdenklich knabberte Meleas an einer Frucht herum. Schließlich ging er gemessenen Schrittes an den Rand der Veranstaltung, weiter beobachtend. Sein kühler Blick glitt wieder über die Zwillinge, die sich anscheinend aufmachten zu gehen.


      _____________________________________________________


      "Jonas! Das Bier ist gleich alle, beweg deinen faulen Arsch und hol zwei Fässer rauf!" Die laute Stimme der Frau hallte durch den Schankraum, der gut gefüllt war, wie meistens um diese abendliche Stunde. Eleonoras jüngerer Bruder verdrehte die Augen, machte sich aber gleich an die Abend. Der junge Mann wurde von einigen Augenpaaren der weiblichen Sorte verfolgt, denn noch immer war der kräftige junge Mann ohne Frau geblieben. Ein Wunder eigentlich, doch niemand wusste wieso. Seine Schwester sah nun zu, das eine große Tischrunde jetzt schon mit dem besten Wein -also knapp über der Essiggrenze- versorgt wurden, lachte über deren tiefe Witze, eilte dann direkt weiter, da der Koch ihr zu langsam war. Allerdings hatte sie dann Besseres zu tun, als sie sah, dass ein betrunkener Kerl eine ihrer beiden Schankmaiden auf den Schoß zu ziehen versuchte. Ein ihr nicht bekannter Händler, ohne Anstand offensichtlich. Die anderen Gäste, vor allem diejenigen, die oft hier waren, verstummten und warfen sich vielsagende Blicke zu, als die Herrin des Hauses zielstrebig zu den beiden stapfte, die junge Frau befreite und den Mann ziemlich grob an den Haaren packte.
      "Ey du verrücktes Weibsbild!" Er versuchte nach ihr zu schlagen. Aber Eleonara war im Gegensatz zu ihm nüchtern und wusste zusätzlich, wie man da handelte.
      "Anfassen verboten, hier bleiben wir anständig!" Ohne viel Federlesens und ohne dass irgendwer dazwischen ging komplimentierte sie den Mann hinaus und schubste ihn dann weg.
      "Hausverbot!" Der Händler setzte zu einer wütenden Tirade an, dich die Tür wurde nicht nur vor, sondern gegen seine Nase zugeschlagen. Sie Wirtin war nicht beeindruckt von den Schmerzensschreien, und im Wirtshaus ging der Alltag direkt weiter. Es wurde getrunken, gelacht, die Kinder schliefen im Hinterzimmer. Irgendwann nachts war der letzte Gast fort, es wurde aufgeräumt, gekehrt, gewischt. Die meiste Arbeit machte die Wirtin, die dann müde in ihr kleines Kämmerchen ging. Wieder fuhr ein Stich in ihr Herz, als sie die leere Schlafstätte sah. Ach, wie sie ihn vermisste. Seufzend gähnte sie und fiel in einen tiefen Schlaf...

      Pferdehufe - nein, das war eine Herde Rotwild. Verschreckt rannten sie durch einen silbernen Wald, die Angst in den Augen so real. Die Erde bebte, das Donnern hallte, hinter ihnen Bären. Bären? Auf der Jagd? Da, ein Eldar, nein, zehn, hundert - sie bieten der Hatz Einhalt, bleiben stumm, Ruhe kehrt ein. Ein Grollen ertönt, eine Horde am Horizont - Orks? Was wollen sie? Die Eldararmee bleibt stumm, die Orks schreien und tönen. Das Klirren von Waffen....

      Eleonora fuhr hoch, das Herz rate. Was war... Sie rieb sich die Augen. Was war denn das für ein merkwürdiger Traum gewesen? Komisch. Ein Blick nach draußen verriet ihr, dass sie kaum eine Stunde geschlafen haben konnte. Blödsinn. Sie legte sich wieder hin, brauchte allerdings eine Weile, bis sie wieder schlief. Es sollte nicht der letzte Traum bleiben.


      Thx Tom Bombadil
    • Es dauerte bis zum späten Mittag, doch schließlich konnte Alarion einem abgelenkten Kurier, der gerade bei einer Übergabe war, einen Teil seiner Vorräte stehlen. Mit vollem Mund, einem Laib Brot in der einen und den restlichen Vorräten in der anderen Hand machte er sich schließlich auf Richtung Stadtrand.
      Der alte Brimgarn lebte abseits der Stadt. Fast jeder aus Schimmerfels kannte den zurückgezogenen alten Mann mit dem grauweißen langen Bart und seiner Krücke. Keiner wusste wie alt er wirklich war, aber immer, wenn er seine Geschichten erzählte, hatte man das Gefühl, er wäre selber dabei gewesen. Ein jeder, der einen Rat brauchte, kam zu ihm. Er verlangte nie eine Art Bezahlung aber es galt als ungeschriebenes Gesetz ihm etwas zu Essen zu bringen, wenn man ihn aufsuchte.
      Als Alarion sich seinem Haus näherte, kam der alte Mann gerade aus der Tür und trug einen schweren Wassereimer. Er sah auf und winkte den Jungen zu sich.
      „Alarion, mein Junge, schön dich zu sehen! Komm, hilf einem alten Mann und schütte das Zeug hier weg!“ Während er den Eimer entgegen nahm und ihn beherzt in den naheliegenden Graben ausschüttete, schlurfte Brimgarn zu der alten Holzbank vor seinem Haus und ließ sich ächzend dort nieder. „Du siehst von mal zu mal immer besser aus, Achtfinger!“, bemerkte Alarion grinsend und setzte sich direkt neben ihn.
      „Charmant wie eh und je. Nun sag schon, du bist doch nicht nur hier, um einem Klappergestell wie mir bei der Hausarbeit unter die Arme zu greifen.“
      „Keine Zeit für Plaudereien, was? Moment, ich hab dir noch was mitgebracht!“. Mit diesen Worten zog er den Beutel mit den Vorräten des Kuriers hervor und zeigte sie Brimgarn, der ihn mit einem tadelnden Blick bedachte.
      „Und wem hast du das diesmal abgeknöpft, hm?“ - Mit einem schelmischen Grinsen erwiderte Alarion: „Die lagen so auf der Straße. Wie immer.“
      „Aha.“
      Man konnte dem Alten einfach nichts verheimlichen aber das hatte Alarion auch nicht vor. Brimgarn kannte ihn schon als kleinen Säugling, er hatte ihn damals zu sich aufgenommen, als er ihn des Nachts auf der Straße gefunden hatte, einen völlig fremden Jungen, vollkommen durchnässt und allein gelassen. Sie hatten nie eine wirklich tiefgreifende Verbindung aber Brimgarn kam wohl der Vaterfigur, die er nie hatte, am nächsten.

