Eine kleine Geschichte von fast allem

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  • Eine kleine Geschichte von fast allem

    Tach zusammen,
    die allermeisten hier werden mich wohl nicht kennen, außer die Leute aus Uni 6 und vielleicht noch 11 (damals unter anderem Namen). Die folgende Geschichte dreht sich nicht um Ogame, ich hoffe aber, dass sie trotzdem dem ein oder anderen gefällt. Ich schreibe im Moment an einem kleinen Buch und wollte hier mal dessen Anfang präsentieren. Bei positiver Rückmeldung stelle ich evtl. weitere Ausschnitte ins Forum =)

    viel Spaß beim Lesen


    Wie beginnt man ein Buch?
    Die meisten Bücher beginnen mit einem Satz, Subjekt, Prädikat, Objekt – fertig. Ganz unoriginell. Wobei... meistens gibt es davor noch eine Widmung oder einen schlauen Spruch. Für Hans-Peter steht dann da, oder Eile mit Weile. Wie auch immer, nach der Widmung oder dem – mehr oder weniger – schlauen Spruch beginnt das Buch mit einem Satz. Und nicht irgendeinem, oh nein! Der erste Satz soll direkt das ganze Buch zusammenfassen. Jeder, der im Deutsch-Unterricht nicht nur geschlafen hat, weiß das. Aber da dies nicht allzu viele Personen sein dürften, hier nochmal der Hinweis für alle Deutsch-Abstinenzler: Der erste Satz eines Buches sollte gleich das ganze Buch zusammenfassen. Bei Effi Briest gelingt ist das besonders schön anzuschauen. Da scheint die Sonne auf eine Hortensie und einen großen alten Baum und schon weiß der Leser, dass Effi von der preußischen Gesellschaft unterdrückt wird und am Ende stirbt. Toll! Naja, eigentlich braucht man das Buch dann nicht mehr zu lesen, man weiß ja schon alles. Und in der Tat braucht man es nicht mehr zu lesen, es ist nämlich sterbenslangweilig. Auch das weiß man schon nach dem ersten Satz.
    Warum wird Effi Briest trotzdem Jahr für Jahr von tausenden Deutschlehrern gelesen und von Millionen Schülern gekauft? Wegen der guten alten deutschen Leitkultur natürlich! Die ist schon ziemlich beeindruckend. Besteht hauptsächlich aus Männern mit lustigen, überdimensionierten Bärten und komischen Perücken auf dem Schädel. Wer sich noch erinnert, was er seinerzeit in der Schule für Bücher gelesen hat, der weiß, dass das Volk der Dichter und Denker seit Goethe und Schiller keine Literaten mehr hervorgebracht hat. Oder gibt es vielleicht einen anderen Grund, warum keine modernen Autoren gelesen werden? Hmm... mal überlegen... Hat jemand mal Wolfgang Koeppens Tauben im Gras gelesen? Irgendjemand? Vielleicht noch jemand außer Marcel-Reich Ranicki? Der hat hinten den Klappentext geschrieben (Wer dieses Buch nicht gelesen hat, kann nicht behaupten, die deutsche Nachkriegsliteratur zu kennen, heißt es da). Ich deute euer Schweigen mal als ein Nein. Das Buch gehört zur Nachkriegs- oder auch Trümmerliteratur. Der Name dieser Textgattung kommt natürlich daher, dass nach dem zweiten Weltkrieg überall Trümmer rumlagen. Die Menschen waren aus ihren Traditionen gerissen und völlig orientierungslos. Es gab keine Marschmusik und keine Nürnberger Parteitage mehr und alles war ganz schrecklich. Und da haben sich ein paar gewiefte Literaten gedacht „Hey! Warum schreiben wir nicht ein paar Bücher, die noch schrecklicher sind als die Realität?“ Gesagt, getan. Koeppen setze sich also hin, nahm einen Stift zur Hand und schrieb ein vollkommen zusammenhangloses, ereignisfreies Buch und schaffte es somit selbstverständlich in die deutschen Lehrpläne. Falls du, lieber Leser, mal vorhaben solltest ein wirklich erfolgreiches Buch zu schreiben, dann schreibe einfach so langweilig und anstrengend wie nur irgend möglich. Irgendein vergeistigter Literaturfanatiker wird dein Buch sicherlich zur Pflichtlektüre für die gesamte Schülerschaft machen. Das dauert zwar eine Weile, weil wirklich moderne Bücher nicht angesagt sind, aber nach ein paar hundert Jahren wird dein Buch der Renner. Wenn man sich wirklich anstrengt kann's auch mal nur fünfzig Jahre dauern, wie bei Koeppen. Aber dafür muss man schon verdammt mies schreiben.




