Ungewissheit

    • Fantasy

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    • "Haliah" robbte mit der Königin unter den Armen schnell hinter Thaam her, ehe sie sich im Gang kurz fallen ließ. Puls fühlte sie keinen mehr?

      "Warte mal. Erst deine Wunde, sonst finden die uns noch schneller wegen der Blutspur."
      Sie riss einen länglicheren Fetzen von Thaams Gewand ab, wo er es schon zerrissen hatte, und besah sich die Wunde.
      "Nur ein Streifschuss, glaube ich, es schmerzt mehr als dass es gefährlich ist.. halt mal still. Und.. äh.. halt dir den Mund zu."

      Aufgrund der Größe ihres Patienten zog sie den Verband noch enger an, fester, darauf hoffend, dass Thaam keinen Schwinger von sich geben würde oder zappeln, wie es Menschen gerne taten..

      Sofern sie dann nicht nach einem Armschwinger Thaams langsam von der Wand rutschte, las sie das Schwert auf.

      "Gut.. ich mache dir einen Vorschlag. Trag du die Königin derweil, dann kann ich vorgehen und ausspähen, dass uns niemand auflauert. Falls jemand kommt, werde ich ihn erledigen."

      Sie sah sich schnell um.

      "Wir müssten jetzt den Gang entlang, dann sollten wir an den Privatgemächern und einer eigenen Küche vorbeikommen.."

      Sie huschte zur nächsten Wand und drückte sich an diese, dann begann sie sich langsam an dieser entlang zu bewegen, geübt in den Schatten bleibend.
    • Hinter "Haliah"s Rücken erklang ein Fauchen. Der Verband - gut, da schuldete er ihr vielleicht etwas. Aber sonst ? Reichlich lieblos packte er die Leiche der Königin am Handgelenk und machte sich nicht die Mühe, sie sich mit dem gesunden Arm auf die Schulter zu laden, sondern schleifte sie einfach hinterher. Wirklich viel schienen ihm gängige menschliche Werte nicht gerade zu bedeuten... Derweil wuchs sein Fragenstapel: Diese Haliah war doch niemals eine einfache Bedienstete, so... engagiert... wie sie hier vorging und was für seltsame Sonderwünsche sie zudem hatte. Er würde das aber alles auf später verschieben, seine Stimme würde jedes Bemühen um leise Fortbewegung konterkarieren.


      Als Selia sich einer Ecke näherte - Thaam befand sich einige Meter hinter ihr - konnten sie Schritte hören. Zwei in die Uniform der königlichen Wachmannschaft - Ringpanzerhemd, Schwerter, Helme und darüber die dekorative Robe - gekleidete Personen bewegten sich sehr schnell den Gang entlang in ihre Richtung. Nicht alle Wachen schienen sich am Gemetzel zu beteiligen, viele wurden auch von ihren scheinbar eigenen Kollegen umgebracht. Gab es noch loyale Überlebende oder hausten in diesem Schloss nur noch Verräter ?
    • "Thaam! Du musst sie tragen, über den Boden schleifen ist zu laut." Das Gefauche überging sie einfach. Als sie Schritte hörte und dann die beiden Wachen bemerkte, blickte sie zu Thaam und hielt einen Finger vor den Mund, ihm bedeutend leise zu sein. Sie hob zwei Finger, dann deutete sie auf eine nahe Türe, durch welche der Hasst möglichst schnell aus dem Sichtfeld entkommen sollte. Sie selbst huschte, da die Decke aus Steinbögen bestand, ohne Möglichkeit zur Deckung, leise durch eine Türe in ihrer Nähe, welche sie bis auf einen winzigen Spalt schloss, durch das Schlüsselloch schauend, so es dieses gab..