      Alarion zögerte noch kurz, bis er schließlich mit der Sprache rausrückte.
      „Sag mal, was weißt du über Träume?“
      Brimgarn sah ihn fragend an. „Was genau meinst du? Wir alle haben Träume, mal sind es Gute und mal sind es Schlechte.“
      Alarion nahm sich einen von Brimgarns Gehstöcken und fing an, damit au dem Kiesboden herum zu scharren. „Ja ich weiß, ich rede aber nicht von solchen… Ich hatte letzte Nacht einen Traum und er war irgendwie seltsam. Als wäre das nicht ICH gewesen, verstehst du?“
      Der alte Mann strich sich bedächtig über seinen Bart und wirkte mit einem Mal äußerst nachdenklich. „Erzähl mir mehr von deinem Traum.“
      Er begann, lang und ausführlich davon zu erzählen. Das war auch nicht sonderlich schwer, er wusste noch jedes einzelne Detail. Was an sich auch schon seltsam war. „Hast du je von so etwas gehört?“
      Brimgarn ließ das Gehörte noch etwas sacken, dann erhob er sich langsam und ging Richtung Haustür. Alarion folgte ihm schweigend.
      „Nun, ich bin wahrlich kein Experte. Aber wenn sie wiederkehren, heißt das mit Sicherheit nichts gutes.“ Im Wohnbereich kramte er in einer alten Kiste herum und warf dabei alles mögliche herum.
      „Hier wird dir niemand Antworten geben können. Aber unten in Nirha gibt es wohl ein paar Gelehrte die sich mit dem Geist und deren Laster beschäftigen.“
      „Nirha?! Ich war nie mehr als ein paar tausend Fuß aus der Stadt raus! Wie bitte soll ich denn dahin kommen?“
      Brimgarn ließ einen triumphierenden Ton erklingen und zog etwas aus der Truhe, dass in alten Lumpen eingewickelt war.

      „In Ostberg gibt es eine Fähre, die dich rüber bringt. Das Geld kannst du dir bis dahin beschaffen, die Fähigkeiten dazu hast du dir ja in den letzten Jahren angeeignet. Und das hier… ist für dich.“
      Alarion nahm den Lumpen entgegen und befreite den Gegenstand langsam von seinem altertümlichen Schutzgewand. Heraus kam ein schillernder Dolch mit verzierten dunkelblauen Heft. Die Klinge selber war ganz leicht gebogen und ging flüssig in den Griff über. Er hatte nie eine gut geschmiedete Waffe besessen aber diese hier sah äußerst wertvoll aus.
      „Bei Eras, woher hast du den? Der ist bestimmt ein Vermögen wert!“
      „Der ist nicht zu verkaufen und sollte mir zu Ohren kommen, dass du ihn gegen ein Stück Fleisch eintauscht, dann sollen dich die Erschaffenen holen!“
      Brimgarns Blick war so durchdringend, dass Alarion eine Gänsehaut bekam und den Dolch vorsichtig wieder in die Lumpen wickelte, sehr bedacht die wertvolle Klinge nicht fallen zu lassen.
      „Du wirst ihn brauchen, wenn du dich auf den Weg machst. Die Straße nach Ostberg ist nur noch sporadisch zu erkennen und sie ist ein beliebter Ort für Banditen.“
      „Und da schickst du mich hin… einen Jungen, der noch nie groß was von der Welt gesehen hat mit einem alten Dolch, mit dem er nicht umgehen kann und in eine Stadt, in der er niemanden kennt. Ich wusste doch, irgendwann würdest du dich dafür rächen, dass ich mal dein Haus angezündet hab.“
      „Sei nicht albern. Du bist ein aufmerksamer Junge und in dir steckt mehr als du dir selber eingestehst. Die Reise wird dich schon nicht umbringen und es tut dir ganz gut hier mal rauszukommen. Oder hattest du vor, ewig hier auf Schimmerfels zu versauern?!“

      Das hatte er mit Sicherheit nicht… Aber irgendwie hatte er nicht damit gerechnet, so bald die Möglichkeit zu bekommen, hier zu verschwinden und darauf vorbereitet war er auf keinen Fall.
      „Dachte ich‘s mir doch. Und jetzt pass auf; in Nirha gibt es die Taverne „zur schleichenden Katze“. Die Schwiegertochter eines alten Freundes leitet sie. Ich hoffe mein Name ist ihr nach all den Jahren noch ein Begriff. Dort kannst du bis auf weiteres unterkommen und dich auf die Suche machen. Aber sei vorsichtig; die Wächter von Eras haben auch dort schon wachsenden Einfluss und ich bezweifle, dass sie derartige Forschungsgebiete und demnach auch deine Träume als „rein“ betrachten. Du musst vorsichtig sein, mit wem du sprichst und welche Fragen zu stellst!“
      „Na wunderbar. Hast du noch irgendwelche Ratschläge für mich, bevor du mich in mein Verderben schickst?“
      Brimgarn legte ihm die Hand auf die Schulter und er lächelte auf ihn herab.
      „Ja. Vergiss nie vorher du kommst! Egal wohin dich dieser Weg auch führt, man sollte nie seine Herkunft verleugnen oder vergessen!“
      Mit diesen Worten schob er Alarion aus dem Haus und wies in Richtung Süden. „Gute Reise!“.
      Alarion sah immer noch absolut verloren aus. Ein Beutel mit Essen, ein in Lumpen gehüllter Dolch… und ein Ziel. Mehr brauchte es nicht?
      Nein, mehr braucht es nicht. Hier hält dich nichts, also worauf wartest du? Langsam setzte er sich in Bewegung, schulterte seine Sachen und zog gen Süden.