    lg
    Possimpible
  • Moinmoin,

    nun also doch noch hier anzutreffen ;)
    Tja, nachdem der Krieg aus is drohte ja sonst die Arbeitslosigkeit^^

    Schöner Anfang, wie von dir gewohnt und ich würde mich freuen hier mehr zu lesen.
    Allerdings muss ich sagen, dass zumindest ich damals im Deutschunterricht auch vernünftige Bücher gelesen habe. Deine Beschreibung der Nachkriegsliteratur stimmt aber größtenteils schon...

    greez
  • Sooo, nach ein paar Rückmeldungen hab ich mich entschlossen, hier noch nen Auszug reinzustellen. Diesmal gehts hauptsächlich um Religion. Viel Spaß =)

    [...] Die ganze deutsche Geschichte auf vier Seiten. Das ist doch mal was. Schön handlich, kompakt und völlig unseriös. Guido Knopp wäre begeistert. Naja, vielleicht würde er die patriotische Pauken-und-Trompeten-Musik vermissen, aber ansonsten wäre er begeistert. Musik ist ja auch so eine Sache. Sie ist zwar schön anzuhören, nur in Büchern kann sie sich irgendwie nicht so richtig entfalten. Vielleicht fehlt einem Buch einfach der Klangkörper, vielleicht sind Autoren auch einfach keine guten Musiker. Autoren sind ohnehin relativ unbegabt. Alles, was sie können, ist Buchstaben aneinanderreihen, in etwa so: asfhiol gpjasngp sdfhop afhp. Und wenn man das lang genug macht, kommt irgendwann ein vergeistigter Literaturfanatiker daher und sagt „Oh, wie toll! Neoklassizistisch-postmodernes, äh... Zeug. Das muss ich den Schülern zeigen“. Und zack! Schon wird eine weitere Generation vergrault. Ich bin der festen Überzeugung, dass es eine große Verschwörung von Deutschlehrern und Feuilleton-Journalisten gibt. Die einen gewöhnen der Jugend das Lesen ab und die anderen können dann lange Artikel über die verblödete Jugend schreiben, die ja gar nicht mehr liest und früher war alles besser. Tja, wir leben in einer schlimmen Zeit. Keine Steinigungen und Hexenverbrennungen mehr, es gibt Menschenrechte und fließend Wasser, McDonald's und Burger King. Oh, wenn ich letztere bedenke leben wir wahrscheinlich wirklich in einer schlimmen Zeit. Da hilft wohl nur noch beten.
    Und somit ist die Überleitung zum nächsten Teil dieses Buches gelungen: Der Religion. Religion gab's schon immer, wahrscheinlich noch lange bevor es Menschen gab. Damals waren die Gläubigen jedoch nur ziemlich wenige, es gab genau genommen nur einen einzigen von ihnen, und das war Gott. Gott, das ist dieser bärtige, alte Typ, der im Himmel auf einer Wolke sitzt. Gott war schon immer alt und bärtig, wahrscheinlich noch lange bevor es Alter und Bärte überhaupt gab. Denn Gott ist allmächtig, was es ihm gestatte als erster alt und bärtig zu sein. Er ist noch mächtiger, als Chuck Norris und Bruce Lee zusammen. Oder zumindest gleich mächtig.
    Leider war Gott völlig allein, er fühlte sich einsam und gelangweilt. Er hatte viel Zeit, unendlich viel. Er brauchte nicht einmal zu schlafen. Manchmal spielte er Schach gegen sich selbst, aber weil er allmächtig war gewannen immer schwarz und weiß, bis Gott irgendwann sagte „So macht das keinen Spaß, ich hör auf, macht euren Quatsch doch allein.“ Das ging aber nicht. Kein Mensch hatte jemals Schachfiguren gesehen, die sich von selbst bewegten. Außerdem gab es ja noch gar keine Menschen. Und so schuf Gott zwei Menschen, einen Mann und eine Frau. Den Mann nannte er Adam, die Frau Eva. Gott sprach „geht und seht, ob es Schachfiguren gibt, die sich von selbst bewegen“. Also gingen Adam und Eva und sahen nach, ob es Schachfiguren gab, die sich von selbst bewegten. Sie irrten tagelang umher, ausgehungert erreichten sie schließlich einen Apfelbaum und aßen reichlich von seinen Früchten.
    Derweil streifte Gott durch seinen riesigen Garten. Er hatte noch nichts gegessen und wollte sich einen leckeren Apfelkuchen backen. Doch als er die Lichtung, auf dem Sein Apfelbaum stand erreichte, fand er ihn geplündert und ohne eine einzige Frucht. Außer sich vor Wut warf er Adam und Eva aus seinem Garten hinaus. Er verbannte sie auf die Erde und warnte sie nicht eher zurückzukehren, als bis sie Schachfiguren gefunden hätten, die sich von selbst bewegten.