      Das Schwert hielt sie bereit zum Zuschlagen, in Gedanken einige Worte wiederholend: "Leere den Geist, sei klar und bereit."
    • Komeak nahm in aller Ruhe das Tablett von seinem Kopf, packte das als Stoßdämpfer missbrauchte Stück Fleisch und zog es dem anderen Zwerg mit einem wuchtigen Hieb quer über das Gesicht. Das aufgeregte Gebrabbel der Zwerge verstummte augenblicklich, war doch der ganze Hofstaat bestürzt über diesen tätlichen Angriff auf einen langjährigen Vertrauten des Fürsten.
      "Du bist eine Schande für den Stein, dem dein Ahne entsammt!" Zischte der Barde mit eiseskälte in der Stimme. Das letzte was er jetzt brauchte waren unproduktive Kommentare von einem eitlen Speichellecker, welcher die Zwergischen Traditionen zugunsten von menschlichem Tand vernachlässigte.
      "Komeak, bitte!" Ertönte da eine dunkle Stimme, voll und tief mit dem Klang von Malz und Honig. Fürst Belal trat zwischen seinem Hofstaat, welchen er überragte, auf Komeak und den Beleidigten zu, eine gewichtige Miene auf dem Gesicht. Er schien keine Angst oder auch nur Hast zu kennen, was auf seinen Hofstaat, der sich nun allmählich seiner Anwesenheit bewusst wurde ungemein beruhigend wirkte, während Komeak irgend etwas unverständliches in seinen langen, geflochtenen Bart brummte.
      "Diener der Erde stehen in der Pflicht ihre Brüder durch die Dunkelheit zu führen, gerade in der finstersten Stunde." Der Fürst warf einen bedeutungsschwangeren Blick zurück in den Gang, den sie gekommen waren, in dem die Wandbehänge inzwischen fröhlich brannten.
      "Bitte Komeak, führe uns, die wir den Weg verloren haben." Sprach der Fürst ruhig, trotz der Fassungslosigkeit des Beleidigten und den mörderischen und frustrierten Blicken, die Komeak auf ihn verschoss. Doch schließlich nickte der Barde leicht.
      "Belal... manchmal möchte ich dich erwürgen." Brummte er, der Hofstaat schnappte kollektiv nach Luft und der Fürst lächelte sacht, wohl wissend, wie sein alter Freund es meinte.
      Komeak wandte sich um und stieß einen der Angestellten des Schlosses an, der wie einige anderen das Schauspiel völlig überfordert verfolgt hatte.
      "Du!" Sprach Komeak den Mann gewohnt eloquent an. "Zeig uns den Weinkeller."
      Das tat der Angestellte schließlich auch, nachdem der Barde ihn mit einem derben Tritt vors Schienbein aus seiner Starre geholt hatte.
      "Was wollen wir im Weinkeller, da sitzen wir doch in der Falle." Entsetzte sich einer der älteren Zwerge leise und der Fürst selbst antwortete ihm.
      "Es gibt Zugänge nach außen, eine Rampe oder Falltür vielleicht, die großen Weinfässer müssen schließlich irgendwie in den Keller kommen."
      Komeak grunzte zustimmend. Auch wenn Belal ein furchtbarer, verweichlichter Idiot war, wenn es sein musste war er nicht annähernd so dumm wie seine Speichellecker.
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      <Seaten>Kata ist wie Cass, nur fauler und männlich
    • Der Weinkeller war groß, doch gleichzeitig eng. Ein mit strengem Blick auf Effizienz gebauter Raum voller großer und kleiner Fässer, in dem dicht über dem Boden permanent kleine Kerzen brannten, um anzuzeigen, ob die Luft noch atembar war oder nicht. Der Magier, der hinten im Gang gestanden hatte, war zurückgewichen und hatte sich dem Andrang nicht in den Weg gestellt. Sollten sie doch in die Falle laufen: Es gab da unten durchaus große Luken, um von außen neue Fässer hinein und alte hinaus zu schaffen. Allerdings waren diese mit Schlössern gesichert, um zu verhindern, dass auch Personen hier unberechtigt verkehren konnten - und der Magier, der von einer zweiten Person begleitet wurde, wusste, dass es dauern würde, das zu knacken. Erst recht, wenn man kein darauf spezialisiertes Werkzeug dabei hatte. Er begab sich auf die Oberseite der Kellertreppe und der zweite Mann in Rüstung trat vor ihn, ohne, dass er ihn dazu auffordern musste, während er die Augen schloss. Man hätte sehen können, wie das Feuer in seinen Händen größer und größer wurde, wenn die zweite Wache denn nicht die Deckung gegeben hätte. Zwerge, die Waffen hatten, polterten die Treppe wieder nach oben, wohl wissend, was passieren würde. Doch noch bevor sie das obere Ende erreichten, duckte sich die Deckung weg und gab die Schusslinie frei. Es dauerte Sekunden, dann breitete sich von der Treppe in beide Richtungen ein Geruch nach verbranntem Haar, verbranntem Bart und verbranntem Fleisch aus. Es gab noch Leben auf der Treppe, doch es schrie vor Schmerz. Das Schlitzen und Klirren eines Schwertes war zu hören, dazu ein Ruf nach Verstärkung. Schließlich gab es einen weiteren Schmerzensschrei und das Stürzen eines Mannres war zu hören - einen menschlichen Mannes. Doch eben nur einer und nicht zwei. Der Magier meldete sich mit einer schnell bewegten Feuerwand zurück, die die unmittelbare Gefahr für ihn ausschaltete und die an den vordersten Weinfässern abstehende Holzspäne zum Glimmen brachte. Die Treppe war von ein paar toten, sterbenden und noch lebenden, aber brennenden Zwergen bedeckt, dazu einer Wache, deren Schienbeine in Trümmern lagen und die am Verbluten war. Doch der Rest des Kellers, der stand dem Magier und denen, die jetzt herbeigeeilt kamen, jetzt offen. Es würde aufgrund des doch beschränkten Bewegungsspielraumes und der sehr zahlreichen Ausbreitungshindernisse für Feuer doch eine ganze Weile dauern, sich durch alle Anwesenden zu schlachten. Der Wein war eben Wein und damit mit so niedrigen Alkoholgehalt, dass er löschend und nicht brandfördernd wirkte.


      ooc: Mit anderen Worten: Kata, es wird sehr starke Verluste unter den Zwergen im Keller geben, bis sie draußen sind, aber das haben wir ja schon im IRC besprochen :) Die Luken führen in die Nähe der Ställe.






      Der Hasst fletschte die Zähne, dann besah er sich die Tote auf dem Boden. Mit dem Pfeil im Körper wollte er sie sich nicht auf den Rücken werfen, also riss er das Kriegsgerät unsanft aus ihr heraus und legte sich die Tote über die linke Schulter. Nach dem Sturz in die Blutlache und seiner eigenen Verletzung klebte ohnehin schon eine Menge Rotes auf ihm, da kam es darauf jetzt auch nicht mehr an. Als er dann sah, wie diese Haliah ihm zugestikulierte, blieb ihm wohl für's erste nicht wirklich etwas anderes sinnvolles übrig, als dem Folge zu leisten. Hinter der Tür befand sich so eine Art kleine Kapelle. Menschen und ihr Glaube! Hasst hatten keinen Glauben - außer dem vielleicht, dass dieses ganze Getue von höheren Wesen, höheren Bestimmungen, Schicksal, dem Stein oder je nachdem von welchem Volk man sprach, Blabla war. Ihre 'wir sind in die Welt geworfen und müssen damit zurechtkommen, dass wir manches nicht begreifen können'-Haltung konnte man pragmatisch nennen. Viele Menschen nannten sie desillusioniert, und es gab unter den Hasst nicht wenige, die dieser Diagnose sogar zustimmen würden: In ihrer prekären Lage war die Verehrung irgendwelcher nicht ganz real und konkret fassbarer Dinge nicht zuletzt auch ein zu teures Luxusgut.

      Die beiden Wachen hatten es ohnehin schon eilig gehabt, doch jetzt, als aus einnem anderen Teil, scheinbar weiter unten gelegen, ein lautstarker Ruf nach Verstärkung zu hören gewesen war, rannten sie, und ließen Selia hinter der Tür links und später Thaam hinter der Tür rechts unbehelligt. Der grauhäutige Riese wartete einige Sekunden, dann öffnete er seinen Raumtrenner wieder und zog den zu Selias versteck auf.
      "Du könntest mir mal verraten, was wir machen, wenn wir draußen sind. Ein paar Pferde nehmen ?"
    • Da war der Hasst einen Tucken schneller als Selia gewesen, die gerade noch die Hand am Knauf hatte und nun eine Türe.. nun ja, kurz ins Gesicht bekommen hatte. Sie fluchte kurz, dann sah sie zu Thaam.

      "Pferde sind bei deiner Statur nicht ausreichend. Eine Kutsche wäre besser.. es sind ja einige Adlige dabei."

      Sie grinste Thaam frech an.

      "Wie wäre es mit der Kutsche von diesem Adligen, bei dem du auf dem Feste warst, Thaam? Die so abfällig machten.."

      Sie hielt sich die blutende Nase fest zu und sprach mit näselnder Stimme weiter.

