KGW 2012 #1 - Der Wahnsinn des Alltags Teil 1 - Eure Geschichten

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  • Montag früh um 6 Uhr. Ich werde rückwärts aus dem Bett gerollt und falle direkt in10 Mausefallen, meine Freundin hat sich ihren Punkt auf unserer Skala der verrückten Weckmethoden verdient. Mit blauen Flecken geplagt schleppe ich mich zum Bad. Ich habe eigentlich schon genug Stress heute weil ich das Auto in die Werkstatt schaffen muss und mit der räudigen Bahn zur Arbeit fahren darf. Alle 2 Jahre blüht mir dieses Erlebnis, immer dann wenn mein Auto zum TÜV schaffen muss. Naja also los geht’s, Armani Jacke an Laptop geschnappt, I-pad mit bereits eingeloggtem Ogame Top 1 Account (U63 gotteshand) startklar und eingepackt. Ab in den AMG Mercedes vor meiner Villa, mit 120 Sachen ab zur Werkstatt. Die KFZ Mechi‘s hab ich ordentlich rund gemacht und ihnen klare Ansagen verpasst damit sie ja keinen Mist bauen wie vor 2 Jahren. Mietwagen haben sie wie immer nicht, naja wenigstens gibt’s das Straßenbahnticket umsonst. Grundsätzlich mag ich erst mal niemanden und somit schon gar nicht dieses poplige Volk in den Straßenbahnen, naja was soll‘s da muss ich durch, so schlimm kann’s nicht werden. Ich steh nun an der Haltestelle und alle fahren sie mit ihren Luxuswagen vorbei, schön Heizung und Klimaanlage gleichzeitig an, ordentlich Musik dabei und feinstes Alcantara Leder mit Popoheizung. Ich steh draußen in der Kälte und mein nicht gefütterter knitterfreier Anzug hat schon lange die Kälte nach innen durchgelassen. Egal die Bahn sollte gleich kommen. Neben mir sucht ein Penner nach was zu essen in der Mülltonne, ich gebe ihm 5 Euro und sag, kauf dir bitte keinen Alkohol, er wird’s sowieso tun aber egal, ich hab eine gute Tat vollbracht. Mit 2 Minuten Verspätung kommt das Ding an gequietscht, Türe auf, zack rein, ich will einfach nur einen freien Sitzplatz haben und News lesen. So eine Rasselbande von Kinder schaben mit ihren Rucksäcken über mein I-Pad, klasse, naja was soll‘s cool bleiben. Der Platz am Gang ist immer noch besser als der vor mir, wo der Typ am Fenster von der dicken total eingeschweißt wurde. Nachrichtenseite geht nicht auf da die Bahn gerade im Tunnel ist, alles das war noch auszuhalten, aber als mir ein Penner auf meine Klavierlackschuhe spuckt ,verlier ich fast die Kontrolle. Aber dann bemerkte ich, dass er so dicht ist, dass aller Aufwand vergebens wäre. Also den Dreck irgendwie an der dicken Dame vor mir abgewischt, im Fett hat sie kaum Gefühl und merkt es nicht. An der nächsten Haltestelle steigt eine Oma mit Geh-Hilfe ein, ok I-Pad aus, Platz machen, ich bin zwar arrogant, aber ich bin gut erzogen worden. Jetzt nervt die Ansage, schon schlimm genug das ich meine Freundin zu Hause immer hören muss, jetzt höre ich sie an jeder Haltestelle, sie hat ihre Stimme zur Verfügung gestellt für die Durchsagen über die Lautsprecher. Schon den ganzen Sonntag hat sie mich damit geärgert: „Nächste Haltestelle, Kaffee trinken“. „Nächste Haltestelle, Toilette gehen“. Nächste Haltestelle Bett“. Nächste Haltestelle Sex“. Ok die letzte Haltestelle war ok. Nun hatte ich es fast geschafft, es fehlen noch 3 Haltestellen dann bin ich auf der Arbeit. Aber schon schweifte mein Auge mit Schrecken auf den Personenkreis der jetzt einsteigen wollte, eine Rasselbande von schwer erziehbaren Kindern direkt aus der Sonderschule. Mit Stiften und Capri Sonne bewaffnet stürmten sie den Wagon in dem ich saß, es erinnerte mich an die Normandie Landung der Alliierten. Ich verkroch mich in die Ecke bis ganz ans Fenster mit meiner Laptoptasche als Palisadenwall aufgebaut, nur so konnte ich die letzten Meter unbeschadet überstehen. Meine Tasche kann ich aber morgen nicht mehr benutzen. Zentralhaltestelle, hier muss ich raus, ich stelle mich ganz hinten an um weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen. Als ich die Tür ins freie betrete atmet mein Körper innerlich auf. Die Abgase und der Verkehrslärm sind eine Erholung gegenüber der Erstickungsgefahr in der Straßenbahn. Als ich im Büro sitze denke ich über das erlebte nach. Trotz all dem Ärger und dem Stress bemerke ich wie ich Teil am wahren Leben genommen habe. Sonst bin ich jeden Tag abgeschottet von der Außenwelt in meinem Auto unterwegs. Aber heute bekam ich einen Eindruck über Menschen anderen Milieus und Alters. Eine Erfahrung die einen voran bringen kann, auch wenn sie in der Momentaufnahme stressig und ärgerlich waren. In 8 Stunden erwartet mich die Heimreise auf dem gleichen störrischen Pferd. Morgen wird alles wieder langweilig wie immer.