    Adam und Eva beschlossen daraufhin zahlreiche Kinder zu bekommen, die ihnen bei der Suche nach den Schachfiguren helfen könnten. Leider wurden es letztlich nur zwei, Kain und Abel. Und als wäre das des Unglücks nicht genug, erschlug der Kain den Abel im Streit, so dass den Verbannten nur ein einziger Sohn blieb. Die Menschheit schien zum Aussterben verdammt zu sein, doch auf einmal wuchsen überall Menschen aus dem Boden und die Erde war voll von ihnen. Woher sie kamen weiß niemand, nicht einmal die Bibel. Über diese kleine Ungereimtheit, so unbedeutend sie auch erscheinen mag, zerbrachen sich schon bald viele Menschen die Köpfe. Und das war schade, denn mit zerbrochenem Kopf denkt es sich allenfalls schwierig, meistens überhaupt nicht. Im achtzehnten Jahrhundert fanden jedoch einige kluge Philosophen die Lösung des Problems. Sie behaupteten, dass es Gott gar nicht gäbe, alles sei nur erfunden worden. Gott hielt dem entgegen, dass es die Philosophen gar nicht gäbe, er habe sie sich nur ausgedacht. Seither steht die Menschheit vor einem großen Dilemma und keiner kann mehr sagen, wen es nun nicht gibt, Gott oder die Philosophen. Doch bis es dazu kam, war Religion eine feine Sache. Wer glaubte kam ins Paradies, wer nicht glaubte, in die Hölle. Es gab die Guten und die Bösen, wie im Kalten Krieg. Die Welt war klar geordnet, man brauchte nicht mal Angst vor Atomwaffen zu haben. Wohl aber vor Krieg und Verfolgung.
    Zunächst einmal waren die Christen dran. Ihr Anführer, Jesus von Nazareth behauptete der Sohn Gottes zu sein. Sowas machte natürlich mächtig Eindruck und er gewann eine große Anhängerschaft. Die Römer aber glaubten ihm nicht, denn Jesus war zwar bärtig, aber nicht alt. Sie kreuzigten ihn, warfen ihn in eine Höhle und schoben einen schweren Stein vor ihren Eingang. Jesus hatte inzwischen genug von dem ganzen Brimborium, rollte den Stein beiseite und setzte sich nach Woodstock ab, wo er ein großes Hippie-Festival veranstaltete. Seitdem wurde er nicht mehr gesehen, seine Anhängerschaft jedoch wuchs und wuchs. Im Jahr 64 nach Christus brach in Rom ein besonders großer Brand aus. Die Bevölkerung sagte „Kaiser Nero ist schuld“ und Kaiser Nero sagte „Ich weiß von nichts, das muss jemand anders gemacht haben. Der da zum Beispiel“ und er zeigte auf einen vorbeigehenden Passanten. Der Passant war zufällig Christ, also verfolgte man die römischen Christen. Das machte Spaß und wurde deshalb erstmal beibehalten bis Kaiser Konstantin im Jahr 312 schlecht träumte. Am Vorabend der Schlacht gegen seinen Thronrivalen Maxentius träumte Konstantin von einem Kreuz und Jesus Christus erschien ihm und sagte „unter diesem Zeichen wirst du siegen“. Konstantin fertigte also ein Kreuz an und besiegte Maxentius in der Schlacht bei Saxa Rubra. Seitdem war das Christentum groß im Kommen und wurde schließlich Staatsreligion.
    Eine schöne Geschichte. Doch wenn ihr mich fragt, hat Gott den Konstantin irgendwie betrogen. Wenn Gott gewollt hätte, dass Konstantin siegt, hätte er Maxentius ja auch einfach umbringen können. Oder ihn erst gar nicht erschaffen. Hier sind wir an einem großen Paradoxon der Religion angelangt: Warum sollte Gott einigen Menschen helfen und anderen nicht? Liebt er nicht alle Menschen? Und warum sollte er überhaupt schlechte Menschen erschaffen haben? Heißt es in der Bibel nicht „uns siehe, es war sehr gut“? Solche Fragen haben sich die Menschen natürlich auch früher schon gestellt. Sie gingen mit ihren Fragen zum örtlichen Pfarrer oder Bischof und der antwortete ihnen gütig „Das ist halt so, stellt keine dummen Fragen. Und jetzt hinaus mit euch oder ich hol die Jungs von der Inquisition.“


    lg
    Possimpible

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  • Sooo, damit der Threat hier nicht einschläft und ich das Schreiben nicht vernachlässige, werd ich hier alle paar Tage einen Ausschnitt reinstellen. Es geht nochmal um Bücher (und so nen Kram)