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    • Talmon Rasselstab
      Weiche Schritte wie Federfall, über Wattewolken in nasser Kälte.
      Nebeldunst auf Haut und Augen, tief in den Lungen. Der Geschmack von Moder.
      Der Baum mit den Totenfingerästen schälte sich aus der Feuchte, ein Gigant der auf den Kommenden wartet, seit Anbeginn.
      Ohne Rinde, das Holz glatt und weiß, mit hineingeschnittenen Fratzen, wurzelt in den Wolken und krönt die Welt.
      Stricke aus Hanf, die Gesichter in den Schlingen schwarz.
      Sie hängen dort, an der Krone der Welt.
      Menschen, Orks, Eldar, Zwerge.
      Alle hängen sie dort. Alle.
      Die ganze Welt baumelt mit herausgequollenen Zungen und aufgedunsenen Leibern an den Ästen des Knochenbaums.

      Talmon drehte sich zur Seite und spuckte auf den Boden um den morgendlichen Modergeschmack aus dem Mund zu bekommen, den er immer nach diesem Traum hatte. Anfangs war ihm schlecht gewesen wenn er erwachte. Ein dutzend Träume später verfolgte ihn nur mehr der modrige Geschmack auf der Zunge wenn er erwachte.
      "Wieder dieser Traum vom Ende?" Erkundigte sich William vom anderen Ende der Höhle, die Nase tief in einer Schriftrolle vergraben.
      Talmon brummte undeutlich und nickte, während er das fadenscheinige Fell zurückschlug und sich aufsetzte.
      "Knochenrassel!" Polterte Taska Blauzahn, eine Orkshamanin in Fellen, Leder und Knochen vom Höhleneingang her. "Jetzt hast du mich um das Vergnügen gebracht dich zu wecken!"
      "Darauf kann ich verzichten, ehrlich." Seufzte Talmon und rieb sich den Schlaf aus den Augen. "Was gibt es denn?"
      "Das Steinkind will dich sehen."
      "Was will der Rote Gamnar denn von mir?" Talmon runzelte die Stirn.
      "Irgend ein Seelengefasel, soll er dir selbst erklären." Erwiderte Taska schulterzuckend, nahm sich einen der Stapel mit Aufzeichnungen über Totenbeschwörung, welche sie in der Höhle gefunden hatten, nachdem sie sich um den Erschaffer gekümmert hatten, und trug sie nach draußen zur Feuerstelle um sie zu vernichten.
      Talmon Rasselstab sah noch einmal zu William, der den Augenringen nach wohl die ganze Nacht im Kerzenschein die Hinterlassenschaften des Erschaffers durchforstet hatte, ehe er sich erhob und die Höhle in der der Erschaffer mit seinem Gefolge gehaust hatte zu verlassen.
      Draußen empfing ihn ein kalter Windstoß, so dass er seine zerschlissene Robe etwas enger um die Schultern zog. So hoch in den Düsterklippen waren die Winde schneidend. Sie waren fast ein halbes Jahr Berge hoch und runter geklettert um diesen Totenbeschwörer zu finden. Erledigt hatten sie ihn schnell. Ein knappes Dutzend erfahrener Mitglieder von Ka-Mnemzok gegen einen Erschaffer, ein halbes Dutzend Jünger und drei Tote, die sie noch rufen konnten.
      Silvos den Räuber hatte es erwischt, aber dieser Gefahr waren sich alle bewusst gewesen, als sie auf die Jagd gingen. Einmal mehr.
      Die Knochen an Talmons Stab klapperten und rasselten bei jedem Schritt, als er den Hang ein kleines Stück hinab ging, vorbei am Feuer in welches Taska die Aufzeichnungen warf. Vorbei an vier weiteren Mitgliedern ihrer Jagdgesellschaft, die zum Frühstück beisammen saßen und denen er knapp zunickte.
      An einem Steilhang blieb er stehen und blickte in die Tiefe, neben ihm der Rote Gamnar, ein Zwerg mit schlohweißem Haar. Eigentlich nannte man ihn nur den Roten Gamnar, um ihn von seinem Vetter, dem Schwarzen Gamnar unterscheiden zu können. Und von seinem längst verstorbenen Großvater, dem alten Gamnar. Und von seinem eigenen Sohn, Gamnar den Jüngeren.
      Angeblich hatte der Rote Gamnar nie rote Haare gehabt, aber Talmon hatte ihn nie danach gefragt.
      "Taska sagte etwas von Seelengefasel?"
      Der Zwerg spuckte in die Tiefe.
      "Die Zahnfarbe schlägt dem Weib aufs Gemüt." Grummelte der Rote Gamnar und blickte ernst zu Talmon auf.
      "Wir kümmern uns um alles hier. Beziehungsweise, die anderen werden sich um alles kümmern. Du gehst nach Nirha."
      "Und was soll ich dort?"
      Der Zwerg starrte ihn aus seinen unnatürlich blauen Augen an, ohne zu blinzeln.
      "Dich deinen Träumen stellen."
      "Haben dir das die Seelen gesagt?"
      Der Zwerg nickte vage, schniefte lautstark und rotzte einen Schleimklumpen in die Tiefe.
      "Und was ist mit dir?" Wollte Talmon wissen, dem die Formulierung nicht entgangen war.
      "Na was schon. Ich bin Einhundertzweiundneunzig. Ich werde kommende Nacht einschlafen und morgen nicht mehr erwachen." Sagte der Zwerg trocken und atmete tief die kühle Bergluft ein. "Meine Zeit ist gekommen. Heute werde ich noch etwas die Aussicht genießen und mich an die schönen Momente erinnern. Die anderen werden alle Aufzeichnungen über Totenbeschwörung vernichten und alles andere nach Ka-Mnemzok bringen. Und du, du gehst nach Nirha. Heute noch. Also eigentlich, jetzt."
      Ein Lächeln huschte über Gamnars Gesicht und Talmon nickte.
      "Leb wohl, Roter Gamnar." Er legte dem Zwerg die Hand auf die Schulter und dieser begann zu grinsen.
      "Wir werden uns wiedersehen, Talmon Rasselstab. Vielleicht in deinen Träumen."
      Talmon grinste nun ebenfalls.
      "Erschreck mich nicht, wenn du dich in meine Träume schleichst, alter Mann." Damit drehte er sich um und ging, den Hang hinab, Richtung Westen, Richtung Küste.
      Die Knochen an seinem Stab klapperten und rasselten und Talmon wusste, dass der Rote Gamnar, der einzige Traumwanderer von Ka-Mnemzok in der folgende Nacht friedlich entschlummern würde.
      Fragen, Anregungen oder Kritik? -> Konversation oder #ogame.de-rpg