      "Sobald wir weg sind, suchen wir eine nahe Höhle in der Wildnis auf, dort werden wir noch einiges finden, was wir brauchen und mitnehmen müssen. Dann schlagen wir uns zum nächsten Dorf durch und kaufen erst einmal neue Sachen, du brauchst auch neue Kleidung. Oder hast du andere Vorschläge?"
    • "Ach den Adeligen meint ihr ? Woher soll ich wissen, wie seine Kutsche aussieht ? Wisst ihr das etwa auch ?"
      Es gab eine Menge, über die er mit ihr ein sehr kritisches Wörtchen würde reden wollen - später, wenn sie hier raus und in Sicherheit waren. Dass sie dank ihm eine blutige Nase hatte, ignorierte er.

      Sie fanden keine weitere Tür, die offen stand und nach draußen führte, aber ein Fenster. Thaam warf kurzerhand die tote Königin hindurch, um ihnen selbst die Konfrontation mit den Scherben zu ersparen, ehe er selbst hinterher sprang. Der Hasst sah sich um: Sie befanden sich anscheinend auf der Seite des Schlosses, an der es auf der weiteren Fläche keine weiteren Anbauten gab. "Ich glaube, die Ställe sind ein ganzes Stück hier rüber." Der graue Riese setzte sich wieder in Bewegung - mit der Toten wieder auf dem Rücken. Vielleicht wollte ja diese Haliah für sich ein Pferd mitnehmen...