    [...] Den großen Klassikern muss man immerhin zugestehen, dass sie sich verdammt viel Mühe gegeben haben. Schiller zum Beispiel. Don Carlos hat er in einem durchgängigen Versmaß geschrieben. Der Hammer! Na schön, spannender wurde das Drama dadurch nicht gerade, aber viel Arbeit steckte sicherlich drin. Fünfzig Jahre später kam Georg Büchner daher, klatschte ein paar Kapitel seines Woyzeck dahin und starb dann einfach. Hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, sein Drama zu Ende zu schreiben, der Faulenzer.
    Ganz ähnlich sieht es mit der Kunst aus. Michelangelo arbeitete jahrelang an der Sixtinischen Kapelle, vor lauter Malerei wäre er dabei fast erblindet. Und heute malt jemand ein paar Kleckse und Striche auf eine Leinwand und ist direkt weltberühmt. „Oh, welch ein Klecks!“, ruft der Kunstprofessor dann im Museum aus, womit sein Sachverstand wieder einmal unter Beweis gestellt wäre. „Und finden Sie nicht auch, dass dieser Strich in seiner absoluten Ausdruckslosigkeit die Monotonie und Sinnlosigkeit des Alltagslebens in der Großstadt auf wunderbare Weise symbolisiert?“
    „Also für mich sind das nur ein Klecks und ein Strich“, antwortet ein gelangweilter Student. Der Professor schaut ihn daraufhin verstört an und lässt den Kunstbanausen in der nächsten Klausur durchfallen, nicht ahnend, dass der Klecks und der Strich eigentlich nur vom undichten Kugelschreiber des Hausmeisters herrührten und zum Zeitpunkt der Klausur längst wieder entfernt waren. Moderne Kunst ist schon eine verrückte Erfindung. Aber auch nützlich. Früher saß ein Künstler vielleicht zwei Jahre an einem guten Gemälde, heute braucht er dafür nur noch zwei Minuten und hat den Rest der zwei Jahre Zeit, mal etwas sinnvolles zu tun. Eine Katze vom Baum retten. Oder einer alten Dame über die Straße helfen. Es gibt ja so viele Dinge, die sinnvoller als moderne Kunst sind. Krötentunnel für Wildschweine graben, zum Beispiel. Oder Vogelnester für Pinguine bauen. Vielleicht sogar Bücher schreiben.
    Ein Buch ist eigentlich nichts anderes, als eine schier endlose Aneinanderreihung von Gedanken eines Menschen, den man für gewöhnlich gar nicht kennt. Würde man ihn kennen und würde er einem das ganze Buch einfach nur erzählen, dann würde man wahrscheinlich spätestens auf Seite zwei sagen „Halt's Maul! Ich will jetzt Dschungelcamp gucken.“ Aber zum Glück kennt man den Autor ja normalerweise nicht. Man kann sogar theoretisch dieses Buch hier lesen und zwischendurch Dschungelcamp gucken. Natürlich nur theoretisch, denn der durchschnittliche RTL-Zuschauer ist vermutlich Analphabet. Doch er könnte sich dieses Buch hier ja immerhin kaufen und angucken. Wir leben schließlich in einem freien Land.
    Warum beschäftigen wir uns überhaupt stundenlang mit den Gedanken eines uns völlig fremden Autors? Früher war diese Frage recht leicht zu beantworten. Im Mittelalter kannten die meisten Menschen maximal ein Buch - die Bibel. Die Bibel ist ja immerhin teilweise von Gott persönlich geschrieben worden. Und weil man glaubte, nach dem Tod eine ziemlich lange Zeit mit diesem Gott verbringen zu müssen, las man halt schonmal, was der so zu sagen hatte. Wenn man die Bibel dann durchgelesen hatte, fing man nochmal von vorn an, denn andere Bücher gab es kaum und Privatfernsehen war auch noch nicht erfunden.
    Inzwischen gibt es jedoch eine unglaubliche Anzahl von Büchern, es gibt sogar Bücher über andere Bücher und Bücher über Bücher über andere Bücher. Da verliert man leicht den Überblick.
    Generell lassen sich diese ganzen Bücher in drei Kategorien einteilen. Trivialliteratur und Leitkulturliteratur, auch Hochliteratur genannt. Und für alle, die sich fragen, wo die dritte Kategorie abgeblieben ist, gibt’s da noch die Mathe- und sonstigen Sachbücher. In der Trivialliteratur finden wir spannende Fantasy-Romane, Scince-Fiction, Krimis, historische Romane, usw. Natürlich ist auch einiger Humbug dabei, aber insgesamt bietet diese Literatur einen durchaus erfreulichen Anblick.
    Ebenso die Leitkulturliteratur, zumindest wenn man Folterknecht ist. Schon die heilige Inquisition schlug bei äußerst hartnäckigen Fällen von Ketzerei den Delinquenten mit Goethes Faust halb tot. Dafür stand sie schon am Abend vor der Veröffentlichung vor dem Buchladen an, um es noch rechtzeitig zurück ins 13. Jahrhundert zu schaffen.