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      <Seaten>Kata ist wie Cass, nur fauler und männlich
    • Farkas Hornschmied
      "Oraz-ak-Kazuum?" Klapperte der bleiche dauergrinsende Schädelknochen eines Eldar.
      "Oraz-ak-Kazuum!" Klapperte der klobige Orkschädel und wippte in der Dunkelheit auf und ab.
      "Ah, Oraz-ak-Kazuum." Mischte sich der Menschenschädel ein und blickte mit leeren Augenhöhlen vom Orkschädel zum Eldarschädel.
      "Die Herzstadt." Der kantige Zwergenschädel wandte sich den anderen nur halb zu. Selbst sein Totengrinsen wirkte Sehnsüchtig.
      "Oraz-ak-Kazuum." Der Eldarschädel wippte nun sacht auf und ab.
      "Die Herzstadt." Klapperte der Orkschädel beipflichtend.
      "Die Vulkanfeste." Auch der Menschenschädel wippte auf und ab.
      "Kein Weg nach Hause." Der Zwergenschädel wandte sich gänzlich von den anderen ab und starrte in die Tiefen der Dunkelheit.
      Der Zwergenschädel schwieg und die anderen klackerten mit den Zähnen, als wäre es Gelächter.
      Ein Fuchsskelett sprang aus der Dunkelheit zwischen die Schädel und sprang um sie herum, zwischen ihnen hindurch und kreischte dabei die ganze Zeit schrill. "Nirha! Nirha! Nirha! Nirha!"

      Farkas schwielige Schmiedehand schloss sich um den Zinnkrug auf seinem Nachttisch und schleuderte ihn mit einem Wutschrei gegen die Wand des kleinen Zimmers.
      Dieser Traum machte ihn noch ganz wirr im Kopf! Seit Monaten der gleiche Unsinn!
      Er war nach Nirha gereist, doch die Träume hatten nicht aufgehört, im Gegenteil, sie waren immer deutlicher geworden, wenn auch nicht in ihrer Bedeutung.
      Der Dáziik schwang die kurzen, stämmigen Beine aus dem Bett mit der durchgelegenen Strohmatratze, sammelte den Zinnkrug wieder auf und trank den letzten Schluck Wasser daraus.
      Nach ein paar Tagen in Nirha war es ihm zu blöd gewesen wie ein Nichtsnutz durch die Stadt zu laufen und sich für die Nacht in einer Gaststätte einzumieten. Also hatte er kurzerhand einen kleinen Stall angemietet, seine Wanderschmiede von dem Karren in den Stall verlegt, eine anständige Esse in eine Ecke gemauert und sich etwas Mobiliar besorgt.
      In die Hose geschlüpft und die speckige, lederne Schmiedeschürze umgebunden verließ er das kleine Hinterzimmer, in dem er sein Schlafzimmer eingerichtet hatte und trat in seine kleine, übersichtliche Schmiede. Zumindest räumlich war sie übersichtlich, denn sie war vollgestopft mit Werkzeugen, Metallteilen, diversen Säcken und Eimern.
      Farkas warf eine Schippe Kohle in die noch schwach glimmende Esse, stopfte sich eine Pfeife und entzündete das Kraut darin mit einem Holzspahn, den er in der Glut entflammt hatte.
      Mit ihn umwabernden Rauchschwaden trat er vor die Tür der Schmiede, lehnte sich an die Mauer und blickte die dunkle Straße hinab. Eine weitere Nacht die geendet hatte, ehe der Morgen graute.
      "Hornschmied." Erklang eine Stimme unweit von ihm. Farkas blickte auf und erkannte den Stadtwächter der immer in den frühen Morgenstunden durch diesen Teil der Stadt patroulilierte.
      "Theobald." Nickte der Dáziik dem beleibten Menschen zu.
      "Wieder eine unruhige Nacht?" Versuchte der Wächter einmal mehr ein Gespräch zu beginnen.
      "Ba Pfkh, Mekta-az." Prustete und hustete Farkas in der tiefen, gutturalen Sprache der Zwerge, schüttelte den Kopf und paffte wieder an seiner Pfeife.
      Einmal mehr blieb der Wächter etwas verwundert stehen, doch Farkas erbarmte sich seiner dann doch.
      "Dein Messer ist fertig, kannst es später abholen."
      "Oh, sehr schön. Ich wollte schon immer mal ein Messer nach Machart der Zwerge." Farkas schnaubte abfällig.
      "Das ist nicht NACH Machart der Zwerge oder seh ich aus wie irgend so ein beknackter Mensch, der so tut als könne er wie ein Zwerg schmieden?" Theobald war sichtlich unangenehm berührt und stammelte etwas herum, doch Farkas fuhr bereits fort.
      "Ich habe dieses Messer geschmiedet und es wird dich genauso überleben wie deine Kinder. Vielleicht müssen es deine Enkel mal nachschärfen, aber wage nicht noch einmal zu behaupten ich würde mein Handwerk nicht verstehen! Und jetzt sieh zu, dass du Land gewinnst. Komm später zum abholen vorbei."
      Noch etwas auf Zwergisch murmelnd und an seiner Pfeife paffend wandte sich Farkas brüsk ab und ging zurück in seine erst wenige Wochen alte Schmiede.
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      <Seaten>Kata ist wie Cass, nur fauler und männlich