    .:Editiert von Bloodlin3r auf Wusch 05.03.2012:.

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  • Zwei wuchtige Sporttaschen hängen an mir herab, und lassen mich wie ein Kamel aussehen. Viel zuviel Gepäck für einen Wochenendausflug, aber lieber ein paar Ersatzklamotten, als im Notfall ohne dazustehen. Die Straßenbahn hält vor mir, einige Leute steigen aus und rempeln mich an, dann besteige ich die Bahn. Ich will mich nicht setzen, habe kein Interesse daran angesprochen zu werden ob neben mir ein Platz frei sei, oder selbst in die Verlegenheit zu kommen einer alten Dame meinen Platz anbieten zu müssen. Ich stehe lieber, stelle meine Taschen ans Fenster und greife nach einer Halteschlaufe. Mein Blick geht gen Boden, doch ab und zu schaue ich auf zu den Menschen um mich herum. Es wären genügend Plätze frei, ich bin der einzige der stehen möchte. Ob sie sich fragen warum ich stehe?
    Die Bahn hält und einige Schulkinder steigen ein. Sie setzen sich auf die freien Plätze ganz vorne, und stelle schmunzelnd fest, dass alle ihre klobigen Ranzen aufbehalten. Dann bemerke ich den Mann auf der gegenüberliegenden Seite. Sein Sitz zeigt in die Gegenrichtung, er schaut mich an, ich schaue weg.
    Die Bahn fährt eine scharfe Kurve, ich versuche möglichst elegant das Schwanken auszugleichen. Nach der Kurve kontrolliere ich ob meine Jacke gerade sitzt.
    Mein Blick streift das Schild über der Tür, und ich spüre wie mein Körper schlagartig erkaltet. Schwarzfahren kostet 50 Euro! Nervös schaue ich mich um. Der Fahrer sitzt vorne hinter einer Glasscheibe und scheint es nicht bemerkt zu haben. Ich krame in meiner Jacke, und bilde mir ein es besonders unauffällig zutun, bis ich schließlich meine Viererkarte in der Hand halte. Ein lautes Piepen ertönt.
    Der Mann auf den vorderen Plätzen schaut mich noch immer an. Ich drehe mich um und hoffe, dass niemand gemerkt hat, dass ich nicht sofort gestempelt habe.
    Ich blicke aus dem Fenster, und sehe auf die Autos hinab die entgegen kommen. Ein Fahrzeug nach dem anderen fährt unlebendig an mir vorbei, nur die Farben mögen sie unterscheiden.
    Die Bahn hält an, und der Gegenverkehr ebenso. Ich sehe eine junge Frau in einem Kleinwagen, wahrscheinlich eine Studentin, vielleicht auch nicht. Sie schaut gebannt auf die Ampel, und ich zähle von zehn herunter, so wie ich es immer vor Ampeln tue. Drei, zwei, eins, null: Es ist immer noch rot; ich beginne von vorn, sehe nicht auf die Ampel sondern beobachte das Gesicht der jungen Frau, das sich kaum verändert hat die letzten zehn Sekunden. Zwei, eins, null: Ich beginne wieder von vorne. Fünf, vier: Sie schaut zu mir hoch. Ob sie mich hinter der spiegelnden Scheibe sehen kann, ist die erste Frage, die in meinem Kopf aufblitzt, dann blicke ich schnell in eine andere Richtung. Null: Der Verkehr setzt sich wieder in Bewegung, die Bahn ebenfalls. Als der Kleinwagen mit der jungen Frau aus dem Augenwinkel verschwindet, traue ich mich wieder hinab zu sehen. Ein Mann in einem roten Kombi schaut zu mir hoch, es war nur ein Augenblick, dann sehe ich eine Van, und das Kind auf dem Rücksitz presst seine Nase an die Scheibe um zu der Straßenbahn aufzusehen. Es sieht mir nach. Ein Polizeiwagen rast unter Blaulicht auf der zweiten Fahrspur vorbei. Ich bemerke die Augen des Beamten, bevor eine andere Straßenbahn entgegenkommt. Hinter jedem Fenster sehe ich unzählige Gesichter. Leere Fassaden aus denen die Augen scheinen. Sie blicken mich an, ich zupfe an meiner Jacke, schiebe eine der Taschen zur Seite als würde mir nicht gefallen wie sie steht. Alle spähen zu mir herüber. Ovale Formen mit Augen die auf mich gerichtet sind; ich drehe mich um. Der Mann scheint etwas sagen zu wollen; nervös blicke ich zu den Schulkindern, die über die Lehnen ihrer Sitze zu mir gucken. Wieder fahren Menschen vorbei. Hunderte Figuren die auf mich hinab sehen. Mein gläsernes Gefängnis bewegt sich weiter. Ich schaue auf zu den Riesen dort draußen, die mich nackt werden lassen durch ihre Blicke. Die Bahn schrumpft um mich herum, kein Mensch ist mehr da der meine Scham teilt. Alleine schwebe ich hinter durchscheinenden Gittern durch den Wald der leeren Gesichter und höre ein Lachen.