    lg
    Possimpible

    The post was edited 1 time, last by Possimpible ().

  • Hier nochmal ein kleiner Ausschnitt, das Thema ist Politik.

    Im Grunde genommen ist Politik also immer noch eine ganz einfache Sache. Die Anderen sind immer schuld, während man selbst den Weg zum Heil kennt. „Da geht’s lang“ ist deshalb der Wahlspruch aller Politiker. Die Wähler finden das natürlich toll und freuen sich schon auf's Paradies. Das scheint man auch gar nicht verfehlen zu können, den schließlich kennt angeblich jeder Politiker den Weg dorthin. Man wählt also einfach den, der am nettesten guckt. Wenn die Wahl dann vorbei ist, der mit dem nettesten Photoshop-Grinsen gewonnen hat und man ihn fragt „Wann gehen wir los?“, hat der Wahlsieger meistens grade seine Landkarten verlegt oder beim Navi ist die Batterie leer. Na schön, denkt sich der Wähler, so lang kann das ja nicht dauern, die wieder aufzuladen. Und tatsächlich: Nach vier Jahren ist die Batterie wieder voll, der Politiker sagt „Jetzt kann's losgehen!“, wird wiedergewählt und das Spiel geht von vorne los.
    Ein Politiker immerhin hat das Paradies bereits gefunden. Als George W. Bush im Jahr 2003 das Lesen erlernte, warf er einen Blick in die Bibel und fand heraus, dass das Paradies im Land der Flüsse Euphrat und Tigris liegt. Er rief seinen Beraterstab und alle Geheimdienstchefs zusammen und leitete die größte Fahndungsaktion der Geschichte ein. Nach zwei Monaten unermüdlichen Suchens fand ein Schimpanse schließlich das Gelobte Land auf dem Globus. Aufgeregt rief er „ich hab's gefunden!“, woraufhin George Bush noch aufgeregter „Uggah! Uggah!“ schrie und seine Armee in den Irak schickte. Als guter Patriot wollte er natürlich, dass die Soldaten zuerst ins Paradies kamen. Im vermeintlichen Paradies lebten aber schon eine menge Leute, die dort auch nicht weggehen wollten und sie schickten die amerikanischen Soldaten weiter ins echte Paradies, oder zumindest in den Tod. Damit hatte Bush irgendwie nicht gerechnet. Mit einem letzten, verzweifelten „Uggah!“ begeisterte er noch einmal seine Wählerschaft und zog sich dann ins Privatleben zurück und schrieb ein Buch, dass für die Fachwelt wirklich umwerfende Erkenntnisse hervorbrachte. Biologen aller Länder staunten und Frohlockten über die Leistungen dieses Halbaffen, der WWF ersetzte gar sein Panda-Logo durch einen George Bush Aufkleber.
    Naja, in Deutschland läuft Politik insgesamt eher langweilig ab. Hierzulande ist es schon ein Skandal, wenn jemand sein Gegenüber mal als Wildsau oder Gurkentruppe bezeichnet. Entsetzlich! Die deutsche Politik wird von fünf Parteien dominiert, und dann gibt’s da noch die Neonazis. Neonazis sind die Leute, die George Bush nicht mögen, weil er ihnen zu intellektuell ist. Früher gehörten sie zu den Gorillas, doch weil diese irgendwann genug von den Neonazis hatten, stießen sie sie aus und rasierten ihnen das Fell ab. Seither kreuchen und fleuchen glatzköpfige Gestalten durch die Politik.
    lg
    Possimpible