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    • " Wir müssen zurück zum Fest."
      "Du scheint immer noch nicht all deine Sinne wieder bei dir zu haben. Bist du verrückt?"
      "Jeder hat mich gesehen. Wenn ich fort bleibe, denken die anderen erst Recht, das etwas nicht stimmt und melden es."
      "Das haben sie doch eh schon längst gemacht."
      "Ja ich weiß aber vielleicht..." - "LIA!!" Liana sah verdutzt ihre Freundin an, die sie fast angeschrien hatte. Malra hatte ein ernstes Gesicht aufgesetzt und ihre Arme verschränkt.
      "Hey, kannst du mir erstmal sagen, was da gerade passiert ist?! Du kannst nicht einfach unheilvoll verkünden, dass mit dir was nicht stimmt und im nächsten Augenblick so tun, als wäre nichts gewesen. Also rede mit mir."
      Liana versuchte die Kopfschmerzen zu ignorieren und sich zu konzentrieren. Die Bilde hatten sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. "Ich.... ich weiß nicht so recht...ich hab mich von der Musik mitreißen lassen und irgendwann war ich mit den Gedanken ganz woanders. Es war wie ein Traum... ". Nach und nach erzählte Liana Malra von dem, was sie gesehen hatte. Das majestätische aber verletzte Wesen, wie sie selber scheinbar als Wolf sich im Traum bewegte, wie der Schatten verschwand und wie der Mann am Ende sich direkt an sie wandte.
      "Der Mann... kanntest du ihn?"
      "Nein, ich hab ihn noch nie gesehen. Also ICH nicht. Aber der Wolf in dem ich steckte schien ihn eigenartiger Weise zu kennen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob er überhaupt ein Eldar war, er sah irgendwie... anders aus." Vielleicht ein Mensch. Ihre Eltern verweigerten den Lehrermeistern, ihr zu viel über die Welt außerhalb von Loreén zu erzählen, aber von Malra hatte sie das ein oder andere erzählt bekommen. Aber sie selbst hatte noch nie einen Menschen gesehen. Woher sollte sie also - selbst im Traum - wissen, wie sie aussehen?
      Sie sah ihre Freundin an und ihr Gesichtsausdruck machte ihr nicht gerade Mut. Malra sah sie überaus ängstlich und fürsorglich an, als ob sie jeden Moment wieder in Ohnmacht fallen würde.
      "Ok, das ist beängstigend, aber im Moment vielleicht nicht mal dein größtes Problem. Eradîl weiß mit Sicherheit schon, was passiert ist und wird nach dir suchen lassen. Deiner Mutter wird sowieso davon erfahren, er ist ihr viel zu treu ergeben, als dass er das für sich behalten würde."
      "Malra, ich kann mich nicht einfach umdrehen und fortlaufen. Von dem Traum wird keiner erfahren, mir ist einfach schwindelig geworden und das wars."
      Malra sah alles andere als glücklich darüber aus, aber die Entscheidung war gefallen. Sie half ihrer Freundin auf und gemeinsam gingen sie zurück zum Fest.

      Der Tumult hatte sich bereits wieder aufgelöst, nur einige wenige Gruppen tuschelten immer noch angesichts des Vorfalles und des Vebleibs von Prinzessin Liana.
      Als sie zusammen mit Malra wieder auf das Fest kam, drehten sich viele zu ihr um und ein Raunen ging durch die Menge. Liana hatte damit bereits gerechnet und versuchte so gut es ging, einen guten Eindruck zu machen. Nach und nach legte sich die Aufregung wieder und sie wollten gerade in Richtung der Tafel, um sich etwas zu Essen zu besorgen, als ein junger Eldar ihr den Weg versperrte und sie besorgt anstarrte. Liana brauchte einen Moment, bis sie ihn erkannte. Sein Gesicht war das erste, welches sie nach ihrem "Vorfall" vor sich sah.
      Noch bevor er ein Wort sagen konnte, stellte sich Malra ihm in den Weg und hielt ihn mit ihren Armen auf Abstand. "Oh nein, du verziehst dich auf der Stelle wieder! Diese Geschichte kann sie jetzt nun wirklich nicht gebrauchen also..." - "Was für eine Geschichte?" Liana sah ihre Freundin fragend an, sie hatte keine Ahnung was hier vor sich ging.
      Sie kannte den Eldar nicht besonders gut. Wenn sie sich recht erinnerte, war sein Name Durîl, der jüngste Sohn der Wächterfamilie von Irthanaél. Sie hatte ihn nur ab und zu am Königshof gesehen, wie er da herumstolzierte, als wäre er der nächste König. Sie hatte nie ein Wort mit ihm gewechselt aber er war ihr trotzdem schon unsympatisch. Er bedachte Malra mit einem hochnäsigem Blick und schlug mit einer Hand nach Malras Armen, als wolle er eine Fliege verscheuchen.
      "Ich rate dir, Abstand zu halten, Schmiedetochter! Du sprichst nicht für die Prinzessin und es ist mein gutes Recht, nach ihr zu sehen wann immer ich will. Wenn sie meine Gefährtin wird, wird sie sowieso nicht mehr allzu viel Zeit mit..." - "Deine WAS?!" Mit einem Mal wurde es auf dem Platz totenstill. Lianas ungläubiger Schrei hallte über das Fest und Malra hätte schwören können, dass ganz Elyria sie gehört hatte. Sie konnte sich ein kurzes Lächeln nicht verkneifen aber die Situation war alles andere als zum Lachen.
      Durîls Gesicht wurde kreidebleich und er fing an zu stottern. "Ich.. also... die.... Ich dachte d-d-die Königin hätte b-bereits mit euch darüber gesprochen, dass...".
      Lianas Gesichtsfarbe wechselte erst zu blassbleich, bis sich ein dunkler Schatten über ihre Züge legte, die die sonst so zarte und schöne Prinzessin äußerst bedrohlich erscheinen ließ.
      Malra wandte sich an Durîl und hatte ein bitterböses Lächeln aufgesetzt, während dieser immer kleiner wurde.
      "Bravo du Vollidiot. Damit hast du dir wohl ein paar Jahre in den Silbertürmen eingebracht. Und ich verwette meinen Silberbogen darauf, dass angesichts des drohenden Familiendramas nicht Liana es ist, die das absegnet."