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    • "Und ich sagte noch, nimm Soldaten mit." Beschwerte sich Komeak brummig bei seinem Fürsten, während auf der Treppe Zwerge starben und Hitze in den Keller flutete.
      Fürst Belal zeigte eine verkniffene Miene, doch schließlich demonstrierte er, dass er im Gegensatz zu seinem Hofstaat, den er so zu schätzen schien, und entgegen seiner Aufmachung, nicht annähernd so weichgespült war. Er wechselte in die alte Zwergensprache, bestehend aus brummigen, bellenden, räuspernden und bellenden Lauten, nichts, dass all zu harmonisch wirkte, aber gut zu dem kurzen, breiten Volk passte. Schnelle befehle wurden geknurrt und geblafft und die vornehmen, verängstigten Zwerge formierten sich, willensschwach wie sie waren ohne Widerwillen und ihrem Fürsten hörig.
      Bretter wurden in Windeseile aufgerichtet, als improvisierter Schutz vor Flammenlohen aus Richtung der Treppe, auch wenn sie die Hitze nicht abhalten konnten und das Feuer nicht all zu lange.
      Das Geschrei und Wehgeklage der sterbenden nahm ab und wurde leiser, während die Überlebenden Weinfässer einschlugen und Zwerge sich mit vergorenem Traubensaft übergossen, ebenso wie ihre improvisierten Palisaden, während sich gleich drei Zwerge daran machten das Schloss der Luke aufzubrechen, immerhin waren sie Zwerge und es gab einen guten Grund, weshalb sie als unaufhaltsam galten.
      In der heißer und schlechter werdenden Luft, inmitten des geschäftigen Treibens im nackten Überlebenskampf gegen einen Magier, stand Fürst Belal zu seiner vollen, fast menschlichen Größe aufgerichtet, wie ein Heerführer aus den alten Sagen und nickte Komeak mit einer kurzen Bewegung entschlossen und grimmig zu.
      "Die Schlacht auf den tiefen Pfaden!" Intonierte Komeak lautstark ein Lied und wem das ein unpassender Moment schien um Musik zu machen, der brauchte nur ganze zwei Silben zu warten, ehe der ungewohnt organisierte Haufen an Adligen geschlossen in einem stürmischen Rhythmus Hand in Hand arbeitete.
      Weingetränkte Zwerge in dickem, nassen Zobel verstärkten weingetränkte Palisaden in dem schmalen Keller, während andere weingetränkte Zwerge die schwere Luke bereits bedrohlich erbeben ließen.
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      <Seaten>Kata ist wie Cass, nur fauler und männlich
    • Rubikant plumpste wenig elegant in eine Schneewehe, die glücklicherweise seinen Fall so weit bremste, dass er ihn weitgehend ohne Blessuren überstand. Leider war seine vielgeschätzte Unterrüstung nicht gerade wasserdicht, was dann doch eher unangenehm war. Schlotternd grub er sich aus dem Schneehaufen hervor und sah sich um - die Zinnen des Jagdschlosses waren hochtrabend, aber leider verbarg das eventuelle Scharfschützen vor seinem Blick.
      Und ihm vor deren Blicken, zumindest einstweilen. Das ließ sich doch ganz gut an! Auf dem Hof selbst irrten einige Adligen in prunkvollen, aber zerrupften Gewändern umher, die etwa vereinzelt davonreitenden Gestalten nacheilten, einfach auf dem Boden lagen oder mit großen Gesten herumschrien, ohne das jemand sie beachtete. Leichen waren nicht viele zu sehen. Trotzdem watschelte er so schnell er konnte in Richtung des breiten, gedrungenen Stallgebäudes, unter dessen Vordach auch die Kutschen standen.
      Hoffentlich hatten die Männer sich an seine Anweisungen gehalten, und waren bereits im Stall, um die Kutsche bereit zu machen - Rubikant lobte seine Voraussicht, solche Vorbereitungen zu treffen, auch wenn es dabei eher um einen Fall gegangen war, wo er sich am Hof unmöglich machte und eilig abreisen musste.
      Wenn der Hof in ein Massaker ausartete, fand er es allerdings sehr unmöglich, noch dort zu bleiben.
      Nach Minuten, in denen er sich immer wieder hektisch umsah, dass ihn auch ja keiner mit Pfeilen spickte oder sich an seine Beine klammerte - er trug zum Glück robuste, aber kleidsame Stiefel, statt die nutzlosen Zierschuhe der Adligen, die sie auf den glitschigen Planken sogar noch langsamer machten als Rubikants eher bescheidenes Tempo.
      Die Kutschen unter dem Vordach waren noch sicher - so weit der die Dutzenden überhaupt alle überblicken konnte, doch auch hier irrten einige vereinzelte Gestalten herum, denen er tunlichst nicht zu nahe kam - bis er in einer der hinteren Reihen seine eigene Kutsche sah, eine reich verzierte, aber robuste und für lange Reisen und sogar Bergfahrten geeignete, und gerade in dieser verschwand gerade ein Paar Beine, und die Tür fiel zu.
      Nun gut, nicht dass jemand mit einer nicht bespannten Kutsche fliehen konnte, aber er war eher nicht geneigt, sein Fluchtfahrzeug mit Leuten zu teilen, bei denen er sich nicht vergewissert hatte, dass niemand sie umbringen wollte - wie den armen Marhat - und für deren Rettung er zudem Vorteile zu erwarten hatte, die den Aufwand lohnten. Er war schließlich Geschäftsmann.
      Punktum watschelte er an seine Kutsche heran, die Hand auf einem Dolch, der sich in einer Falte seines ausladenden Gewandes verbarg, und öffnete die Tür zum Gastraum der Kutsche, und versuchte impostant zu wirken. "He, ihr, was habt ihr in meiner Kutsche verloren!?"
      Der blasierte, dürre Adlige zuckte zusammen, baute sich dann jedoch zu seiner vollen Größe auf, was ihn beinahe in Kontakt mit der Decke brachte. "Dies hier ist meine Kutsche, ihr wiederliches Insekt, und nun geht und bespannt sie..." Der Adlige sah den Dolch, den Rubikant gezückt hatte.
      "Jetzt hör mal zu, du Pinkel, ich habe bei euerem Adelsspielchen mitgemacht, weil man anders nicht vorankommt in dieser Welt, aber wenn hier nichts mehr zu holen ist, ziehe ich ab - in meiner Kutsche, angefertigt nach meinen Anweisungen, mit meinem Wappen überall." Er deutete auf die Wandbehänge, die ein einfaches Schildwappen mit einem Schmiedehammer, einer Eisenzange und einem derHelme für seine Schienenrüstungen zeigte. Es sah eher aus wie ein Gildenwappen, wenn man ehrlich war, aber das Amt für Heraldik hatte es als neues Wappen des Freiherrengutes von Vallard genehmigt. Seine Frau hatte einen kleinen Anfall bekommen.
      "Dann müsst ihr mich mitnehmen, ich bin der Großfürst von Wiltering und habe das Ohr des Rates! Ein so edler und entschlusskräftiger Mann wie ihr braucht einflussreiche und mächtige Freunde wie mich!", bettelte der Adlige nun, auf einmal wesentlich zusammengeschrumpft.
      Rubikant geriet in Versuchung, das klang doch recht ansehnlich... wenn es denn stimmte. "Oh, Wiltering, davon habe ich gehört. Es ist eine Landschaft in Meredin, meine ich."
      "Ja, ja!", bestätigte der Adlige eifrig.
      "Dann kennt ihr doch sicher den verehrten Marhat?" Es war nicht so, dass Rubikant sich in Meredin auch nur im Mindesten auskannte, er hatte nur einmal diese Reise gemacht, und seine Pläne für eine Niederlassung standen noch ganz am Anfang. Marhat war aber von dort, und falls dieser Kerl hier log, mochte er sich verraten.
      "Natürlich, Fürst Marhat vom Wildegrund ist ein großartiger Mann, ich habe ihn gerade erst hier auf dem Fest gesprochen, sicherlich ist er auch entkommen, tatkräftig wie er ist.", schmeichelte der Adlige einer Leiche, die der halbe Saal gesehen hatte, und die aus einer anderen Gegend stammte als Wildegrund, das im Norden Meredins lag. Außerdem war Marhat kein Fürst gewesen, wenn es Rubikant sich da nicht täuschte.
      "Aha!", er zeigte mit dem Dolch auf den Adligen, "Ihr seid ein Schwindler, wusste ich es doch! Und jetzt raus aus meinem..."
      Der Adlige fiel ihm in den Arm. "Bitte habt Gnade, oh großer und edler Herr, ich will euch alles geben was ich besitze, sogar mein Lehen überschreiben, nur bringt mich bitte, bitte hier heraus!", flehte er.
      "Lasst los, ihr...!", knurrte Rubikant und wand sich, doch der verzweifelte Griff des Mannes war eisern. Doch die Scharade wehrte nicht lange, denn eine gepanzerte Faust landete im knochigen Gesicht des Adligen, und schleuderte ihn gegen die Sitzbank.
      "Lass die Hände vom Freiherrn, du Drecksack!", blaffte der Neuankömmling, ehe er den überrumpelten Kerl aus der Kutsche zerrte und zu Boden warf. "Und lass dich nicht mehr blciken!" Er trat den Adligen weg, der selbst dann noch betteln wollte, doch sich eines besseren besann, als der gepanzerte Wüstling sein Schwert zog.
      Rubikant grinste ehrlich. "Norrim! Komm her, du alter Bastard!" Er umarmte den Soldaten feste.
      "Autsch, pass auf, Rubikant, da hat mich ein Dolch erwischt.", protestierte Norrim, Kapitän der Freiherrlichen Leibgarde von Vallard, und ein Freund aus der Pflichtmiliz.
      Der Schmiedemeister verzog das Gesicht. "Bah! Wieder zwischen Platte 7 und 9? Hat die Verstärkung doch nichts genutzt?"
      "Doch, nur hatte ich schon zu viele Treffer von diesem Kerl mit dem Streithammer kassiert..."
      Näher besehen war Norrims Rüstung an einer ganzen Reihe von Stellen eingedellt, und Platte 7, eine der kleineren an der Flanke, war so weit verbogen, dass der verstärkende Riemen aus beschlagenem Leder verrutscht war. "Was haben die mit euch da drin gemacht? Ach, wo sind die anderen?"
      Norrim machte eine betretene Miene. "Nur Svea und Wiltur sind rausgekommen, die Wachen haben alle anderen abgeschlachtet. Wiltur hats am Bein erwischt, er kann nicht mehr richtig laufen. Die beiden passen im Stall auf, Jostram und Milt suchen gerade das Spannzeug zusammen."
      "Bah!", machte Rubikant. Er hatte jeden Mann und jede Frau seiner Leibwache persönlich ausgesucht, und zwölf von ihnen hierher mitgebracht, in der besten Ausrüstung die er mit seinen geschicktesten Gesellen und aus dem edelsten Stahl hatte schmieden können. Und es lebten nur noch drei!? Diese Scharade war ein Reinfall, und Ivar konnte ihn an seinem fetten Hinterteil küssen! "Komm, Norrim, lass uns machen dass wir alle hier abhauen. Ach ja, was ist denn mit Tordil?"
      Norrim schüttelte den Kopf. "Hab ihn nicht gesehen, glaube nicht dass er es geschafft hat."
      "Dreck.", fluchte Rubikant. Tordil war sein Leibdiener gewesen, und außerdem hatte er immer einen Vorrat vorzügliches Trockenfleisch bei sich, den Rubikants Magen gerade schmerzlich vermisste. "Dreck!", schrie Rubikant in den kalten Winter.
    • Haliah sprang und grub sich langsam aus einer Schneekuhle neben dem Hasst heraus, die ihm nur bis zum Oberkörper reichen mochte, sie selbst dafür fast vollständig verschlang.