    Die Straßenbahn hält vor dem Bahnhof, und ich schultere meine Sporttaschen. Die Schulkinder unterhalten sich, der Mann gegenüber blickt aus dem Fenster. Ich steige aus.



    <Fetzen> während Sunki mich im qry mit "ich muss... [ätzende haushaltstätigkeit]" abspeist diskutiert er mit minderbeknackarschten kreaturen wie euch rum! ò.Ó

    <Cold> von sunki krieg ich kopfschmerzen

    The post was edited 4 times, last by Sunki ().

  • Zum ersten mal im Leben in Köln, und ich bin aufgeregt ohne Ende. Am Hauptbahnhof angekommen, iPhone raus, Weg zur Bahn geprüft, Schilder gefunden, trotzdem erstmal Orientierungslos. Drei mal bin ich an dem Tag in der Bahn gesessen in Köln, hin, zu einem Freund und wieder zurück. In meiner Tasche: Wechselklamotten, Reisebefehl, und außerdem: Eine Armee von Plastikfiguren. In Köln, das fällt als erstes sympathisch auf, gibt’s sogar noch Schalter an denen Menschen anderen Menschen in die Augen schauen und ihnen Tickets verkaufen – toll, weil in das Automatensystem wollte ich mich nicht unbedingt einarbeiten. Also Ticket gekauft, direkt eine Tageskarte. Also in die Bahn. Losgefahren wird unterirdisch, da sind Fernseher in den Ubahnen: ESL-TV läuft. Kann ich mich direkt wohl fühlen. Umgestiegen wird oberirdisch. Es ist der 14te April 2009, ein warmer, wirklich angenehmer Frühlingstag. Im Anzug perfekt klimatisiert. Umgeschaut, iPhone raus, Marschroute überprüft, Krawatte glattgezogen, zielstrebig losmarschiert. Dann großes Hallo, mir entgegen kommt eine Meute wilder jung-gebliebener mit kriminell langen Haaren, sich gegenseitig mit Super-Soakas befeuernd. Zwei Sekunden später ist mein Anzug nass, und ich hoffe nur: Hoffentlich trocknet der, bevor ich ankomme. Umgestiegen also, in der zweiten Bahn. Es ist Mittags, die Kinder kommen aus der Schule. Mir gegenüber steht ein kleines Mädchen. Mangels eines bessren Wortes zu beschreibend als „ausländerisch“ oder so. Starrt mich erst fünf Minuten an, fängt dann an mich mit sehr farbigen Ausdrücken beschimpfen..
    Schulterzucken, durchatmen, es ist nur ein Kind, am besten ignorieren, ich will ja auch keinen schlechten Eindruck machen irgendwo. In der öffentlichkeit muss man sich ja benehmen. Das geht nochmal fünf Minuten, bis eine alte Dame aufsteht und wie in ner Komödie der kleinen mit ihrer Tasche eine runterhaut: „Zu meiner Zeit....!“
    . Ich nehme leichten Abstand zu der Szene – innerlich der Frau natürlich sehr dankbar für die Erlösung von der kleinen Göre. Ich treffe andere, Leute die denken dass sie keine Kleiderordnung zu beachten haben, Kopfbedeckung: Fehlend, nur im Hemd... naja, sehr Leger eben. Die meisten von denen werden direkt nach Hause geschickt am Ende.