      Es war tiefste Nacht, doch Liana war längst nicht in der Lage sich schlafen zu legen. Sie saß auf einem moosbewachsenen flachen Stein draußen am Stadtrand und hielt ihre nackten Füße in das klare Wasser. Der kleine Bach floss still und leise durch den Wald und das Mondlicht glitzerte über die Oberfläche.
      Sie zog mit ihrem Fuß langsame Kreise und dachte über die letzten Stunden nach.
      Nach dem Fest war sie zu ihrer Mutter gestürmt und hatte ihr alles an den Kopf geworfen. Noch nie hatten sie so einen heftigen Streit gehabt. Die Worte ihrer Mutter hingen ihr immer noch im Kopf.
      "Ich möchte dir doch nichts vorschreiben" - "Du kennst ihn ja gar nicht richtig, er ist aus einem guten Haus und sieht anständig aus" "Es ist deine Pflicht, das Ansehen unseres Königshauses aufrecht zu erhalten!" - "Ich will ja nur das Beste für dich" - "Du hast eine Verantwortung gegenüber deiner Familie und deinem Volk und du wirst dich dem nicht entziehen!"
      Pflicht. Verantwortung. So oft hatte sie ihrer Mutter vor Malra verteidigt, weil sie ja ihre einzige Tochter war. Aber diesmal ist sie wirklich zu weit gegangen. Und ihr Vater würde sich auch nicht wirklich auf ihre Seite schlagen.
      In diesem Moment dachte Liana, sie wäre die einsamste Eldarin in ganz Loreén.
      Sie hielt sich ihre Hände vors Gesicht und fing lansam an zu weinen.
      Ein lautes Knacken aus dem Wald ließ sie hörbar zusammenzucken und sie sah sich hektisch um. Offenbar war sie doch nicht so allein. Sie wischte siche ein paar Tränen aus dem Gesicht und versuchte, den Ursprung des Geräusches zu ermitteln.
      "Hallo? Ist da jemand? Hallo!"
    • Die Zwillinge kehrten dem Fest den Rücken. Bevor sie den Festplatz endgültig verließen, wandte Kiv sich noch einmal um. Sie hatte das Gefühl beobachtet zu werden. Als sie sich umwandte traf ihr Blick den eines Eldars, der ihnen gerade hinterher blickte. Auch Tan drehte sich um und spürte einen Schauder, als er die Augen des Eldar erblickte.
      „Komm“, sagte er leise, legte Kiv eine Hand auf den Rücken und ging mit ihr davon.

      Sie würden erst am nächsten Morgen zur Siedlung zurückkehren und verbrachten die Nacht daher bei Freunden ihrer Eltern. Nachdem sie sich noch eine Weile mit dem älteren Paar, welches das Fest ebenfalls früh verlassen hatte, unterhalten hatten, gingen die Geschwister schließlich zu Bett.
      Tan saß in seinem Zimmer noch eine Zeitlang am Fenster und blickte hinaus auf die Lichter der Stadt und die Klänge der Feier. Kiv hingegen legte sich sofort ins Bett und schlief kurz darauf ein.

      Sie lief durch den Wald. So fing es jedes Mal an: Sie lief durch den Wald.
      Warum?
      Weil sie etwas suchte.
      Etwas, nein – jemanden.
      Sie lief durch den Wald, doch plötzlich war sie nicht mehr allein. Schemen bauten sich vor ihr auf, vertraute und unbekannte verschwommene Gestalten. Kivessa blieb stehen.
      „Was tust du hier?!“, erklang ein mehrtöniges Zischen.
      „Ich suche meinen Bruder“, erwiderte sie, denn genau das war es, was sie hier tat.
      „Habt ihr ihn gesehen?“
      Als Antwort erhielt sie nur ein Lachen. Wie so oft, wenn sie eine Frage stellte.
      Es war kein freundliches Lachen, so viel konnte sie heraus hören.
      Kivessa runzelte die Stirn und trat einen Schritt auf die Schemen zu.
      „Ich muss meinen Bruder finden. Bitte lasst mich durch.“
      Doch die Schemen wollten ihr keinen Platz machen, begannen nun stattdessen sie einzukreisen. Sie wollte nach ihrem Schwert greifen, doch es hing nicht an ihrer Seite.
      „Nein“, stieß sie halb erstickt hervor. „Nein. TAN?!“


      Wie so viele Nächste zuvor war Kiv plötzlich einfach wach. Der Traum war vorbei, er hatte so geendet wie jedes Mal. Ihr Zimmer war immer noch dunkel und vom Fenster schien nur das Mondlicht hinein. Es musste noch Mitten in der Nacht sein. Kiv blieb einen Moment im Bett liegen, doch an Schlaf war gerade nicht mehr zu denken. Sie stand leise auf, zog sich an und schlich zu ihrer Zimmertür. Das restliche Haus schlief tief und fest. Sie stahl sich an den Türen ihres Bruders und ihrer Gastgeber vorbei und trat schließlich nach draußen, um ziellos durch die Straßen der Stadt zu wandern.
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
      Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
      Are you running out of time?!



      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • Mürrisch stieg Grindol den steilen Pfad nach oben, mühselig und anstrengend war der Weg zur Höhle des Runenpriesters. „Müssen wir unbedingt da hinauf?“ setzte er seinen Weggefährten zu. Bedächtig drehte sich der weißhaarige Priester um. „Du weißt es doch ebenso gut wie ich. Die Steine sprechen deutlicher in der höchsten Höhe oder der tiefsten Tiefe. Willst du lieber zwei Tage in das Herz des Berges wandern?“ antwortete Ugan Erdenblut. Ja, Grindol wusste es genau, immerhin konnten sie den Kraterrand in wenigen Stunden erklimmen. Der Ausblick war atemberaubend wie immer, schneebedeckte Gipfel leuchteten gleißend hell und boten einen wunderbaren Kontrast zu dem azurblauen Himmel. Der Blick hinunter war nicht minder gigantisch, im Talkessel des Vulkankraters breitete sich die Zwergenstadt Oraz-ak-Kazuum aus. Mächtige Türme ragten fast bis zum Kraterrand empor. Jeder bewunderte die architektonischen Meisterwerke der zwergischen Steinmetzkunst. Doch sie waren nicht gekommen um die schöne Aussicht zu genießen.