      "Brrrrr... kalt... egal, weiter geht es.", murrte sie, während sie sich einen Haufen Schnee aus dem Kragen und vor den Ohren entfernte. Sie legte ein schnelles Tempo ein, was für Thaam wohl eher ein gemütlicheres Gehen sein mochte.

      "Wenn wir Pferde haben, sollten wir alle anderen Pferde auch losbinden und aufscheuchen. Damit verhindern wir, dass uns die Angreifer noch zu Pferd verfolgen können und schränken ihre Beweglichkeit massiv ein."

      Sie öffnete eine Türe und huschte in den Stall hinein, in den hinteren, exklusiveren Bereich. Sie sah sich schnell um und begann die Pferde zu begutachten. Sie entschied sich für ein schwarzes Pferd, welchem sie beruhigend die Hand auf die Nüstern legte und einen Sattel auflegte. Schnell sah sie sich noch nach einem weiteren Pferd um, ein braunes Pferd nun, welches sie losband und nun mit dem Seil mit dem Sattel des ersten Pferdes verband.

      "Thaam, in einen Sack damit und auf den Rücken des Pferdes." Sie selbst holte einen Sack und half die Leiche zu verstauen und dann sicher auf dem Rücken des Pferdes zu verstauen.

      "Komm, mein Schöner. Zeige, welch Feuer in dir steckt."

      Sie schwang sich auf und sah zu Thaam.

      "Auf geht es."

      Damit öffnete sie weitere Stallboxen.
    • Rubikant hatte sich ein Schwert und eine Hellebarde geschnappt und war zum Stall aufgebrochen - dem großen, allgemeinen Bereich, wo die Zugpferde und Reittiere des Gesindes untergebracht waren. Dort standen auch seine eigenen Kutschpferde, und die Reittiere der sinnlos ermordeten Wachen, sowie der paar Überlebenden. Die Hellebarde war vor allem für Wiltur, der seine eigene verloren hatte, wie Norrin sagte. Der alternde Kapitän war bei der Kutsche geblieben, um weitere Störungen zu vermeiden.

      Drinnen schnauften die vier Pferde der Kutsche und nur zwei für die Wachen, während der Kutscher und der Stalljunge gerade alle bespannten. Wiltur saß an der Seite, ohne Helm, dafür mit einer Menge getrocknetem Blut am Kopf, aber anscheinend bei Bewusstsein. Svea, eine stämmige Frau die man leicht für einen Zwerg halten konnte, abgesehen von der Größe, passte auf dass keines der Pferde entwischte und niemand zu nahe kam. Ein paar Bolzen steckten hier und da in den Balken, um zu demonstrieren wie ernst sie es meinte.
      Rubikant erkannte sie jedoch. "Herr!", rief sie ihm zu.
      "Svea! Jostram! Wiltur!", gab er zurück, und schwenkte grüßend die Stangenwaffe, die ein Stück zu lang für ihn war. "Geht es voran?", fragte er ein wenig gehetzt, als er heran war.
      "Sicher, so schnell es geben geht mit sechs Pferden und vier Händen." Im Hintergrund wiehrten andere Pferde, weit hinten im Stall ging irgendwelche Bewegung vor sich. Eine der Gestalten dort war sehr groß, mit einem roten Livree.
      "Svea, pass acht, da hinten ist einer von diesen Grauen." Die Frau spannte sich. Sie war eine gute Wache, aber etwas phantasielos.
      "Soll ich schießen?"
      "Nein, lass das Ding gewähren, wenn es zu nahe kommt, droh ihm. Wir brauchen jetzt keine Störungen. Wiltram, kannst du stehen."
      Der andere Wächter schüttelte den Kopf. "Kaum, Herr, aber mit der Hellebarde kann ich es versuchen."
      Jemand kam herangeritten und schlug im vorbeireiten alle Stalltore auf und machte Lärm. "Dann mach." Rubikant reichte die Hellebarde an den Mann weiter, der Kutscher hielt die Pferde ruhig.
      "He, ihr dort! Haltet euch von unseren Pferden fern!", rief Rubikant der entfernten Gestalt auf dem Pferd zu, das Schwert noch am Gürtel. Wiltram raffte sich hinter ihm auf, mitsamt der Hellebarde, Svea hielt ihre Armbrust mit dem eigenartigen Holzkasten darauf gesenkt - noch. Allein die Schienenpanzer, in denen die beiden Wachen steckten, machten es ziemlich offensichtlich, dass sie nicht zu den kettengepanzerten Verrätern gehörten, doch Rubikant rechnete sich nicht aus, dass irgendeiner von den Halbverrückten hier, der schon anfing eine Panik zu entfachen, ohne Gewalt zu stoppen war. Er hatte diesen Dreck hier satt.
    • Wein war nicht das Einzige, was bald im Keller umher schwappte. Gut, da war auch Blut, aber auch das war nicht das Entscheidende. In einem Schloss wie diesem, in dem ein enormes Fest abgehalten werden sollte, lagerte nicht nur eine Unmenge Wein, sondern auch Öl. Öl, das man hertragen konnte, das man entzünden konnte und das dabei auf dem Wasser schwamm. Doch das war die ultima ratio, zu der es nicht mehr kam. Nicht, weil man etwa den Keller gestürmt hätte, sondern, weil der Magier wartete. Er wartete darauf, dass die erhitzte Atmosphäre und die enorme Oberfläche, über die die Zwerge selbst den Wein verteilt hatten, ihre Arbeit getan hätten. Obschon das alte und rostige Schloss mittlerweile nachgegeben hatte und die Luke nach draußen aufgesprungen war, wartete er noch, während die ersten Zwerge entkamen. Doch dann traten der Magier und seine Begleiter so weit zurück, wie sie es nur konnten, und ein weiterer Flammenstoß brachte die überbordenden Alkoholdämpfe im Keller zur Explosion. Komeak und einige andere befanden sich draußen und wurden nur in den Schnee geschleudert, der Rest - nunja, vielleicht war es besser, man sah nicht noch einmal nach. Sie befanden sich nun in der Nähe der Ställe.