    Der Tag ist soweit rüber, ich bin vorne bei den Pförtnern, werde nach Name und Dienstausweis gefragt, alles klar. Die andern sind alle schlafen gegangen, aber ich habe noch ein Date: Wenn ich schonmal in Köln bin muss ich einen alten Kumpel besuchen, also wieder in die Bahn. Oberirdisch geht’s los, die selbe Strecke zurück wie am Mittag hin. Ich bin ja schon gespannt, nach nem Hippy-Überfall und einem sehr unfreundlichen Mädchen mit Migrationshintergrund befürchte ich schon das schlimmste. Passier aber nix. Umsteigen an der selben Stelle wie Mittags. Ich bin in Freizeitklamotten, also mache ich mir auch keinen großen Kopf, wieder nass zu werden. Trotzdem bin ich vorsichtig. Die Szene ist ruhig, es ist schon dunkel. Es ist nicht im Ansatz so viel los wie Mittags, vereinzelt stehen Grüppchen von Leuten rum, da ein paar Prolls, an der anderen Ecke ne typische „Trinkhütten-Gang“ von älteren Arbeitern. Auf halbem Weg über den Bahnsteig schert einer der Trinkhütten Gang aus, nimmt einen seiner Kumpel mit und schlendert gemütlich zu den Prolls rüber. Dann: Beide nehmen ihre Bierflaschen bei den Hälsen, holen aus und schleudern sie mit maximaler Kraft in die Gruppe Prolls. Zwei Sekunden später rennen ein dutzend Jungs in Baggy Pants einem dutzend älterer Typen mit Bierflaschen hinterher. (Wild brüllend). Ich fasse mir an den Kopf und schaue zu, dass ich Land gewinne, mein Spielchen mit Plastikpüppis wartet.

    Der letzte Trip, ein einziger Tag Straßenbahn in Köln. Es geht zurück zu meinem provisorischen Zuhause. Wieder unterirdisch sitze ich, mir gegenüber setzt sich eine junge Dame. Auf den ersten Blick hübsch, gut gebaut. Und dann schaue ich genauer hin, und überhöre Gesprächsfetzen ihres Monologs (den sie mit einem deutlich verstörten älteren Herrn hält:) „Siehst aus wie mein Opa...“
    „... ich hab Tetanus ...“ „... ich will bald sterben ...“ „... deshalb hab ich das gemacht:“ Deutet auf ihre Arme. In ihrem Fleisch stecken Sicherheitsklammern, tief. Bei jeder Bewegung quillen kleine Mengen Eiter und Blut heraus. Mir wird schlecht. Aber ich bin zu dem Zeitpunkt gute zwanzig Stunden auf den Beinen, bin einmal quer durch die Republik und dreimal durch Köln gefahren (abgesehen von meinen Erledigungen in Köln und meinem Warhammerspiel natürlich.)
    Also machen, was jeder Mensch leider macht, wenn er Leid sieht: Wegschauen.
    Weit nach Mitternacht bin ich wieder am Tor, der erste Tag in Köln ist rum, die Wachmänner notieren wieder meinen Namen, und ich denke mir:

    Jecke Stadt.