      Im Innern der Höhle zündete Ugan für jede Himmelsrichtung ein Talglicht an. Anschließend holte er aus einem Lederbeutel mit zeremoniellen Gesten eine Rune nach der anderen aus dem Beutel und legte sie in einem bestimmten Muster zwischen die Lichter. Die eingeritzten Symbole waren nach unten gedreht und so konnte man nicht erkennen welche Rune sich darunter verbarg.
      Nach dem er alle 24 Runen des älteren Futhark ausgelegt hatte schaute er Grindol bedeutungsschwanger an:
      Bist du bereit, Grindol Rotbart, Sohn von Thorgrem Silberbart, Bruder von Gamrund Rotbart der König der Feuerbärte?“
      Ich bin bereit,“ antwortete Grindol heiser. Obwohl er nicht zum ersten Mal das Runen-Orakel befragte so überkam ihm doch jedes Mal ein mulmiges Gefühl dabei.
      „Stelle nun deine Frage,“ kam die Aufforderung des Priesters.
      Die Frage lautet: Wird mein Weg erfolgreich sein?
      Du weißt, du darfst keine weitere Fragen stellen. Ist die erste Rune geworfen musst du dir selbst einen Reim auf die Antworten geben.
      Dann frage ich lieber: Werde ich in Erfahrung bringen was die Träume bedeuten?
      Eine sehr spezielle Frage auf die die Runen keine direkte Antwort geben können. Es bleibt viel Spielraum für Interpretationen,“ warf Ugan ein.
      Ich weiß es…. aber trotzdem,“ beharrte Grindol stur.
      Endgültig?
      Endgültig!
      Nun denn, so deute auf die erste Rune. Sie steht für Urd – das Gewordene. Vergangenheit und Schicksal.“
      Grindol befolgte die Aufforderung und Ugan legte sie abseits auf seine rechte Seite.
      Es folgt die Rune für das Verdandi – das Werdende.“
      Wieder deutete Grindol auf eine Rune und der Priester nahm sie und legte sie diesmal abseits in die Mitte.
      Als letzte Rune wähle für Skuld – das Werdensollende“
      Die letzte Rune wurde auf der linken Seite abgelegt. Die restlichen Steine wurden wieder eingesammelt. Priester Erdenblut hob beide Hände empor:
      So danke ich Euch ihr Nornen die ihr über uns Schicksal bestimmt“

      Die erste Rune steht für deine Vergangenheit.“ Ugun deckte das Symbol der rechten Rune auf:
      Wunjo – die Fröhlichkeit. Kameradschaft und Zusammengehörigkeit brachten dir Harmonie und Wohlstand. Erfolg, Erkenntnis und Ruhm deinem Stamm und dir. Die dunkle Seite jedoch steht für Sorgen, Entfremdung und Besessenheit.“

      Die zweite Rune beschreibt das Jetzt,“ als der Priester das Symbol aufdeckte fuhr er kurz erschrocken zusammen.
      Eihwaz – die Eibe. Sie symbolisiert Stärke, große Widerstandskraft und Ausdauer. Eihwaz kann aber auch Verwirrung, Zerstörung und Schwäche bedeuten. Du bist im Kontakt mit dem Jenseitigen und hast Grenzerfahrungen von Leben und Tod. Diese Rune ist ebenso ein Symbol für den Tod.
      Er wird in Zukunft in irgendeiner Form eine Rolle in Deinem Leben oder dem Schicksal deiner Freunde spielen.“

      Nun war es Grindol der heftig zusammenzuckte und hörbar die Luft einzog.

      Die letzte Rune ist für die Zukunft:
      Sowilo – die Sonnenrune. Sie steht für Sieg, Gesundheit und elementare Kraft. Nutze deine Lebenskraft um dein Leben zu ändern und dein Ziel zu erreichen. Du wirst Dinge verstehen die noch vor einer Weile im Dunkeln waren. Die Kraft der Sonne wird mit dir sein. Doch hüte dich vor falschen Zielen oder gar Ziellosigkeit. Gefahr droht auch durch falschen Rat und scheinbaren Erfolgen.“

      Dies sind die Antworten des Orakels auf deine Frage Grindol Rotbart. Auch wenn sich dir die Bedeutungen der Worte nicht sofort erschließt so wird dir die Weisheit beizeiten in Erfahrung gebracht werden.“

      Der Priester hob wieder die Hände:
      Ich danke euch Nornen für den Einblick in das Schicksal der Sterblichen.“ Danach packte er die drei Runen in einen kleinen Beutel und blies die Lichter aus. „Hier, die Runen werden dich jetzt begleiten, sie bieten dir Schutz wenn du es nicht erwartest, sie können sich aber auch gegen dich richten!“Mit diesen Worten reichte er Grindol den Lederbeutel. „Ich habe in Oraz-ak-Kazuum bei einem fahrenden Händler einen Platz für dich reserviert. Er heißt Ballesch Golddurst, gehe hin und frage ihn wann er nach Nirha fahren will. Bis dahin solltest du noch trinken und feiern gehen.“

      Nachdenklich griff Grindol nach den Runen. Eher beiläufig bedankte er sich bei Ugun Erdenblut
      und machte Anstalten zu gehen. „Moment,“ rief Ugun und streckte ihm eine offene Hand entgegen.
      Missmutig brummend nestelte Rotbart an seinem Gürtel und holte ein weiteres Beutelchen hervor.
      Er entnahm eine schöne Gemme und legte sie dem Priester in die offene Hand. Doch dieser hielt weiterhin seine Hand geöffnet.
      Du willst noch mehr du Halsabschneider?“ rief Grindol erbost.
      Seid wann bist du so geizig?“ lachte Ugun,“ich habe schließlich auch den fahrenden Händler bezahlt.“ Eine weitere Gemme wechselte den Besitzer und schließlich machte sich ein in sich gekehrter Zwerg auf den Weg talwärts in die Stadt.

      The post was edited 1 time, last by Kataklysm: Auf Bitten des TE geändert. TE hat es mit Betroffenem abgeklärt. ().