      Fein. Dann wäre er jetzt immerhin diese Leiche auf seinem Rücken los. Aber ansonsten konnte Thaam über Haliahs Pläne nur den Kopf schütteln, sofern diese Geste der Ablehnung unter Hasst denn allzu verbreitet gewesen wäre. Einerseits wäre es ja begrüßenswert, wenn niemand sie zu Pferde würde verfolgen können, andererseits: Hatte diese Frau auch nur einen lichten Moment darüber nachgedacht, wie lange es dauern würde, hier auch nur eine Mehrheit aller Tiere aus dem Stall zu befreien und dann auch noch zu verscheuchen ? Diejenigen Pferde, die für Kriegszwecke trainiert waren, würden das ganz sicher nicht so leicht mit sich machen lassen. Aber anscheinend war sie bewaffnet und konnte gut kämpfen, seine Waffen lagen nicht mehr erreichbar irgendwo im Gesindetrakt. Damit erhöhte sie seine Chancen hier raus, solange die Kooperation bestand. Knurrend machte sich der Hasst daran, die Boxen schlichtweg aufzutreten und die Tiere mit einer Eisenstange, die er gefunden hatte, anzustacheln. Doch selbst so würden sie niemals auch nur annähernd durch den gesamten Stall durch sein, ehe es schon zu spät war, zumal die Methode für einen äußeren Beobachter eigentlich nur nach Aufmerksamkeit schreien konnte. Dann allerdings gab es einen Knall, der aus Richtung Schloss kam. Er konnte die genaue Quelle weder sehen noch akustisch identifizieren, aber es hatte sich angehört wie eine Explosion - und das konnte irgendwie nichts Gutes bedeuten. "Haliah! Wir sollen hier weg! Jetzt!.... Haliah ?" Verdammt war die schon weit vorne. Thaam kniff die Augen zusammen: Das sah nach Problemen aus. Genauer ausgedrückt: Nach ausgerechnet dem Problem. Diesem kleinen, überernährtem, quallenartigen, in seinem Gedächtnis bereits als widerlich gebrandmarktem Problem. Und es hatte auch noch Helfer. Helfer mit Waffen. Er beschleunigte seine Schritte, ohne dabei von der Eisenstange zu lassen, bis er wieder neben Haliah stand, an die er auch auf ihrem Pferd noch ohne weiteres mehr als heranreichte. Er gab ein mies gelauntes "Wir wollen eurem Fettberg nichts." von sich.

      The post was edited 2 times, last by Fetzenkrieger ().

    • Ah, da war ja der Adlige. Und leider mit Begleitung, nun ja noch.. doch jetzt war keine Zeit sich darum zu kümmern. Sie sollten die Finger von ihren Pferden lassen? Gerne..

      "Vielleicht wollt ihr euch beeilen, da hinten kommen einige Wachen." Das war zwar ein Bluff (hoffentlich), aber Ablenkung war immer gut.

      "Und denen wollte ich nicht die Möglichkeit zugestehen uns direkt verfolgen zu können. Oder wollt ihr das?"

      Sie sah nach hinten.

      "Komm, Thaam." Und sie würde dem Pferd die Sporen geben wollen, um hinaus aus dem Stall zu schießen. Thaam hoffentlich im schnellen Schritt direkt bei ihr.