    Die Bundeswehr wird sich schon was gedacht haben, die OPZ hier in die Mudra Kaserne zu stecken...
  • Krebs also. Die Diagnose kam weder plötzlich noch unerwartet, aber die Gewissheit war immer ein Schock. Gestreut hatte er, der Krebs. Lymphknoten befallen, sämtliche Organe. Chemotherapie? Nicht erfolgversprechend, aber man konnte es versuchen. Ich lehnte ab, Leichen mit Haaren sehen einfach schöner aus. Mein Nachlass war geregelt, mein Frieden mit Gott auch. Verwandte anrufen? Nein, das brauchten sie nicht, ich hatte niemanden der mich vermissen würde. Ich schlenderte in Richtung Straßenbahn mit der ich auch zum Onkologen gefahren war. Sowohl meine Wohnung als auch die Arztpraxis hatten eine Haltestelle gleich vor der Tür. Praktisch, diese Öffentlichen Verkehrsmittel in den großen Städten. Ob ich sterben würde, war keine Frage mehr. Die beiden einzigen Fragen die verblieben waren die nach der Zeit und den zu befürchtenden Schmerzen. Viel zu erledigen hatte ich nicht mehr. Sämtliche Angelegenheiten für meinen Tod waren geregelt, die Patientenverfügung auch – falls die mich noch ins Krankenhaus karren sollten. Die Papiere trug ich immer bei mir. Morgen würde ich mir den Rest meines Urlaubs nehmen – genau drei Monate – und kündigen, obwohl es unwahrscheinlich war, das ich die drei Monate noch überleben würde. Kalt begann der Regen auf mich nieder zu prasseln, ich lachte. Ich stand außerhalb der Überdachung, auf die Straßenbahn wartend. In einem T-Shirt bei geschätzten 15 Grad Celsius im strömenden Regen stand ich da und lachte. Die Leute sagten immer, man solle sich etwas anziehen bei diesen Temperaturen, ansonsten würde man Krank werden. Ich war schon Krank, meine Lage war alles andere als Lustig, aber ich lachte, lachte über diese Ironie, dieses Paradoxon. Leute guckten mich komisch an, was mich früher gestört hätte, war mir in dem Moment egal. Wenn man nicht mehr fertig wird mit etwas, lacht man. Irgendwie hilft das. Die Straßenbahn stoppte, ich stieg ein. Ohne Ticket natürlich, oho, was für ein Draufgänger. Kein Kontrolleur kam. Selbst wenn, hätte er sich die 60€ an den Hut stecken können, bis die ein Polizeiverfahren angeleiert hatten war ich Tod. Ich stand im überfüllten Waggon, wo sowieso kein Kontrolleur durch gekommen wäre. Durch meine durchnässte Kleidung rückten die Leute von mir ab. Es kam mir wie das erste Mal vor, dass ich in einer Straßenbahn Platz hatte. Wenn Krebs ansteckend wäre, hätte ich durch einmal Husten vielen den Tod gebracht, oder zumindest eine Glatze. Ich guckte nach draußen. Grau in Grau hebten sich die Wolkenkratzer und Hochhäuser nicht sehr vom Himmel ab. Im Verkehr ebenfalls keine Farbe, bis auf vereinzelte Reklamefahrzeuge. Herunterlaufende Regentropfen durchbrachen mit ihrer verzerrenden Wirkung in Grau das Bild. Die Brücke auf der sich die Straßenbahn sich gerade befand machte eine lang gestreckte Kurve und die Straßenbahn wurde langsamer. Auch der Bahnhof war grau. Eine Frau mit grellgelbem Regenschirm stach aus der grauen Masse her vor. Sie stieg in eine andere Bahn und verschwand. Leute stiegen aus und mehr ein. Es wurde enger. Das T-Shirt war schon längst wieder trocken, Menschen haben eine hohe Wärmeabstrahlung. Die Bahn verließ den Bahnhof wieder und kam auf eine Straße. Leute bremsten wie immer viel zu spät, so dass es aussah als würden sie in die Straßenbahn fahren, trotz geschlossener Schranken. Jemand hustete. Was für ein Pech, dass Krebs keine „normale“ Krankheit ist. „Normale“ Viren- oder Bakterieninfektionen sind recht leicht zu heilen, außer AIDS vielleicht. Bakterien kann man durch Medikamente abtöten, um Viren kümmert sich der menschliche Körper selbst, man braucht nur die Symptome kümmern. Krebs ist da schon kniffliger: man kann versuchen den Tumor zu entfernen, aber oft bleiben dann noch Reste zurück, Zellen sind eben mikroskopisch klein. Dann kann man eine Chemotherapie versuchen, die ausnutzt, dass die Tumorzellen so rasant wachsen. Leider hat der Einsatz Radioaktiver Substanzen die schadhafte Mutation von Zellen zur Folge, was wiederum selbst noch Krebs verursachen kann. Wenn der Tumor Metastasen gebildet hat, ist so wie so meist jede Hilfe zu spät, dann gibt es viele Tochtertumore und Krebs gilt ab dem Stadium als unheilbar. Meine Station. Ich stieg aus und ging nach Hause.

    Anm.: sollte ich scheiße gelabert haben und sich jemand mit dem Thema besser auskennen -> PN mit korrektur und ich schreibs um.
  • Ich warne vor einem hohen Anteil an Schwachsinn :3
    Ich habe bis jetzt keine der Geschichten gelesen, daher wären Ähnlichkeiten rein zufällig!

    Straßenbahn
    Was würde ich nur ohne sie tun? Die Straßenbahn ist der Mittelpunkt meiner Welt. Ohne sie hätte ich kein Ziel. Ohne sie hätte ich keinen Ort des Rückzugs. Jeden Morgen stehe ich auf, bereite mich auf den Tag vor und steige in die Straßenbahn. Und erst am Abend steige ich wieder aus. Es gibt aber auch Tage, da steige ich am Abend ein und erst am Morgen wieder aus. Aber die Straßenbahn ist mein kleines Versteck. Ich sehe in ihr eine Aufgabe. Vielleicht hätte ich schon aufgegeben, ohne sie.
    Niemand war da, um mich zu schützen. Erst die stählernen Wände der Straßenbahn gaben mir den Schutz, den ich brauchte.
    Niemand war da, um mich zu halten. Erst die harten Sitze der Straßenbahn hielten mich, egal was ich tat.
    So finde ich meinen Frieden mit der Straßenbahn. Ich lasse mich von nichts aus der Ruhe bringen.