    • Die Zwillinge hatten beide gute Instinkte. Interessant. Dann wandte sich Meleas aber anderen Dingen zu und genoss es sogar, relativ unbeachtet am Rande zu sitzen, beobachtend, und die Ruhe genießend. Vermutlich würde er bald wieder zum Hof gerufen, vielleicht nicht. Schließlich zog er sich zurück, an den Rand in ein kleines Haus, das scheinbar immer leer stand. Nun, meistens ja, denn der Eldar war selten hier. Keine Nachricht erwartete ihn, und da es schon spät war, setzte er sich aufrecht auf eine Ruhestätte und schloss die Augen. Nur etwas Ruhe.

      In dunkles, zähes Rot getaucht war die Landschaft, blutrot. Jeder Schritt verhieß ein Knacken der morschen Knochen, die verstreut lagen in wildem Chaos.
      "Du hast gesiegt." Eine Stimme, die er noch nie gehört hatte und doch so vertraut. Er wandte sich um, niemand da, nur die endlose Ebene des Todes.
      "Man wird sich deiner erinnern." Ein Lufthauch, doch niemand war da.
      "Wer ist da?" Nur ein leises Lachen, bekannt. Aber woher?
      "Wir sind eins und doch nicht. Henker... Schatten."

      Meleas sprang beinahe auf und wischte sich die Stirn ab. Schweiß. Nein, er hatte keine Gewissensbisse, er wüsste nicht einmal, wie das ginge. Doch es war, als hörte im Ohr noch dieses Lachen, roch die blutige Luft. Enervierend. Vielleicht war frische Luft eine bessere Idee als in einer Kammer zu hocken. Ohne viel Federlesens trat er hinaus, im Versuch, den Traum abzuschütteln. Da, eine Bewegung? Wer war noch wach? Meleas blieb im hellen Mondlicht stehen und sah Kiv, die alleine unterwegs war.


      Thx Tom Bombadil

      The post was edited 1 time, last by Cassandra Vandales ().

    • Die Stadt war ihr immer noch fremd, obwohl Kiv schon mehrmals hier gewesen war. Sie konnte es an nichts speziellem festmachen, doch jedes Mal wenn sie hier war fühlte sie sich unruhig, bis sie sich wieder in die Tiefen des Waldes zurückziehen konnte. Trotzdem - jetzt gerade, so kurz nach diesem Traum waren ihr die Straßen der Stadt lieber als der dunkle Wald.
      Während sie umher streifte, nahm sie eine Bewegung vor sich wahr. Keine Gefahr, so viel stand fest, doch fast unmittelbar vor ihr war ein Eldar auf die Straße getreten - der Eldar, der sie auf dem Festplatz beobachtet hatte.
      Kiv blieb stehen und vollführte kurz das traditionelle Grußzeichen der Eldar, Zeige- und Mittelfinger ausgestreckt über die Brust streichend und dann zum Gruß erhoben. Normalerweise wäre sie nun einfach weitergegangen, doch etwas ließ sie stehen bleiben.
      How do you write like you're running out of time? Write day and night like you're running out of time.
      Everyday you fight like you're running out of time, like you're running out of time,
      Are you running out of time?!



      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • Der ältere Eldar neigte leicht den Kopf und erwiderte fast mechanisch den Gruß, den er selten anwandte, sie aus seinen eisblauen Augen betrachtend.
      "Kivessa." Seine Stimme war rau, als sei er es kaum gewohnt zu sprechen, was auch durchaus der Fall war. Die junge Eldarin war eine willkommene Abwechslung nach diesem merkwürdigen Traum, der ihn hinausgetrieben hatte. Unverwandt, aber weder unhöflich noch anstarrend ruhte sein Blick auf ihr, bis er schließlich meinte:
      "Deine Instinkte sind gut. Bist du dir sicher, dass es nur ein Fuchs war, den du gespürt hast?"


      Thx Tom Bombadil
    • Seine Worte hätten sie beunruhigen müssen, doch sie spürte keine Gefahr. So blieb sie weiterhin stehen und erwiderte seinen Blick geradeheraus. Dass er ihren Namen kannte verwunderte sie nicht sonderlich - auf Grund ihrer 'Abnormalität' war sie durchaus bekannt. Was er dann sagte, brachte sie kurz zum Nachdenken.
      "Ich habe keine Gefahr gespürt", sagte sie ehrlich. "Aber etwas..."
      Sie legte den Kopf leicht schief.
      "Dann wart Ihr also im Wald?"
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      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • "Für dich bin ich auch keine Gefahr." Die leichte Betonung auf "dich" merkte Meleas nicht einmal. Tatsächlich war er interessiert, sie wirkte anders als die anderen Eldar. Sehr viel ernster, sehr viel aufmerksamer. Außerdem wich die junge Frau nicht aus, was er respektierte.
      "Durchaus. Ich hab dich und die Gruppe gehört und kurz beobachtet." Das Lächeln erreichte kaum die Augen.
      "Dank euch habe ich mich wieder an das Fest erinnert. Ihr habt mich dort gesehen, nicht wahr?"


      Thx Tom Bombadil
    • Kiv nickte.
      "Ihr habt uns beobachtet." Es war mehr eine Feststellung als eine Anschuldigung.
      "Wie lautet Euer Name?"
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      Chrissi: Boah Franzi, wenn man dich so reden hört ohne dich zu kennen, könnte man auch glauben du wärst so'n Soziopath!<3
    • Wirklich interessant. Kivessa hatte weder Angst noch wirkte sie wütend, stattdessen nüchtern und angenehm ruhig. Eine wahre Wohltat. Die wenigsten Wesen, ob Eldar, Mensch, Zwerg, Ork oder anderes, reagierten in dieser Art.
      "Natürlich habe ich das. Ihr habt meine Aufmerksamkeit erregt." Ihre Frage erwischte ihn nicht kalt, er überlegte aber einige Sekunden. Im Prinzip störte es ihn nicht unbedingt, wenn man wusste, wer er war. Eldar hatten auch keinen Grund, beunruhigt zu sein. Trotzdem überlegte er einen falschen Namen zu nennen, wie er es meist tat, da er doch eher mit niederen Wesen zu tun hatte. Nun, bald würde er ohnehin wieder fort sein.
      "Meleas." Seinen Beinamen erwähnte er nicht - wenn sie je von ihm gehört hatte, so wäre das überflüssig.


      Thx Tom Bombadil