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    • Er verzog hasserfüllt das Gesicht. Dieser verfluchte Skalve... "Lasst uns in Ruhe. Mehr wollen wir nicht." Er hatte genug von diesem Unfug in diesem dreckskalten Land. Die Frau auf dem Pferd - ah, diese Elfe, die vorhin verschwunden war, ohne dass sie ihre Arbeit gemacht hatte. Was auch immer. Falls Wachen kamen, würde Norrim schon Alarm schlagen, aber Sie hatten wirklich nicht mehr Zeit. Die beiden Gestalten verschwanden in die andere Richtung aus dem Stall.
      Aber selbst wenn gerade keine Wachen auf dem Weg waren, es machte durchaus Sinn, die Verfolgung etwas zu erschweren. Sicher hatten die noch irgendwo anders Pferde abgestellt, dieses Ausmaß von Verrat - wohl eher ein Umsturz! würde sicher nicht daran scheitern, dass man Leute entkommen ließ. Es war sicher besser, abseits der Wege zu bleiben... vielleicht war irgendwo in der Nähe ein Pfad. Der Wagen sollte das schaffen. "Jostram, wie lange brauchst du?"
      "Nur noch dieses Pferd, Herr!", antwortete der Kutscher, Schweiß auf der Stirn. Der Stalljunge war nicht zu sehen, hatte sich wohl verdrückt. Auch egal jetzt. "Svea, gib mir die Armburst und hilf ihm, wir müssen uns beeilen." Rubikant stellte sich breitbeinig hin. Er war zu kurz geraten, um ein Pferd bezäumen zu können, doch jemanden mit einer Armbrust treffen, das bekam er wohl hin.
      Hoffentlich kamen nicht wirklich Wachen.
    • Seit wann konnte Wein eigentlich Explosionen verursachen?
      Von Schnapslagern hatte Komeak das zwar schon gehört... aber Wein? Vielleicht waren im Weinkeller auch ein paar Fässer Schnaps gewesen, die offen waren? Andererseits hatte er nichts gerochen...
      Schon erstaunlich was einem alles durch den Kopf ging, während man mit einem Fiepen im Ohr reichlich benommen durch die Luft segelte.
      Der Aufprall war hart und trieb ihm die Luft aus den Lungen, aber Zwerge waren zäh, so richtete er sich auf, nicht annähernd so behände wie gewollt, schüttelte benommen den Kopf. Die Welt kippte und schlug ihm noch einmal gegen die Schläfe, ehe er begriff, dass ihm schwindlig war. Noch einmal richtete Komeak sich auf, vorsichtiger diesmal und kam etwas wacklig auf die kurzen Beine, ehe er sich umsah und sich in den schmerzenden Ohren puhlte, während das widerliche Fiepen nachließ, welches der Knall der Explosion verursacht hatte.
      Dicke Rauchschwaden quollen aus der Luke zum Weinkeller und im Umkreis einiger Meter richteten sich nun auch allmählich andere Zwerge auf, die mit ihm heraus geschleudert worden waren. Er zählte drei. Die drei, welche die Luke aufgebrochen hatten. Dann einen weiteren, der nicht so viel Glück gehabt hatte. Er stand zwar, doch lag das nur an dem Zaunpfahl, auf den er, Kehle voran, gestürzt war. Ein weiterer lag reglos in einer Schneeverwehung und Komeak trat auf ihn zu, blickte auf den Zwergenfürsten, der mit offenen, blicklosen Augen in den Himmel starrte.
      Komeak verpasste ihm eine schallende Ohrfeige und wartete einen Moment.
      Er hatte bereits zum zweiten Mal ausgeholt, ehe Fürst Belal wie in Zeitlupe das Gesicht schmerzhaft verzog, blinzelte und Komeak anstarrte.
      "Meine Frau?" Verlangte der Fürst zu wissen, leise ohne wirklich die Lippen zu bewegen.
      Komeak blickte zum Schloss. Die Fürstin war bei ihrer Ankunft von der mitgebrachten Dienerschaft in die Gemächer geleitet worden, wo sie alles auf ihre Richtigkeit überprüfen wollte. Der Barde kannte das Fürstenpaar schon sehr lange und trotz aller Adelsattitüden waren sie aus echtem Stein geschnitzt, auch wenn das besonders in den letzten Jahren nicht mehr zu sehen gewesen war. Aber Komeak kannte die Beiden und so wiegte er nur sacht den Kopf, anstatt ihn zu schütteln.
      Fürst Belal verstand seinen alten Freund, packte dessen Hand und ließ sich hochziehen. Die Wandlung vom weichen, hochmütigen Zwergenfürsten, die auf dem Weg zum Keller begonnen hatte war inzwischen abgeschlossen wie es schien. Komeak grinste wild. Das war der Belal den er kannte und den er vermisst hatte die letzten Jahre. Da war kein bequemer Fürst mehr, der Menschen nacheifern wollte, da war nur noch dieser riesige Zwerg mit den kalten, harten Augen aus blauem Stahl, der viel besser in eine Rüstung als in einen Nerzmantel passte und der eigentlich eine große, zweihändige Axt hätte in Händen halten müssen.
      "Los!" Blaffte er auf zwergisch und Seite an Seite mit Komeak hetzte der Fürst zum Stall, sich nicht länger um die anderen Zwerge kümmernd. Hier ging es ums Überleben, ums Kämpfen, da war kein Platz für reiche Speichellecker, die sich mit anderen Speichelleckern mit feinen Waffen prügelten und es edel ein Duell nannten. Sie würden noch auf ihr Geburtsrecht pochen, wenn einer dieser Verräter ihnen die Klinge auf die Brust setzen würde. Komeak hatte es gewusst und Belal hatte sich nun, in der Stunde der Gefahr wohl endlich wieder daran erinnert was es tatsächlich bedeutete ein Born-Zwerg zu sein. Wenn die einzige Chance zu überleben zu Fliehen war, dann gab es keinen Platz für Edelmut und Standesdünkel, dann floh man um später kämpfen zu können. Es lag weder Ruhm noch Klugheit darin es anders zu handhaben, nur Dummheit. Doch so viel gesunden Zwergenverstand schienen die restlichen drei nicht aufbringen zu können, da sie nur verwirrt zu ihrem Fürsten sahen als dieser den Befehl gab und dann wieder zu der Luke blickten, hinter der sie fast gestorben wären wie viele andere. Und da hieß es immer Speichellecker seien zwar Feiglinge, aber immerhin lebendige Feiglinge... in Kürze würde man bei diesen das Lebendig wohl auch streichen können.
      Die beiden Zwerge rannten überraschend schnell auf ihren kurzen Beinen in das nächste Gebäude, welches der Stall war und blieben wie angewurzelt stehen, als sie sich mehreren Bewaffneten gegenüber sahen. Besonders einer Armbrust.
      Einer geladenen Armbrust.
      Getragen von einem kleinen, runden Mann.
      "Ich dachte die meinen wären die einzigen Zwerge hier?" Kam es verblüfft von Fürst Belal, während Komeak sich hektisch umsah ob es nicht doch irgendwo Deckung oder Waffen gab.
      "Das ist ein Mensch, sieh dir die Babynase an." Grunzte Komeak, der inzwischen die Sinnlosigkeit seines Tuns eingesehen hatte. Gegen eine Armbrust konnten sie nichts unternehmen, nicht auf diese Distanz.
      "Oh..." Kam es leise von Belal, der ebenfalls die Situation begriff, in der sie sich nun befanden.
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      <Seaten>Kata ist wie Cass, nur fauler und männlich
    • Haliah stob mit ihren Pferden und der Last vom Anwesen. Sobald sie etwas außer Sichtweite war, lenkte sie die Pferde abseits des Pfades in die Wildnis hinein. Sie verfiel nun in einen langsameren Gang. Einige Zeit später würden sie eine gut getarnte Höhle erreichen, die Haliah für Thaam erkenntlich machte, indem sie abstieg und die Tarnung des Einganges beiseiteschob. Sie lud die Leiche ab und begab sich mit dieser in die Höhle, wo man noch ein leicht ersticktes Wimmern vernehmen könnte.

      "Das dauert etwas, ich werde mich umkleiden. Pass du auf, dass niemand kommt, ja?"
    • Die Höhle konnte man aus Thaams Perspektive als einen entwürdigenden Gang des zwangsweise selbst zugefügten Eingequetscht-Werdens beschreiben - also nichts, was er nicht schon von menschlichen Gebäuden gewohnt gewesen wäre. Als diese Haliah dann allerdings ankündigte, sich umkleiden zu wollen, schnappte er mit dem gesunden Arm zu.

      "Hast du denn wirklich so viele Dolche, die du wieder anlegen musst, dass es so lange dauert ?" Selias Füße hoben derweil so unsachte, wie es die Kleidung zuließ, ohne zerrissen zu werden, vom Boden ab.
      "Du machst zu Beginn einen auf Dienerin. Dann haust du urplötzlich ab und wirst nicht mehr gesehen. Dann stirbt jemand noch bevor die Wachen überhaupt irgendwelche Anstalten gemacht haben. Dann bist du auf einmal wieder im Saal... Dann frage ich dich, was du denn da hast mitgehen lassen, und du verschiebst die Antwort ohne Worte auf unbestimmte Zeit. Dann wäre da noch der Umstand, dass du für eine einfache Dienerin scheinbar verdammt viel Ahnung vom Kämpfen hast, und dann noch die Sache mit der Leiche der Königin, die du unbedingt aus dem Saal haben wolltest... Und jetzt dieses Wimmern von jemandem, den du anscheinend hier versteckt hälst. Aber warte mal, ich komm' schon noch drauf..."
      Völlig ungeniert begann er, mit der anderen Hand am verletzten Arm an ihren Körper herumzutasten, bis er das Objekt unter dem Stoff ausgiebig befummelt hatte und es dann schließlich ans Dämmerlicht der Höhle zerrte. Thaam fletschte einmal mehr kurz die Zähne, ehe er fortsetzte: "Von mir aus kannst du von den Menschen und Zwergen hier so viel klauen wie du willst. Ja du darfst sie von mir aus auch gerne umbringen, kann mir eigentlich nur recht sein, wenn ihr euch selber umbringt. Nur wirst du akzeptieren müssen, dass ich darauf achtgebe, wenn ich das Gefühl bekomme, jemand in meiner unmittelbaren Nähe könnte mich gleich erstechen wollen, sobaldich als Deckungs- und Leichenträger meinen Nutzen verloren habe." Er ließ Haliah los, so dass sie auf den Boden zurückfiel, dann setzte er sich an die Wand der Kaverne. Er fühlte sich etwas ausgelaugt - diese Wunde hatte doch Reserven gekostet, und er war in dieser Kälte bald halb nackt unterwegs, während die noch intakten Stoffteile mit erheblichen Mengen Blut getränkt waren und so noch mehr Wärme entzogen. Er würde irgendwann Nahrung brauchen - viel Nahrung.