    Vielleicht bilde ich mir das alles auch nur ein. Vielleicht hätte ich es auch ohne die Straßenbahn geschafft. Aber sie half mir. Und ich gab es ihr zurück, finde ich.
    Nennt mich krank, aber in so mancher dunklen Stunde, wo sonst niemand mit der Straßenbahn fährt spreche ich sogar mit ihr. Natürlich weiß ich, dass sie nicht antworten wird, und das ein Gespräch mit einem Gegenstand für Außenstehende verrückt aussieht. Aber was soll ich machen? Mir erscheint es richtig.
    Ich unterhalte mich mit ihr, als wäre sie meine beste Freundin. Sie ist eine gute Zuhörerin. Sie war auch lange Zeit die einzige, die mir zuhörte. Um so schmerzhafter ist es für mich daher immer, wenn ein wieder jemand zusteigt. Denn dann kann ich mich nicht mehr mit ihr unterhalten. Es fällt mir dann schwer wieder zu begreifen, dass sie ja doch nur Objekt ist, und nicht ein wirklicher Mensch.
    Noch schlimmer ist es, wenn ich aussteige. Ich weine der Straßenbahn nach und sie mir. So sieht diese Szene immer in meinem Kopf aus. So manches mal weinte ich ihr tatsächlich eine Träne nach.

    Aber das ist alles Schwachsinn. Zumindest für Außenstehende. Sie verstehen es nicht. Niemand versteht es. Niemand, der dieses Gefühl erlebt hat. Und auch die können es nicht alle.

    Aber ich schweife ab. Die Straßenbahn, mein Leben. Es waren die dunkelsten Stunden in meinem Leben, bevor ich sie entdeckte. Ich wusste sofort, dass es mir gefallen würde. Die erste Fahrt mit ihr war ein Erlebnis sondergleichen. Viele Jahre hatte ich so ein Gefühl nicht mehr erlebt. Ich hatte vor ihr schon lange Zeit keine Freunde mehr. Wer wollte denn auch mit so jemanden wie mir rumhängen? Ich war ein Abschaum. Aber die Straßenbahn hat mich geändert. Sie hat mich wieder zu dem gemacht, was ich zuvor schon lange war.
    Nie werde ich sie mehr verlassen. Die wenigen Stunden ohne sie sind eine Qual für mich, ich träume von ihr im Schlaf. Ich könnte mir nicht vorstellen, irgendwann wieder ohne sie Leben zu müssen. Ich werde auch nicht ohne sie Leben müssen. Ihr Leben ist mein Leben.
    Wieso sollte ich auch ohne sie leben wollen? Es gibt mir ein Gefühl der Macht in ihr zu sitzen. Ich habe die Macht, etwas zu tun. Dieses Gefühl... ich kann es kaum beschreiben. Manchmal frage ich mich, ob ich wahnsinnig bin. Doch dann steige ich wieder in die Straßenbahn ein und diese Gedanken sind wie weggefegt. An die Stelle tritt wieder dieses Gefühl der Sicherheit, der Macht. Durch sie werde ich bedeutend. Wer würde denn auch jemanden wie mich beachten?
    Erst durch die Straßenbahn bekomme ich Aufmerksamkeit. Jeden Tag lerne ich hunderte von Menschen kennen. Viele sehe ich nur einmal, einige sehe ich beinahe täglich. Sie wurden ein Teil von meinem Leben.
    Mein Leben mit der Straßenbahn mag seltsam wirken, aber es wird verständlich, wenn ihr einmal nicht der Fahrgast seid, sondern der Fahrer. Erst das Fahrer sein, hat mich zu dem gemacht, was ich bin.
    Fantasy: Nur ein kleines Stück vom Himmel
    <Suuunki> Schöner RPG Titel

    Annihilation Bliss
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  • KGW - Anonymer Beitrag

    Regen

    Es regnet. Wieso regnet es? Es hat doch erst gestern geregnet. Und heute schon wieder? Das macht doch keinen Spaß. Ich hätte mir doch endlich mal neue Schuhe kaufen sollen. Dass die hier undicht sind, hatte ich ja gestern erst mal wieder festgestellt. Möge der Spießrutenlauf um die Pfützen beginnen! So alt bin ich ja schließlich auch noch nicht. Und ein bisschen Spaß bringt es in den morgendlichen Weg zur Arbeit allemal. Aber auch nur bis zum Erreichen der Straßenbahnhaltestelle.
    Eine derart hohe Packungsdichte hatte ich auch selten erlebt. Was die Menschen nicht alles tun, um ein paar Tropfen Wasser auszuweichen. Und was die Menschen nicht alles für bekloppte Wörter in ihren Aktivwortschatz aufnehmen… Packungsdichte… Hatte ich das Wort gerade tatsächlich gedacht? Aktivwortschatz? Ich sollte aufhören, über Dinge nachzudenken, die normale Leute als bekloppt erachten würden. Das hat doch was von Rekursion… Schluss, aus! Gottseidank kommt die Bahn jetzt. Und weil ich mich nicht unter das Wartehäuschen gedrängt habe, kann ich sogar als einer der ersten einsteigen.
    Ein Sitzplatz! Juhu! Nicht, dass ich unbedingt sitzen müsste. Aber ein Sitzplatz ist eine definierte Menge Platz. Das ist bei Regenwetter Gold wert. Die schwere, nasse Tasche einer älteren Dame in meinem Gesicht lässt mich das mit dem Regenwetter auch nicht vergessen. Eigentlich hätte ich ihr meinen Sitzplatz angeboten. Wenn ich denn den Platz gehabt hätte, der für einen Platzwechsel nötig ist. Aber war das wirklich okay? War ich nicht anders erzogen worden? Egal. Es geht hier immerhin um Platz zum Atmen. Man muss auch mal Prioritäten setzen.
    Die Bahn nähert sich der Haltestelle, wo für gewöhnlich viele aussteigen. Die ältere Türkin auf dem Sitzplatz neben mir, macht Anstalten, dass sie aussteigen möchte. Es heißt mit Migrationshintergrund. Political Correctness ist was Feines. Ach man, warum laber ich mich immer selbst voll? Aber sie will definitiv aussteigen. Sie wird schon ganz unruhig. Gerne würde ich ja aufstehen, um ihr zu signalisieren, dass ich sie gleich herauslassen werde. Doch ich kann ja nicht einmal in aufrechte Stehposition auf diesem Sitzplatz. Und der mittlere Gang ist auch nicht frei.
    Die Frau neben mir wird immer drängender. Die Straßenbahn fährt in die Haltestelle ein. Viele werden unruhig und wollen raus. Um die Situation zu entschärfen, erhebe ich mich. Es grenzt schon fast ein wenig an Akrobatik. Meine Sitznachbarin sollte das Zeichen verstanden haben. Doch auch die alte Frau mit der nassen Tasche in meinem Gesicht bemerkt meine Verrenkungen. Einen garstigen Blick und ein gezischtes „Können Sie nicht sitzen bleiben, bis alle ausgestiegen sind? Sie sehen doch, dass hier kein Platz ist, um aufzustehen“ später, entleert sich die Bahn. Angesichts derart netter Passagiere wäre vielleicht auch der Begriff „übergeben“ angemessen gewesen. Aber man will ja nicht urteilen. Es ist morgen, es regnet und die Bahn ist voll. Wo soll da die gute Laune schon herkommen? Aber immerhin letzteres war ja jetzt erst einmal erledigt. In zwei Stationen bin ich ja auch da. Dann nur noch kurz durch den Regen huschen und die Arbeit kann losgehen. Ich verstehe immer noch nicht warum so früh schon Leute da sind. Immerhin müssen die ebenso durch den Regen. Und erst die volle Straßenbahn…. Und es ist wirklich verdammt früh.
    Ist aber auch schön immer die gleichen Gesichter zu sehen. Die sind immerhin die einzigen, denen der Regen nichts ausmacht. Das wäre auch ziemlich lächerlich. So als Frühschwimmer. Und warum heule ich als Bademeister dann so rum? Ich kann eh gleich duschen gehen, warum also nicht den Regen genießen? Manchmal bin ich aber auch echt grantig. Auch wenn es jetzt noch eine Station ist, kann sich ja schon einmal wer anders hinsetzen. Bin ja schließlich kein alter Mann. Ist eigentlich alles nur Einstellungssache. Regentropfen in meinem Gesicht. Warum merk ich denn erst jetzt, was das für ein schönes Gefühl ist?
    Fragen, Anregungen oder Kritik? -> Konversation oder #ogame.de-rpg

    Lass uns ein Spiel spielen...