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    • Haliah zappelte in seinem Griff.

      "He, was soll.. lass mich.. Finger weg!" Als er ihr dann seine Schlussfolgerungen vorhielt, reagierte sie überrascht, verzog dann aber den Mund.

      "Das hast du dir ja schön zusammengereimt.. ganz einfach, ich war fort eine Bestellung für einen Gast besorgen. Als ich wiederkam, ging das Gemetzel los, ja. Aber ich war nicht die einzige, die unterwegs war. Zumal, wie sollte ich denn jemanden ermorden, wenn ich nicht da bin? Und ja, ich habe Kampferfahrung.. und? Ja, ich habe mich eingeschlichen.. aber die Königin war niemals mein Ziel! Über die Krone bin ich einfach gestolpert, die Leiche.. aus einem einfachen Grund. Plündern und unsere Feinde verwirren. So werden sie nie sichergehen können, dass sie wirklich tot ist.. und ohne Kroninsignien, wie dann jemand Neuen einsetzen?"

      Sie rieb sich über den Körper.

      "Ich schlage einfach vor, du vergisst die Sache hier.. und wir beide können zufrieden weitermachen wie bisher. Was willst du nun eigentlich tun, Hasst?"
    • Während Svea und Jostram sich am Zaumzeug des letzten Pferdes zu schaffen machten, behielten Rubikant und Wiltur den Stall im Auge. Das war recht einfach, denn es gab nur zwei Richtungen, in die man schauen konnte, zumindest in diesem Abschnitt. Der Stall war trotz dieser relativ simplen Form gewaltig, und eher dämmrig beleuchtet. Es gab dennoch viele Lichtquellen, doch es waren anscheinend keine Lampen vorhanden.
      Das irritierte ihn etwas. "Hey, Wiltur, weißt du wie sie den Stall beheizen?", fragte er die Wache inzwischen gänzlich ohne die Allüren des Adels.
      "Feuerkessel im Keller, die Eisenrohre erwärmen, denke ich. Zwergischer Kram." Der Mann mit dem gebrochenen Bein klang erschöpft. Es war tatsächlich gebrochen, wie man an der Schiene sehen konnte, aber wie das passiert war...
      Das unverdächtige Trällern eines Vogels war von draußen zu hören. Der Ton war allerdings etwas dringlicher als die anderen Rufe solche Vögel, die man allenthalben aus dem nahen Wald hörte, denn es war ein Signal von Norrim, dass jemand näher kam. Der Mann war damals ein Späher gewesen, als die zusammen in der Miliz waren.
      Rubikant legte die Armbrust an und zielte auf den Eingang zum Stall, hinter sich hörte er geklapper, als auch Svea und Wiltur sich bereit machten.
      Dann kamen zwei kurze, stämmige Gestalten in Sicht, die zögerten mitten auf den Gang zu kommen, als sie ihn entdeckten, und sich in einem sehr tiefen Basston unterhielten, den man auf die Distanz nicht verstehen konnte. Doch er erkannte an dem Schmuck der einen und den groben Kleidern der anderen Gestalt, wen er vor sich hatte. Der größere der beiden kam ihm sogar bekannt vor, hochgeschossen für seine Rasse, und damit immer noch einen halben Kopf kleiner als Rubikant, wenn auch aus etwas anderen Gründen breit.
      Rubikant hatte die Waffe bereit gesenkt. Nicht vorstellbar, das Zwerge mit diesem Reinfall etwas zu tun hatten. "Holla! Seid ihr Fürst Belal der Zwerge? Ich bin Rubikant, Sohn von Bragel, Enkel von Mundak; ich habe einen Liefervertrag mit einem eurer Minenvorsteher!", rief Rubikant in dem gebrochenen Zwergisch, das er mit seinem viel zu hohen Wuchs gerade so hinbekam. Er hängte die Waffe betont über seine Schulter. "Kommt nur heran, wir haben mit dem Chaos hier nichts zu schaffen.", ergänzte er, wie er meinte, überzeugend. Er wirkte vielleicht ein bisschen arg aufgeregt, denn wenn er dort wirklich Belal erkannte, mochte das hier ganz vorzügliche Gelegenheiten ergeben.
    • "Eine Bestellung für einen Gast ? Soso." Thaam hob nicht die Augenbrauen, aber die Implikation hinter der Frage war doch trotzdem ziemlich eindeutig.
      "Als du gegangen bist, standen wir beide neben diesem einen Zwerg da... Komeak oder so, glaube ich. Dir waren gerade die Getränke ausgegangen und ich habe dir ausgeholfen. Dann bist du, ohne dass jemand etwas zu dir gesagt hätte, gegangen mit der Begründung, du würdest Nachschub für die Gäste holen. Von da an habe ich dich aber bereits nicht mehr im Saal gesehen, schon gar nicht mit einem ganzen Tablett voller frischer Fressalien. Ein wenig viel Zufall, oder ?" Er machte eine kurze Pause, um Selia Zeit zu geben, darüber nachzudenken, ehe er nachsetzte: "Und.... 'unsere Feinde'... werden aus Meuchelmörderinnen und Plünderinnen so schnell Freiheitskämpferinnen für die Wahrheit und die gerechte Sache ? Passt irgendwie nicht dazu, dass ich die Sache einfach vergessen und wir beide wieder zufrieden weitermachen sollen 'wie bisher' ?"

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