    <Seaten>Kata ist wie Cass, nur fauler und männlich
  • Tägliche Langeweile

    Wie jeden Morgen trottete Mike mit seiner Oma zur Haltestelle, wo schon ein paar Leute auf die nächste Straßenbahn warteten. Langweilig war's bislang jedes Mal und die Oma hörte auch nicht mehr so gut. Jedenfalls konnte sich der Zwölfjährige eine Menge Dinge vorstellen, mit denen er sich die Zeit viel besser vertreiben könnte.
    An der Haltestelle angekommen nahmen die Wartenden Abstand zu Mike und seiner Großmutter und als die Bahn hielt gingen sie in den hinteren Waggon, während Enkel und Oma vorne einstiegen. Wie üblich waren wenig Passagiere unterwegs, es war halt genau die Zeit zu der die Schüler schon in den Schulen waren und bevor die Geschäftsleute in die Stadt strömten. Die Beiden setzten sich noch bevor die Türen schlossen und sich das Gefährt rumpelnd in Bewegung setzte.
    Viel war wirklich nicht los hier im Waggon. Ein dicker Mann auf dem Platz neben ihnen, weiter vorne ein Opa, schräg daneben eine Frau mit einem kleinen Mädchen und auf dem Stehplatz für die Kinderwagen ein Junge, der wohl zu spät für die Schule war.
    Es versprach also wirklich langweilig zu werden.
    Mike schaute auf die draußen vorbeiziehende Welt, bevor die Frau im Waggon seine Aufmerksamkeit erregte. Sie schimpfte mit einem kleinen Mädchen.
    „Lass das!“ meinte sie mit dieser typischen Erzieherstimme und motzte dann: „Sitz endlich mal still!“ Das Mädchen wurde ruhig, griff in ihren Mickey Mouse Rucksack und zog eine wunderbar hochglanzpolierte Desert Eagle hervor. Mikes Augen glänzten vor Aufregung, als die Kleine die Waffe entsicherte und ihrer Mutter eine Kugel durch den Kopf fuhr, dass das Blut nur so über die Sitze spritzte. Aber damit noch nicht genug. Da musste sich doch vom Nachbarplatz so ein Opa einmischen.
    Sein dummer Spruch: „Du solltest auf deine Mama hören“ wurde mit drei weiteren Schüssen beantwortet.
    Es blieb nur kurz ruhig, lang genug, um die Hülsen auf den Boden fallen zu hören, als ein Junge aus seinem Rucksack eine Kalaschnikow ans Licht dieses wunderbaren Tages förderte, entschlossen den Spannhebel durchzog, entsicherte und eine Salve in das Mädchen ballerte. Die Kugeln des schweren Sturmgewehrs durchschlugen nicht nur das Mädchen, sondern auch noch ihre Mutter und ließen anschließend die Scheibe der Straßenbahn bersten.
    Mike konnte seine Augen nicht mehr von der Szene losreißen. Doch schien es nun wirklich vorbei zu sein. Der Schüler ließ seine rauchende Kalaschnikow sinken und blickte auf sie herab.
    Es ging erst wieder los, als die Bahn einen Schlenker machte und der Junge kurz um sein Gleichgewicht kämpfte. Dumm nur, dass er immer noch sein durchgeladenes und entsichertes Sturmgewehr in der Hand hatte. Nochmal brüllte die Waffe auf, übertönten das Rattern der Stahlräder auf dem Gleis, Kugeln verließen den Lauf mit einem Feuerstrahl, rasten durch den Waggon und zerschmetterten die restlichen, ihm gegenüberliegenden Scheiben. Der dicke Mann war wohl von den herumfliegenden Glassplittern verletzt worden, denn er holte ein Verbandspäckchen hervor und begann sich zu verarzten. Aber so schwer wie der atmete hörte sich das nicht gut an.
    Oh Mike war ja so aufgeregt! So sehr dass er einen fahren ließ.
    „Das war unanständig.“ hörte Mike seine Oma neben sich sagen. Er schaute sie an und bemerkte, dass sie eine 44er Magnum auf den Schüler angelegt hatte, den Hahn spannte und abdrückte. Der Einschlag fegte den Schüler einfach von den Beinen.
    „Ja Oma.“ antwortete Mike kleinlaut. Sie hatte ja Recht, man stand nicht mit entsicherter Waffe in der Bahn.
    Nachdem seine Oma den Revolver wieder in ihrer Handtasche verstaut hatte, wurde es ruhig im Waggon, bis die blechernde Frauenstimme der Straßenbahn verkündete: „Nächster Halt: Klinikum-Mitte.“
    Hier mussten sie raus und nach dieser aufregenden Fahrt wartete ein weiterer langweiliger Tag auf Mike.